Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4.. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 25 es zu wecken. Hier wäre eine Aufgabe für den * Staatsbürgerverein statt seines törichten Kampfes j gegen den Zionismus, und hier ist auch eine J Stelle, wo das kollektive Eingreifen sowohl für Akademiker wie für Kaufleute durch eine zentralisierte Stellenvermittlung am Platze ist. Das sind keine großen Zukunftsarbeiten, aber Notwendigkeiten des Tages, wo jeder in seinem' Kreise nach Kräften wirken kann, so wie es die katholische Minorität in Deutschland seit Jahrzehnten schon mit großem Erfolge tut. . Diese Ausführungen eines Reichsdeutschen treffen audi auf österreichische Verhältnisse zu. Zahllos sind die großen jüdischen Firmen, allen voran Rothschild und Guttmann, welche in vielen ihrer Betriebe keine Juden anstellen. Und der Kampf gegen diesen Unfug ist bei uns vielleicht noch notwendiger als in Deutschland. Der XI. ZionistenKiongreft in Wien. Der Kongreß findet vom 2.—9- September 1913 (30. Ab—7. Elul 5673) in Wien statt. Die Adresse des Kongreßbüros lautet: Büro des XI. Zionistenkongresses, Wien, II., Karmeliterplatz 1. Der Einlaß zu jeder Sitzung und jeder Veranstaltung ist nur gegen Karten gestattet, die für jede einzelne Veranstaltung besonders ausgegeben ' werden. Die Einlaßkarten für die Verhandlungen kosten für jede Sitzung K 1.—. Es finden 11 Sitzungen des Kongresses statt. Da schon jetzt eine große Zahl von BesteHrngm auf Einlaßkarten vorliegt und eine äußerst starke Beteiligung zu erwarten ist, empfiehlt es sich, die Karten im Vorverkauf zu bestellen. Die Gebühren für Karten im Vorverkauf betragen: Für die Eröffnungssitzung (sämtliche Plätze) K 3.—; für jede weitere . Sitzung Sitz K 1.50, Logensitz K 3.—; für sämtliche Verhandlungen K 18.—, bezw. K 33.—. . Bestellungen für Einlaßkarten zu den Verhandlungen s’nd unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages an das Kongreßbüro zu richten. Bestellungen, welche ohne Einsendung der entsprechenden Geldbeträge erfolget, müssen unberücksichtigt bleiben und können nicht beantwortet werden. : Logis. Die Zimmerpreise der Wiener Hotels und Pensionen unterscheiden sich nach dem Bezirke, nach Comfort und Stockwerkslage. Sie betragen im einzelnen (ohne Frühstück und Mahlzeiten): . zerstreute; an Salomo und den Liedersang im Tempel; an den Propheten Elisa u. a. m. Lieber die Tonleiter, auf der sich die älteste jüdisdie Musik aufbaut, lassen sich verschiedene Meinungen vernehmen. Naumann nimmt an, daß die jüdische Musik sich von der vierstufigen Tonleiter, die der alt-ägyptischen Musik eigen ist, bis zur fünf- und endlicli gar bis zur siebenstufigen entwickelt hat, die der modernen Musik zu Grunde liegt-, letzteres beweist die siebensaitige Lyra, die bei den Juden in Gebrauch war.. In den Melodien, die sich auf der vier- und fünfstufigen Tonleiter aufbauen, werden Laute, welche Halbtöne geben, ausgelassen. Solche Melodien finden sich noch zurzeit bei den Wilden vor, bei Indianern, auch in schottischen, irischen und alt-russischen Liedern, sowie bei den Chinesen. Bei den letzteren basiert auch die moderne Musik auf der fünf- bis sechsstufigen Tonleiter. Die europäische Musik ist ihnen völlig unzulänglich und erscheint für das Ohr des Chinesen überaus unschön und mißlautend. Die fünfstufige Tonleiter hat sich auch bei dgn Juden in vielen Melodien erhalten. Deutlich ist sie in den Rezitativmelodien zu unterscheiden, in denen die „Gemoro“, -„Tehilim“ (Psalmen), ,-,Kidusch“ und „Hawdolo“, „Haftoro“ gelesen werden. Dies beweist überzeugend das hohe Alter der jüdischen Musik überhaupt, sowie dieser Melodien im besonderen. Leider wurden diese Melodien von den Gelehrten und Musikern von Fach nicht gebührend beachtet. Und doch könnten sie den Schlüssel zur Lösung vieler bislang ungelöster Fragen in der Geschichte der Musik liefern. Zweifellos war den alten Juden auch die Begleitung bekannt, mindestens die rhythmische (Pauken und Cimbeln), sowie arpeggierte Akkorde. Audi dazu liefert das Vorhandensein der sicbensaitigen Lyra bei den Juden den Beweis. a) b) 0 d) e) 0 Inklusive Licht und Service in Hotels mit Peneinbettig K zweibettig sionen I. Ranges . . in feinbürgerlichen Hotels und Fremvon ca. 7.— 12.— aufw. denpensionen .... in guten bürgerlichen Hotels und 9» ii 5. 7.- „ Fremdenpensionen . in Geschäftshotels und einfachen Pen- 99 99 3. 7-- „ sionen. in einfachen Gast- J1 „ 2.60 4.60 „ höfen .. in Logierhäusern 9» « 1-M 3.50 „ (Schlafsäle). 11 ,,!•- pro Bett. Da die Logisbeschaffung aus den früher erwähnten Gründen erhebliche Schwierigkeiten bereiten dürfte, wird rechtzeitige Anmeldung hiefür beim Kongreßbüro dringend empfohlen. Ein Formular für Wohnungsbestellungen ist unten abgedruckt. Gruppen von Kongreßbesuchern, die gemeinsames Quartier wünschen, werden ebenfalls um entsprechende Mitteilungen ersucht. ERMÄSZIGUNGEN: Bisher sind folgende Ermäßigungen für die Kongrebescßuher erwirkt' worden. 1. Die k. k. österr. Staatsbahn gewährt auf allen Strecken mit Ausnahme der im Staatsbetriebe stehenden Lokalbahnen auf EnPe-nungen über 50 Kilometer eine FahrbegünsMgung dahin, daß bei Benützung der ersten und zweiten Wagenklasse der Personenzüge der halbe tarifmäßige Schnellzugsfahrpreis, und bei Benützung der 1., 2. und 3. Wagenklasse der Schnellzüge der tarifmäßige Personenzug-Fahrpreis der zu benützenden Wagenklasse zu entrichten ist. Die Ermäßigung findet nur Anwendung bei Abfertigung im Lokalverkehre der k. k. österr. Staatsbahnen und gilt für die Fahrt nach Wien innerhalb der Zeit vom 27. August bis 5. September. Für die Rückfahrt von Wien innerhalb der Zeit vom 6. bis 14. September. 2. Die k. k. priv. Donau-Dampfschiffahts- Gesellschaft gewährt auf ihren Passagierlinien die Benützung des ersten und zweiten Schiffsplatzes gegen Bezahlung der Gebühren des nächstliegenden Schiffsplatzes. Wegen weiteren Ermäßigungen schweben Verhandlungen. Die Ermäßigungen werden gegen Legitimationskärten gewährV über deren Ausfertigung demnächst nähere Mitteilung erfolgt Wegen der Veranstaltungen außerhalb des Kongresses erfolgt. ebenfalls noch nähere Mitteilung. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß Pressekarten nur in ganz beschränkter Anzahl ausgegeben werden. Das Büro des XI. Zionistenkongresses. Formular für Wohnungsbestellungen. Herr- _... kommt zum XI. Zionisten-Kongreß und bestellt hiermit für die Zeit vom ■ ■/. bis., .Zimmer mit ..Betten zum Preise von K . bis K .. „DIE WELT** erscheint während des XI. Zionistenkongresses in Wien (vom 2. bis 9. September 19)3) ALS TAGESZEITUNG in sechs Nummern. Sie wird den einzig offiziellen Kongreßbericht bringen und ihre Leser über die Verhandlungen genau und schnellstens informieren. Bezugspreise: Deutschland . . . Mk. 2.40 England .... sh. 2,10 Oesterreich-Ungarn K 2.80 Holland .... Hfl. 1.70 Rußland.Rbl. 1.30 Vereinigte Staaten Doll. 0.70 alle übrigen Länder Frs. 3.60. Bestellungen gegen Voreinsendung des Betrages (auch in Briefmarken) sind zu richten an den VERLAG „DIE WELT», BERLIN W 15 SÄCHSISCHE STRASSfe 8. Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] empfiehlt sich 2ur Einrichtung von Vereins- und Schulbibliotheken, sowie Lieferung von Büchern jeder Art Antiquariat. Provinzversand. Versammlung des Vereines JMfies Studentenheim.“ Dienstag, den 17. d., hielt der Verein „Jüdisches Studentenheim“ im Beethovensaale seine diesjährige Generalversammlung und im Anschluß daran eine allgemein zugängliche Versammlung wegen der Vorgänge an der Wiener Universität ab. Aus dem' der Generalversammlung vorgelegten Berichte entnimmt man, daß das 'derzeitige Vermögen des Vereines ungefähr 40.000 K und 9.200 K Baufond beträgt. Der Verein ist Eigentümer einer Realität, welche mit dem Ankaufspreise im1 Betrage von 233.090 K in der Bilanz angeführt ist. Der tatsächliche Wert m'uß aber viel höher angeschlagen werden, da mittlerweile ein erheblicher Wertzuwachs der Realität eingetreten ist. Im; Berichte wi-d darauf verwiesen, daß der Verein mit Rücksicht auf seine geringen Mittel und auf die schwierige Lage auf dem Geldmärkte nicht daran schreiten konnte, mit dem' Bau des Studentenheimes, wozu 700.000 K nötig sind, zu beginnen. Schließlich wird 'dem' Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Mitglieder des Vereines die Vereinsleitung in der Beschaffung der fehlenden Mittel unterstützen. Der Bericht, welcher vom Obmanne, Herrn Lucian Brunner, erstattet wurde, fand lebhafte Billigung. Im Anschluß an den Bericht fanden die Neuwahlen des ,Kuratorium1? statt, weiche über Antrag des Herrn J. H. Waltuch per Akklamation vorgenommen wurden. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: A) Kuratorium': Lucian Brunner, Bankier, Dr. Beer, Obmann des I. Wr. jüd. Turnvereines, Professor Dr. Markus Hajek, Universitätsdozent, Drj Edmund Kohn, Arzt, Kais. Rat Leopold Langer, Bankier, Dr. Alfred Lanzer, Hof- und Gerichtsadvokat, Kais. Rat Arnold Mandl, Großindustrieller, Dr. Isidor Margulies, Hof- und Gerichtsadvokat, Maximilian Paul-Schiff, Großindustrieller, Dr. Maximilian Piekarski, Hof- und Gerichtsadvokat. B) Vertreter der Studentenschaft: Ardi. Ernst Freud, M. U. C. Otto Gersuny, Techn. Alexander Kremenetzky, „Makkabäa“, M. U. C. Otto Lichtwitz, M. U. C. Felix Mandel, „Kadimah“, Phil. Richard Ornstein „Zephirah“, Arch. Hans Sobelsohn, „Lese- und Redehalle“, M. U. C. Fritz Tycho, M. U. C. Jean Vecsler, „Mensa academica iudaica“, Phil. Weiner, „Mährisch-schlesische Ferialverbindungen“. Schiedsgericht: Adolf Böhm', Fabrikant, Professor Dr. S. Ehr m’ a n n, Professor Dr> Leopold Königstein, Dr. Fritz Löhner, Schriftsteller, Dr. Karl Pollak, Zahnarzt, Dr. J. Schalit, Zahnarzt, Dr. Ludwig Stricker, Arzt. Revisoren: Börserat Adolf Brecher, Dr. Jakob Ehrlich, Oberingenieur Robert Stricker. In der öffentlichen Versammlung referierte zunächst Herr Lucian Brunner über die letzten Vorgänge an der Universität und die Haltung der Studentenschaft. Der Referent bezeichnete den impulsiven Kampf der Studentenschaft als die einzig praktische und vernünftige Methode zur Erringung der tatsächlichen Gleichberechtigung und Achtung in der Oeftentlichkeit. ln sarkastischer, von humorvollen Wendungen durchzogener Rede beleuchtete Herr Brunner die unmännliche Haltung der jüdischen Assimilanten, welche durch das mannhafte Auftreten der jüdischen Studentenschaft eine Stärkung des Antisemitismus befürchten. In eindringlichen Worten verlangte er die Förderung seines Lieblingsplanes, der Errichtung des jüdischen Studentenheimes. Wohl kann die Vereinsleitung den Spendern und Förderern keine Orden in Aussicht stellen, iwie es die Veranstalter des Eucharistischen Kongresses getan haben. Aber das Bewußtsein, ein gutes und großes Werk gefördert zu haben, sollte genügender Lohn sein. Die Rede des Herrn Brunner, welche oft durch lebhafte Zustim'mungskundgebungen unterbrochen wurde, löste bei den Versammelten rauschenden Beifall aus. Nam'ens der Studentenschaft sprach' Herr Waldinann. Er verwies auf die parallelen Bestrebungen der anderen Völker im Kampfe um' die Durchsetzung ihres Volkstums und Stärkung ihrer studierenden Jugend und bezeichnete eine starke Organisation der jüdischen Studentenschaft als die wirksamste Waffe gegen Unterdrückung und Anfeindung. Der sinnfälligste Ausdruck einer starken Organisation wäre aber ein Heim' der. jüdischen Studentenschaft, dessen Errichtung Ehrenpflicht der jüdischen Bevölkerung gegenüber ihrer Jugend sei. Um' die Mittel für das Studentenheim zu erlangen, müssen dieselben unablässig gefordert werden. Zu dem Zwecke sei eine systematische Werbearbeit dringend geboten. Am Schlüsse beantragte er folgende Resolution, welche einhellig angenommen wurde. „Die heutige Versammlung begrüßt die Bestrebungen des Vereines „Jüdisches Studentenheim“ mit warmer Sympathie und erblickt in der Schaffung des jüdischen Studentenheimes ein ausgezeichnetes Mittel zur Förderung des Ansehens und der Interessen der jüdischen Stu- OOO