Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 dentenschaft. Die Gründung eines jüdischen Studentenheimes wird ein stiller, aber höchst wirksamer Protest gegen alle Anfeindungen seitens der deutschnationalen Studentenschaft sein.“ Nachdem noch Dr. Alfred Löwy, Obmann des Verbandes ehemaliger zionistischer Hochschüler, namens seines Verbandes die werktätigste Unterstützung des angestrebten Werkes versprochen hatte, schloß Herr Lucian Brunner die ausgezeichnet verlaufene Versammlung. * Auffallend war die fehlende Beteiligung der Großjuden und der jüdischen Universitätsprofessoren. Die meisten Mitglieder dieser Kreise scheinen nichts gelernt und nichts vergessen zu haben. Die letzten Vorgänge an der Universität, die jeden ehrenhaften Juden zur Mitarbeit hätten anspornen sollen, haben diese Kreise ganz kalt gelassen. Noch immer verharren sie in ihrem1 fndifferentismus. Diese Haltung in schwerer Zeit stempelt diese Kreise zu ■ Gegnern ihrer kämpfenden Brüder. Denn wer, ■ wie der jüdische Hochschulausschuß in seinem tZirkularbrief an die jüdischen Hochschullehrer ■ richtig hervorhob, sich beiseite stellt und nicht für uns ist,, ist gegen uns. Die Huslänöepfpage an öep deutiifien Prager Uniuersitai. Nach einem vor etwa acht Wochen unternommenen Versuche ist es nunmehr zur Gründung des „Akademischen Vereines deutscher Mediziner“ gekommen. Das' leuchtende Beispiel ihrer Reichsdeutschen Kollegen hat die Prager Mediziner antisemitischer Couleur — die „Liberalen“ taten auch mit — nicht ruhen lassen und so wurde denn am 11. Juni d. J. im Deutschen "-Vereinshaus der Grundstein zum Medizinerverein gelegt. In seiner Programmrede führte cand. med. Prasse u. a. aus, die deutsche Universität in Prag müsse sich glücklich fühlen, wenn möglichst viele Ausländer ihre Studien an ihr absolvieren, denn diese Leute lernen hier die deutsche Kultur kennen und schätzen. Aber die Prager Universität dürfte nicht ^in Rufugium werden für Leute, die an anderen '.Universitäten nicht zugelassen und aufgenommen werden. In der Diskussion sagte der Vertreter der jüdisch-nationalen 'Medizinerschaft, cand. med. Gustav Aschermann,: nachdem er auf die Engherzigkeit und Inkonsequenz der Gründer des neuen Mediziner-Vereines hingewiesen hatte, die von den Mitgliedern ein. ,,Zur-Schau-Tragen deutscher Gesinnung“ fordern und damit die national-jüdischen. Studentehjjyon vornherein ausschließen: „Wenn Herr Prasse meint, unsere Universität darf nicht eine Zufluchtsstätte sein, so erkläre ich hier, unsere Universität soll eine Zufluchtsstätte kein. Aber nach Ihrer Aleinung dürfen solche Leute nicht aüfgenommen werden, die anderswo nicht Unterkommen. Ich frage wer kommt anderswo, nicht unter? Jedes Volk, auch das kleinste, hat seine Universität und bietet seiner Jugend die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Ausbildung. Nur der Jude, und hier besonders der gehetzte undu geknechtete russische Jude, soll von der Quelle der Wissenschaft zurückgedrängt werden, obwohl gerade er so sehr nach ihr lechzt. Das ist nicht fortschrittlich, das ist nichtdeutsch! Meine Herren! Sie wollen uns nicht, wir drängen uns Ihnen nicht “auf!“ Nach dieser Erklärung verließen die i&djschnationalen Mediziner die Versammlung, der^auch zahlreiche Universitätsprofessoren heigeveidyit hatten. ~v Konferenz jüMep Rpeöifopganisas Honen. V Die Direktion der Lemberger „6redit-Union“ ersucht uns um Aufnahme folgender Zuschrift: Wie bekannt, finden anläßlich des zionistischen Kongresses in Wien eine Anzahl Sodzial-Konferenzen statt, bei denen außer palästinensischen und rein zionistischen Beratungs-Gegenständen auch sonstige wichtige Annelegenheiten .der Juden diskutiert und womöglich Mittel und Wege zur Besserung der Läge unseres Volkes gefunden werden sollen, - Da ist denn auch der Gedanke aufgetäucht, ob es nicht angezeigt wäre,-' bei diesem Anlässe auch eine Konferenz jüdischer Kreditorganisationen einzuberufen, zu derselben auch die Vertreter der österreichischen Bankweit einzuladen und eine Basis zu schaffen, auf der sich unsere indischen- Kreditorganfehfkmen gedeihlicher entwickeln könnten. Vor allein wäre auf dieser Konferenz eine Uebersicht zu geben, welche Entwicklung unsere Kzed'tprganisaVion^n bisher genommen und welche Wirkung die letzte internationale Krise, auf. dieselben hatte Fs wird sich dabei herausstellen, daß wir auf dem Gebiete des jüdischen Kreditwesens Ansehnliches geleistet haben, und daß auch, die letzte Krise die jüdischen Kreditörvanfsationen verhiil'nismäßig. nur in geringem Maße .in Mitleidenschaft gezogenhat. -Vor dllemv wären. diefurchtbar übertriebenen Ansichten der Wiener Bankwelt in dieser Hinsicht auf das richtige Maß zurückzuführen und das erschütterte Vertrauen derselben wieder zu gewinnen. Es dürfte aber auch gelingen, hervorragende Finanziers, Kapitalisten und Bankiers für das Projekt einer Zentral-Genossenschafts-Kassa jüdischer Kreditinstitute zu gewinnen und die Gründung derselben durchzuführen. Da die Anregung zur Einberufung dieser Konferenz von hervorragenden Wiener Persönlichkeiten gegeben wurde, so daß ein namhafter Erfolg zu erwarten ist, so wäre nunmehr das Arrangement der Konferenz in die Wege zu leiten. Zu diesem Zwecke ergeht hiedurch die Aufforderung an unsere Gesinnungsgenossen, welche sich in der Leitung von Kreditinstituten befinden, an die Kredit-Union Lemberg sofort Mitteilung zu machen, ob sie berei: sind, sich an einer solchen Konferenz zu beteiligen. Seltsame Bluten öep Epauenreditlerel In keiner Bewegung und in keiner Partei ist die Gleichberechtigung der Frauen so anerkannt und prinzipiell durchgeführt als gerade in der zionistischen. Das zionistische Organisationsstatut macht in keinem seiner Punkte eine Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Parteiangehörigen. Alle Stellen stehen weiblichen Bewerbern offen. Und wenn wir an leitenden Stellen nur sehr, sehr wenig weibliche Parteiangehörige finden, so liegt die Schuld gewiß nicht an frauenfeindlichen Tendenzen der Bewegung. Die Ursache hiefür bildet lediglich der sehr zu bedauernde Umstand, daß für jüdische Interessen in weiblichen Kreisen bis heute nur ein verhältnismäßig schwaches Interesse erwacht ist. Man müßte meinen, daß unter solchen Umständen die führenden Frauenrechtlerinnen der zionistischen Partei, wenn auch nicht anerkennend, so doch zumindest objektiv gegenüberstehen sollten. Das wäre logisch. Aber mi‘ Logik scheints auch da drüben zu happern; auf das Recht, logisch zu denken und zu handeln, scheinen die streitbaren Führerinnen der Frauenrechtsbewegung verzichtet zu haben, obzwar es doch ein sehr wichtiges Recht ist. Auf diese unheilvolle Verzichtleistung ist auch die sonderbare Erscheinung zurückzuführen, daß urplötzlich Frauenrechtsbewegung und Zionismus in Gegensatz gestellt werden, und zwar von frauenrechtleriseher Seite. Man fragt: la, um Himmelswillen, was haben denn diese Dinge miteinander zu tun? Gar nichts! Aber trotz alledem, der Zionismus wird verbrannt, weil die streitbaren Damen es so wollen. — In.. jeichsd.eLitsdh.en.,.Blättern , .veröffentlicht .eine Führerin der Frauenbewegung, Frau Fürth, scharfe Artikel gegen den Zionismus. Sic erklärt, daß die luden deutschnational sein müssen, daß Zionismus und jüdischer Nationalismus gleichbedeutend sind mit Reaktion und Vaterlandsverrat. Warum? Wieso? Darüber läßt sie sich nicht aus, sie konstatiert nur. Sie begnügt sich auch nicht damit, ihre Aeußerungen als Privatmeinung zu bezeichnen, sondern schreibt als offizielle Führerin. Und die antizionistischen jüdischen Blätter renroduzieren triumphierend ihre Auslassungen und berichten voll Jubel, daß die modernste aller modernen Bewegungen, die Frauenbewegung, den reaktionären Zionismus perhorresziere. Die Zionisten brauchen darob nicht böse zu sein. Der Zionismus hat ernstvolleren und gehaltvolleren Angriffen standgeha'ten, die Laune einer schreibenden Frau wird ihn gewiß nicht erschüttern. Aber es ist bedauernswert, daß gerade jüdische Führerinnen die Frauenbewegung lächerlich machen. Sie haben sich erst vor kurzem greu'ich blamiert, indem sie im Namen des Frauenrechtes ausgerechnet gegen das rituelle Schächten Protest erhoben haben. Nunmehr kommt dieser nlumpe Angriff gegen den Zionismus. letzt heißt es abwarten. welch kindischen Streich die nächste Zeit bringen wird. Aus dem j&dlfdien Reben. Die dritte Reise des Dr. Faitlovich zu den Falaschas. Florenz. Im Aufträge des Pro Falascha- Komitees reiste Herr Dr Faitlovich Anfang dieses Jahres zum dritten Male nach Abessinien ab, um die vorbereitenden Schritte zur Gründung einer jüdischen Schu'e ftr die Falaschas zu unternehmert und diesen versprengten jüdischen Volkssfamm in dem Kamnfe um die Erhaltung seines Judentums zu ermutigen. Es ist ferner die Aufgabe von Dr. Faitlovich, unter den Falaschas eine Anzahl begabter junger Leute auszuwählen, die in Europa zu Lehrern ihrer Landsleute ausgebi'det werden sollen. Dr. Faitlovich reist in BegPPung des jungen Falascha Jeremia Getie, der auf Kosten des Pro Falascha-KomPees in Florenz und Jerusalem zum jüdischen Lehrer ausgebildet wurde. Bei seiner Ankunft in Asmara fand Dr. Faitlovich ein Schreiben der Falaschas vor. worin sie ihn beschwören, so rasch wie möglich wieder in ihren Gemeinden zu erscheinen und nicht länger zu dulden, daß •sie zum? Spielball der christlichen Missionäre werden. Von dort begab sich Dr. Faitlovich im März d. J. ins Innere Abessiniens und besuchte zunächst einige Falascha-Gemeindcn in der Provinz Tiggre, von wo er durch die Wüste nach Amhara reiste, wo sich die meisten Falascha-Gemeinden befinden. Czernowitz, 19. Juni. (Telegramm.) Nach Schluß des Blattes erhalten wir die Nachricht, daß aus den am 18. d. stattgefundenen Kultuswahlen die Liste der von Dr. Straucher geführten Nationalpartei als Siegerin mit großer Mehrheit hervorging. Prof. Kellner und die von ihm empfohlenen Kandidaten unterlagen. Judifdiep Sport. Sonntag spielte ein Team der zweiklassigen Wiener Fußballklubs ein Match in Wiener Neustadt gegen den dortigen Klub und siegte mit 14:0. Im Team spielten 4 Hakoahncr (Koliseh, Horwitz, Glasl und Halpern); Koüsch schoß 5, Horwitz 2 und Glas! 2 Goals. Halpern inr Tore hatte nur selten einzugreifeii, zeigte aber Glanzleistungen. * Der Vorstand der zweitklassigen Fußballklubs im1 Niederösterreichischen Fußhallverhande hat in seiner Sitzung vom 17. d. M. beschlossen, die beiden führenden Klubs der B- Klasse (Admira und Hak nah) in die A-KIasse auf rücken zu lassen. Beide K'ubs haben in der Meisterschaft dieselbe Punktanzah' erzielt (Goaldifferenz ist nicht maßgebend) und müssen am 20. d. M. auf einem neutralen Platze ein Wettspiel austragen, das dem :i '^er den Meisterschaftstitcl bringen soll. K. PersonalnaAritfiien. Unser Gesinnungsgenosse, Herr Dr. Fritz Eckstein, Mitglied des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreidi, zeigt seine am Sonntag, den 20. Juni 1013 stattfindende Vermählung mit Frl. Fritzi Singer an. ParteisNadiriditen. 4. Schekelausweis 5673 (Innerösterreich'). Rab. Dr. Sagher, Innsbruck K 12.—: ...Herzl- Klub“ 20.—: Chaim Rosmarin 12.—; Zion. Hand. Akadem. ludäa 6.—; Ignatz Renhan. KremslO.—; Dr. G. Weiner 12.—: Hat’chiah 12.--; Neure lehuda IS.—; Dr. Zweig 6.-; „Zion“, Stockerau 24.—; Karl Fischer, Graz 06.—; Josef Thorn 8.40; Aleaxnder Geiler 10.80; zus. 247.20; bisher ausgewiesen 576.40; in Summa K 823.60. * Der „Zionistische Verband ehemaliger Hoehschüler“ hat eine Evidenzhaltung freier akademischer Posten in Wien und in der Provinz eingerichtet. Die Verbandsleitung ersucht alle Gg., ihr Bewerber bekannt zu geben als auch von freigewordenen Posten von Fall zu Fall Mitteilung zu machen. Desgleichen ersucht der Verband die Gg. Aerzte, die sich in den Sommermonaten in der Praxis vertreten lassen oder seihst vertreten wollen, sich unter Angabe von genauen Daten an die Verbandsleitung zu wenden. Gesucht wird ein Arzt zur Vertretung nach einer Provinzstadt Niederösterreichs. In einer Provinzstadt Oherösterreichs bietet sich Gelegenheit zur Neuetablierung eines jungen Advokaten. Konzipient gesucht für Provinzstadt Nordböhmens. Zionistische Betätigung Bedingung. Anfragen und 7uschn:ten sind zu richten an den Obmann des Verbandes, Dr. Alfred Löwy, IX., Alserstraße 32. Tel. 12051. Die Niederlage der Karmalweine befindet sich bei S. Steinhort. Weinhandlmof, II., Rotensterngasse 22. Telefon 1734S. Zionistischer Verband ehemaliger HochschöLr. Mittwoch, den 25. Juni, 11-0 Uhr abends, findet im Cafe Pucher, I., Kohlmarkt, eine Versamm’ung statt, in der Herr Kurt B 1 u m e n f e 1 d aus Berlin, Generalsekretär der zionistischen Organisation über „K o n g r p ß f r;> g e n“ sprechen wird. Die Mitglieder, auch deren Damen, werden ersucht, bestimmt zu erscheinen. Gäste willkommen! Am 18. luni fand eine Versnmm’ung statt, in der Go. Dr. Zweig ein äußerst interessantes Referat über Landerwerh in Pa’ästina erstattete. Es wurde die Gründling einer Pf|anznn"scesell'cHaft beschlossen. Der Verband p'ant f-ir das Frühiahr 1015 eine Palästinaexkursion, für weiche die Vorbereitungen schon jetzt in Angriff genommen werden.