Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 25 tions-Komitees der zionistischen Organisation in Berlin, wurde am 16. Juni als Vertreter der zionistischen Bewegung im Staatsdepartement in Washington empfangen und hatte eine längere Unterredung mit Staatssekretär Bryan. dem derzeitigen Leiter der auswärtigen Politik der Vereinigten Staaten, ln dieser Unterredung wurden die Ziele des Zionismus erörtert, und Staatssekretär Bryan gab zu erkennen, daß die amerikanische Regierung den kolonisatorischen Bestrebungen des Zionismus in Palästina lebhaftes Interesse entgegenbringe und sie zu fördern bereit sei.“ Zionistischer Zentralverein, Wien II., Karmeliterplatz 1. Samstag, den 21. Juni 1913, findet um halb 9 Uhr abends, im Hotel Guth, II., Stefaniestraße, eine Mitgliederversammlung statt, in welcher Gg. KURT BLUMENFELD, (Berlin), Generalsekretär der zionistischen Partei, über aktuelle zionistische Fragen sprechen wird. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Auch Nichtmitglieder sind höfl. eingeladen. Das Präsidium. Innerösterreichisches Distrikts-Komitee. Montag, den 23. Juni 1913, präzise 8 Uhr abends, im Hotel Guth, II., Stefaniestraße 14 ^HgeneiDe Sfadenfenuersammlung. ' Referent: Gg. KURT BLUMENFELD, Berlin. Thema: Pflichten des zionistischen Studenten. Studenten 1 Erscheinet in Massen 1 Das innerösterreichische Distrikts-Komitee. - jB9sssa9asssassas=ssss^^9 :^ine MibavaIiteNsflKdicM Hieöerlage der sozialöemoltraMen Leitung. Mit einem unverkennbaren, tief aus »dem Innern kommenden Behagen macht .sich sonst die Sozialdemokratie über die Todschweige-Taktik der „korrupten“, „versimpelten“, „trivialen“ bürgerlichen i Presse lustig. Alle moralischen Register werden aufgezogen, feierlich werden die Worte Lassalles gegen die Zeitungen zi- ';tiert und mit frommem Augenaufschlag , auf die Sozialdemokratie hingewiesen, die sich stets in die Oeffentlichkeit flüchtet. Darum ist es sehr interessant zu beobachten, in welch geradezu grotesker Manier die „charakteristische“ Niederlage der Parteileitung bei den Landtagswahlen in Mähren totgeschwiegen wurde. Kein Lüftchen regt sich im deutsch-sozialistischen Zeitungswalde. Fürwahr, ein Benedikt hätte es nicht besser machen können wie der Chefredakteur der „Arbeiter-Zeitung“. Die Niederlage ist groß genug und sie ist „charakteristisch“ genug. Doch lassen wir zunächst die Ziffern und Daten sprechen! Bei den mährischen Landtagswahlen der fünften Kurie (und bei den Sozialdemokraten beider Zungen handelt es sich nur um diese) kommen nur 12 deutsche Abgeordnete in Betracht und nur ein einziger Sozialdemokrat ging als ' Si«^er in diesem Kavpf hervor. Das alte Mandat wurde wieder erobert! Im tschechischen Lager standen sich zwei Parteien gegenüber: Die Gruppe Viktor Adlers, die Anhänger der Parteileitung, die sogenannten „Zentralisten“ auf der einen Seite, auf der anderen die national gesinnten tschechischen „Separatisten“. Trotz aller Anstrengungen, trotz aller Prophezeiungen der „Arbeiter-Zeitung“ erhielten die „Zentralisten“ kein Mandat, während die Zahl der „Separatisten“ von 5 auf 7 stieg. Das ist keine Niederlage des sozialistischen Gedankens! Eine solche Annahme machen, hieße die Verhältnisse total verkennen. Die „Separatisten“ sind ebenso sozialdemokratisch gesinnt wie die Anhänger Viktor Adlers und Austerlitz. Ja, sie sind trotz mancher Fehler, ‘ zu denen ich in erster Reihe ihre Taktik in der Gewerkschaftsfrage rechne, die moderneren Sozialisten. Charakteristisch ist diese Niederlage nur für die Parteileitung in Wien, für die Herren von der „Arbeiter-Zeitung“, für die jüdischen Führer. Sie haben sich in dieser Sache verrechnet, sie verrechnen sich in der letzten Zeit fast immer. Eine zeitlang schien es, als ob Viktor Adler und sein Generalstab, ohne opportunistisch zu sein, ganz im Gegensatz zur deutschen Sozialdemokratie eine unmarxistische Realpolitik treiben wollte. Sie setzten sich für den Standpunkt Dr. Renners ein, sie nahmen die „nationale Autonomie“ in ihrem Programm auf und wollten eine „moderne“ nationale Politik inaugurieren. Bald verließ sie die Kraft dazu, ihr Streben für die nationale Autonomie blieb Theorie, ihr modernes nationales Programm wurde nicht in die Praxis umgesetzt. Alsbald wurde die Realpolitik durch einen Opportunismus seichtester Art ersetzt und ein Hin- und Herschwanken, eine laue Taktik wurde gleichsam zum politischen Leitmotiv des Wiener Generalstabes. Die Erfolge dieses neuen Kurses sind ein ungeheures Anwachsen der separatistischen, zu deutsch gesagt „praktisch-nationalen“ Bewegung. Dieser Kurs verschuldete auch die mährische Niederlage. Auch in Bezug auf das „jüdische Problem“ möge diese charakteristische Niederlage ein MeneTekel für die Wiener Parteileitung sein! So ungeschickt, so unmodern, so verständnislos, ja so fassungslos steht keine Partei der jüdischnationalen Bewegung gegenüber. Ja, in letzter Zeit macht sich der Aerger über das Nichtverstehenkönnen und Nichtverstehenwollen dieses Problems in seichte, des öfteren blöde antisemitische Witzeleien Luft, die jedem wahrhaft kultivierten Menschen, die Schamröte ins Gesicht steigen läßt. Ich fürchte auch, in jüdischer Hinsicht wird das Resultat dieses „neuen Kurses“ ebenfalls ein überaus trauriges sein. Die deutschen Massen werden trotz der halbantisemitischen Drapierung der „Arbeiter-Zeitung“ ebenso wie die Tschechen stark national werden; während die jüdischen Massen im Osten sich entsetzt von dieser Partei abwenden werden. Doch ich will nicht prophezeien! Wie dem auch sein mag, sicher ist eines. Die österreichische Sozialdemokratie ist auf dem besten Wege, sich um ihr ganzes Prestige zu bringen. Es steht fest: Die Leitung muß wiederum ihren Kurs ganz gewaltig ändern. Die österreichische Sozialdemokratie wird modern, energisch, praktisch-national sein oder sie wird nicht sein! —n. Rundschau. Dr. v. Lövvenstein als Kandidat. Der moralische Urheber der Drohobyczer Massenmorde im Juni 1911, Dr. Nathan v. Löwenstein, bewirbt sich jetzt in Lemberg anläßlich der galizisdien Landtagswahlen in der allgemeinen Kurie um das jüdische Landtagsmandat. Die Rabbiner Lembergs und die dortige Kultusgemeinde proklamieren geradezu einen heiligen Krieg, um die Wähl Dr. Löwensteins durchzusetzen. Da in Lemberg 6 Mandate zu besetzen sind und eine Listenwahl vorgesehen ist, kann der jüdische Kandidat nur im’ Einvernehmen mit den polnischen Parteien nominiert und mit Aussicht auf Erfolg kandidiert werden. Nun lehnen die meisten polnischen Parteien die Person Löwensteins, der trotz seines „PolentumS“ in der berüchtigten Rydzyna-Affäre wegen einer hohen Provision einen großen polnischen Güterkomplex an die Preußen verschacherte, ab und verlangen die Nominierung eines anderen jüdischen Kandidaten. Von Rabbinern und Kultusjuden wird der heilige Krieg darum1 geführt, um' die polnischen Parteien mit Hinweis auf einen unbeugsamen Willen der jüdischen Wählerschaft von ihrem Widerstande gegen die Person des Löwenstein abzubringen. Selbstverständlich findet das frivole Beginnen der Rabbiner, darunter des Rabbiners Dr. Caro, der zu Pfingsten von der Kanzel für die Wahl Löwensteins agitierte, sowie der anderen Wahlmacher des geschniegelten Volksverräters v. Löwenstein in der jüdischen Bevölkerung entschiedenen Widerspruch. Es gilt als sicher, daß Löwenstein schmählich durchfallen wird. Denn seine Kandidatur fordert zu einem heiligen Krieg heraus!; aber nicht für, sondern gegen ihn. Es ist genug an der Schmach, daß er in Drohobycz gewählt wurde. Die Lemberger 'jüdische Wählerschaft würde sich mit noch größerer Schande bedecken, wenn sie nicht diesen Abenteurer, Glücksritter und Verräter mit Schimpf abschütteln würde. Denn wenn män es auch nicht verhindern kann, daß Löwenstein von der Lemberger Handelskammer, wo sein Schwiegervater Schmelke Horowitz herrscht, gewählt wird, so kann man doch dem Komplizen des Bluthundes Feuerstein aus Drohobycz den falschen Nim1bus eines „jüdischen Volksvertreters“ durch1 die glatte Ablehnung seiner Frechheit, sich um: ein Volksmandat zu bewerben, herunterreißen. ' * * * Aus dem „Deutschen Nationalverband“. Im Deutschen National verband fand Mittwoch, den 18. d. M., vormittag eine Sitzung statt, bei der besondere Vorsichtsmaßregeln für die Geheimhaltung der Beratungen getroffen waren. Der Grund dieser Vorkehrungen lag darin, daß wegen der unterbliebenen Kundgebung für Kaiser Wilhelm strenges Gericht mit dem Präsidenten Sylvester gehalten werden sollte, wovon die Oeffentlichkeit aber nichts erfahren sollte. In der an die Presse hinausgegebenen Mitteilung war auch kein Sterbenswörtchen über diesen Teil der Beratungen entfbewährtes KINDERMEHL PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: HENRI NESTL6,WIEN,I.BIBERSTRASSE 1 NIEDERLÄNDISCHE LEBENS ASPERNPLAXZ i. Im eigenen Palais. ^Versilbertes Kapital zlrba 380 Millionen. — Prämienpesepoe zirita 113 Millionen. — Billigste Prämien unö Kulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit tOAtige, leistungsfähige Bgenten gegen höbe Bezüge. Auskünfteerteiltdie 6eneralagentsihaft Ulen, 1, Hsperaplatz 1 (Heiter: Daoiü Hebenzahl). EDr Ostgalizien n. Bukowina: Subdirehtion HöM Taubes, Hemberg.