Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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CHE ZEITUNG 5838? .N.n.™L -JÜDISCHES DREjRN ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wieti; JII., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. —_ Abonnementspreise: Für Oester- „ ™ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr.-.Mk., 10.—',' halbjähr. Mk. 5.—, vierteljähr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — PostsparkässShkQnto 133.404. — Telefon 22.075. ■ Nr. 25. Wien, Freitag, den 20. Juni 1913 VII. Jahrgang Die Märtyrer von Drohobycz. Am 19. J.ini jährt sich zum zueitenmale der Tag des greulichen Massenmordes in Drohobycz. Anläßlic > der Reichsra’swahlen 1911 wurden auf das Anstiften einei Rotte verkommener politischer WegeLig rer hunderte von Menschen bestialisch niedergemetzelt, vietzig blieoen tot am Platze oder starben nach wenigen stunden unter furchtbaren Qualen. Noch nie wurde ein Massenmord aus so niedrigen Motiven verübt. Weil die Wähler von Drohobycz nach freiem Willen den Mann ihres Vertrauens bestimmen, weil sie den Hausjuden des berüchtigten Polenklubs Dr. Löweastein nicht länger als ihren Vertreter im Parlamente dulden wollten, wurde dieses Blutbad angerichtet. Deni Morde ging eine wochenlange scheußliche Hetze voraus. Löwenstein selbst, der; „Kandidat“, wagte es nicht, sich iu Drohobycz zu zeigen. Er überließ die Wahlvorbereitungen seinen Freunden, dem Petroleumspekülanten Feuerstein und dem Bordellbesitzer und Mädchenhändler Steinhäuser. Im Vereine mit bestochenen Beamten fälschten sie die Wählerlisten, terrorisierten mit Hilfe einer Bande gedungener Strolche den ganzen Wahlkreis. Vergebens waren alle Proteste bei den Behörden in Lemberg und Wien, denn der "mächtige Polenklub und der Statthalter Bob rzy ns ki schützten das Gelichter. Am Tage der Wahl stieg die Frechheit der Löwensteinknechte ins Ungemessene. Das durch Militär abgesperrte Wahllokal, in welchem Sauforgien gefeiert wurden, durfte kein oppositioneller Wähler betreten. Einzelne Strolche warfen die Löwensteinzettel zu Hunderten in die Urne. Die Wähler, die stundenlang im Sonnenbrände warteten, um den Zionisten zu wählen, verzweifelten schließlich und zogen ab. Da plötzlich ließen die Mordbuben Feuerstein, Steinhäuser und der Bezirkskommissär Lyszkowski auf die vor dem Hause versammelten Zuschauer, darunter Greise, Weiber und Kinder schießen. Während sich die unschuldigen Opfer im Blute wälzten, flößen Champagner und Schnaps in Strömen und Löwenstein war „gewählt“. Ein Schrei der Entrüstung durchtoste Europa! Die Schandtat brachte das ruhigste Blut zur Wallung. Löwenstein verzichtete auf das Mandat; er und seine Mordbuben verschwanden. Nun erhob die jüdischnationale Oeffentlichkeit ihre Stimme. Sie verlangte Sühne und Bestrafung der Mörder; Aber vergebens! Die Mächtigen schützten ihre Henkersknechte.. Mit frecher Stirn logen und vertuschten Minister und Abgeordnete. Und das österreichische Parlament bot ein schmachwolies Schauspiel: von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken fand sich keine Partei, die auf Bestrafung der Mörder gedrungen hätte! Die bestochene Tagespresse tat auch das ihre, und nach wenigen Wochen war alles ruhig. Die Mordgesellen wagten, sich wieder ans Tageslicht und Löwenstein zog wieder ins österreichische Parlament ein .. .. . Kaum zwei Jahre sind verflossen und die Oeffentlichkeit scheint an den Massenmord in Drohobycz vergessen zu haben. Denn ungestraft darf sich Löwenstein in der Oeffentlichkeit zeigen, darf das österreichische Parlament durch seine Anwesenheit besudeln, darf sich einen jüdischen Vertreter nennen und auch als solcher gelten. Sein Komplize Feuerstein, das Symbol tiefster Verworfenheit und das scheußlichste Produkt galizisch-jüdischer Assimilation herrscht weiter in Drohobycz. Es ist unfaßbar, daß der Unwille des Volkes, diese Schänder ihrer Nation, die wuchernden Eiterbeulen des Judentums und kaltblütigen Mordgesellen noch nicht weggeschwemmt hat. Mögen feile Seelen und ehrvergessene Schwächlinge sich mit dem. Gedanken, daß Löwenstein und Feuerstein ungestraft ihr verbrecherisches Treiben fortsetzen, abgefunden haben. Die bewußten -ehrlichen Juden haben an die Drohobyczer Märtyerer nicht vergessen. Ungebrochen ist der Haß und unvermindert der Abscheu gegen die Mörder von Drohobycz und unvergessen sind die Märtyerer jm Kampfe um die jüdische Freiheit. Gesinnungsgenossen! Wenige Wochen trennen uns vom XI. Zionistenkongreß. Bald werden wir zur Wahl der Delegierten schreiten, die unserem zionistischen Willen von der Kongreß tribüne aus wirksamen Ausdruck verleihen sollen. Es steht uns somit nur ein knapp bemessener Zeitraum für die nötigen Vorbereitungen zur Verfügung. Innerhalb dieser Zeit müssen wir dafür sorgen, daß die Zahl der zur Wahl berechtigten Gesinnungsgenossen, der tatsächlichen Stärke unserer Anhänger entspricht. Leider gestattet die bisherige Schekelagitation der einzelnen Vereine und Gg. in dieser Hinsicht keine besonders erfreulichen Schlußfolgerungen. Wir sind jedoch der festen Ueberzeugung, daß es noch sehr viele unserer Freunde gibt, die unserer Arbeit das größte Interesse entgegenbringen, ohne daß man an dieselben wegen Entrichtung des Schekels herangetreten wäre. Das muß nun in den kommenden Wochen nachgeholt werden. Insbesondere die organisierten Gesinnungsgenossen Wiens dürfen die kostbare Zeit nicht unnütz verstreichen lassen. Jeder Einzelne muß zum Agitator werden und unablässig bemüht sein, in seinem Bekanntenkreis für den Schekel zu werben. Wir erinnern wiederholt daran, daß auf je 400 Schekel der letzten 2 Jahre ein Delegierter entfällt. Wir wollen heuer in Wien gegen 3000 Schekel aufbringen; eine Zahl, die entfernt nicht der ‘ Anzahl der Juden in Wien entspricht, die eines Sinnes mit uns sind. Wir sind daher überzeugt, daß die Erreichung dieses Zieles bei einigermaßen gutem Willen mit Leichtigkeit möglich ist. Allerdings muß Jeder seine Pflicht tun. Euch Gesinnungsgenossen, an eure zionistische Pflicht zu mahnen, ist der Zweck dieses Aufrufes. Bedenket, daß wir bald im Mittelpunkt des größten zionistischen Ereignisses, des Zionistenkongresses, stehen werden. — Jeder Zionist möge sich der Verantwortung bewußt werden, die auf ihm ruht und sich während der nächsten Wochen eifrigster Werbearbeit für den Schekel widmen!. Das I. ö. D. K. Dr. Leopold Meisel, Nahtim Sokolow in Audienz beim Staatssekretär der Vereinigten Staaten Bryan. Aus Berlin wird uns folgende, aus New- York eingelangte Kabeldepesche telegraphisch übermittelt: „New-York (Kabel: e!egramm). Herr N. Sokolow, Mitglied des Engeren Ak- Photograph Nachim Chefez II., Taborstraße 41. Erstklassiges Atelier ftönsflen'sdiep Ridifung. Langjähriger Lieferant der Kultusgemeinde, empfiehlt sich den- Kongreßmitgliedern für sämtliche in das Fach einsehlagende Arbeiten auf das Beste. Das Atelier befindet sich im Parterre. Telephon 22195..