Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 24 » JLmJLW0.I! IW . . I .'fWIUW I. ■■ j.'-'l.-'. ■ ■ -'-!- muß, sind die .Großstaaten Europas und Amerikas einerseits, die Türkei, Konstantinopel und Palästina andererseits. Die Arbeit in Konstantincjpei hat inr Mittelpunkt unserer politischen Tätigkeit gestanden. Denn jede größere AktioriTjn Palästina ist davon abhängig, wie sidi zu gar die türkische Regierung stellt. Unsere Arbeit auf diesem Gebiet war unbedingt von Erfolg begleitet. Mann kann es an sich schon als : Ertolg bezeichnen, wenn es unserer Bewegung gelungen ist, in so wechselvollen Zeitläufen die Fühlung mit allen führenden Persönlichkeiten nicht hur zu erhalten, sondern von Monat zu Monat noch zu verbessern. Mehrfach hat ma.i uns vorgeworfen, wir hätten uns mit einer Partei identifiziert. Wir können aber konstatieren, daß gerade das Gegenteil der Fall war. Unsere Beziehungen zur liberalen Partei waren ebenso gut wie die zur jungtürkischen. Wir betonten eben immer, daß unsere Politik in der Türkei keine innertürkische sein .könne, in dem Sinne, daß wir uns keiner Partei verschreiben können. Unsere Arbeit in Palästina, vom politischen Gesichtspunkt aus gesehen, hat auf die Schaffung eines guten Verhältnisses zur arabischen Bevölkerung hinzuarbeiten, das zum Schaden unserer Organisation leider nicht immer bestanden hat. Die politische Arbeit in Europa und Amerika ist nach der, alten Methode nidit fortgesetzt worden. Man kann sagen, dab dieser Arbeit stärkere Sorgfalt gewidmet worden ist, als jemals seit Herzls Tode. Zu einer Reihe von Staaten konnten wy Beziehungen schaffen und aufrecht erhalten, um im entscheidenden Moment unsere Stimme zu Gehör bringen zu können. Auch hierfür war unsere Tätigkeit in Konstantinopel von großer Bedeutung. Diese ganze Arbeit kann im wesentlichen nicht darauf angelegt sein, momentane politische Ergebnisse zu zeitigen. Sie kann Gell ach nur den Erfolg haben, daß unsere Arbeit nicht von Faktoren, deren Macht größer ist als die oinserige, gestört werde. Die Arbeit in Palästina hat einen ganz anderen Charakter. Hier ist es eher möglich, von positiven Ergebnissen zu reden. Sie zerfällt in die Arbeit auf dem Lande, in der Stadt und in der Organisationsarbeit unter den palästinensischen Juden. Die Vergrößerung des palästinensischen Landbesitzes hat in den letzten Jahren endlich größere Fortschritte zu verzeichnen. Dieses Resultat verdanken wir vor allem' der Palästine Land Develop Co., die es verstanden hat, ein Parzellier.ungsgeschäft ins Leben zu roten, wie es früher nicht möglich gewesen ist. Und wenn man von den Verdiensten Dr. Ruppins um die palästinensische Kolonisation1 überhaupt noch reden tniiß, so genügt wohl die Tatsache der Erwähnung, daß die Gründung der P. L. D. C. vor allem ihm zu verdanken ist. Gerade wegen der P. L. D. C. aber ist das A.-C. sehr getadelt worden. Es ist uns vorgeworfen worden, daß diese Gesellschaft nicht nach kaufmännischen Grundsätzen geleitet worden ist. Ich will dazu folgendes bemerken: Es gibt wenig Landgesellschaften, die gleich im ersten Jahre ihrer Tätigkeit Gewinne zu verzeichnen haben. Wir dürfen aber konstatieren, daß selbst die Verluste, die die P. L- D. C. erlitten hat, für sie einen Ruhmestitel bedeuten, wenn man sie eben nicht als reine Privatgesellschaft auffaßt. Uebrigens -aber wird jetzt die P. L. D. C. wieder aktiv werden. Vom' Standpunkt der zionistischen Organisation müssen wir also auch in der Tätigkeit der P. L. D. C., soweit sie nicht mit Gewinnen verbunden war, einen bedeutenden Aktivposten erblicken. Unsere Palästinaarbeit war aber auch sonst für die Besserung unserer landwirtschaftlichen Verhältnisse bedacht. Wir suchten vor allem' den Bauern erforderliche landwirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln. Bekannt ist die einschneidende Wichtigkeit der Landarbeiterr frage. Man weiß, wie sehr wir uns mit dieser Frage beschäftigt haben, zu deren Lösung hoffentlich auch die Einwanderung der Jemeniten beitragen wird, die sich als ausgezeichnetes Arbeitermaterial erwiesen haben. Die Agrarkredite, die der Nationalfonds und die Anglo Ralestine Co. vermitteln konnten, haben die Besiedelung sehr erleichtert. In den Städten hatten wir schon seit Jahren in der Anglo Palestine Co. den Hauptstützpunkt des jüdischen Elementes. Redner verweist auf die Erfolge der Immobiliengesellschaft, der hebr. Gymhasien in Jaffa und Jerusalem tmd die in Angriff genommene Reorganisation des -ßezalel. Die ,Art der Propaganda, wie sie von A--C. .betrieben wurde, ist wohl ein Novum1. Früher war die Arbeit .dadurch’ erschwert, daß die einzelnen Landesorganisationen angeblich nicht in gleicher Weise arbeiten konnten, uw der verschiedenen Verhältnisse willen. Wir haben der entgegengesetzten Ansicht zum' Siege geholfen. Das Programm der Tätigkeit ist so lange ein verschiedenes, so lange es oberflächlich betrieben wird. Die wesentlichen Bedingungen der Propaganda sind aber überall dieselben, nur die einzelnen Formen wechseln. Sie besteht überall in der Verbreitung und Vertiefung des jüdischen Nationalismus pnd in jüdisch-nationaler Erziehung. Dies ist die Arbeit der Zentrale. Sie hat die Verpflichtung, dieser Methode zum Durchbruch zu verhelfen. Rußland ist leider systematischer Tätigkeit auf diesem Gebiete verschlossen. Aber in Galizien, Westösterreieb,! Deutschland, Holland, Amerika, Skandinavien haben wir unser System erprobt und glauben sagen zu können, daß es sich überall bewährt hat. Diese Arbeit hat zur Folge gehabt, daß unsere Organisation stärker geworden ist, was sich schon in der Schekelzahl dieses Jahres ausdrücken wird. Aber hiebt aah 1 en allein kommt es an, sop cbe!cnjpjauf. d'nß unsere Organisa±t er gewoden ist, daß.an t e Ine "ei h e r losen Organisation ein festes Gebilde getreten ist. Und selbst in Ländern, die uns nicht einmal einen Schekel mehr abführen können als früher, wissen wir doch, daß in ihnen ein neuer lebendiger zionistischer Gejst lebt. Und wir wollen ja nicht bloß Schekel* wir wollen Menschen!' Im' Zusammenhang/mit dieser äußeren Entwicklung steht die Tatsache der inneren Beruhigung der Organisation- Als wir die Organisationsgeschäfte übernahmen, bestanden in einer Reihe von Länderverbänden heftige Streitigkeiten. Jetzt hat sich i die allgemeine Aufmerksamkeit positiver und aktiver Arbeit zugewendet. Nur ein Land gibt es noch, wo .die Differenzen nicht erledigt sind: England. Ich kann sagen, dab ich in England leider den Eindruck gewonnen habe, daß sie deshalb nicht erledigt werden können, weil sich in der alten English Zionist Federation kein zionistisches Leben regt. Es gibt zwar Scheketzahler, aber keine wirklich zionistischen Vereine, keine Tendenz, kein zionistisches Leben. Wenn ich diese Tatsachen vorgetragen habe, bin ich weit davon entfernt, ein Loblied auf die vergangenen zwei Jahre anzustimmen. Wir wissen, daß das, was wir erreicht haben, keine Enderfolge sind, sondern nur Anfänge einer positiven Arbeit. Ich -könnte alle Gebiete durchgehen und auf;eine Merige unerledigter Notwendigkeiten bin weisen. Auch unsere Arbeit in Palästina steckt noch im Anfang. Ich hebe das andeutungsweise hervor,, um auf das Wichtigste hinzuweisen: der Fortschritt besteht nicht in den positiven Ergebnissen, sondern in der Unzweifelhaften Tatsache, daß wir den toten Punkt überwunden haben, auf den unsere Organisation seit einer ganzen Reihe von Jahren angelangt war, in der Tatsache, daß in der zionistischen Organisation eine Tendenz zur Entwicklung nach oben gekommen ist. Demzufolge wird es die Aufgabe des XI. Kongresses sein, festzustellen, ob der Kongreß wünscht, daß . in derselben Richtung wie in den letzten zwei Jahren weiter gearbeitet werde. Es war in früheren Jahren nicht üblich, daß das A.-C. die Debatte über die Kongreßfragen eröffnete. Im Gegenteil. Die Kongreßdelegierten waren über die tatsächlichen Verhältnisse vielfach vollkommen unörientiert und über ihre gegenseitigen Wünsche nicht informiert. Daher wurden die Delegierten nicht immer mit Rücksicht aur bestimmte Anschauungen gewählt, noch wußten die, Delegierten sämtlich, was sie eigentlich von dem’ Kongreß wollten. Wenn wir diesmal die Diskussion eröffnen, so wollen wir damit erzielen, daß die. Kongreßwahlen unter bestimmten Gesichtspunkten erfolgen sollen. Wir wollen ,einen zuverlässigen Maßstab dafür erhalten, was die Organisation fordert. Deshalb stehe ich auch nicht an, die Frage des neuen E. A. C. zu-behandeln.' Es würde eine Genugtuung für uns -sein, wenn auf dem' Kongreß die Personenfrage in den Hintergrund treten könnte ,und die Aufmerksamkeit des Kongresses sich immer mehr den sachlichen Fragen zuwendete. Unsere Organisation muß sich immer mehr neutralisieren Ihre Arbeit kann nicht abhängig bleiben von einzelnen 'Personen. Die jetzige Leitung ist an sich bereit, die Geschäfte der Organisation wieder zu übernehmen, wenn sie ihr der Kong-jeb anvertraut, unter der Voraussetzung» .daß der Kongreß sich au.ch die Rich.tu.ng i.h.r.er Arbeit zu eigen macht, denn wir können nur in jener Richt-uug arbeiten, die wir für r i c h t i g halte n. In einem Punkt wollen und müssen wir eine Aenderung der bestehenden Organisationsverliältjiisse fordern. Sie wissen, daß 'hinter den Kulissen des letzten Kongresses ein Kompromiß geschlossen worden ist. Man hat dem' E. A. C. wohl die Leitung der Organisation anvertraut, aber nicht die Machtmittel der Partei. Deshalb ist ein Aufsichtsrat der Jüdischen Kolonialbank in London gewählt worden, in dem das E._A. C. sich in der Minorität befindet, Wir. können uns wiiklich darauf berufen, daß wir nicht nur in Wien eine Majorität unserer Bewegung vertreten. Um so unverständlicher .wäre es, wenn man das Prinzip aufrecht erhalten wollte, uns nicht dem1 .vollen Einfluß auf jene Institute einzuräumen, die nach dem Willen Theodor Herzls die Instrumente der zionistischen Organisation als der Organisation des jüdischen Volkes sein sollten. Wir verlangen deshalb schon aus moralischen Gründen, daß das große A.-C. den unbeschränkten Einfluß im1 Aufsichtsrat der-, Bank erhalte. Das System, das heute herrscht, birgt die Gefahr in sich, daß die Machtmittel der Organisation — dieser Organisation entfremdet werden. Die Bank ist nicht gegründet worden, um1 Wechselgeschäfte zu madien, nicht einmal, um' in Palästina jüdisches Gewerbe zu unterstützen, sondern um' der Organisation die erforderlichen Machtmittel zur Verfügung zu stellen. Deshalb muß das große A.-C. die Herrschaft über die Bank wicdererhalten. Der Jüdische Nationall'onds ist das Vermögen des Jüdischen Volkes, dessen Verkörperung unsere Organisation ist und deren Repräsentanz das große A.-C. ist. Dieses muß im Rahmen der Statuten die Verfügung über den Nationalfonds haben. Allerdings sind die Arbeiten des Nationalfonds und der Bank zum großen Teil technisdier Natur. Es kommt aber daraut an, in welcher Tendenz diese Arbeit geleistet wird. Diese Tendenz muß die Tendenz des großen A.-C. sein, die Tendenz der Organisation. Wenn das große A.-C. nicht in der Lage ist, seine Tendenz zum Durchbruch zu bringen, so besteht die Gefahr, daß sich' 'Nebenregierungen bilden, die unsere Arbeit hindern. Deshalb verlangen wir, daß das große A.-C. Wieder die Herrschaft über die Bank und den Nationalfonds erhalte. Das wird die Schlagkraft des A.-C. bedeutend erhöhen und eine ganze Anzahl von Hindernissen aulheben. Daß solche Hindernisse jetzt bestanden haben, beweist die Geschichte des Bezalel. Uns war es klar, daß die Organisation dafür eintreten müsse, dem Bezalel aas nötige Betriebskapital zu seiner Erhaltung zu beschaffen, wenn nicht die ganze Stellung unserer Organisation in Palästina erschüttert werden sollte. Die Beseitigung der Hindernisse hat uns eine unendliche Kraftvergeudung gekostet. Wir sind übrigens mit dieser Forderung in sehr guter Gesellschaft — in der Gesellschaft Theodor Herzls, der in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit ähnliche Kämpfe führen müßte, wie wir. Gerade diesem A.-C. wird es übel genommen, wenn es sich immer weder aut Herzl beruft und trotzdem wird einmal der Geschichtsschreiber des Zionismus zugestehen, daß gerade wir mit unserer Arbeit auf die bestimmenden Grundsätze der Herzl’sdien Periode zurückgegriffen haben. Wenn wir in der Jahreskonferenz den Antrag gestellt haben, den Kongreß in Wien abzuhalten, so geschah das nicht, um1 der Opposition das Auftreten möglichst schwer zu machen. Wir wußten, daß die Majorität unsere Arbeitstendenzen billigt. Wir wollten nach Wien gehen, weil wir der Ueberzeugung leben, daß wir in die Stadt gehen dürfen, in der der politische Zionismus entstanden ist. Wir haben so oft darüber debattiert, worin der große Schwung bestand, der die Organisation in den ersten Jahren erfüllte. Die Erfolge waren klein, die Zahl der Schekel nicht groß, die Zahl der Vereine gering, die Zahl der Enttäuschungen groß. Die kulturelle Tätigkeit war ganz im1 Anfang, ln Palästina war so gut wie nichts geschehen, und doch war ein gewaltiger Schwung da, der nicht nur auf der Persönlichkeit NESTLE8 ÜISR1 KINDERMEHL PROBEDOSE VERSENDET GRATIS LEBENS - yjiRSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. 1 Jatfigmu Mais. —flersiitateitepiialijrfea ,380 üljionjsi. — Pj^BouKserjp zirjia 413 JUIlioncn. — Billigste Prämien und hulanieste Bedingungen. jEngagiert .jf&tuU .J$(il#ie, Jej^^fablje Bgenlen gegen bohe Bezüge. ifinrtftrfte«teiMügiQgaeraiayts&att (dien, I., BsgeABgUtz Jaoifl;flebenzalil).fflr Ostgalizien n. Buhowina: Suböirehfion H5bl Taubes, Hemberg. »«PPVillPiRigpiPINmRIHIRIIIilMPPniHMMHHMniHH ramm?