Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NRT10HHL -JUDI5CHE5 ÜRGR.N »gg Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratehauinahme: Wien, II., Kanneliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden | täglich von II—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, vierteltähr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr.'(■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. J^f^Aluuelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. | Nr. 24. den 13. Juni 1913 VII. Jahrgang Wir ersuchen die P. T. Abonnenten, die mit der Zahlung der Abonnements* gebühr im Rückstand sind, diese baldigst zu leisten, da die Zusendung des Blattes sonst eingestellt werden müßte. Verein „Jüdisches Studentenheim“ Wien Dienstag, den 17. Juni 1913, abends Vl>9 Uhr, findet im Beethovensaale, 1., Strauchgasse 4, eine große VERSAMMLUNG statt, zu welcher alle jüdischen Bürger Zutritt-haben. ~ TAGESORDNUNG: „Die Vorgänge an der Wiener Universität“. Mitbürger! Die jüngsten Ereignisse an der Wiener Universität, die Brutalitäten, welche von einer übelberatenen Jugend im Bewußtsein ihrer Ueberm'acht gegen eine kleine Anzahl unserer jüdischen Studenten verübt wurden, haben aufs neue gezeigt,. daß wir noch weit entfernt sind von dem Rechtszustand, welchen uns das Gesetz zusichert und welcher für eine zivilisierte und auf der Höhe der modernen Bildung stehende Gesellschaft selbstverständlich ist. Es zeigt sich, daß gerade in Kreisen der Jugend, "aus welchen unsere zukünftigen Richter, Beamten und Gesetzgeber hervorgenen, krasse Verleugnung aller Gesetze der Humanität, der wahren Bildung und Sittlichkeit herrscht, daß an deren Stelle ein barbarischer, dünkelhafter Rassenhaß, vereint mit erschrecklichem Mangel an Rechtsgefühl, und feige, tüdkische Gesinnung sich breit macht. Wenn man unsere studierende Jugend «furch feige Roheitsakte einschüchtern, sie ihrer gesetzlichen Rechte berauben und in ihrer Ehre kränken will, so will man damit unsere jüdische Gemeinschaft treffen. Unsere Studenten, welche sich furchtlos und mutig gegen diese bubenhäften Ausschreitungen wehren, verteidigen unsere Ehre, unsere Rechte, und 'es ist heilige Pflicht,- sie zu unterstützen, ihre Sache ist unsere Sache! Die akademischen Behörden haben zwar eine Mißbilligung dieser Vorgänge ausgesprochen, aber keinen wirkungsvollen Schritt unternommen, sie künftig zu verhüten und der beleidigten Ehre unserer Studenten gründlich Genugtuung zu verschaffen. Unsere Studenten werden nicht ruhen, bis ihnen ihr Recht geworden. Es bedarf jedoch der kräftigen 'Unterstützung durch die Bürgerschaft, damit dieses Ziel erreicht werde. Erscheint also in Massen!’ Für den Vorstand: Dr. Körner Brunner Schriftführer. Obm'ann. Die Kongpefeparole der Wiener Zionisten. Der Wiener Kongreß wird machtvoller und großartiger in seinem äußeren Eindruck werden als irgend einer seiner Vorgänger. Mit Eifer und Sorgfalt gehen die Wiener Zionisten an die Vorbereitungen. Das Kongreßbureau ist eröffnet, die Spezialkomitees haben ihre Arbeiten aufgenommen,;und schon heute kann man ‘mit Sicherheit voraussetzen, daß alle Veranstaltungen so vorbereitet sein werden, *jdaß der Demonstrationskongreß unserer Sache den erwarteten gewaltigen Erfolg bringen wird. — Bis vor wenigen Wochen hat die Mehrzahl der Zionisten -vielleicht noch meinen können, daß fder Schwerpunkt dieses Kongresses in einer machtvollen Demonstration nach ,außen werde liegen können, daß die Delegierten in reiner Festesfreude sich den Eindrücken unserer Kongreßveranstaltungen "werden hingeben können die Zeit des Kampfes innerhalb des Zionismus schien endgültig überwunden und man erwartete allgemein, daß der Kongreß einstimmig demRechenschaftsbericht des E. A. C. zustimmen werde. — ln Basel hatte man der neugewählten Parteileitung nur gin halbes Vertrauen geschenkt, den Nationalfonds und die Finanzinstitute gaben die Führer der Minorität nicht heraus und die Majorität begnügte sich mit der Uebernahme der übrigen Parteigeschäfte. Daß dieser Zustand, der als Provisorium gedacht war, in kürzester Zeit eine Aenderung erfahren mußte, war für jeden Zionisten eine Selbstverständlichkeit. Mit bewundernswerter Selbstüberwindung hat damals das E. A. C. trotz des kränkenden Mißtrauens, das ihm die Einflußnahme auf die Finanzinstitute entzog, die Geschäfte der Partei übernommen, von dem sicheren Vertrauen durchdrungen, daß die Arbeit zweier Jahre ausreichen wird, um allen Kreisen der Gesinnungsgenossen zum Bewußtsein zu bringen, daß eine neue, bessere Zeit für unsere Bewegung angebrochen ist. Die Parteileitung hat die Hoffnungen, die wir auf sie gesetzt hatten, durchaus erfüllt. Unsere zionistische Politik ist klarer und sicherer geworden, unsere Propaganda einheitlicher und nationaler, unsere Palästinaarbeiten planmäßiger, das kollegiale Prinzip hat sich bewährt und hat dazu beigetragen, den demokratischen Charakter jder Bewegung stärker hervortreten zu lassen als je zuvor. Es gibt keine Landesorganisation, die nicht in ihren Arbeiten direkte Förderung von Seiten der Parteileitung erhalten hätte. Freudige Zustimmung sollte dieses E. A. C. erwarten können. Da regen sich jetzt, kurz vor dem' Kongreß die Wortführer der in Basel besiegten Minorität. Da erzählte Herr Cowen, daß, die Bewegung ihren nationalen Charakter verloren hat, da hören wir, daß der J. C. T. sich gegen die Zweckrevision seitens des A. C. sträubt, da werden längst vergessene Schlagworte vom praktischen und politischen Zionismus wieder aufgewärmt mit der durchsichtigen Absicht, der Parteileitung neue Schwierigkeiten zu machen. — Für die Wiener Zionisten kommt cs darauf an, den Kongreß gut vorzubereiten. Stärker als alle äußeren Demonstrationen wird (die Einheitlichkeit unserer zionistischen Gesinnung wirken, der feste Wille, den begonnenen neuen Arbeiten des A. C. eine organische Weiterentwicklung zu garantieren. Die selbstverständliche Förderung, daß in einer Hand alle Instrumente der Bewegung vereinigt sein (müssen, muß heute laut und deutlich als Postulat aller Zionisten ausgesprochen werden, die eine starke nationale Weiterentwicklung der Bewegung von ganzem Herzen wollen. In dieser Erkenntnis haben die Wiener Zionisten folgende Resolution einstimmig beschlossen: „Die am 9.J u n i 1. J. tagendeVertrauensmänner (Versammlung der Wiener Zionisten spricht dem Engeren Aktionskomitee ihr vollstes Vertrauen aus und billigt die von ihm angewandten Arbeitsmethoden in jeder Hinsicht. Sie erwartet, daß die Leitung vom Kongresse verlangen wird, daß ihr dieMajorität in den Verwaltungen unserer Finanzinstitute ein geräumt werde, und daß sie unbedingt bei dieser Forderung beharren wird. Die Vertrauensmänner-Ver- Sammlung fordert weiters, daß das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds nach Berlin, dem Sitze derLeitung, verlegt werde. In der Durchführung dieser Forderungen erblicken die Wiener Zionisten die Gewähr für eine gedeihliche Fortentwicklung der zionistischen Arbeit.“ Der XL Rongreft In Wien*). Von Dr. Arthur Hantke (Berlin) Mitglied des Engeren Aktionskomitees der zionistischen Partei. Wenn wir uns von dem, was uns der XI. Kongreß in Wien bringen soll, ein Bild machen wollen, so müssen wir uns klar machen, was seit dem! letzten Kongreß geschehen ist und was für die Zukunft zu tun übrig bleibt. Die politische Ar beit des Aktionskomitees hat, wie es HerzI ausgedrückt hat, die Aufgabe, einer Atmosphäre des Wohlwollens für den Zionismus zu verbreiten. Die Faktoren, mit denen in dieser Beziehung gerechnet werden *) Vorstehende Ausführungen sind einem; Referate entnommen, das Dr. Hantke am 9. Juni in der Berliner Zionistischen Vereinigung erstattete. (Anm. d. Redaktion.)