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Jüdische Zeitung · 1913-06-05 · 23 (5.6.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
23 (5.6.1913)
Date
1913-06-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG , Nr. 23 ’f ■V sich sowohl in schönen Bankettreden aus wie nicht minder" in der Arbeit, für die internationale Waffenindustrie, von ’ der wir im deutschen Reichstag jüngst so Erbauliches gehört haben. Auch dort wurde von verschwundenen Geheimakien,- vom Verrat Imilitärischer Geheimnisse berichtet. Versteht sich am- Rande, daß auch diese Industrie judenrein ist. Diese, ungeheuerliche Korrumpierung der führenden Klassen, hat dazu geführt, daß bei uns die kopfloseste Verwirrung herrscht. Ja, w'enn iman schon den Generalstäblern nicht miehr trauen darf, was ist denn sonst noch stürmtest! Beim' Zusammenbruch der Türkei hat man die freche Lüge von dem verderblichen Wirken der jüdischen Freimaurer; der jüdischen Jungtürken und sonstiger Gespenster erfunden. Was wird nun angesichts des Falles Redl gesagt werden? Wir konstatieren mit ruhiger Zufriedenheit: in der Diplomatie, im Generalstab gibt es keine Juden. Wir wissen, was die jüdische geistige Ueberlegenheit auch in diesen Berufen leisten könnte. Daß man uns fernhält, ist eigentlich ein Verbrechen. Denn schließlich müssen ja auch Juden das Gewehr tragen (und sind die besten Soldaten), schaffen jüdische Kaufleute mit zu der Weltstellung des' Vaterlandes. Aber es ist besser, wenn’s so bleibt. Wir sind einverstanden, daß die Spionage und die internationale Hirnlosigkeit der Diplomaten, das Treiben der Rüstungsindustriellen — judenrein bleiben. J. L. Rundschau. Herr Austerlitzamüsiert sich, im-parlamentarischen Berichte eines. Wiener. Blattes findet sich folgender Passus: -;,. Herrf; Kuranda klagte über die Verfolgungen, denen, -die-Juden in Oesterreich angeblich in so großem Maße: ausgesetzt sind.“ Diese Bemerkung ist im frozzelnden Jargon gehalten, dessen sich die Antisemitenblätter immer bedienen,'wenn ein Jude es wägt, gegen die - antisemitischen Bedrückungen zu remonstrieren. Aber weder dem „Deutschen Volksblatte“ noch auch der „Reichspost“ ist diese . bübische Redewendung entnommen. In der vom Herrn Austerlitz redigierten. „Arbeiter-Zeitung“, ist sie zu finden! Das von Juden redigierte Organ der deutschen Sozialdemokratie hat sich diesen Ausfall gegen die österreichischen Juden erlaubt. Daß in Oesterreich den Juden fast alle öffentlichen Stellen verschlossen sind, daß der deutschnationale und christlichsoziale Boykott schon tausende Existenzen in der Stadt und auf dem Lande vernichtet hat, daß jährlich, zehntausende österreichischer Juden die Flucht nach Amerika ergeifen müssen, daß Juden, die sich gegen Beamtenwill- kür wehren, dutzendweise erschossen werden (siehe Drohobycz), daß ein Beschluß der polnischen Antisemiten 30.000 Juden brotlos gemacht - hat (siehe galizische Sfhänker), daß ein antisemitisches Hausierergesetz beschlossen wurde, . etc., etc., das alles existiert: für Herrn Austerlitz nicht! ' Er sieht keine ■ österreichische Judennot,- für ihn ist und-bleibt das österreichische Judenelend -eine phantastische Erfindung, eine „angebliche“ Sache. Dabei hat .er sonst ein so scharfes Auge und ein so empfindliches Herz, ln jeder Nummer der. „Arbeiter-Zeftung“ ist ja eine Kundgebung für die bedrückten Finnen, Polen, . Slowaken; Zigeuner, Ruthenen, kür? für alle zu finden. Aber das Judenelend,.wirf! mit blödsinnigen- Witzeleien abgetan. Das ist so recht die Art jüdischer Rengggten ä la Austerlitz. In der Angst davor, daß man Spuren seines weggeworfenen Judentums an ihm entdecken könnte, spielt er den Salonantisemiten. Dabei hat dieser Mann ver.;zwei Jahren die Kühnheit besessen,- in der jüdischen Leopoldstadt als „jüdischer“ Kandidat aufzutieten und ia hebräisehen Wahlaufrufen -um jüdische Stimmen zu* betteln. Und es haben jsich Juden gefunden, - die ihn als den „Vertreter jüdischer Interessen“ angepriesen haben. Jetzt macht er sich über die „angebliche“ ■ Judennot lustig. * Doch ihre-Gelder nimmt er gern! Das fürchterliche Brandunglück in Preßburg welches fast ausschließlich . unsere Stammesgenossen betroffen und viele kleine und kleinste jüdische Existenzen vernichtet hat, erweckt . allenthalben' werktätige Teilnahme. Auch in Wien hat sich unter Leitung der C h e w r a K a d i s c h a und der ''Kultusgemeinde ein . Komitee gebildet; Welches-Spenden für die Ah- : brändler sammelt und es sind bereits namhafte - Beträge eingelaufefl. Den Männern, welche sich um das Sammelwerk bemühen, gebührt rückhaltlosei^Dänk,'' aber es muß hervorgehoben werden, äaß„ mit" d^! Sammlung ihre Arbeit . nicht abgeschlossen sein darf. Er erwächst ihnen , die Verpflichtung,dafür zu sorgen, daß die ■ gesammelten Wiener jüdischen Gel- - der richtig verteilt und nicht in einer Weise verwendet werd.en, welche , den Absichten der1. Spender zuwiderläuft, d. h.. . sie dürfen ihrer .Wahren Bestimmung nicht ent-: zogen werden! Sonst ist nicht nur die aufgewendete Mühe und' Opferwilligkeit vergeudet, sondern die' Sammler machen sich durch ihre Unachtsamkeit ■ an:‘- einem Unrechte mitschuldig, welches’- a.n den Aermsteir der Armen v er üb t; Wir d! ■ Wir heben dieses . Moment nicht öhner guten Grund so nachdrück-: ilichil'iherA-orr '"'iVöhAabsölutiavertrauenswürdigerj Seite ist uns -folgende; Information tzugekommen.f Zur Leitung der. Sammlung -und: Organisierung des Hilfswerkes;hat sich gleich nach dem Brande, in Preßburg ein Komitee konstituiert; welches vorwiegend aus den Vorständen und Vertretern der Preßburger orthodoxen- und neologen (liberalen) Kultusgemeinden bestand. Dieses Komitee wurde mit der Sammlung und.Verteilung der'in der- Stadt selbst und auch der auswärts gesammelten Gelder betraut. Dieser Zustandhat jedoch r~ eine Aenderüng erfahren und durch einen Beschluß, dessen Begründung nicht ganz klar ist, wurden einem Komitee, welches unter' Leitung der Stadtgemeinde, also des Preßburger Bürgermeisters steht, alle Befugnisse übertragen. Damit ist die Gefahr heraufbeschwören, daß die Verteilung nicht im Sinne der. jüdischen Spender erfolgen wird. Zur Begründung dieser Behauptung sei erwähnt: ln Preßburg Bilden die Juden über 25 Prozent der Bevölkerung und bringen, gering geschätzt,- 50 Prozent aller städtischen Steuern auf. Trotzdem wird die städtische Verwaltung in einem nichts weniger als judenfreundlichen Sinne geführt. Zur Illustrierung dieser Behauptung sei angeführt, daß bei der Gemeinde kein Jude an ge-s te'1'lt wird. Weder Beamtenstellen noch auch Dienerstellen der niedrigsten Kategorie sind jüdischen Bewerbern zugänglich. Der Jude kommt nicht einmal als Straßenkehrer unter. mesgenossen bestimmt sind, solchen Händen anzuvertrauen? Haben es die Wiener Juden notwendig, sich bei Ausübung jüdischer Wohltätigkeit, der Leitung solcher Elemente unterzuordnen? Ist von irgend einem •Antisemiten jemals Objektivität, zu erwarten? Nein und dreimal nein! Wir dürfen es nicht dulden, daß sich zwischen den jüdischen' Wohltätern und den Armenungarische Judenfeinde stellen! Und mag die Gebärde, mit welcher sie es ttm, noch so fromm und salbungsvoll seih. Der Wiener Jude gibt, wie es sein Herz und sein Verstand ihm vorschreiben, und er braucht sieh hiebei vom Preßburger Antisemiten keine Vorschriften machen zu lass e n. Wir geben dies den Herren von der Wiener Kultusgemeinde und der Wiener Chewra Kadischa zu bedenken. Sie sind hiemit gewarnt. Vom Wiener Gelde darf nicht früher ein Kreuzer bergegeben werden, als nicht durch eine Wiener Kommission unter Zuziehung von vertrauenswürdigen Preßburger Experten bestimmt wird, wie die gesammelten Gelder am besten zu verwenden sind. Hoffentlich werden sich die Herren für diesen Modus entschließen und die Warnung, die ihnen übrigens bereits vor einigen Tagen von uns befreundeter Seite mündlich erteilt wurde, nicht in den Wind schlagen. Zwischen dem Gelde jüdischer Wohltäter und antisemitischen Händen kann die Distanz nicht groß genug gehalten werden. Dessen möge das Wiener Komitee eingedenk sein! Die gälizifrfie Oanötagsferise und die Juden. Von Joachim1 Neiger, Tarnow. Der Bobrzynskische Ausgleichsversuch ist gescheitert. Das Wahlreformprojekt, der Blockparteien ist infolge des hartnäckigen'1 Widerstandes der podolischen Konservativen und Allpolen .nicht.-zum1 Gesetz erhoben worden und mit dem Vtferjce.- selbst jrnuß.te auch. .dessen Schöpfer, ..der autokratische ’ Statthalter — vorläufig mindestens — v.on der politischen Oberfläche verschwinden. . Schon im Vorhinein möchte ich mich1 gegen den eventuellen Vorwurf der Schadenfreude.verwahren,. wenn ich auf die Feststellung Wert lege, daß als der eigentliche Stein des Anstoßes, über welchen der sonst so gewandte Bobrzynski strauchelte — der Judenpunkt in der Wahlreform1 zii bezeichnen ist. Wenn,.wir auch den Sturz Bobrzynskis — schön aus dem' Grunde, weil sein Name mit der leidigen §chänkerfrage, der Volkszählungshetze und — .last not least — mit' „Drohobj^z“ allzu enge verknüpft ist — mit Genügtuung begrüßen, trotzdem1 ein. unmittelbarer Systemwechsel auch upter dem1 neuen Regime nicht .zu erwarten ist,.„so will ich mit der vorausgeschickten Behauptung nicht etwa gesagt haben, daß die Juden digge Wendung in der Landespolitik Galiziens herbeigeführt haben.. So weit sind wir leider noch lange nicht, daß die Juden ein entscheidendes Wort zu sprechen hätten.. Aber daß sich', die polnischen Politiker aller Parteischattierungen, vom1 klerikalen Zentrum bis zu den Sozialdemokraten, über den „Judenpunkt“ die Köpfe zerbrachen, ohne dieses Hindernis überwunden zu NESTLE Der . Repräsentant. dieser Verwaltung ist der Bürgermeister. Er trägt die Verantwortung für dieses antisemitische Vorgehen/ Ist es nun 'ratsam, jüdische Ge 1 deqwy/e-1che doch -in erslerjliini'e fü.r die,ärmsten St am- KINDERMEHL PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: I HENRI NESTLE,WIEN,I.BIBERSTRflSSE1 Im eigenen Mais. flnsfefintte erteilt Die gengralageiflsdiatt LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Versilbertes Kapital zirita 380 HflUonra. — Mmlenresern? zirfta 113 Millionen. — Billigste Prämien und kulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit tüditige, leistangsföbige Agenten gegen höbe Bezüge. 11, Bstfertptaiz 1 (teitef: Dagid Hebenzabl). FBf Ostgalizien n. Bnfcowina: SuMirehlion Hbl Taubes, Hemberg.

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