Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG. ... .Nr. 22 rend sie im Lande 11 "/o ausmachen.“ Also eine Wahlreform, die einer Nation nicht die Hälfte der Mandate sichert, als ihr nach ihrer Stärke zukäme, verteidigt der Volksmann Daszynski mit dem' Argument, sie sei nidit so gerecht gegen die Juden, wie man behaupte. . Herr Daszynski hat bei der vorletzten Wahl die jüdischen Stimmen nicht mehr bekommen und ist in seinem1 alten Wahlkreis deshalb durchgefallen. An seiner antisemitischen Gesinnung hat sich nichts geändert Es ist als sicher anzunehmen, daß seine und des Assimilanten Diamand Haltung den Juden Galiziens deutlich machen wird, daß nur die Nationaljuden die wahren Vertreter ihrer Interessen im Parlament und Landtag sein können. * * * Zionistische Arbeit in Amerika. Nahum S o k o 1 o w, der bekannte hebräische Schriftsteller und Mitglied des Engeren Aktiöns- Komites der zionistischen Organisation, befindet sich seit Anfang März d. J. in Amerika, um unter den Juden der Vereinigten Staaten und Kanadas eine großzügige Werbetätigkeit für den zionistischen Gedanken der zionistischen Bewegung zu entfalten. Die mehr als zweimonatige Propaganda-Tournee des Herrn Sokolow hat sich zu einem' wahren Triumphzug der zionistischen Idee gestaltet und unter der jüdischen Bevölkerung Amerikas beispiellose Begeisterung hervorgerufen, in zahlreichen Massenversammlungen, die stets von mehreren tausend Personen besucht waren, enthusiasmierte Sökolow in New- Yoik alle Kreise der dort ansässigen Judenschaft für die zionistischen Bestrebungen. Ja, es gelang ihm; weit über die jüdischen Kreise hinaus wannherziges Interesse für die Renaissance des Judentums auf dem Boden Palästinas wachzurufen. So z. B. gab der Mayor von New-York, Mr William1 J. Gaynor, in einer längeren Unterredung mit Herrn Sokolow seinen lebhaften Sympathien für die Ziele der Zionisten Ausdruck. Der bekannte Philanthrop Nathan Straus, der sich schon früher für das zionistische Kolonisationswerk in Palästina interessiert hatte und dem' die Errichtung des Jüdischen Gesundheitsamtes (Health Office) in Jerusalem' zu verdanken ist, bekannte sich unter dem1 Eindrücke der Sokolowschen Darlegungen rüc khaltlos als Anhänger der zionistischen Bewegung. In Boston erklärte Mr .Louis D. Brandeis, der als fortschrittlicher Politiker eine führende Persönlichkeit des amerikanischen öffentlichen Lebens ist, zum1 ersten Male mit Nachdruck seine Sympathie für den Zionismus. Mr. Brandeis wird voraussichtlich zu dem' diesjährigen Wiener Zionistenkongreß als Delegierter reisen. Er hat einen ansehnlichen Betrag für den Propagandafonds der amerikanischen Zionisten gespendet und bekundet ein sehr lebhaftes Interesse für die praktischen Kolonidationsfragen in Palästina. In Baltimore interessierte Herr Sokolow eine Anzahl einflußreicher und sehr angesehener Persönlichkeiten für den Zionismus. Im Anschluß an die Versammlungen in Philadelphia trat Herr Sökolow mit Judge Sulzberger, Dr. Cyrus Adler und bei dem1 Jahresfest der Jewish Publication Society mit Judge Simon Rosendale aus Albany, Mr. Louis Marshall aus New Yoric und zahlreichen Führern des jüdischen öffentlichen Lebens zusammen. In Chicago erweckte er bei den führenden Juden deutscher Herkunft werktätiges Interesse für die zionistischen Bestrebungen. Auf seine Veranlassung zeichnete Mr. Charles Schaffner, einer der Führer der Sinai-Gemeinde, einen ansehnlichen Betrag für den zionistischen Zentralfonds. Im' Laufe des Monats April sprach Herr Sokolow noch mit großem Erfolg in zahlreichen Städten der Vereinigten Staaten, u. a. in Worcester, Massachusetts, Newark N. J., Portland, Providence, Pittsburg, Detroit, Milwaukee. Von den Vereinigten Staaten begab er sich nach Kanada, wo ihm' die jüdische Bevölkerung gleichfalls allerorten' einen begeisterten Empfang bereitete . Am1 IQ. Mai hielt Herr Sokolow in Montreal in einem1 riesigen Massenmeeting einen zweistündigen Vortrag, der stürmische Begeisterungskundgebungen hervorrief. Für den zionistischen Zentralfonds wurden in der Versammlung und außerhalbderselben beträchtliche Summen gezeichnet. Esi herrschte ungeheurer Enthusiasmus. Aehnlidhe Erfolge erzielte Herr Sokolow in den übrigen Städten Kanadas. ■ V * ♦ Die Einigrationskonferenz und die Bankfrage. Mitte Mai traten' Delegierte der verschiedenen Hilfsorganisationen in Wilna zu einer Konferenz über die Emigrationsfragen zusammen, darunter war auch der Direktor der Jüdischen Kolonialbank, Dr. Kat ze n e 1 s oh n. Der Sekretär der J. K. A., Herr Janowski bezeichnete den Plan einer Emigrantenbank für unpraktisch, weil es unmöglich 'wäre, so viel Filialen zu errichten als nötig''wären und überdies die russischen Gesetze den offenen Verkauf von Billeten nichtrussisdfer Schiffahrtslinien verbieten. Er beantragt, 'die Geldvermittlung einer bestehenden Bank zu übertragen. Verschiedene Redner kritisierten in scharfer Weise die autokratischen Allüren'der :J. K. A. Ein ausführlicher Bericht über die Konferenz wird demnächst publiziert werden. Ein Hngrifi auf die Leitung. Es ist noch in guter Erinnerung, welch heftige Angriffe einer der Direktoren der Jüdischen Kolonialbank, Gg. Josef Cowen, vor dem Q. Kongreß gegen Prof. Warburg, den jetzigen Vorsitzenden des enteren Aktionskomitees, gerichtet hatte. Er behauptete, daß die von Prof. Warburg inaugurierten zionistischen Palästina- Unternehmungen nicht' rentabel seien, weshalb er diese Gründungen verurteilen müsse und nicht unterstützen könne. Die Form seines damaligen offenen Briefes war eine so schärfe, daß sie allgemein Entrüstung erregte. Ueber den Inhalt ist wohl heute kein j Wort mehr zu verlieren. Die P.-L.-D.-C. (Palästina-Landentwicklungsges.), der Cowen speziell seine Unterstützung versagte, hat inzwischen nicht Weniger als 6 jneue kolonisatorische Ansätze in : Palästina geschaffen und wenn isiepoch keine Dividende zählte, so werden jene Zionisten, die ipsere Bewegung nicht als eine Geschäftssache ansehen, daraus nicht den Schluß ziehen, daß etwa die P.-L.-D.-C. welche Kolonisationsarbeit so wichtige und unentbehrliche Dienste leistet „ deshalb nichts tauge. Trotz der Angriffe des Herrn Cowen hat die von Prof. Warburg geführte Richtung die Leitung der Gesamtbewegung übernehmen können und .wir dürfen wohl jsajgen, (daß die Art dieser Leitung eine äußerst erfolgreiche ist. Nur einige wenige Wortführer jener Richtung, die sich das Privilegium1 vindiziert, ‘ den politischen Gedanken Herzl’s in voller Reinheit zu vertreten, sind mit dem Engeren Aktionskomitee unzufrieden, darunter auch' wieden: Herr Josef Cowen. In einer öffentlichen Versammlung, die kürzlich in London stattfand, griff Herr Cowen die Leitung der zionistischen Bewegung aufs heftigste an. Die Vorwürfe, die er gegen sie erhob, waren teilweise.: total unverständlich. So sagte er, das Engere Aktionskomitee hätte die nationale Basis verlassen, auf welcher Herzl gearbeitet hätte. Was Cowen damit meint, kann nur annähernd erraten werden. Daß die neue Leitung die Organisation jm1 Sinne nationaler Vertiefung leitet, wird wohl auch Herr Cowen nicht bestreiten. Er meint wahrscheinlich, Herzl hätte in der äußeren Politik nur auf jüdischer Basis gearbeitet, indes das Engere Aktionskomitee — natürlich in Cowens Phantasie — einseitig mit irgend einer Mächtegruppe Politik macht. Diese Deutung ergibt sich daraus, daß Cowen weiterhin behauptete ,durch die Uebertragung der Leitung nach Berlin, sowie durch die Gedankenlosigkeit und Nachlässigkeit des Engeren Aktionskomitees sei das Mißtrauen Englands geweckt worden , welche Macht den Zionismus als ein Werkzeug Deutschlands ansieht. Dem gegenüber muß betont werden, daß das Engere Aktionskomitee niemals eine Politik betrieben hat, die jene Kritik rechtfertigen würde. Das Engere Aktionskomitee hat in seinen politischen Maßnahmen vor allem die Aufklärung der türkischen Regierung (und OeffentliChkeit feich angelegen sein lassen, um diesen Faktoren begreiflich zu machen, daß die Ziele des Zionismus mit den wohlverstandenen Interessen des osmanischen Staates aufs beste harmonisieren. Den Mächten gegenüber hat das Engere Aktionskomitee stets den Grundsatz Herzls festgehalten, daß wir das Wohlwollen aller Mächte brauchen und uns nicht den Luxus erlauben können, große Politik zu imaChen, d. h. uns an eine der bestehenden Mächtegruppen anzulehnen und damit die Feindschaft einer anderen uns zuzuziehen. Gerade deshalb hat das Engere Aktionskomitee sich bemüht, jdie lange vernachlässigten Beziehungen zu England wieder herzustellen. Es ist ja durchaus möglich^ daß irgend eine Macht gewissen Einflüsterungen Gehör schenkt und die zionistische Bewegung als Sachwalterin bestimmter Interessen ansieht. Die Aufgabe des Engeren Aktionskomitee ist es demgegenüber, falsche Auffassungen zu zerstreuen, und die Leitung hat sich’ aufs redlichste bemüht, dies zu tun. Für das Entstehen solcher Auffassungen kann sie nicht verantwortlich gemacht werden, denn sie hat nichts getan, was irgend einen Argwohn erwecken könnte. Die Leitung muß doch irgendwo einen Sitz haben. Wäre dieser in London, so könnte es leicht eintreten, daß wieder die deutsche Regierung mißtrauisch1 wird. Vor solchen Deutungen kann man sich nicht dadurch schützen, daß man die Leitung nach' Wolken- Ckudkusheim1 verlegt, sondern nur so, daß man intensive politische Aufklärungsarbeit leistet, an der es das Engere Aktionskomitee nicht fehlen ließ. Es wird ihm sehr leicht sein, nachzuweisen, daß der Sitz der Leitung nicht aus politischen Gründen nach Berlin verlegt wurde, sondern weil nirgends anders die erforderlichen führenden Persönlichkeiten zu finden waren. Die Gesinnungsgenossen in London z. B. sind gewiß sehr tüchtige Leute, aber nachdem' sie nicht einmal imstande waren, die kleine englische Organisation fest zu fügen und vor immerwährenden Spaltungen zu bewahren, konnte man ihnen die Leitung der Weltorganisation gewiß nicht anvertrauen. Der Kongreß ist auch nicht etwa deshalb nach Wien einberufen worden — welche Maßnahme Cowen scharf rügt — um auf ihm für die zionistische Organisation österreichische Politik zu proklamieren, sondern um ihn end- NESTLE" KINDERMEHL f altbewährtes_ PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: ■ HENRI NESTlx.WIEjUBlBERSTRflSSE 1| LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. ln tigenen Palais. —Versilbertes Kapital zirka 380 nillionen. — Pramienreseroe zirka 113 Millionen. —Billigste Prämien nnO kula - r er. ui Engagiert jederzeit füAfige, leistungsfähige Agenten gegen koke Bezöge. flnskfiiifteerteilt Oie 6eneralagentsdiaft Bien, I., fispernplatz 1 (beiter: Daciö Hebenzahl). Für Ostgalizien u. Bukowina: SnMirehtion Mb. lanoes, fiemkerg.