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Jüdische Zeitung · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 nister darauf Einfluß nehmen wolle, daß der akademische Senat der Wiener Universität seine bisherige Stellungnahme zugunsten einer gewalttätigen kompakten Majorität aufgibt und das : Recht der Minorität mit allen zu Gebote ste- ' henden Mitteln schütze. Der Unterrichtsminister Dr. v. Hu^sarek betonte, daß er stets auf dem Standpunkte der Gleichberechtigung aller Studenten der Univer- sität gestanden sei und stehe. Dieser seiner : Meinung habe er immer auch im Parlament -Ausdruck verliehen. Jetzt beschäftigt sich das ’ Unterrichtsministerium damit, einen Weg zu finden, umdiese Theorie der Gleichberechtigung ■ ‘ in die „Praxis umzusetzen. Der Minister versprach schließlich, sich eingehend mit der An-; gelegenheit zu befassen. Dieselbe Abordnung sprach auch beim; Rektor Hofrat Weichselbaum vor. Dieser er- - klärte daß der akademische Senat den ganzen : ■Komplex der Angelegenheit in seiner am Frei- ’ tag stattfindenden Sitzung eingehend beraten werde. 1 ' ' ■ * Mittwoch abends fand ehe Versammlung der, - Fortschrittsfreunde (lies: jüdische Assimilanten) •statt, welche zu den deutsdhnariona’en Exzessen Stellung nahmen. Diese Herren, welche gern ihre Nasen hinter fremden Rockschößen verbergen,: versuchen jetzt die männliche Haltung der. jüdischen Studentenschaft für ihre assimiVc-isrirm- ‘ Zwecke zu früktifizieren. Es siei ausdrücklich ‘festgestellt, daß die jüdische Studentenschaft ihren Kampf für ihre und der bewußten Juden -.Ehre führt und nicht mit den deutschtümelnden : Assimilanten, welche winselnd der deutschen Ge- ‘ meinschaft nachlaufen, verwechselt zu werden wünscht. * Der Zufall brachte es mit sich, daß am Mitt-‘ ‘ woch eine Gerichtsverhandlung 'stättfänd, weiche die Vorgänge an der Universität in helles Lidht_ rückt. Ueber die Verhaiifllung liegt folgender! Rorifht vor: ' . 4 ....... Am 16.-März würde in der Hauptallee des; "Praters der Student O. Schwarz, der sich inj ' Gesellschaft einer Dämfe befand,' von einem ihm' •'gänzlich unbekannten deutschnationalen Studenten Richard Röllner mit den Worten ,.jüdischer. Lausbub“ beschimlpft. Der,Beschimpfte verlangte yon ihm' die Karte, worauf Röllner antwortete :■ „Juden gebe ich keine Satisfaktion“. Schwarz' ■ versetzte ihm' nun mit der Faust einen Schlag . ins Gesicht, durch' den Röllner eine Verletzung; erlitt. Aut Grund einer Anzeige hatte sich’ Schwarz vor dem' Bezirksgericht Leopoldstadt -zu verantworten. Der Angeklagte gab-den Vorfall im' Wesentlichen vollkommen zu und be-‘ . Werkte, daß er über den ihm von einem Fremden in Gegenwart einer Dame ohne jeden Grund ' zugefügten Schimpf und die Verweigerung jeder. Satisfaktion sowie der Nennung des NamCnS derart empört war,' daß er Instinktiv Herrn . Röllner ins Gesicht geschlafen habe. — Der Zeuge Röllner stellte den Vorfall so dar, als hätte er sich mit Begleitern ganz harmlos über, die in der Hauptaliee befindlichen vielen Juden unterhalten, worauf er von dem’ Angeklagten, der die Aeußerung auf sich bezogen habe, beleidigt worden sei. Er habe allerdings „Judenbub“. gesagt und seine Karte habe er dem' Angeklagten nicht gegeben, weil er prinziniell Tu- -den keine Satisfaktion gebe. .— Verteidiger Dt. . Schönbach : Wenn Sie es aus prinzipiellen Gründen getan haben, «o e-kläre ich'. Ihnen hier, däb es ein feiges Prinzin ist, zu beleidigen und keine Genugtuung zu' •'e’ e->, nicht einmäl seinen Namen zu nennen, sich rmzuWenden Und so zu kneifen. Ihre Wand'uugsweise ist nichts anderes! Bezirk srichter Dr. Wladarz verurteilte den Angeklagten 7zu zwanzig Kronen Geldstrafe, .wobei -er die Aufregung infolge des Verhaltens des Beschädigten* und, das Geständnis als mildernd annahm1. Nach''der' Urteilsfällung fragte der Zeuge- R-Vlge-, Was mit-’,seinem .Schmerzensgeld von 1400 K sei. worauf der Richter bemerkte, daß er_ dasselbe im Zivilrechtswege geltenärtugchen ..könne, " Zu- -diesem' ' Berichte sei hinzugefügt: Die Feigheit des deutschnationalen Rüpels wird nur noch durch dessen Unverschämtheit übertroffen. Der famose.Herr Rä'lner ist auf einen eigentümlichen Erwerbszeig verfallen: er will von den Ohrfeigen, die .er bekommen hat, Einkünfte beziehen. Ein Watstiiemüannunternehm er, der selbst die Rolle des Watschenmannes spielt! . JÜDISCHE ZEITUNG PapteisNadirichten. Jarienitenspende. Zur Ehrung des verstorbenen Vaters unserer Gg. Ing. Ridiard Bauer und Dr. Lothar'Bauer sind an unseren Gg. Dt. Alfred Löwy, den. Obmann des „Verbandes der Alten Herren“, Spenden im1 Betrage von K 1010 für ein Jemenitenhaus eingelaufen. Das Haus soll den Namen : des hochgeschätzten Verblichenen „Josef Bauer Wien“ tragen. Der Ausweis der .Teilspenden wird in der nächsten Nummer der „Jüdischen Zeitung“ erscheinen., . * Soeben ist im Verlage des Vereines „Wiener zionistischen Vereinigung“ eine gleicht faßliche, speziell für die Jugend bestimmte Broschüre vom Gg. Redakteur Julius Löwy erschienen, die . sich vorzüglich zur Propaganda eignet. Der Preis der Broschüre beträgt pro Stück 14 Heller. 20 Stück kosten 2 K. Zu beziehen durch die „Jüdische Zeitung!!,. * Nachrichten , aus Mähren- Schlesien. Vereinsabende.' Troppau: Verein „Jeschurün“. Jeden Samstag im Vereinslokal (Salzgasse 45), 8 Uhr abends. Zion. Mädchenverein „M i r i a m“. Jeden Dienstag abends im Vereinslokal Salzgasse Nr. 45). Proßnitz: Verein „Zion“. Jeden Samstag oder Sonntag abends im Jüdischen Casino. Olmütz. Jeden Mitwodh, 8 Uhr abends, im Klub-Zimmer des „Grand-Cafe“. -Iglau: Jüd. Volksverein „Theodor Herzl“. Jeden Samstag, uns 8 Uhr abends, im Vereinszimmer des „Grand-Hotel“ (Leupoldgasse 3). Ung. H’radisch: Jeden Sonntag, abends 81/2 Uhr, im Cafe Braun. Mährisch-Ostrau: (Volksverein „Zion“.) Jeden Donnerstag, 8V2 Uhr abends, im Klubzimmer des Cafe „Union - - (Ringplatz). Oderberg: Jeden Dienstag nach dem 20.; eines jeden Monates,. 8 Uhr abends, Kultus-! gemeinedekanzlei. >; ■ Brünn: Mädchenverein „M i r j a m“. Jeden Samstag von 5—7,]Uhr im Vereinslokal, Großer Platz 21. . . 7 | Natiohalfo-mdskominission. Jedenj . Mittwoch von 8—10 Uhr abends, Cafe RoyalJ Jägemdorf,;Hot.el Spitzer. Jeden Samstag,, 8 . Uhr abends,, Zusammenkunft der Gesirinungs-j t-genossen. y/-%:! Die Niederlageder-. Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhahdjung, II., Rotenstenigä^b'22.' Telefon 17348. Zu den Sammlungen für „Arbeiterheimstätten“ (Jemenitenhäuser). Vor' etwa einem' Jahre hat der Nationalfonds aus Anlaß der überstürzten Jemeniteneinwanderung nach Palästina die Hausspende im' Betrage von 1000 Frcs. — 800 Mk. etc. eingeführt.- Hiedurch sollten dem N.-F., dessen -Hauptzweck bekanntlich' auf anderen Gebieten liegt, für diese Notstandsäktion außerordentliche Mittel seitens vermögender Kreisezugeführt werden. Aut vielfachen Wunsch, den Minderbemittelten una Ortsgruppen .durch Teilzahlungen die Stiftung von Häusern' zu ermöglichen, hat das N.-F.-Dkektorium beschlossen, bis Ende 1913 Ratenzahlungen zugenehmigen, deren erste nicht unter Mk. 50,— und deren weitere nicht unter Mk. 10.— betragen dürfen. Bei näherer Prüfung der Spendeneingäng'e zeigt sich' nun, dar» dieser Beschluß vielfach mißverstanden wurde,, indem1 nämlich1 häufig von Einzelpersonen Spenden unter, Mk. 50.— bezw. Mk. 10.— für Arbeiterhelmstäften entgegengenommen wurden. So kommt 'es, :daß die allgemeinen Sp ehd en,' über deren Verwendung die N.-F.- Vervvaltung zu bestimmen -hat, immer mehr zu Gunsten der Häuser spenden zurückgehen. Daß dieser Vorgang nicht dem1 Zwecke der. Häuserspende entspricht^ ist klar: es werden nämlich' Spenden, die sonstdem -allgemeinen' Fonds zugeflossen Wären, einfach. diesem entzogen und für Arbeiterheimstatten bestimmt.' : - , Damit dieser Uebelstand-für die , Folge wegfällt, machen wir unsere Vertrauensmänner und Gg.; daraut aufmerksam, daß künftig bei der . Agitation für Arbeiterheimstätten in erster Linie auf die Bewilligung von Frcs. 1000.—Spenden seitens Einzelpersonen und Korporationen hinzuwirken ist. Wo,, solche nicht zu erlangen sind, sollten jedenfalls Spenden für Arbeiterheimstätten nicht unter Mk. SO.— für die erste Rate und nicht unter Mk. 10.— für die weiteren, entgegengenommen werden. Spenden, die - diesen Bestimmungen nicht entsprechen, werden wir in Zukunft den „Allgemeinen Spen: d en“ zuführen und unter dieser Rubrik aus! weisen. Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds; - C ö l n. _ - - - :; Nr. 21 -—-;-r. Bus dem juöildien Beben. Großes Brandunglückim Judehviertel von Preßburg. . i i Preß bürg. Die jüdische Bevölkerung . unserer Stadt ist am Samstag, den 17. Mai, von einem entsetzlichen Brandunglück heimgesücht worden. Gegen 143 Uhr nachmittags brach in der dem Judenviertel benachbarten Petöfigasse aus unbekannter Ursache ein Brand aus, der sich' infolge des orkanartigen Sturmes rapid ausdehnte und alsbald in die fast ausschließlich von Juden bewohnten Straßenzüge: Nikolaigasse, Schloßgrundgasse, Kapuzinerstraße, Schloßstraße und Klarissengasse Übergriff. Im Verlaufe einer Stunde stand ein Komplex von etwa neunzig Häusern in Flammen. Die Lokalisierung des Brandes bot die größten Schwierigkeiten, weil das Terrain des Judenviertels sehr hügelig und winkelig ist und die alten Häuser, teilweise mit Schindeln gedeckt, bis zum Dachboden mit altem Hausrat vollgepfropft sind. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab .Die armen jüdischen Trödler und Kleinkrämer suchten aus den brennenden. Häusern, und Geschäftsläden ihre armselige Habe herauszusch’eppen; außerhalb des Militärkordons standen jammernd die. Angehörigen der im Brandteile Verbliebenen, weil sie nicht zu den Ihren gelangen konnten.. Ünter den obdachlos gewordenen 1500 Familien waren etwa 12Q0 jüdische, gleich 6000 Seelen. Die armen Leute wurden in Schulen, im. Völksheim, in verschiedenen Stiftungshäusern, in den Kasernen, Spitälern und im Palais des Erzherzogs Friedrich untergcbracht und durch Lieferung von Milcli und Brot vor dem Hunger geschützt. Der berühtnte Lehrsaal. der Preßburger Jeschibah, die sogenannte „Schiurstube“, ist samt allen Büchern der Teichen Bib'iofhek zugrunde gegangen. Die orthodoxe Synagoge wurde! schwer beschädigt; jdie 'Thorarol'en und Synagogengeräte konnten gerettet werden. In vielen brennenden Häusern des Judenviertels lagen alte und. kran.ke Leute hilflos. Militär und Feuerwehrleute drangen mit Todesverachtung tri die. brennenden Wohnungen ein und trugen auf .‘Tragbahren, die Hilflosen hinab in die Stadt. Bisher ist nur ein Todesfall bekannt geworden, der eines Feuerwehrmannes, der während der LöschärbePen vom Schlage getroffen wurde . Ferner .wird ein jüdischer junger Mann vermißt, der im dritten Stockwerk eines Hauses der Judengasse (Schloßgrund) hasse) krank feui Bette lag; Die Zahl der Verwundeten ist sehr groß; darunter sollen sich'. .38 ' Schwerverletzte befinden, von ,denen manche ihren Wunden erliegen dürften. Ein junges jüdisches Mädchen wurde Irrsinnig. Der. materielle Schaden wird auf mehrere Millionen Krönen. geschätzt. An den Lösch- und Ret'ungsarbeiten beteiligten sich auch' die telephonisch herfeeigerufene Wiener Feuerwehr und die Wiener Rettungsgesellschaft. Erst gegen 8 Uhr abends konnte der ungeheuere Brand loka'isiert werden und erst in den frühen Morgenstunden konnten die Feuerwehren Shre‘ Ak+ion beenden. Das. Elend unter der jüdischen Bevölkerung ist unbeschreiblich'. Hunderte von Familien sind obdachlos 'geworden und völlig an den Bettelstab geraten. Es würde sogleich eine Hilfsaktion eingeleitet, und bisher ist ein Betrag von 'etwa 200.000 Kronen zur Linderung der grenzenlosen Not' aufgebracht Wörden. ' . ■ Organisierung de: jüdischen Oragenpflanzer in Palästina. •J a-f-fa: Am - Sonntag, den. -4. Mai, fand-.in •den Räumen -der Anglo-Palestine Company.-die zweite Versammlung . der jüdischen. Orangen- .pflanzer .von. Judäa -statt. - .Wie schon.-..früher mitgeteilt wurde, bezweckt, die vom genannten! Wien, II., Tabörstr. 17 [Hirschenhaus]' empfiehlt sich 2ur Einrichtung von Vereinsr und Schulbibliothekeri, sowie. Lieferung. von. Büchern .. . - - '.- jeher Art. Antiquariat.; .Provinzversand.

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