Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Agitation für die Wahlen galten). In Rußland ist die jiddische Presse noch sehr jung, da sie bis vor zehn Jahren verboten war. Das erste jiddische Tagblatt, dessen Erscheinen Plehwe erlaubte, der „Frajnd“, hatte nichtsdestoweniger sdion Zeit, „akademisch“ zu werden. Das'jüdische Volksblatt, der „Hajnt“, zählt mehr als hunderttausend Abonnenten! Das jüdische Theater stand in Rußland infolge der polizeilichen Schwierigkeiten auf niedriger Stufe. Und noch immer hindern die Verhältnisse seine Entwicklung. In Amerika dagegen hat es eine sehr hohe Stufe erreicht. Newyork allein besitzt vier jiddische Theater, außer Philadelphia, Boston, Chicago, Montreal. Paris hat auch seine jiddische Bühne. Ebenso London, (wo sogar in der letzten Zeit ein jüdisches Theater von Arbeitern gebaut wurde). Doch1 stehen die Bühnen der. letztgenannten Städte nicht auf besonderer Höhe. Im Gegensätze zu Newyork, dessen jiddisches Theater das ernsteste in Amerika ist. Ibsen, Hauptmann, Tolstoi sind dort häufige Gäste. Und die Schauspielkunst brachte schon Darsteller, wie Adler Und Keßler und die Damen Lipzin und Kalisch hervor. Jüngst nahm man sich noch von Berlin den berühmten Schauspieler Schildkraut, der nun dort mit Erfolg im jiddischen Theater spielt. üudisto Sport. Hakoah schlägt Wiener Bewegungsspieler 2:0. Die in der Meisterschaft der II A-Klasse an zweiter Stelle stehenden Bewegungsspieler sind eifte .äiißerst spielstarke Mannschaft, die bedeutende : Erfolge äufzuweisen hat. Aber auch sie mußte an die Ueberlegenbeit der Hakoah glauben; die jetzt in der zweiten Klasse sicherlich keinen; Gegner zu fürchten hat. Das Spiel begann mit einer Offensive Hakoahs. Nach einem Geplänkel im1 Mittelfelde ging Jenö am rechten Flügel durch, der Schuß ging aber .knapp daneben. Hierauf zwei Eckstöße gegen Bewegung, der eine,- von Horwitz Schön gestoßen, wird von Kolisdi I eingeköpft. Hakoah führt! Die Bewegungsspieler greifen jetzt .mächtig an. HalperrT"halt einige Schüsse. Bald gehen aber die Blau-weißen wieder zur Offensive über und geben.'dem1 Tormann schwere Arbeit. Schließlich wird ein von Grasgrün gut vorgelegter Ball von. Jenö schön eingeschossen. In der zweiten Halbzeit sind vorerst die Bewegungsspieler im Angriff. Ihre Stürmer sind sehr rasch und spielen gut zusammen. Mit aller. Energie suchen sie noch die drohende Niederlage zu vereiteln. Aber die Hintermannschaft der- Hakoah ist auf der Hut. Halpern ist ausgezeichnet disponiert und hält alles. Bald bekomhit aber Hakoah wieder das Heft in die werden, etwa 70°/o im Lande selbst hergestellt, durch die Arbeit jüdischer Hände. Die jüdischen Schneider werden sogar bei den Militärbestellungen bevorzugt, weil sie ungemein pünktlich sind; eine, seltene Tugend bei den Schneidern, die sie oft dadurch erreichen, daß sie die Nächte durcharbeiten. . Die Sozialdemokraten treten gegen die jüdische Einwanderung mit Hinweis darauf, daß die Juden die Löhne herabdrücken, mitunter sehr scharf auf. Wie erwähnt, haben sie nicht rech*, da die eingewanderten Juden sich meist in den Industrien betätigen, die sie selbst eingeführt haben.- Allein das tut nichts zur Sache, ja die Herren Sozialdemokraten drohen sogar, indem sie den Juden zurufen; „wenn ihr nicht mit uns seid^. sind wir gegen euch!“ ...; In.Dänemark nehmen die Juden im politischen und literarischen Leben eine sehr hervorragende Stellung, ein..;Von den hervorragenden Persön: lichkeiten. ist;im Auslande Georg B r a n d e s, der berühmte; Kritiker,.-, die Bekannteste. Er hat die Werke ..der,.-nordischen Dicht’ergrößen Europa vermittelt. Georg Brandes ist auch schon vermöge seiner jüdischen Abstammung ein Freiheitssdiwärmer. Er begeistert sich für die Freiheit aller unterdrückten Völker, von den Finnen bis zu den Persern, von den Polen bis zu den Albanesen, allein das Schicksal des eigenen Volkes läßt ihn/gleichgültig, ja seine Freiheitsbestrebungen sind ihm verhaßt. Jedoch auch diese yön den Assimilantei gefeierte Persönlichkeit konnte seinem Schicksal nicht entgehen. Im vergangenen Winter begann, der bekannte Goetheforscher ' Dr.. Konrad Simonsen, ein waschechter: Däne, eine Vorlesungs-eihe, in deren Verlauf er auch über das „jüdische“ Genie in Dänemark redete. In diesem Vortrage richtete er Hand. Die Gegner spielen jetzt ziemlicht scharf, während sich die Unsrigen für das zweite Match schonen. So geht die Hakoah als vielbejubelter Sieger hervor. , * Hakoah schlägt Tatabanya 4:0. Die so siegesbewußten Ungarn kehren mit einer schweren Niederlage heim1. Die Provinzmeister und Bezwinger mehrerer erstklassiger Budapester Vereine fanden in der Hakoah den Meister. Was die Unsrigen h} der zweiten Halbzeit zeigten, das war höhe erste Klasse.— Die erste Halbzeit verlief zuerst ziemlich' men noton. Allmählich findet sich jedoch die Ha-. fcoah. Die Stürmer spielen jetzt gut zusamt men. Gansl bekommt in der Mitte den Ball vorgelegt. Ein prächtiger Lauf, beide Verteidiger. überspielend und schon zappelt der Ball im Netz. Ein nicht endenwollender Beifallssturm' folgt dieser Prachtleistung. Bald darauf Halbzeit. Nach Wiederbeginn ist die Hakoah wie ausgewechselt. Im prächtigsten Kombinationsspiel sind die Hakoahuer fast ununterbrochen Herren der Situatipn. Sträußer und Rosenthal werfen die Durchbrüche der Ungarn mit Eleganz zurück, so daß Halpern gar keine Arbeit bekommt. Glaset ist überall, er füttert seine Stürmer mit Bällen. Mehfer spielt für die Mannschaft sehr nützlich. Dukes hatte einen glänzenden Tag. Er arbeitete mit einem Repertoire von Finten, die oft schallenden Beifall hervorriefen. Horwitz und Grasgrün, die beiden Flügelstürmer, inszenierten prächf-'' Läufe und das Inhentrio Kolis'ch I, Jenö und Kclisch II zeigten vorzügliches Zusamm en piel. So konnte der Erfolg nicht ausbleiben. Vorerst erhöht Kolisch I mit BombenSchüsse das Score aut zwei. Dann ist sein Bruder zweimal erfolgreich. Speziell das dritte Tor war eine Prachtleistung. Der ungarische Torman hielt sehr brav, so daß er eine noch Sctrwe-ere Niederlage abwenden kann. Bei den Ungarn war die Verteidigung seht gut. Ihr bester Mann war der linke Half. Auch der''Genterhalf spielte recht gut, nur etwaszu derb. - Die Stürmer sind sehr rasch, doch' fehlt es ihnen vor dem Tore an Sicherheit. Die beiden Wettspiele haben der Hakoah viele neue Anhänger gebracht; Das Spiel fand bei den Fachleuten volle Anerkennung. A. B. * Schauturnen des jüdischen Turnvereines Brünn. Das Schauturnen fand am 20. April d. J. im großen Festsaale des Deutschen Hauses statt. Es war die erste rein turnerische Veranstaltung des jungen Vereines. Wir freuen uns feststellen zu können, daß der Turnverein einen Erfolg zu verzeichnen hatte, der die viele Arbeit lohnt die schärfsten Angriffe gegen Georg Brandes Er warf ihm in den heftigsten Werten vor, daß er sich bei jeder Gelegenheit bestrebe, seine jüdische Abstammung zu verstecken. Ein glänzender Beweis dafür, daß der sein Judentum verleugnende Jude bei aufrechten gerader Menschen ohne Unterschied*- der Nationalität keine Achtung genießen kann. Die Einwanderung nach* Dänemark und Schweden nimmt immer mehr zu, so daß es nicht ausgeschlossen erscheint, daß sich die 10.000 Seelen zählende jüdische Bevölkerung Skandinaviens in einigen Jahren verdoppeln wird. Es ist ein Arbeitsfeld für die-zionistische Organisation, ein Boden, der nicht--ungünstig ist und der mit der Zeit ein neues Südafrika werden kann. Das Menschenmaterial > ist dasselbe wie in den englischen Kolonien und. die a’^n Hoffnungen unseres Volkes leben noch in den Neudänen und Neuschweden. . . In keinem der drei Länder ist ene Assimilation ohne Aufgabe der Religion mög'ich. Niht einmal eine scheinbare AssimiIa*ion, wie z. B. bei uns oder in Deutschland. Denn alle drei Länder sind zwar freireligiös, hätten aber an der kirchlichen Organisation, an der Landeskrchfest und lassen niemanden in ihre Nähe, '"caüßerhalb dieser Schranken steht. So wird den Juden vor die Augen geführt, daß sie nur durch völlige Aufgabe ihres Judentums gute Skandinavier werden können. Nansen, Hedin und Brandes kennzeichnen am besten die Tragik des jüdischen Volkes itn hohen Norden. Wollen wir horfe\ daß sie die letzten Vertreter der altersschwachen Assimilation sind und von. einem neuen, kräftigen, jüdisch fühlenden und handelnden Geschlechts abgelöst werden. und der dem Verein bei Freund und Feind vollste Anerkennung verschaffen wird. Mit turnerischer Pünktlichkit gab der Turnwart des Vereines, Herr techn. Gottlob das Zeichen zum Beginn. Unter den Klängen der Hatikwah marschierten die ausübenden Mitglieder des Vereines, 108 an Zahl in den Saal. Nach beendigter Aufstellung betrat der Obmann, Herr Dir. Wiesner das Podium und begrüßte die erschienenen Gäste. Hierauf begannen die turnerischen Vorführungen, die in bunter Folge ein Bild der turnerischen Arbeit des Vereines gaben. Wir wollen uns nicht in Detailbetrachtungen einlassen, wir wollen nur sagen, daß sowohl die Herrenriege als auch die Damen eine turnerische Vollendung zeigten, die in jeder Hinsicht überraschte. Die turnerische Disziplin, die Exaktheit in der Vorführung der Freiübungen, das harmonische Zusammenwirken der turnerischen Bewegungen boten ein Bild turnerischer Vollendung. Namentlich die zahlreiche Zöglingsriege, welche bei den Freiübungen Leistungen zeigte, die den Verein berechtigen, mit Beruhigung in die Zukunft zu blicken. Bei solch strammen Jungen braucht dem Verein um' einen Nachwuchs nicht bange zu sein. In der Sondervorführung zeigte eine gemischte Damen- und Herrenriege einen Stab- und Keulenreigen, der den Höhepunkt des Schauturnens bildete. Am Reck vollführten unsere ''r.rtu -emit tollkühner Verwegenheit Uebundie man selbst in alten, turnerisch hochstehenden Vereinen selten zu sehen bekommt. Arch der Besuch des Schauturnens war ein '"her Erwarten guter. Anwesend waren: Rabier Dr. Le.vy, Stadtrat Feldmann, der Obmann des jüdischen Turnvereines in Wien, Dr. Beer, Vertreter der Turnvereine in Boskowitz und Proßnitz und Vertreter fast aller jüdischen Vereine Brünns. Die Kultusgemeinde selbst war trotz Einladung offiziell nicht vertreten. Der Kultuspräsident Dr. Fiala hat vom Schnüturnen dieses lebensfähigsten jüdischen Vereines Brünns überhaupt keine Kenntnis genommen. ■ Mit Genugtuung sei dagegen festgcstellt, daß der Bürgermeister der Stadt Brünn, Herr Dr. Ritter von Wieser, sein Fernbleiben vom Schauturnen durch Unwohlsein entschuldigte und den Verein zu seiner weiteren Tätigkeit beglückwünschte. -Ju— * Wien. (Jüdische Turnerschaft, II. Kreis (Westösterreich]). Vor wenigen Tagen sind die Teilnehmer an der ersten Turnfahrt nach Palästina in ihre Heimat zurückgekehrt. Der Delegierte des westösterreichisehen Kreises, Herr J. U. C. Alfred Bachrach, wird am Samstag, den 17. d. M„ um 8 Uhr abends im Turnsaale des I. Wr. jüd. Turnvereines (IX., Liechtensteinstraße 20) den Verlauf der Reise und seine Eindrücke schildern, wozu alle Mitglieder der Vereine und Gäste herzlichst eingeladen sind. Sonntag, den 18. Mai findet auf dem Hakoahsportplatze in Floridsdorf (31er-Linie der Straßenbahn, an der alten Donau) das Meisterschaftswettspiel Hakoah gegen Slovan statt. Beginn 4 Uhr. K. ÜIJMI JAKOB PIK im Neubau des 'ist HOTEL NEW-YORK "W3 Wien, U.. Kle'ne Sperlgasse b bietet den P T. Gästen allen Komfort. — Küche und Keller sind als erstklassig; bekannt. Elegante und ge>äum<ee Lokalitäten. Hochzeits¬ und Festbankette werden bestens arrangiert. Vueinsnaduidiien. Wier. (Jüdischer HandlungsgehiTea-Verband, Ortsgruppe Wien, II., Taborstraße 11b.) Sonntag, den 18. d. M., 2 Uhr nachmittags, Versammlung der Jugend-Abteilung. Referent Kolt. Benno Deutsch. — Dienstag, den 20. d. M.» 8 Uhr, Diskussions-Abend über: „Mißstände in unserem Berufe.“ Gäste willkommen. — Die Stellenvermittlungs-Abtei 1 u ng des J. H. V. ersucht dringendst, von jeder lreiwerdenden Stelle ihr Mitteilung zu machen.