Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 jüdische zeitünö Nr. 2Ö PaFtekNachpidifen. Sch skelsairoilimg 5673 in Wien vom 7. bis 14. Mai 1913. Zionistischer Zentralverein K 60.—, Ingenieur Stricher K 12.—, Dr. Glücklich K 8.40, Wiener zionistische Vereinigung K 6.—, zusammen K 86.40, bereits ausgewiesen K 490.—, zusammen K 576.40. Die Inhaber von Schekelblocks werden ersucht, die bisher gesammelten SChekelgelder unverzüglich abzuführen. Auf Gründ eines Beschlusses des Distriktskomitees hat die Abrechnung alle 14 Tage zu erfolgen. Jene Gesinnungsgenossen, die noch keine Schdcelblochs haben, werden ersucht, solche im Bureau II., Karmeliterplatz 1/10 zu beheben, ßureaustunden täglich1 von 9—12, 2—6 Uhr. Die Gesinnungsgenossen, welche im Sommer die böhmischen Kurorte besuchen werden, werden ersucht, ihre Adressen dem' Zionistischen Distriktskomitee für Böhmen mitzuteilen. Adresse: Zionistisches Distriktskomitee für Böhmen in Prag, Langegasse 41. ♦ Nachrichten aus Mähren - Schlesien. Vereinsabende. Troppau: Verein „J e s c h u r u n“. Jeden Samstag im Vereinslokal (Salzgasse 45), 8 Uhr abends. Zion. Mädchenverein „M i r i a m“. Jeden Dienstag abends im Vereinslokal Salzgasse Nr. 45). Proßnitz: Verein „Zion“. Jeden Samstag oder Sonntag abends im Jüdischen Casino. Ohnütz. Jeden Mitwodh, 8 Uhr abends, im Klub-Zimmer des „Grand-Cafe“. Igiau: Jüd. Volksverein „Theodor. Herzl“. jeden Samstag, um 8 Uhr abends, im Vereinszimmer des „Grand-Hotel“ (Leupoldgasse 3). Ung. Hradisch: Jeden Sonntag, abends 81/2 Uhr, im Cafe Braun. Mährisch-Ostrau: (Volksverein „Zion“.) Jeden Donnerstag, 8V2 Uhr abends, im Klubzimmer des Cafe „Union“ (Ringplatz). Oderbarg: Jeden Dienstag nach dem 20. eines jeden Monates, 8 Uhr abends, Kultusgemeinedekanzlei. Brünn: Mädchenverein „Mirjam“. Jeden Samstag von 5—7 Uhr im Vereinslokal, Großer Platz 21. N a ti o n a 1 f on dsk om mission. Jeden Mittwoch von 8—10 Uhr abends, Cafe. Royal. Die jndisAe Sprache nnfl fciteratUF. Von Schalom Asch. IW Berliner „Börsen-Coürier“ schreibt Schalom' Asch über die jiddische Spradh'se und Literatur. Wir können uns, trotz des extrem1 „jiddischen“ Standpunktes des Dichters des jüdischen Städtels nicht versagen, unseren Lesern seine Ausführungen, wenn auch nur auszugsweise, zu übermitteln. Die jiddische Literatur reicht ebenso wie die jiddische Sprache tief ins Mittelalter zurück. Doch' waren die in dieser Sprache geschriebenen Bücher-bis zum’ vorigen Jahrhundert nUr für Frauen, Kinder und das gewöhnliche Volk, und zwar in erster Linie für deren religiöse Bedürfnisse bestimmt (während die Gebildeten Hebräisch lasen). Davon hätten sie jene weichte, herzliche Einfachheit, jenen Ernst, den diese Gattung von, Büchern verlangt. Der „Zerinerenne“*), eine Sammlung dem Talmud und jüdischreligiösen Werken entnommener biblischer Legenden, ist das populärste Buch' unter den Juden. Aus diesem1 Quell befriedigten unsere Afütter und Väter — denn nur ein kleiner Teil des Volkes war, wie gesagt, so „gelehrt“, uni 'die hebräischen Bücher lesen zu können — ihre religiösen und nationalen Bedürfnisse. Mit diesen stillen Legenden überwanden sie die schweren Zeiten des Ghettos. Mit ihnen schläfern bis auf den heutigen Tag die jüdischen Mütter ihre Kinder ein. Und noch jetzt wird das Buch1 in allen Teilen der Welt jährlich in Zehntausenden Exemplaren gedruckt und verbreitet. Außer der Legende und dem Volkslied wird auch noch das Vplksspiel, bekannt unter dem Namen „Purimspiel“, dem jüdischen Dichter und Dramatiker noch’ viel Material geben. Jedenfalls ist aus dem' jüdischen Volksspiel schon das moderne jiddische Theater, wie es z. B. die Juden in Amerika haben, herausgewachsen. Das moderne Schrifttum in jiddischer Sprache beginnt erst um1 den Anfang des 19. Jahrhunderts. Die ersten Schriftsteller waren, unter dem1 Einfluß der .Judenemanzipation Deutsch-, lands, Tendenzschriftsteller. Sie sahen ihre Aufgabe darin, bei den Juden das Verlangen nach Kultur zu erwecken, sie dahin zu bringen, daß sie möglichst schnell das Ghetto verlassen, die jüdischen Sitten aufgeben und sich dem' Kulturleben der Länder, in denen sie wohnten, an-, schließen. Um die Juden zur deutschen Sprache, die ja bei ihnen seit jeher von den Gebildeten benützt wurde, überzufüh'ren, wurde das Jiddische nicht rein,, sondern stark mit Deutsch durchsetzt, geschrieben. In ..ihrer Reinheit so wie, sie im1 :Mund,;des Volks, in der Legende, und im' Volkslied lebt, erscheint die jiddische Sprache erst wieder in den Werken des großen Volksdichters, des Nestors, der jiddischen Literatur, Äbramöwitsch (mit seinem Pseudonym: Mendale Mojcher Sfurinf), den man in seiner Einfachheit und Volkstümlichkeit mit Gottfried Keller vergleichen kann. Seine Erzählungen, der vollen jüdischen Wirklichkeit entnommen, klingen noch wie Legenden. Die Helden seiner Bücher sind zu Symbolen geworden, leben jetzt schon als Begriffe im Volk. Nach Äbramöwitsch *) Vom' hebr. 'Zeeno ureeno — Geht hinaus und seht! zu ergänzen: Ihr Töchter Jerusalems! (Nachdruck verboten.) Die Juden in Skandinavien. Von Ludwig Batö. (Schluß.) III. Dänemark. Von Norwegen führte mich der Weg nach; Dänemark, in das klassische Land des Untergangs der Juden, in da; Laid, das ein Schulbeispiel für die Assimilation darstellt. Trotz der ständigen Einwanderung von Juden ist die Zahl der dänischen Judenschaft seit fünfzig Jahren fast stationär. Es kommen Juden ins Land, sie assimilieren sich, andere treten an ihre S'-elle.: Der richtige Schmelztiegel. Öder gär ein AutomatOb'eh wirft man . Juden hinein o und ilnten kommen waschechte Neudahen heraus. Die Juden machten sich im 17. Jahrhundert in Dänemark ansässig, wo sie — ähnlich wie in Schweden — anfangs kaum geduldet wurden. Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts verliehene Emanzipation ist bis auf den heutigen Ta?, wie in den zwei -anderen Ländern der Halbinsel, --noch iihnjergpidit/gänzlichdurdigeführt, so daß -i'die Jüdesjf^SSh^gewissen- Stellen gesetzlich ausgeschlossen sind und bis vor ungefähr 60 Jahren fast pogromartigen Verfolgungen und Anpöbelungen ausgesetzt waren. Heute ist es allerdings anders geworden. Ich konnte dies umso mehr merken, als ich unter dem Eindrücke des vorkurzer Zeit in deutscher Sprache erschienenen Romans von Aron Meyer Goldschmidt 1: „Der Jude“ dänischen Boden betrat. Dieses vortreffliche Werk schildert auf das anschaulichste die Lage der dänischen Juden in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die noch von. 50 Jahren bestandenen jüdischen Landgemeinden Dänemarks sind infolge der Landflucht der Juden allmählich eingegangen, man kann denn auch1 ruhig behauoten, daß die ganze Judenheit Dänemarks, die sich auf ungefähr 5000 Seelen .-beziffert, in . Kopenhagen ansäßig ist. Die noch1vor 50 Jahren so geschmähten Juden sind jetzt als Juden kaum mehr zu erkennen, es sei denn, daß der jüdische Name auf die Abkunft hinweist. Denn, wie sonderbar es auch klingen mag, Namen, wie Cohen, Levy. Bendixen usw. werden auch nach der Taufe beibehalten, da .es.-i.in Dänemark nicht a1s unfair gilt, von Juden abzustammen. Jude sei.i, das ist allerdings etwas anderes. Den .ersten Ans+oß zu einer Aenderüng.in der Beurfei’ung der Jud«~n •gab der preußisch-dänische Krieg, in dem sich, die Juden, durch, ihre patriotische und deutschfeindliche Haltung auszeichneten, was ihnen umso höher angerechnet wurde, als damals die -dänischen Juden .fast durchweg deutsch oder besser gesagt jüdisch-deutsch sprachen. Man begann sich um sie zu kümmern, es wurden gesellschaftliche Beziehungen .angebahnt und die Juden, die der aus Deutschland ■ ausgehenden Religionsreform nicht abhold waren, fingen an Mischehen zu schließen. Ganz sonderbar ist es. daß die aus diesen Mischehen stammenden Juden unter "sich heiraten. So ( kommt es, daß diese Judenstämmlinge in der zweiten oder dritten Generation sich im Kampfe ums Dasein für das ihnen auch seelisch nahestehende Christentum er1 scheiden und dem Taufbecken zueilen. wird der Faden der Volkstümlichkeit von dem berühmten Humoristen Scholerii-Alejchem weiter gesponnen. Seine Werke sind eine Galerie jüdischer Typen, wie sie nur das unnormale Leben in Rußland htervorbringen könnte. Die Kunst seines Huniors lind seines Witzes ist spezifisch jüdisch, widerspruchsvoll und lehensklüg, wie der berühmte jüdische Witz selber. An Äbramöwitsch1 und Scholem Alejchem Schließt sich1 der Liebling Von Frauen Und Mädchen, der so treu erzählt wie ein Vater und so innig und intim' wie eine Mütter — Dinesohn. Und dann unser einfacher guter Spektor. War das jiddische Buch der Hauptsache nach nur ein Ünterhaltungshuch, ein „Lesebuch“ für das jüdische Mädchen an den stillen Sabbatnachmfttagen, so wird es mit dem großen Nationaldichter Perez ein Euch des Gedankens und der Lebte. Perez dient dem1 jüdischen nationalen Gedanken nicht mit sozialen, mit wirtschaftlichen Abhandlungen, sondern weckt ihn mit . rein künstlerischen, die aus den Tiefen jüdischer Seele und jüdischen Gedankens geschöpft sind. Seine volkstümlichen Geschichten sind ein monumentales Werk jüdischen Schaffens. Seine tiefe Beobachtung des Lebens erweckten eine Reihe junger jüdischer Dichter. So haben ihm' Nürnberg, der nüchterne Denker und Dichter, und Reisen, der Dichter der Not und des Leides und endlich der Schreiber dieser Zeilen ihre geistige Existenz zu verdanken. Für die jüdischen Arbeiter war und ist die jiddische Sprache und Literatur die einzige Quelle, aus der sie ihr Wissen schöpfen. Mit den Arbeitermassen, die ein allgemeinmenSch'- liches Leben zu leben begannen, traten die großen Ideen, nicht nur die jüdischen, sondern auch die universalen, in die jiddische Literatur ein. Der Jude kann jetzt sagen: Nichts Menschliches ist mir fremd. Die großen Verlage in New York, London, Warschau, Wilna drucken Uebersetzungen aus allen Literaturen Europas, von den strengst phiiospphischen Werken bis zu den Romanen. Und nicht nur Uebersetzungen. Das moderne jüdische Leben schuf eine ganze Reihe originaler jüdischer Denker und Dichter. Wir nennen von den ersteren Dr. ChL Shit-, lowski, der u. a. eine Geschichte der Philosophie schrieb, und von den andern den auch', in Europa berühmten Dichter des „Shop“, Morris Rosenfeld. Die jiddische Zeitung hat auf der. ganzen Welt ein Leserpublikum' von fünf bis sechs Millionen. Die in Amerika erscheinenden Blätter weisen die verschiedensten Richtungen auf, vpm reaktionären „Morgenjournal“ bis zur anarchistischen „Arbeiterstimme“. Im republikanischen jiddischen „Regierungs“-Blatt veröffentlichte der Präsident Taft seine Artikel (die natürlich' der Man schreitet durch die prachtvollen und anmutvollen Straßen .Kopenhagens, sieht Firmenschilder mit Namen, wie Martin Cohen und Comp., Levy usw. Man fühlt sich angesichts dieser Namen etwas heimischer in der großen fremden Stadt und siehe da, man erfährt, daß es nur Judenstämmlinge sind, Zweige, die längst vom Stamme abgefallen. Auch i n Kopenhagen herrscht .wenig jüdisch es Leben, wo es welches gibt, ist es ganz' entartet. Auf jüdischem Gebiete herrscht in dieser feingebildeten Stadt eine Unwissenheit, die stutzig macht. Einem meiner Bekannten erzählte man einst in einer Kopenhagener feinen jüdischen Familie von einem sehr güten Juden. Warum halten Sie ihn denn für einen guten Juden, fragte mein Bekannter. —Erlauben Si? mal, er ißt doch jeden Freitag abend Fische! — Das ist ungefähr die Quintessenz des Judentums für die dänischen Judeh, So lange, man der Synägöge ängehört, Schickt man die' Kinder zürn Konfirmandenunterricht-, da man ohne ein Zeugnis über den Besuch eines solchen weder eine s^arfliche noch eine private Anstellung erlangen kann. Aber sonst? Es erscheint in Kopenhagen ein jüdisches Wochenblatt „Mosaisk Samfund“. (Mosaische Glaubensgenossenschaft), redigiert 'von einem getauften Juden namens Koppel. Auch Dänemark ist — wie erwähnt — einjüdisches Einwanderungsland. Es erscheint in Kopenhagen sogar eine Jargonzeitung „Dos Wochenblatt“. Doch ist Dänemark noch in größerem Maße ein Schmelztiegel als Schweden. Die Juden haben im Lande eine neue Industrie eingeführt: die Kleiderkorifektion. Noch vor 20—30 Jahren bezog Dänemark seinen ganzen Bedarf an Kleidern aus Deutschland und England, heute