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Jüdische Zeitung · 1913-05-16 · 20 (16.5.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
20 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG :#r. 20 weiß — Wohin auswandern? Wäre es nicht vielmehr angebracht, diese -Emigration zu lenken und zu organisieren? U n d schl i e ß 1 ich, haben wir nicht die Pflicht, dafür zu sorgen,* daß diese Emigration wenigstens zum Teile nacb Pal-ä-st-ina gelenkt werde? Es gibt in Saloniki zweifellos Elemente, die im- Stande wären, eine oder mehtere landwirtschaftliche Kolonien in Palästina zu'bilden. Es gibt zweifellos eine große Gruppe von Leuten, welche über kleinere Kapitalien verfügen, die' gefährdet sind, wenn sie Saloniki verlassen und sichohne Wegweiser auf die Wanderung begeben. Diese Kapitalien könnten aber nutzbringend in Palästina angelegt werden,' wenn man bei Zeiten die notwendigen Maßnahmen trifft, damit sich diese Emigration unter Bedingungen vollzieht, die fürdas -Einwanderungsland und auch für'die Einwanderer günstig sind. Es gibt zweifellos in Saloniki genug jüdische Kapitalisten, welche in Saloniki keine Aussicht haben, ihre Kapitalien nutzbringend zu verwerten. Diese Kapitalisten könnten in Palästina industrielle Unternehmungen gründen, welche Aussicht auf einen angemessenen . Ertragbieten, unsere Position in Palästina stärken und einer großen Anzahl von jüdischen Arbeitern Beschäftigung geben würden. Es gibt also . die verschiedensten Elemente der Bevölkerung, welche nach Palästina auswandem könnten, - sich und dem- Lande zum Nutzen. Diese Frage verdient die größte Aufmerksamkeit. Unser Palästinaamt ist in erster Linie berufen, sich’ mit ihr zu befassen. Es wäre auchgut, wenn sich eine spezielle Kommission nach Saloniki begeben würde, um1 an Ort und Stelle die Verhältnisse zu untersuchen und für den nächsten Kongreß' einen ' Bericht zu verfassen. ■Diese Gedanken bewegten - mich1 bei der Lektüre der :äuf die Frage von Saloniki bezug- . habenden Literatur. Kann ein Teil meiner Vorschläge Verwirklichung finden? Die nächste Zukunft wird darüber Aufschluß geben. Dr. M. R. fln die Adresse der jüöiWien Hhtionäre der Oesierreidiifiben Länöerbanli. Wir haben in unserer letzten Nummer ausführlich berichtet, daß die Verwaltung der Kohlengruben „Flora“ in Dombrowo (Russisch-Polen), welche Eigentum der Wiener Länderbank sind, der Herd des wütendsten Antisemitismus ist. Die Verwaltung dieser Kohlengruben hetzt und verfolgt die Juden mehr als die der anderen Bergwerke des Bezirkes. Früher arbeiteten dort jüdische Fachleute, die jetzt fort mußten. An ihre Stelle wurden C h r i s t e n aus Warschau berufen. Diesen fehlt noch die Uebung und die Fachkenntnis der verdrängten Juden, allein man nimmt es nicht so genau mit ihnen und bringt um der „guten“ Sache willen gerne das Opfer. Auch die jüdischen Lieferanten wurden durch christliche ersetzt. Man zahlt höhere Preise als früher, nur um eine Anzahl von Juden ums Brot zu bringen- Die Direktion hat auch einen Konsumladen für die Arbeiter eröffnet, und widerspenstige Arbeiter, die ihren Bedarf bei Juden decken, werden rücksichtslos verfolgt und verdrängt. Wir haben unserer Entrüstung darüber . Ausdruck, gegeben, daß - jüdisches Kapital aus Oesterreich dazu verwendet wird, tun die unglücklichen Juden in Rußland noch unglücklicher zu machen und daß ein Wiener. Unternehmen, weiches so viele jüdische, Kapitalisten vereinigt, Pogrombanditen besoldet und sie ruhig schalten und walten läßt. Wir können,,’- mit Genugtuung berichten, daß unsere Publikation die größte .Teilnahme erweckt hat. Von allen Seiten erhalten wir Zuschriften, in welchen eine Aktion der jüdischen Besitzer von Läriderbankaktlen und Einflußnahme bei der. Verwaltung der Länderbank stürmisch gefordert wird. Wir bringen dies den beteiligten Faktoren zur Kenntnis und fordern sie auf, ihrer Pflicht als .Juden ,und Kulturmenschen nachzukommen. Versäumen sie es, so machen sie sich zu Mitschuldigen an dem Treiben der verruchten Pogrombanditen im russischen Polen. Zup Wiedereröffnung des österreidiisdien Abgeordnetenhauses. t In einer neuen Zeitepoche, welche durch die Umwälzung am Balkan eingeleitet wurde, deren Folgen sidh auch in der inneren Politik Oesterreichs sehr bald äußern werden, tritt nun das österreichische 'Parlament, das so bejubelte 2. „Volks“!iaus ' der Junisieger — nach langen Ferien — wieder zusammen. Die alten, längst an Marasmus leidenden Parteien, die keine Antwort wissen auf die brennenden österreichischen Reichsfragen, und während der letzten 2 Jahre ihrer Wirksamkeit die absolute Unfähigkeit zur Herstellung der nationalen Ordnung im Donäureich'e und zur Inangriffnahme der während der verflossenen Wahlcampagne so pompös angekündigten wirtschaftlichen Wohlfahrtsgesetzgebung neuerdings unwiderleglich1 gezeigt’haben, sie nehmen im Theater am1 Franzensring. ihr Komödienspiel wieder aut. Da aber die Herren „Volksvertreter mit der ernsten Möglichkeit^ eines. T h e a t e r s C h 1 u S - : s e.s und mit Neu w a h 1 eh. nicht nur für den! böhmischen' und gälizisdien Landtag, sondern •atidü für das österreichische Abgeordnetenhaus bald rechnen müssen, aber absolut auf keinerlei positive gesetzgeberische Arbeit hinweisen können, sondern vielmehr mit vollständig leeren Händen vor ihre Wähler treten .müssen, so wird in den "verschiedensten Teilen der Monarchie mit den verwerflichsten Mitteln wieder der nationale Chauvinismus und Antisemitismus geschürt. In Böhmen z. B. wird diese Arbeit einerseits von den Deutschradikalen und anderseits von den tschechischen Stäatsrechtlern und Christlichsozialen besorgt, 'wobei man bei der wüsten antisemitischen Agitation mitunter auch vor der Verbreitung alberner Ritualmördmärchen niCht zurüCksCnreckt. Die gegenseitige, Verhetzung der Deutschen, Tschechen und Juden bildet in dem1 Lande der deutschen und tschechischen Intelligenz, in dem' industriereichsten, aber auch empfindlich' uni ter einer wirtschaftlichen Krise leidenden und vor dem1 finanziellen Bankrotte stehenden „glorreichen Königreiche“ Böhmen die einzige Tätigkeit der politischen Parteien. Die Chauvinisten hüben und drüben wollten keinen deutsch-tschCchischen Ausgleich. Die Einen niCht^ weil sie sich noch1 immer nicht von der Wahnidee der nationalistischen deutschen Bourgeoisie befreien können, daß dies'e und die magyarischen Oligarchen die alleinigen Herren im' Donaurefciie seien, die übrigen Volksstämme und Klassen' — insbesondere aber die Juden — für ewige Zeiten zur Helotenstellüng im1 DonaureiChe verurteilt seien. Die Anderen wieder, die ihnen gleichwertigen radikal-tschechischen Antipoden aber,: die schon durch die geographische Lage der' Tscfffigjijpi belehrt werden sollten, daß das alleinige ’ Heil des tschechischen Volkes sowie das 'stin®. slowakischen Brüder nur in einem nationajjjcjederativen Neuösterreich gesichert sei, scheint jp aber periodisch' nicht, zum' vollständigen Bewußt; sein zu kommen, daß sie noch’ O es terr eileb er sind, weder zu Rußland noch zu einem. Balkanstaate je gehören können und daß überdies auch1 ihr panslawistischer Chauvinismus und Antisemitismus mit ihren sogenannten „Freisinnigen“ und demokratischen Allüren im unvereinbaren Gegensätze stehen. Eine ganz ähnlich beschaffene Partei sind, die sich1 „nationale Demokraten“ nennenden, panslawistisch und antisemitisch verseuchten A11 p o 1 e n, die mit den russophil gesinnten Ruthenen unter einer Decke spielen. Diese beiden Koterien sind Handlanger des russischen Zarismus und. darum haben sie den polnisch-ruthenisChen Ausgleich vereitelt; denn ihr Ziel ist die Aufpflanzung der russischen Fahne aut den Karpathen. Kein galizisCher Jude darf um' irgend einen Preis, wenn er nicht r des schlimmsten nationalen Verrates am jüdischen Volke angeklagt werden soll, mit den Allpolen paktieren. Der Umstand, daß Herr Dr. Glombinski — der übrigens nicht der eigentliche Spiritus rector der Allpolen ' ist — mit den Zionisten kokettiert, ist noch1 kein Grund, das eigentliche Wesen einer Partei zu verkennen, die auch1 mit einem1 Pater Stojalowski und Genossen sich' vereinigte und deren Organ der „Slowo Polskie“ ist, dessen Redakteur Grabski, der aus Russisch-Polen eingewandert ist und mit bestem Erfolge die russische sowie die antisemitische Orientierung der Allpolen in Angriff genommen hat. Gewiß ist. auch', die Haltung aller übrigen in Galizien sich1 befehdenden Parteien den Juden gegenüber in der Frage der Wahlreform1, verdammenswert, aber es liegen ganz besondere f und sehr... ernste Gründe, vor, anläßlich.,der. J}^ vorstehenden galizischen Landtagswahlen vor den Sirenenklängen der A11 p o 1 e n die galizischen Juden aufs eindringlichste zu. warnen. ■ Es sind wohl im1 Laufe der letzten Jahre in Galizien sehr viele und sehr große Fehler von jüdischer Seite begangen worden, aber alle konnten und können noch repariert werden. Wenn man aber für ein Linsengericht sich in die allpolnische Laube locken .ließe, dann wäre ein solcher Fehler irreperabel. Dis eite m1 o n i t i! Das Scheitern des polnisch-ruthenischen Ausgleiches sowie das Fiasko der deutsch-tschechischen Ausgleichsverhandlüngen sind übrigens Vorboten für einen ebenso stürmischen wie unproduktiven Verlauf der bevorstehenden kurzen Session des österreichischen Abgeordnetenhauses. Vielleicht ist auch die Einberufung desselben das letzte Experiment mit dem gegenwärtigen lebensunfähigen Parlamente, vielleicht aber auch das letzte — parlamentarische Experiment. K. NEsnri laiEHIS! KINDEIMEHL I Altbewährtes PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: ■ HENRINKTUjjWE^ÜBIBER^Rfl^^^ IIIIIIIIIIHVI mm LEBENS - VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT — WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais. — Versilbertes Kapital zirka 380 Millionen. —Prämienreseroe zirka 113 Millionen. — Billigste Prämien nnO kulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit tfidifige, leistungsfähige Agenten , gegen hohe Bezüge. Boskfinfteerteilt die fiwwMiagpntsdm» Bien, 1., aspernplatz 1 (Leiter: Daoid Hebenzahl). Eüf Ostgalizien ri. Bukowina: Subdirektion höbt Taubes, Lemberg.

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