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Jüdische Zeitung · 1913-05-16 · 20 (16.5.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
20 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ORERN ■ Erscheint -wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaujnahme: Wien, II., Kanneliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ m täglich.von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte-werden nicht zurückgestellt. — Aborniementspreise: Für Oester- _ “ reich-Ungarn: Ganzjähr. K'10.—, halbjahr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für ^Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ™ ■ ~Mk.-3.—.- Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplar^ 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. B Nr; 20. _' _ Wien, Freitag, den |6. Mai 1913 _ VII. Jahrgang Der XI. Zionistenkongreß in Wien. Der XI. Zionistenkongreß findet vom 2. bis 9. September 1913 (30. Ab bis 6. Elul 5673) in Wien, in den Räumen der k. k. Gesellschaft der Musikfreunde statt. Er beginnt mit einer feierlichen Eröffnungssitzung, die Dienstag, den 2. September abends, in der Katharinenhalle in Weigl’s Dreherpark (Schönbrunn) stattfindet. Die Verhandlungen nehmen Mittwoch, den 3. September, vormittags* im großen Musikvereinssal ihren Anfang. Das genaue Programm aller Veranstaltungen wird demnächst veröffentlicht werden. Das Kongreßbüro wird am 2. Juni eröffnet werden. Adresse: Büro des XI. Zionistenkongresses, Wien, II., Karmeliterplatz 1. Telephon 22075. Zionistischer Zentralverein, Wien, Mittwoch, den 21. Mai, öffentliche VERSAMMLUNG im kleinen Sophiensaal, III. Bez., Marxergasse, um 8 Uhr abends. TAGESORDNUNG: .1.. Der Xl- Zionistenkonigreß. Referent Dr. Emil KRASNY, Hofnind Gerichts- ^dvgkätj" Unsere Palästinä-Arbeat^ mit Vorführung; Von- Lichtbildern. Referent Ör. Gebirg WEINER. ' * Samstag, den 24. Mai, ' fitdet eV*tj größev Versammlung für die Bezirks Ottakring—Hernals statt. Ort und Z’‘t werden in der nächsten Nummer bekannt gegeben Werden. Za.:ideT in den nächsten Tagen an I., 1IMJX., IV., V. und X. Bezirk stattfi idendei V'.rtrauensmännr-VcrsamrRi]-ngn werden demnächst besondere Einlad :ngen orgehan. Salonihi und die zionistififte Orsanls satioin*) Sechs Mopate dauert bereits die Ungewißheit ijber das- Schicksal Salonikis und viele Judenib||jen Geist verschwendet, um Vorschläge zur Lösung dieses Problems zu machen. Die interessierten .; Regierungen der Bulgaren und Grieschen, welche, leider unbegründet, meinen, daß die Großjuden, welche in der europäischen Diplomatie einen Einfluß besitzen, diesen Einfluß zu Gunsten dpr Juden äusnützen werden, machen vor diesen Gjoßjuden Reverenzen und versprechen das Blque vom Himmel, um ihre Sympathien für sich zu gewinnen. Unsere Rabbiner benützen ihrerseits die Gelegenheit, um ihre Stellungen bei den betreffenden Regierungen zu festigen. Auch1 unsere Assimilanten schlagen aus der Konstellation Kapital und haben eine neue Abart der Assimilation, nämlich die nach Maßgabe des Bedarfes geschaffen: eine Assimilation an ein Volk, dessen Untertan man noch *) Der Autor dieses Artikels lebt in hervorragender Stellung am Balkan und ist genauer' Kenner der auf der Balkanh'albinsel herr- . sehenden Verhältnisse. nicht geworden ist. Schließlich haben zwei bulgarische Zionisten Broschüren, in französischer und spaniolischer Sprache, geschrieben, um die Juden von Saloniki zu überzeügen, daß. es in ihrem Interesse liegt, bulgarische Untertanen zu werden und daß die europäischen Diplomaten (gemeint sind die. Grofljuden) gut tun würden, Saloniki den Bulgaren zu verschaffen. Kurz: Man Würde meinen, (laß die bulgarischen und griechischen Armeen, daß die Londoner Konferenz nichts bedeuten und daß es lediglichdie Juden von .Saloniki sind, welche das. Schicksal Salonikis bestimmen werden. i 4n,.Wirklichkeit;.ist, aber,wJleser; Lärm: '-ganz bedeutungslos. Ueber die Zukunft Salonikis werden- Faktoren entscheiden, welche sich um das Schicksal der Saloniker Juden -so bekümmern, wie um den vorjährigem Schnee. Man wird die Ansichten der Saloniker Juden bei' dieser Entscheidung vol.s.ändig unberücksichtigt lassen und auch die Großjuden (wenn sie zufälligerweise irgend einen Einfluß in dieser ■Frage haben sollten) werden ihren Einfluß zu Gunsten aller möglichen, aber nur nicht der jüdischen Interessen ausüoe 1. In Wirklichkeit ist die Frage Salonikis ein Abbild unserer Schwäche und ein Spiegelbild unserer lächerlich schwachen Position in der Welt. Man bedenke: Seit sechs Mona ei wird Lärm bezüglich. des Schicksals einer Stadt geschlagen, die zu dreivierteln jüdisch ist, in welcher alles, was irgend welche Bedeutung hat, von Juden geschaffen wurde, die ohne Juden nichts wäre, und der ganze Lärm dreht sich etjwa nicht darum, auf welche Weise mandiese Stadt den Juten übergeben so.lte, sondern um die Frage, ob Saloniki bulgarisch oder griechisch werden muß! Nicht einmal die Ito hat es für nötig gefunden, ihre Stimme zu Gunsten eines jüdischen Saloniki zu erheben! Und für die Ito - wäre doch eine günstige Gelegenheit, einen jüdischen Staat zu schaffen, wie es der Traum Zangwills verlangt. Man hätte gar nicht nötig, zu kolonisieren, die Bevölkerung ist bereits an Ort und Stelle vorhanden. Wohl gemerkt: Ich betrachte es nicht als wünschenswert, daß Saloniki ein jüdischer Staat werde. Im Gegenteil; im Schicksale Salonikis sehe ich eine Lektion für die Ito: Jede Aglomeration von Juden außerhalb Palästinas muß das Schicksal Salonikis haben. Ich kann aber nicht umhin, die Tragik unserer Situation festzustellen. Die Wahrheit ist, daß die Juden ihre Position in dieser Stadt einbüßen und gezwungen sein werden, auszuwandern, mag Saloniki bulgarisch oder griechisch werden. Die Eir.ij-antion wird plötzlich und von großem Umiauge sein, wenn die Stadt griechisch wird; sie wird ein wenig später einsetzen und sich langsamer vollziehen, wenn die Stadt bulgarisch wird. Mag Saloniki grie chisch oder b ulgar isch werden, jü;disch wird die Stadt nicht bleiben! Weder Griechenland noch Bulgarien werden ein jüdisches Saloniki dulden, wie die Türkei es geduldet hat. Dev Unterschied besteht darin: die Griechen sind Wirtschaft-» lieh, bereits so entwickelt, daß sie die Juden sofort zu ersetzen vermögen und sie darum unverzüglichhinausdrängen werden, wie sie es schon beim Eintritt .in die Stadt tun wollten und vyiesie es-im.Serres, gemacht haben,, trotzdem-diese Stadt von . den Bulgaren und nicht von den Griechen besetzt wurde. Die Bulgaren sind noch nicht im Stande, die Juden zu ersetzen und haben darum den jüdischen Handel noch nötig, weswegen sie die Juden noch eine gewisse Zeit idulden werden. Ein griechisches Saloniki wird eine p'ötz.iche Katastrophe sein, ein bulgarisches Sa.oniki bedeutet ein stufenweises Verdrängen, wobei die jüdischen Positionen langsam von den Bulgaren bezogen werden. Und da es immer gut ist, von zwei Uebetn das kleinere zu wählen, ist es-' im Interesse der Saloniker Juden wünschenswert, daß die Stadt bulgarisch werde. Aber noch einmal sei es betont: nicht im jüdischen Interesse befaßt man sich mit der Lösung der Frage von Saloniki, und wenn Griechenland etwa ein Mittel findet, Bulgarien, wie in der letzten Zeitin der europäischen Presse zu lesen war, durch gewisse Kompensationen zufrieden zu sieden, so wird der ganze Lärm, welcher von den Juden geschlagen wurde, für die Katze sein und die Katastrophe wärd doch eintreten. Dann wird erst die jüdische Pflicht beginnen und anstatt Zeit mit der Diskussion einer Frage, die ohne uns und gegen uns entschieden werden wird, zu verlieren, ist es vernünftiger, sich von nun an mit dem Schicksal der Juden von Saloniki nachdem Kriege zu beschäftigen. Da die Zahl dieser Juden sehr groß ist, lastet die Verantwortung für die Saloniker Judentrage auf allen jüdischen Organisationen. Ich will diese Frage vom Standpunkte der zionistischen Organisation untersuchen. Ich habe bereits betont: einerlei ob Saloniki griechisch oder bulgarisch wird, die Juden werden ihre Positionen einbüßen und eine große Zahl wird auswandern müssen. Ein großes Zentrum des orientalischen Judentums ist verurteilt; zu ve -schwinden. Dar.' man es zug-ben, daß die Ju-en von Saloniki in alle vier Weltrichtungen zerst eut werden? Ist es ratsam, daß. sie nach Aegypten, Amerika und—wer >arare.r-’ ra

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