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Jüdische Zeitung · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Vereinsnadiriditen. ’ Wien. (Generalversammlung des Jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß“.) Am 16. April fand die konstituierende Generalversammlung des Bundes statt. Der Obmannstellvertreter des Exekutivkomitees, Herr Professor Max Guttmann eröffnete, worauf cand. med. Otto Gersuny das Referat über „Ziel, Zweck und .Organisation des Bundes“ hielt und ein klares, anschauliches Bild , von den Bestrebungen des Vereines gab. Die Vorstandswahlen ergaben folgendes Resultat; Obmann: Dr. Ernst Skutetzky; Obmannstellvertreter: M. U. C. Otto Gersuny; I. Schriftfüh- ' rer: stud. jur. Jakob Landau;. II. Schriftfüh- ' rer: stud. jur. Max Ultmann; Kassier: J. U. Dr. Rudolf Fischer; Zeugwart: M. U. Dr. Alfred Czapek; Bibliothekarin: cand. phil. Rudoüine Wal- tuch. Die Herren Ing. Theodor Deutsch und i Dr. Julius Beer wurden zu Kassarevisoren ge-; wählt, ln der darauf folgenden Vorstandssitzung ' wurde Herr Robert Kien, der Obmann des j II. westösterreichischen Kreises der jüdischen j Turnersch'aft kooptiert, Herr M. U. C. Otto Gerj suny zum' Obmann der Führerschaft, Frl. cand. j phil. Rudolfine Waltuch und Herr stud. med. j Isidor Kläber zu Führern ernannt. Ferner .wurde . die große Anzahl von Beitrittserklärungen und auch Ortsgruppenanmeldungen konstatiert, die eine sichere Entwicklung und weite Verzweigung des Bundes verbürgen und der Beschluß gefaßt, durch Ausarbeitung und Versendung eines ausführlichen Referats die Tätigkeit des Bundes über ganz Oesterreich zu erstrecken. Wien. Vereinigung der mähr.-schlesischen zion. Ferialverbindungen.) Am Samstag, den 3. Mai, um' Vt? Ohr abends veranstaltet der Arbeitsausschuß der mähr.-schlesischen Ferialverbindungen auf .der Kartellbude Emunah'-Gamala, VI., Linke Wienzeile 40 (Souterrain) einen Vortrag über die „Stellung der Studenten im' Zionismus“, zu welchem alle Gg. Gg. herzlichst eingeladen sind. Referent: Gg. Ludwig B a t o. — Am Samstagj den 3. Mai findet eine Präsidialkonferenz der mähr.-schles. Ferialverbindungen (ptatt. Zeit: 3 Uhr. Ort: Cafe Jägerhof, IX., Porzellangasse. Wien. (Herzl-Klub.) Dienstag, 6. Mai 1913 um 8 Uhr abends, Vortrag des Gg. Josef S t e i n. Thema: Der Jude Jesus. Ort. II./3., Leopoldsgasse 31/61. Sonntag, den 4. Maai 1913, erscheinen die Mitglieder korporativ beim Frühlingsfeste der „Moriah“. Wien. Jüdischer Handlungsgehilfen-Verband, II., Taborstraße Nr. 11b. Dienstag, den 6. Mai findet im Verbandslokal ein Vortrag des Herrn David:.iN,eb e nzah 1 statt. Thema: „Jüdische Solidarität. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler.) Mittwoch, den 7. Mai, um S Uhr abends, Zusammenkunft der Mitglieder im Cafe Pucher, I., Kohlmarkt 40. Wien. Das „Kartell/ Emunah-Gamala“ gibt allen Gg. Gg. bekannt, daß das Kartell- Cafe seit 1. Mai das Cafe „Wien zeile“, VI., Linke Wienzeile, ist. Brünn. Wir brachten schon seinerzeit einen Bericht über einen allgageinen hebräischen Sprachkurs. Einen Beweisj®\velchem Interesse diese Institution begegnete/ ergibt die Tatsache, daß der erst heuer ins Leben getretene „Zion. Mädchenbund ,Mirjam'“, d& eine ersprießliche Tätigkeit zu entfalten verspricht, einen eigenen Sprachkurs für seine Mitglieder einrichtete. Der Kurs, der in Kürze seinen Abschluß findet, steht wieder unter der Leitung des Herrn Rabinowitsdh aus Boskowitz, der mit nimmermüdem1 Pflichteifer für die hebräische Sprache eintritt. Er kann mit den Erfolgen, die er bei seinen aufmerksamen und begeisterten Schülerinnen erzielt hat, vollauf zufrieden sein. Auch wir begrüßen in dieser Tätigkeit den äußeren Beweis einer Verinnerlichung des jüdisch-nationalen Gedankens bei unseren Mädchen. T—o. Iglau. Der Kreisobmann des Kreises Iglau des mähr.-schles. D.-K. Herr Dr. Sieg. Werner hat einen längeren Urlaub angetreten und sind alle Zuschriften, den Kreis betreffend, bis aut Weiteres an Herrn Richard Weißenstein, Iglau, zu richten. _ Stanisläu. (Jüdisch-akademische Verbindung „Giskalah“.) Chargenwahlen für das Sommer- Sem'ester: ing. Julius Teuermann x, cand. med. Ladislaus Sztencel xx, stud. iur. Mendel Mahler xxx. Wien. Der Direktor des Allgemeinen Krankenhauses, Regierungsrat E>r. Meder,- besuchte die Volksspeiseh'alle des Vereines „Einheit“, Malzgasse 12. Begrüßt vom Vorstandsmitglied Hofrat Schlag und geführt vom Vereinsobmann Bernhard Hofbauer und dem' Oekonomen des Vereines Adolf Fischer, besichtigte Dr. Meder die Speisesäle und übrigen Einrichtungen der Anstalt und erklärte, daß sich das Institut, das der weitestgehenden Förderung empfohlen werden kann, würdig unseren besten Anstalten dieser Art an reihe. JüdisAep Sport. An die nationaljödische Jugend Westösterreichs! Anläßlich des im September d. J. hier taj genden zionistischen Weltkongresses < veranstaltet die jüdische Turnerschatt ein Turnfest, das jedoch nur dann den erwünschten Erfolg haben kann, wenn die Zahl der Teilnehmer eine ausreichend große ist. Wir wenden uns deshalb an Euch, die Ihr selbst an dem Turnen in unseren Vereinen schon oft Vergnügen gefunden und gern unsere Reihen vermehrt habet, mit der Bitte: Wieder einmal — und jetzt in einem besonderen Zeitpunkte — unsere Bestrebungen zu fördern, durch eifriges Mitturnen in unseren Korporationen und durch Anwerben neuer Mitglieder unsere Organisation zu stärken und mit uns Seite an Seite zu stehen an dem Tage, der den tausenden Kongreßbesuchern das Bild der heutigen jüdischen Jugend geben soll. 1 Hier in Wien steht es Euch frei, einem' der hiesigen sieben jüdischen Turn- oder Sportvereine beizutreten, während Ihr in der westösterreichischen Provinz in den Turnvereinen des westösterreichischen Kreises Gelegenheit zum Turnen, zur Vervollkommnung in dem vorgeschriebenen Programme findet. Von Wien aus nahmen Herzls Gedanken von der Regenerierung des jüdischen Volkes ihren Lauf durch die Welt, in denen wir den Keim unserer nationalen Turnbewegung erblicken müssen; hier wollen wir nun bei Gelegenheit des Kongresses den Abgeordneten des jüdischen Volkes in einer machtvollen Manifestation 'dartun, wie wir an die Lösung dieser Aufgabe schreiten, mit welchem Erfolge wir uns mühen: ein selbstbewußtes, frohes, aufrechtes Geschlecht heranzubilden. H e d a d! Der Vorstand des 2. Kreises (Westösterreich) der Jüdischen Turnerschaft. Wien, IX., Liechtensteinstraße Nr. 20. Wiener Kreisvereine und - deren Turnzeiten: Erster Wiener Jüdisch erT urnverein, IX., Liechtensteinstraße 20. Männer-Abteilung: Montag und Donnerstag von G7 bis 3 4S und von 3,4S bis t'jlO Uhr; Damen-Abteilung: Mittwoch und Samstag von >-‘7 bis 3/4S und von 3 4S bis i/t10 Uhr; Zöglings- Abteilung: Dienstag von .3/*8 bis 9 Unr abds. und Sonntag von 9 bis Gll Uhr vorm.; Kinder-Abteilung: Mittwoch von Go bis V»7 Uhr abds. und Sonntag von 10 bis 11 Uhr vorm'. ( . Jüdischer Turnverein' Döbling, XIX., Peter Jordanstraße 17. Männer-Abteiiung: Montag und Donnerstag ' von 3 4S bis i jlO Uhr; Damen-Abteilung:..Mittwoch und Samstag von 3 4S bis i/410 Uhr. Jüdischer Turnverein Favoriten, X., Erlachstraße 17. Männer-Abteiiung: Alontag und Donnerstag von 3/4S bis 3 .10 Uhr; Damen-Abteilung: Mittwoch und Samstag von VjS bis 9 Uhr; Zöglings-Abteilung: Montag und Donnerstag von 6 bis GS Uhr; Kinder-Abteilung: Mittwoch und Samstag von G6 bis 7 Uhr. Jüdischer Turnverein Fünf haus, XV., Herklotzgasse 21. Männer-Abteiiung: Montag und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr; Damen-Abteilung: Dienstag und Freitag von 8 bis 9 Uhr; Zöglings-Abteilung: Mittwoch' und Samstag von, 8 bfe 9 Uhr; Kinder- Abteilung: Mittwoch uhd Samstag von G6 bis */s7 Uhr. ' - ■■ Jüdischer Turnverein Leopoldstadt, II., Malzgasse, Talm. Thora-Schule. Männer- Abteiiung: Mitwoch und Samstag von GS bis!/s9 Uhr. Jüdischer T urnverein Massada, XVII., Rötzergasse 9—11. Männer-Abteiiung: Montag und Donnerstag von S bis 9 Uhr; Damen-Abteilung: Mittwoch und Samstag von GS bis GO Uhr; Kinder-Abteilung: Mittwoch und Samstag von G6 bis G7~ Uhr. Jüdischer Sportklub „Hakoah“, Sitz : IX., Cafe Liechtenstein. * Provinz vereine des 2. Kreises (Westösterreich) der Jüdischen Turnerschaft: Bielitz, Boskowitz, Brünn, Graz, Iglau, Mähr.- Ostrau, Nikolsburg, Olmütz, Prag, Proßnitz., Ung.-Hradisch. Büdiepeinlauf. I Das Hohe Lied. Nachdichtung von M. Ehrlich. Buchausstattung von Menachem Birnbaum. (Berlin, Orient-Verlag 1912.) . Es ist vielleicht das umstrittenste Buch der biblischen Literatur, was Sinn und Stil betrifft, und europäischen Sprachen fast unzugänglich.; Wie nach talmudischer Ueberlieferung seine Auf- 1 nähme in den biblischen Kanon des völlig weltj liehen Charakters wegen sehr schwierig war, und es andererseits in den mystischen Deutungen j beinahe als das religiöseste Buch betrachtet j wurde — wie es wieder für das nationalistische Verständnis beinahe wie ein Torso erscheint und an einzelne Stellen, aber auch an den Sinn und Zweck der ganzen Dichtung mannigfaltige Theorien anknüpfen — so besteht eine Distanz auch in Bezug aut den unmittelbaren Empfindungscharakter der Dichtung. Unerreicht in Bezug aut den Duft des ganzen Naturseins, konnte sie unmöglich nachgedichtet werden, weil diese keusche Durchdringung von Sinnlichkeit und Liebe in ähnlicher Weise in keiner späteren Dichtung der Welt wiederkehren konnte, wo diese Einheit immer mehr aufgelöst wird — und weil andererseits die Naturstimmung selbst palästinensischen, man könnte auch sagen religiösen Zauber in sich trägt. So ist denn auch die vorliegende Nachdichtung, die in einer früheren, obskuren Ausgabe gegen 45 Jahre zurückdatiert — selbstverständlich keine dem Original ebenbürtige. Vor allem ist sie völlig deutsch, und wenn dies auch für eine Nachdichtung besser ist als ein stolperndes Hebraisieren, so geht doch mit der äußeren Form — vor allem was den Rhythmus betrifft — das Meiste vorn inneren Stil, man kann auch sagen: vom inneren Duft verloren. Vor allem das Markige, Prägnante und Herbe, das in den vierfach greimten Strophen — trotz der männlichen Reime — manchmal zu sehr zerfließt. Man betrachte z. B. den monumentalen Vers: Stark wie der Tod ist Liebe Und Eifer hart wie die Gruft, Ihre Gluten Feuergluten Und göttliches Lohen. Daneben: Mächtig ist der Liebe Walten, mächtig wie der Tod, Starr der Leidenschaft Gewalten, wie die tiefste Not, Eine Flamme, die vom Himmel feurig niederloht, Eine Glut, die Leben zündet und Vernichtung droht. Oder die berühmte Stelle: Dunkel bin ich, doch anmutsvoll, ihr Töchter Jerusalems, zwar dunkel wie der Nomaden Zelte, doch schön wie die Teppiche Salomos. Daneben: Braun bin ich; doch reizgestaltet an Gesicht und Hand, Töchter von Jeruscholajim, braun bin ich genannt, Dunkel wie die Hirtenzelte an der Wüste Rand, Wie die Teppiche des Königs, die Palastes Wand. Immerhin Ist der Liedcharakter an manchen Stellen recht passend, auch wo an einigen Stellen die Strophen in eine Art Refrain ausklingen. Die Umarbeitung hat an einigen Stellen Trivialitäten, zu denen die Strophenform1 geradezu herausfordert, geschickt umgangen, obwohl manche Schwülstigkeit geblieben ist. Die rein sinnlichen Schilderungen sind ziemtch glücklich geraten, allerdings manchmal etwas breit und dadurch ins Realistische verzogen. Doch fehlen einige der schönsten Stellen. Andererseits wäre es vielleicht nicht notwendig gewesen, einige der im Zusammenhänge denn doch dunklen Stellen überhaupt zu übertragen. Im Großen ist die Uebertragung vornehm', von flüssigem, prunkvollen Stil. Von gutgelungenen Stellen einige Beispiele: Bis des Tages Schatten weichet, bis die Sonne sinkt, Bis der duftdurchglühte Boden Abendkühle trinkt, Kehre um, mein Freund, entweiche, wie das Reh entspringt, Wie der junge Hirsch sich scheidend auf die Berge schwingt! (Kap. 2.) Das herrliche zweite Kapitel ist überhaupt auch am schönsten übertragen. Sage mir, denn meine Seele liebt mit ganzer Glut, Wo in schwüler Mittagssonne dein Gemüt jetzt ruht. Daß ich nicht umher mag wandern mit verirrtem Mut, Bei den Herden jener Andern, in der Fremden Hut. (Kap. 1.) Auf die Berge lass’ uns steigen, eh’ die Sonne blinkt, Wo mit tausend Blütenzweigen sich die Rebe schlingt! Dort, wo der Granatenbäumen Knosp’ von Knosp' entspringt, Darfst du mir am Herzen träumen, und die Liebe winkt. (Kap. 7.) Zu rühmen ist die überaus geschmackvolle Buchausstattung, namentlich auch die anspruchslosen und feinen Randvignetten. E. M.

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