Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 18 (2.5.1913)
- Date
- 1913-05-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. iS fonds-Zeidinungen für die zionistische Organisation in bedeutsamer Form festzustellen. Im' Rechenschaftsberichte des Aktionskomitees, der dem elften Kongreß vorgelegt werden wird, werden die Freunde des zionistischen Werkes, die der Aufforderung des Aktionskomitees der zionistischen Organisation zur Zeichnung von Beiträgen für den Zentralfonds entsprochen haben, namentlich angeführt werden. Dieses Verzeichnis opferwilliger Zionisten wird nach Landes- und Sonderverbänden und innerhalb dieser nach Orten und Vereinen geordnet sein. Das Aktionskomitee wird dem elften Kongreß vorschlagen, diese Liste dem Protokolle des Kongresses einzuverleiben. « Aus der Direktoriuimssitzimg des Jüdischen Nationalfonds. Oie Eingänge des NF. im Jahre 1912 haben fcnit dem Betrage von 3/< Million Francs noch nicht die erwartete Höhe erreicht, sodaß manche dmgende Arbeit in Palästina für einen späteren Zeitpunkt verschöben werden mußte. Es kann jedoch mit Genugtuung konstatiert werden, daß im letzten Jahre namhafte Summen in den verschiedenen Ländern für den NF. testiert wurden. Als besonderer Zweig von Zuwendungen haben 6idh: die Versicherungen zu Gunsten des NF. in Amerika entwickelt, die bisher die Höhe von etwa 75.000 Mk. erreidit haben. Die Versicherten sind zumeist kleinere Leute, die sich1 aur den Ablebensfall versichern, wobei in die Polize eine Klausel aufgenommen wird, daß dem' NF. der Betrag von 10 L. oder mehr Zwecks Eintragung des Versicherten in das Goldene Buch zufließen soll. Es wäre sehr wünschenswert, daß diese Art von Versicherungen sich überall einbürgerte. Die deutsche Sammelstelle ist jetzt im1 Begriffe, eine Propaganda nach dieser Richtung einzuleiten. Organisation. Nach der im; letzten Jahre in Angriff genommenen Einrichtung bezw. Ausgestaltung von Zweigbüros mit versierten Sekretären ist nunmehr eine Reorganisation unseres Vertrauensmänner-Systems einerseits und unserer Sammelmittel, in erster Linie der Büchse ' andererseits möglich1 geworden, welcher Aufgabe wir uns jetzt widmen. Hierdurch hoffen wir schon in nächster Zeit eine wesentliche Steigerung der Büchsenerträge bewirken zu können. Neben den Büchsen ist der neue Spendenzweig •der „Arbeiterheim'stätte n“ in den Vordergrund getreten, die sich einer wachsenden Popularität erfreuen. Mit besonderer Freude ist es zu begrüßen, daß sich an der Förderung an der vom' NF. unternommenen Aktion eine Reihe von Kultusgemein den, Bb.-Logen und sonstige hervorragende Körperschaften sowie Privatpersonen beteiligen. Bewillig ung von 50.000 Frcs. für weitere Jemenitenhäuser. In Berücksichtigung des letzterwähnten Umstandes beschloß das Direktorium, entsprechenden Boden für Yemeaitenhäuser zu erwerben und für diese selbst einen weiteren Betrag von 50.000 Frs. zu bewilligen. Mädchenfarm. Auf Grund des Beschlusses in einer früheren Sitzung berichtete der Vorsitzende, daß mit de,m Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina eine Vereinbarung getroffen worden ist, wonach' demselben für die Ausgestaltung der Mädchenfarm aut Kinereth ein Dariehen von 6000 Frs. gegen Rückzahlung in sechs Jahresraten bewilligt wurde. Ankaut eines Bauplatzes für das Hebräische Gymnasium Jerusajüdischen Einwanderung machen, so blickt auch jüdischen Einwanderung aufmerksam zu machen, so blickt auch Ider Seit einigen Jahrten in Schweden leibende Jude inrit Vierachtung auf den soeben äuge-, langten Bruder herab. Er rümpft die Nase, als er seiner ansichtig wird : „Wie schmutzig der Mann ist und kann nicht einmal schwedisch!“ Ich hatte verschiedentlich Gelegenheit, mit Al teingewanderten zu sprechen, ein großer Teil von ihnen war sehr ungehalten über das Benehmen der Neueingewanderten. „Ja, stellen Sie sich vor — sagte mir eine Dame, die sich damit brüstete, bereits in Schweden geboren zu sein, wie ich aber später erfuhr, in Rußland auf die Welt kam und erst mit fünf Jahren mit ihren Eltern nach1 Schweden ging — ich mußte dieser Auswanderer wegen aus der zionistischen Ortsgruppe aüstreten.“ „Warum denn?“ fragte ich. „Ach, bei jedem Gegenstand hat sich irgend einer von den Eingewanderten zum Worte gemeldet Wie kommen denn (diese [Leute überhaupt dazu,- in den Sitzungen und Versammlungen das Wort zu führen. Und dann sind sie so elend, so schmutzig!“ Ein durchaus vertrauenswürdiger Herr aus Kopenhagen erzählte mir folgenden, überaus charakteristischen Fall von Einwandererdünkel: Er wollte in Südschweden, in Lund, einen Zionistenverein gründen und wandte sich zu diesem Zwecke an einen dortigen Juden, der vor etwa zehn Jahren aus Russisch-Polen einwanderte und es als fleißiger Schuhmacher zu einem ziemlichen Wohlstand brachte. Er ersuchte ihn vor allem, ihm die Namen der einzelnen jüdischen Familien bekanntzugeben, die der eingesessenen, wie auch der Eingewanderten. „Was, Sie wollen 1 e m. Mit Rücksicht darauf, daß die Sammlungen in Galizien Zur Aufbringung von 100.000 Frs. für die Gebäude sich einem' erfolgreichen Abschluß nähern, beschloß das Direktorium, nunmehr den Bauplatz für das Gymnasium zu erwerben. Nachlath Jehuda. Bereits in einer früheren Direktoriumssitzung wurde der Beschluß gefaßt, dem Odessaer Komitee ein Darlehen von 30.000 Frs. für eine Arbeitersiedlung bei Rischon le Zion unter denselben Bedingungen wie bei Ein Ganin zu gewähren. Dieser Beschluß gelangte in dieser Sitzung neuerdings zur Verhandlung und soll nunmehr durchgeführt werden. Bauplatz für ein Krankenhaus in Jaffa. Das Direktorium hatte in einer früheren Sitzung beschlossen, unter gewissen Voraussetzungen den Betrag von 20.000 Frs. für den Ankauf eines Bauplatzes für das Krankenhaus in Jaffa zu bewilligen. Da diesen Voraussetzungen nunmehr entsprochen ist, so soll der erforderliche Betrag zur Verfügung gestellt werden. Bekämpfung der Malaria in Palästina. Nach1 einem1 Berichte von Herrn Professor Warburg über die Begründung eines internationalen Gesundheitskomitees, das den Zweck hat, die Malaria, von der ein Teil unserer Kolonisten schwer heimgesucht wird, zu bekämpfen, beschloß das Direktorium, sich für das laufende Jahr mit einem Beitrag von 2000 M. zu beteiligen. * Nachrichten aus Mähren - Schlesien. Vereinsabende. Troppau: Verein „Jeschurun“. Jeden Samstag im Vereinslokal (Salzgasse 45), 8 Uhr abends. Zion. Mädchenverein „M i r i a m“. Jeden Dienstag abends im Vereinslokal Salzgasse Nr. 45). Proßnitz: Verein „Zion“. - Jeden Samstag oder Sonntag abends im Jüdischen Casino. Ohnütz; Jeden Mitwoch, 8 Uhr abends, im Klub-Zimmer des „Grand-Cafe“. Igiau: Jüd. Volksverein „Theodor Herzl“. Jeden Samstag, um; 8 Uhr abends, im Vereins^ zimmer des „Grand-Hotel“ (Leupoldgasse 3). Ung. Hradisdi: Jeden Sonntag, abends Sy» Uhr, im Cafe Braun. Mährisch-Ostrau: (Volksverein „Zion“.) Jeden Donnerstag, 81/2 Uhr abends, im Klubzimmer des Cafe „Union“ (Ringplatz). Oderberg: Jeden Dienstag nach dem 20. eines jeden Monates, 8 Uhr abends, Kultusgemeinedekanzlei. Brünn: Mädchenverein „Mirjam“. Jeden Samstag von 5—7 Uhr im Vereinslokal, Großer Platz 21. Nationalfondskommission. Jeden Mittwoch von 8—10 Uhr abends, Cafe Royal. RESTAURANT JAKOB PINKAS im Neubau des 102 HOTEL NEW-YORK 102 Wien, II., Kleine Sperigasse S bietet den P. T. Gästen allen Komfort. — Küche und Keller sind als erstklassig bekannt. Elegante und geräumige Lokalitäten. Hocbzeits- und Festbankette werden bestens arrangiert. mit schmutzigen polnischen Juden einen Verein gründen — rief entsetzt unser Schuhmacher — dann tue ich /nicht Imit!“ ■: An einer der schönsten Promenaden Stockholms steht die vor 25 Jahren im nordischen Stile erbaute Synagoge. Als Rabbiner fungiert ein ungarischer Jude, der ein Jünger Abraham Geigers war. Ein Jünger, der den Meister bereits übertroffen hat.. Auf dem Boden extremster Reform stehend, haßt er alle überlieferten jüdischen Formen und Bräuche. Er ist der Reformrabbiner, wie er im Buche steht. Er setzt sich' über die jüdischen Gebote ohne weiteres hinweg, fährt am' Sabbat, ja selbst am Versöhnungstag im Automobil zur Synagoge, in seinen Predigten verherrlicht er das Christentum, schwärmt für den Protestantismus, schreibt in Missionsblätter, empfiehlt die Mischehe — seine Söhne haben durchwegs Christinnen geheiratet — und bekämpft den Zionismus. Er ist bei den deutsch-jüdischen Kultusvorständen und gewissen nichtjüdischen Kreisen, z. B. bei den Missionären, die sich in den nordischen Ländern überall an die Juden, die sie als Freibeute betrachten, heranmachen, überaus geschätzt. „Euer Rabbiner ist ein wahrer Christ!“ pflegen die Missionäre den Stockholmer Juden zu sagen. Uebrigens nahm der verstorbene König Oskar II. hebräischen Unterricht beim genannten Rabiner, ja er soll sogar Talmudunterricht genossen haben. Natürlich haben die nationalgesinnten Juden gegen diesen Rabbiner und seinen schädlichen Einfluß einen schweren Kampf zu bestehen. (Fortsetzung folgt.) Dp. Einfis Brautfahrt. (Nachdruck und Vortragsrecht Vorbehalten.) Der Doktor Fink war Katholik, Doch sah man aut den ersten Blick, Das er ein Sohn des alten Stammes; Man hielt ihn oft für einen Schähimes. Trotzdemverkehrte er zumeist In Kreisen, wo es etwas heißt, Wo die Familien Jausen geben. Und gern auf großem Zinsfuß leben. Der Herr Papa ist Advokat, Manchmal auch kaiserlicher Rat, Auch Adelige gibt's sporadisch, Die Gattin ist zumeist aus Hradisch1. Herr Doktor Fink war jahrelang Beamter bei der Länderbank Und strebte langsam' zum Bürochef, Kurzum, er war ein großer Choschef . . . So kam1 er langsam in die Zeit, Wo gern der Mann ein Mädchen freit, Aut daß er sich das Leben würze, Und - trotzdemnicht in Spesen stürze. Drum sagte sich' der junge Mann : Ich' suche Seele und Nadan; Die Liebe, die ein freier Trieb ist, Die kostet mehr, als einem lieb ist. Doch' da begann die schwere Not; So oft sich etwas bess'res bot, Kam's trotzdem niemals zur Partie nicht — Bald wollte er, bald wollte sie nicht. Natürlich strebte stets sein Sinn Nach einer echten Arierin, Denn gibt's was schöneres auf Erden, Als wenn die Kinder Schkozim1 werden?! r Doch war ein solches Mädchen reich, Dann haperte die Sache gleich. Es zischelte das feine Züngerl: „Was brauch' ich denn das Judenjüngerl?!“ Doch seufzte eine blonde Maid: „Du bist so süß und so gescheit! Du bist mir lieber, Hans, als alles —“ Dann hätte sie gewiß den Dalles. Und wenn das Mädchen Jüdin war Und hatte hundert Mille bar, Da sagte sehr cönzis der Vatter: „In mei Haus kommt mir kein GeschmälterV‘ So wurde unser Doktor Fink Ein angejahrter Jüngeling; Vergeblich war sein heißes Werben, Und er entschloß sich auszusterben. Da fand er plötzlich irgendwo Ein Mädchen, welches t r a n s i t o- Das heißt: nicht Jüdin und nicht Christin! . Sie war — wie sagt man nur? — Monist fn! Monismus ist die Religon, Die eng verbtiidert Kunz und Koh'n, Nur ist der Kunz ein solches Wesen, Das vormals auch ein Kohn gewesen. Des klugen Mädchens Vater war Emeritierter Kridatar; Er war ein Freund von guten Sitten Und von Hypothekarkrediten. Wohl dem der ferne von der Stadt Im grünen eine Villa hat, Um1 sich als Oischer zu bewegen Und andere hereinzulegen. Die Villa war's, die Doktor Fink Besonders tief zu Herzen ging, Wie überhaupt der Grund der Ehen Oft aus dem Grundbuch zu ersehen. So standen Hans und Gwendoleen Bald glücklich unterm1 Baldachin; Die Kirche füllte plein parade Die ganze Ischler Esplanade. DoCh' schon zwei Tage hinterdrein Trat eine Ehetrübung ein; Es stimmte etwas nicht beim Konto. Der Alte wollte Kassaskortto. Doch eine gute Transaktion Beruhigte den Schwiegersohn, Zumal er wieder avanciert war, Da er von Spitzern *) protegiert war. So lebt fortan am' Schottenring Das christliche Geschlecht der Fink, M a u d heißt ihr Mäderl, H a i n z ihr Bübel, Und seh' ich sie, dann wird mir übel. Beda;' *) Fritz Spitzer, Direktor der Länderbank, war einer der eifrigsten Förderer des Eudiaristischen Kongresses.