Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite"' 2 JÜDISCHE ZEITUNG . .J-Nr. 17 antun will, braucht die Herren, die sich wirklich' redlich um eine gute Sache bemüht haben, nidit zu verdrießen. Hätten sie sich vielleicht von ihrer ehrlichen Ueberzeugung abbringen lassen sollen, weil die jüdischnationalen für die gleiche Ueberzeugung kämpfen? Solcher servilen Gemeinheit ist nur ein Ueberläufer fähig, ein jüdisdinationaler von gestern, lieber Herr Dr. Schreiber! Rundschau. Die sogenannte Judenfrage. Der Kampf um die galizische Landtagswahlreform wird nicht mehr in Lemberg, sondern in Wien geführt. Die aus diesem Anlasse stattfindenden Besprechungen und Verhandlungen finden deshalb in der Wiener Presse ein lebhafteres Echo als früher, da jetzt der Kampfplatz in Wien ist Bekanntlich1 scheiterte das Zustandekommen der Reform am Widerstande der galizisdien Bischöfe, der podolischen Konservativen und der Allpolen. Als einen der wichtigsten Gründe gaben die Opponenten der Reform an, daß durch die neue Wahlordnung einige polnische Mandate in Abhängigkeit von jüdischen Wählern geraten würden. Der Judenhaß der Allpolen, Feudalen und Klerikalen ist somit eine der Ursachen der heftigen Opposition. Wie wird nun diese politisch wichtige Tatsache von der großen Wiener Presse aufgenommen? Mit Ausnahme eines einzigen Blattes, des „Neuen Wiener Journal“ (das sich zufälliger Weise einmal anständig benahm) fand es kein Blatt für angezeigt, auf das Unrecht hinzuweisen, das in Ga-: lizien den Juden von allen Parteien ohne Unterschied der Nationalität zugefügt wird. Mehr als das! Die „N. Fr. Presse“ registrierte die Nachricht, daß man bereit ist, über Wunsch der Bischöfe und Allpolen die Zahl der jüdischen, Mandate auf Null herunterzudrücken, mit den lakonischen Worten: „Die sogenannte Juden frage.in der galizisdien Wahlreform dürfte keine Schwierigkeiten bereiten, da man in dieser Hinsicht den . Wünschen der Opposition jnadizugeben bereit ist.“.Die. l Entrechtung, von fast einer Million Menschen wird als „sogenannte“ Frage behandelt! Während man über die Leiden der Albaner Tintenströme vergießt, während man in fetten Aufschriften die Taten der Handvoil montenegrinischen Schafhirten der Welt ankündigt, geht man über das Schicksal einer Million österreichischer Staatsbürger achselzuckend hinweg. Das ist kennzeichnend für den Geist der liberalen Presse und bezeugt eindringlich die Verkommenheit des österreichischen Liberalismus, der sich wegen der Antisemiten.,scheut, mannhaft für die Gleichberechtigung der''Juden einzutreten. Denn worum es sich in Galizien handelt, ist nicht eine Angelegenheit irgend einer jüdischen Partei, sondern die Frage der Gleichberechtigung der gesamten galizisdien Judenheit. Das aber ist nur eine „sogenannte“ Frage! * * * Die Abtretung Siüstrias an Rumänien und die Juden. Wiederholt haben wir von der Aufregung berichtet, die sich begreiflicherweise der Juden, welche in dem von Bulgarien an Rumänien zu zedierenden Gebietsteil, Silistria und Umgebung wohnen, bemächtigt hat In Bulgarien waren sie freie Bürger, in Rumänien kämen sie unter! die Ausnahmsgesetzgebung für Juden. Da die Abtretung nunmehr beschlossene Sache ist, hat der Rabbiner von Silistria der Botschafterkonferenz in London ein Memorandum unterbreitet, in welchem die Angelegenheit ausführlich dargelegt und gebeten wird, von Rumänien Garantien, dafür zu verlangen, daß, die Juden nicht entrechtet werden. Hierüber soll Sir Edward Grey sehr beruhigende Versicherungen abgegeben haben. Da Rumänien jedoch seine internationalen Verpflichtungen, die Juden in dem Stammland als gleichberechtigte Bürger zu behandeln (Art. 8/44 des Berliner Vertrags) mißachtet und die Großmächte als Garanten sich hüten, einzuschreiten, muß man füglich bezweifeln, daß Rumänien trotz aller Versicherungen die neuen jüdischen Untertanen loyaler behandeln werde, als die alten. Generalversammlung der österreichisch-israelitischen Union. Donnerstag, den1 17. d. fand die Generalversammlung der östefreichisch-israelitisChen Union statt. Aus diesem Anlasse erschienen von den ungefähr 7500 Mitgliedern der Union sage und schreibe 21, in welcher Zahl die Mitglieder des Vorstandes inbegriffen sind. Der Bericht wurde vom Sekretär Fleischer erstattet. Aus demselben geht hervor, daß die Leitüiig'der^Union im: abgelagerten Jahre einen Kalender Und Monatsberichte herausgegebdn hat. Der Kassabericht ergab, daß für Gehälter und Remunerationen über 15.000 Kronen ausgegeben wurden. Zum Punkte „Debatte über den Bericht“ meldete sich vorerst niemand, hernäch beschwerte sich' ein Herr, daß seine Zuschriften, betreffen die Anführung eines Vereines im Ünionkalender imbeantwortet blieben. Darob Entsetzen! Sekretär Fleischer war verlegen, versprach Abhilfe und Berücksichtigung. 1 , Am Schlüße meinte der Vorsitzende Dr. Samuely, es werde notwendig sein, die Generalversammlungen mit ‘einer Veranstaltung zu verbinden, damit der Besuch nicht so spärlich bleibe. Vorher beantragte ein Mitglied, dem Vorstände deii Dank für seine Tätigkeit auszusprechen. Der Antrag wurde unter beifälligem Gemurmel ängenomihen. Damit war die Tagesordnung erschöpft lind der größte politische Verein der österreichischen Judenheit hatte ein Jahr seiner „Tätigkeit“ abgeschlossen. > ■ Der '/»teütfeche-“*- Turnverein. hn; „Berliner Börsenköurier“ findet sich unter dem Titel „Oesferreidiisehe Kleinstadttypen“ folgende gelungene Glosse von H. Wagner: Der' Turnverein steht an der Spitze aller Vereine. Er ist national, das heißt: er nimmt von Juden nur Unterstützungen an. Von diesen Unterstützungen existiert er. ES ist daher jenes Gerücht vielleicht gar nicht so absurd, welches behauptet, daß der Turnverein nur eine raffinierte Schöpfung der Juden sei, dazu bestimmt, den Antisemitismus lächerlich zu, machenn. Der Turnverein leistet in diesem■ Sinne sein Bestes. Vor allem sein Vorstand, der darin unentwegt und stramm. ist. Dann aber auch' jene Mitglieder, deren Aufgabe es ist, etwas zu |,,warten“: den Säckel, die Sprache, die Schrift usw. Da der Turnverein nicht deutsch kann, tut er sehr recht daran, sich ums Deutschtum zu bemühen. Der Ori, an dfem er sich mit der Germania die Rendenzvous gibt, ist die Kneipe. Er brüllt die ^lte Dame dann mit „Heil!“ an, versichert ihn in gröhlenden Liedern, daß sie ruhig weiter sfchlafen könne, da er ihr eine feste und treue \j7adit sei, und trinkt immer, noch |Cins. V.. Immer noch' eins! Denn, was ein echter Deutscher ist, der übergibt sich1 nicht! Brief aus West. (Von unserem Berich terstatter.) Wer sich1 meines vorigen .Briefes (siehe Jüd. Ztg.“, VI., Nr. 29, 19. Juli|l912) erinnert, wird eine ungefähre Vorstellung? gewoijnart haben, wie schwer und (undankbar es ist,* unter den hiesigen Umständen jüdische Arbeit^u leisten. -r'r : . "fz't; Die hiesige jüdische Gemeinde wjr<P auf zirka 7000 Seelen geschätzt;7.nach derfölconomischen, sozialen und intellektuellen Stellung ihrer Mitglieder aber käme ihr ein ./höherer Rang zu als nach' der- Seelenzahl. Dieigünstigen Umstände jedoch1, der Mangel; je^föchen Druckes haben jene Zustäftde geschaffenst: von denen in dem1 obengenannten Aufsatze bereits die Rede war. Unser hiesiges Assimilantenium ,'jnag man nun begreiflicher finden und in .setneri Motiven höher bewerten als' etwa das .deutsche, polnische und dergl., insoferne als der “Jude im italienisch-liberalen Lager tatsächlich kaiimUauf Antisemitismus stößt und ihm sogar die "Führung willig überlassen wird: in ihren Wirkungen jedoch ist die Assimilation hier wie-dört die nämliche: Gleichgültigkeit-gegen alle^'jüdische, Verkennung und Unkenntnis jüdisch.^ Wesens, manchmal sogar eine Art von Judenhaß/ ejpe Folge der Ueber’tragung von Sch lag Wörtern des politischen Alltags auf unsere jüdische;nEtesonderheit: man will von „Kirche und Sakrist^,“ nichts wissen, man ist antiklerikal. Unter solchen Umständen bildet die große SeltenheiQÖer Taufen einen wirklichen Ruhmestitel unserer Juden; ein deutlicher Beweis für die überaus stark entwickelte Pietät der Autochthonen,. die auch' den ganz Entjudeten vor diesem letzten-1 Schritte zurückhält. Ganz gewaltig greift aber di.e Mischehe um sich; hier ist Konfessförtslosigkeit die Regel. Freilich gibt es auch';'einzefne Fälle von Mischehen, wo die Kinder Juden sind; wie es auch an Uebertritten z u m Judentum J/~ zum Zwecke ehelicher Vereinigung -— nicht fehlt. Hin und wieder auch' Beschribidungen Halb- oder Vollerwachsener Halbodeft Garizproselyten. Daß in diesem Rahmert die zionistische Propaganda schwierig ist, liegt aufö'br Händr“ Dazu kommt aber riöch,~dä.ß Vjmsere Zionisten als „Germanen“ verrufen sind »rtfd die Entfaltung des jüdischen Nationalismus, auch den guten Juden als eiie Gefahr erscheint. Man fürchtet hier nämlich viel mehr, durch irgendwelche „Separierung“ den Antisemitismus zu erregen, als man in anderen Ländern die Aeußerungen des bestehenden Judenhasses fürchtet. Professor Chajes, der bekanntlich ieit Jahresfrist in diesem Milieu als Oberrabbiner wirkt, ist unermüdlich bestrebt, durch stolz'es Bekennen und eifrige Belehrung von der Kanzel herab und im Vortragssaale jüdische Ideen und Ideale einzupflanzen. Sein Werk ist die seit dem letzten Herbste wirkende „Pro Cultura“-Vereinigung, unter welchem Namen in den meisten größeren Gemeinden Italiens jüdische Literaturvereine sehr verdienstvoll wirken. Die zweimal im Monae stattfindenden Vorträge über verschiedene jüdische Themen haben bereits ihr Stammpublikum und werden sicherlich ihre Wirkung tun. Sämtliche bisherigen Vorträge hat Prof. Chajes gehalten, bis auf einen, den Professor Freud zu unseren Palästirta- Iichtbildern las. Audi hebräische Kurse hält Prof. Chajes ab. Das Chanukafest feierte unser „Circo 1 o S i o n i s t i c o“ durch eine gutbesuchte NESTLE5 HINOERMEHL PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: _ _SE ’ HENRI NESTll.WlEN,I.B18ERSTRflSSE i I NIEDERLÄNDISCHE LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. In eigenen Palais. — Versilbertes Kapital zirka 380 Millionen. — Pramienresepoe zirka 113 Millionen. — Billigste Prämien und kulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit tfübtige,; leistungsfähige Agenten gegen koke Bezüge. Auskünfte erteilt Oie 6enera!ageufsiksH Wien, L, flsperapiafz 1 (Geiler: Daoid Hebenzakl). Für Osfgalizien u. Bukowina: Subdirektion fidbt Tankes, Hemberg.