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Jüdische Zeitung · 1913-04-25 · 17 (25.4.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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* ■ NFfflDNFiL - ■(.Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratendufaiahme: Wien, II., KarmeliterplaÖ Nr. I. — Sprechstunden ■ täglich von 11—12 Uhr vormittags,und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden flicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ™ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Füt Deutschland: Ganziähr. Alk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, vierteliähr. “ ■ Mk.,-3.—. Für das übrige Ausländ: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Eilßele.xemplare 20 h. — Posfsparkassenkonto -133.404. — Telefon 22.075. ■ Nr. 17. Wien, Freitag, den 25. April 1913 VII. Jahrgang « Jüflistfiep Uolhsuerein für Oie EeopolOstaOt. » Samstag, den 26. April 1. J., 8 Uhr abends, im Hotel Central, II. Bez., Taborstraße, große allgemein zugängliche VERSAMMLUNG TAGESORDNUNG: DerliberaleSftandal im Wiener Gemeinöerafe. Referenten: Obering. R. Stricker und Dr. J. Ehrlich. DER VORSTAND. . Jüdische Mitbürger! .;*• lUnter großen Versprechungen haben Euch die Liberalen aller Schattierungen bei den Reichsratsünd Gemeinderatswahlen zur Urne geschleppt. Sie haben Euch gelobt, für Freiheit und Fortschritt zu kämpfen. Geber kleinliches, persönliches Gezänke sind sie nicht hinausgekommen. In vier, sich befehlende . Gruppen zerteilt, verwenden sie all ihre .Kräfte dn kleinlichen, persönlichen Kämpfen und verraten die Sache der Freiheit und des Fortschritts an die'hohnlachende christlichsoziale Majorität. - "Es gilt, gegen dieses schSndliche Treiben - zu protestieren und unsere Kräfte zu sammeln. Erscheinet in Massen! Zur Krise im Wiener Kuliusuopstanöe. i Die Wiener Kultusstube war in den vergangenen Tagen der Schauplatz erregter Kämpfe. Zum erstenmale traf das alte System der persönlichen Herrschaft weniger Mandatare, wie es leider in fast •allen Judengemeinden geübt wird, auf bharten Widerstand und wurde g e b reichen. In einer wichtigen prinzipiellen Angelegenheit' haben die Vertreter des jüdischnationalen Gedankens eine Entscheidung durchgesetzt, die von der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit freudig begrüßt wird: Der Bau des jüdischen .Kinderspitales wird prinzipiell einem jüdischen Techniker lü ber tragen w erden, und zjv’ar nich’t wie bisher einem f rbtektiionskinde, sondern dem ieger in einer Konkurrenz, an der sich alle jüdischen "Wiener Techniker beteiligen können! Dieser schöne Erfolg wurde allseits begrüßt; nur ei n e Stimme hat sich gegen ihn gewendet. In der Blochschen Wochenschrift hat der Kultusvorsitand Dr. S ehr ei b er den Versuch unternommen, die Niederlage des Präsidiums zu hemiänteln und durch1 einen entstellenden unwahren Bericht den Erfolg der guten Sache zu v.'erkleinern. Die nachstehende wahrheitsgemäße Schilderung der Vorgänge bildet die wirksamste Entkräftigung dieser Lügenepistel, welche in marktschreierischer Weise in allen Verkaufsstellen plakatiert war, und gleichzeitig die härteste Verurteilung des famosen-Dr. Schreiber. .......* Bekanntlich haben die zwei zionistischen Vertreter im WiSRBHfBltusrate in Angelegenheitder , Bauvergebung des jüdischen Kinderspitals jm? Augarten einen schönen Erfolg im Sinne ,cfes-fc jüdisch-nationalen volkstümlichen Gemeindepro-": grammes erzielt. Sie haben nach kaum drei- - monatlicher Wirksamkeit in dieser Körperschaft dem Prinzip des freien Wettbewerbes der jüdischen Techniker und Gewerbetreibenden zum Durchbruche verholten und damit einen der Hauptpunkte dieses Programms zur Geltung gebracht. Zur Stunde sind bereits Sämtliche jüdische Architekten Wiens zum Wettbewerbe eingeladen und das früher so beharrlich' und zum Schaden der Gemeinde geübte System der Bevorzugung eines kleinen Kreises von persönlichen Günstlingen ist hoffentlich für immer abgetan. Leicht war die Arbeit wahrlich nicht, die unsere zwei Vertreter zu leisten hätten. Von einigen Kollegen unterstützt, hatten die Gesinnungsgenossen Oberingenieur Stricker und Dr. Ehrlich gegen eine überwältigende Majorität zu kämpfen. In ungezählten Sitzungen der fachtechnischen Kommission mußte Gg. Stricker vom tech- 'nischeh Standpunkte aus' die Haltlosigkeit der von der Gegenseite mit unermüdlicher Hartnäckigkeit vorgebrachten öegengründe nachweisen, was umso schwerer fiel, als man auch mit Gutachten technischer Experten arbeitete, die subjektiv gehalten waren. Nach Bewältigung dieser Arbeit mußten dann (die beiden Zionisten in bewegten Plenarsitzungen die „politischen“ Bedenken der Majorität gegen eine frei jüdische Konkurrenz zerstreuen. Ueberdies oblag ihnen die Orientierung und Organisierung der jüdischen Oeffentlichkeit in dieser Frage. Ihnen gegenüber standen bis zum letzten Moment der Präsident Dr. Stern und das gesamte Vertreterkollegium und diese ließen die stärksten Mittel ihres großen persönlichen Einflusses nicht unversucht. Noch vor der entscheidenden Abstimmung stellte Dr. Stern die Kabinettsfrage und der Schlußredner drohte mit der Demission des gesamten Vertreterkollegiums. Das waren gewiß Widerstände, die noch vor wenigen Tagen allgemein als unüberwindlich gehalten wurden. Die Abstimmung ergab jedoch-, daß ein von entschlossenen Männern energisch geführter Kampf für die gute Sache auch in der Wiener Kultusgemeinde zum Siege führen muß. Mit 19 gegen 13 Stimmen entschied das Plenum im, Sinne unserer Vertreter. Die Wirkung dieses Beschlusses in der jüdischen Oeffentlichkeit war die denkbar beste. Ueberall wurden Zustimmungskundgebungen laut, und auch von solchen Seiten, die der zionistischen Partei ferne stehen, wurde unseren Vertretern rückhaltloses Lob zuteil. Dadurch ist unserer Partei, der man. die Befähigung zu sachlicher- Arbeit innerhalb von Vertretungskörpern so oft abgesprochen hat*, eine große Genugtuung geworden. Inzwischen hat Dr. Stern seine D e m is-, sion zurückgezogen, wohl in der Erwägung,' daß selbst er einer so einstimmigen Kundgebung" der Bevölkerung sich ,;hicht litehr mi: E \otg£ entgegenstellen kann. ■ Er wird auch aus den» •Vorfälle die Lehre ziehen müssen*,,;daii.ina.. l ieblichen Argumenten auf die Dauer mit Machtmitteln des gewichtigsten persönlichen Einivflüsse's nicht begegnen kann und daß das Prin- ,ziß der objektiven Geschäftsführung auch 71^1 „eisernen“ Präsidenten, wie er genannt wird, respektiert werden muß. Eiemissionsandrohungen vor der Abstimmung stellen eine unerlaubte Beeinflußung dar, sie vertragen sich weder mit der Würde eines Präsidenten, nochmit der des Vertreterkollegiüms und versagen schließlich ihre Wirkung. Angesichts dieses Resultates nehmen sich die Rettungsversuche des Vorstandsmitgliedes Dr. Schreiber in der „Oesterr. Wochenschrift“ mehr als kläglich aus. Nebenbei sei bemerkt, daß sich E>r. Sch r eiber noch vor wenigen Jahren jüdisch-national gebärdete und Dr. Stern heftig oekämpfte. Als er in Gnaden in den Kultusvorstand aulgenommen wurde, begann er die Jüdischnationalen zu bekämpfen und wurde der getreueste Gefolgsmann des Präsidenten. Trotzdemdiese Charakterisierung zur Beurteilung des Herrn genügt, seien doch noch einige seiner handgreiflichsten Verdrehungen angenagett. Dr. Schreiber sagt, daß sich der Präsident im Gegensätze zur Opposition vor allem für das. Prioz»p. aiigRprarb-<laft-re.tt:c ein-ju.d.i.sc:fc ec. Architekt den Bau bekommen solle und daß der siegreiche Antrag der Opposition den Weg zu einer allgemeinen, auch christlichen Bewerbern zugänglichen Konkurrenz freigäbe. Daraus konnte man folgern, daß die Zionisten nicht für das Prinzip der Beschäftigung jüdischer Architekten durch die Kultusgemeinde eingetreten sind-. Das ist eine ungeheuerliche Lüge. Darüber, daß ein- Jude den Bau bekommt, waren sich alle von vorneherein einig. Doch wollten E>r. Stern und das Vertreterkollegium1 fünf bis zehn Architekten aussuchen, während die Zionisten die Zuziehung alter jüdischen Architekten verlangten, und sie haben mit diesem Verlangen gesiegt. Jede andere Darstellung ist eine niederträchtige Entstellung. Ebenso charakteristisch ist es, daß Ehr. Schreiber sagt, der angenommene Antrag sei farblos und kaum realisierbar und durch ihn sei die glückliche. Aktion des Präsidenten auf Abwege gedrängt und der Spitalsbau in Frage gestellt worden. Dabei verschweigt der gute Herr, daß er. selbst für den Antrag gestimmt hat! Wie „unrealisierbar“ der Antrag ist, geht übrigens daraus hervor, daß er bereits re a I isi e rt ist! Man muß sagen, frecher wurde noch selten entstellt. Dr. Schreiber berichtet schließlich, daß sich einige Vorstände von den zionistischen Führern „ins Schlepptau“ nehmen ließen und die zwei Zionisten die „Agitation mit. Poputaritätsschlagern geheizt hab e n“. Demgegenüber sei festgestellt, daß noch in der letzten Sitzung seitens des erbittertsten Gegners des zionistischen Projektes, des Vertreters HL v. Kufner in offener Sitzung' ausdrücklich betont wurde, daß die Opposition ihren Kampf streng sachlich geführt hat. Die Beleidigung, welche Dr. Schreiber seinen LLollej;-’, gemeint ind damit in erste- 1 v.ie - ie Herren Garthe.-, Brod; und S-hrammek mit . der Bemerkung vou T.zio i. i:clien Schlepptau“

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