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Jüdische Zeitung · 1913-04-11 · 15 (11.4.1913) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 lUDlSCHE ZEITUNG Seite 'S Auslande bekannten, dem jüdischen Stamme angehören. Nicht die waschechten Ungarn, vielmehr- Schriftsteller jüdischen Geblüts haben die ausländische Bühne für Ungarn erobert. Man mag über Franz Molnär denken, wie man will, er hat heute in ganz Europa einen klangvollen Namen, ßeine Stücke: „Der [Teufel“, „Der Gardeoffizier“, „Das Märchen vom Wolf“ gehören zu den' Repertoirestücken der meisten europäischen und überseeischen Schauspielhäuser. Die Theaterdichter Alexander Brody, Melchior Lengyel, Ludwig Birö und Eugen Heltai (letzterer ein Vetter Theodor Herzls) entstammen ebenfalls dem alten Volke Gottes. So die Juden. Die Nichtjuden hingegen schweigen und das ist auch eine Antwort. Oder aber sie raffen sich auf — wie „Budapesti Hir- Iap“ — und sagen: „Goga hat recht! Wir verwahren uns dagegen, daß die von den Juden gemachte Literatur als Produkt ungarischen Geistes angesehen werde. Selbst der „Zrinyi“ von Theodor Körner atmet mehr ungarischen Geist als die Werke der ungarischen Schriftsteller jüdischen Stammes, die anational und unsittlich sind.“ ' ' Gogas Artikel ist von historischer Bedeutung. Nicht als ob er neue Wahrheiten offenbart hätte, (das sicher nicht. Er hat nur die Aufmerksamkeit auf eine Tatsache gelenkt, der sich die Assimilanten bisher verschlossen hielten. Er legte die Hand auf die offene Wunde und das tut weh. Gogas Artikel bedeutet eine Etappe in der Entwicklung der ungarischen Juden. So manchem von ihnen wird ein Licht aufgehen. Sie, die all ihre Kräfte in den Dienst des magyarischen Schrifttums stellen, werden erkennen müssen, daß es ihnen selbst bei krampfhafter Unterdrückung aller 'jüdischen Instinkte niemals gelingen kann, ein magyarisches Werk zu schaffen, von magyarischem Geiste durchdrungen, das auch von den Ungarn als solches angesehen Wird. Goga und die übrigen Nichtjuden befinden sich übrigens auf dem Holzwege. Sie sagen: „Die Werke all dieser Juden sind, nicht magyarjgph.^ .Folglich,r ipü^§^p.;l isi.e „^jüdiscl* .,seinr“. Nichts, weniger als jüdisch sind die Werke dieser Judenstämmlinge, die mit' all ihrer Kraft daran sind, alles Jüdische aus. ihrem Herzen. auszumerzen, aut daß nichts verbleibe, was sie an ihr Judentum erinnert. Mit dem Beginn der achtziger Jahre des 'vergangenen. Jahrhunderts, als sich die Juden in Ungarn zu assimilieren begannen, fällt auch die rege Teilnahme der Juden an der ungarischen Literatur zusammen. Mit Ausnahme einzelner Dichter und Schriftsteller wie Adolf Agai und Josef Kiß, die übrigens einer früheren Periode angehören, ferner des gewesenen Rabbinatskandidaten Emil Makai, hat niemand von ihnen jüdische Töne angeschlagen, und geschah es, so empfahlen sie das völlige Aufgehen im Magyarentum. Dichter, wie Schnitzler, der sich offen zum jüdischen Voikstume' bekennt, gibt es in Ungarn nicht. Nun frage ich: Was soll die Werke von Juden, die seit 30 Jahren bemüht sind,- einander im , Ungarsein zu überbieten, jüdisch färben? Höchstens die unbewußt jüdische Note, die aber im Anbiederungswahn fast völlig verloren geht. Was sie dem geschlossenen Wesen des ungarischen Volkes, das sich nachtausendjährigem Kampfe in einer fremden Umgebung um den Preis harter .und blutiger Kämpfe und zäher Ausdauer zu behaupten gewußt hat, völlig fremd macht, ist die seelische Zerrissenheit der jüdischen Schriftsteller, die umso mehr zur Geltung kommt, als sie sich bestreben, kemmagyarisch zu erscheinen und das eigene Volkstum zum Schweigen zu bringen. Diese Halbheit, diese Zerrissenheit, dieses wahnsinnige Streben, anders zu scheinen, als man ist, macht ihre Werke dem magyarischen Wesen fremd und wirkt abstoßend. Und. dieses Fremde, das die Ungarn mit Recht nicht als Ungarisches anerkennen wollen, ist. nichts weniger als jüdisch. Es ist eine Golusblüte, es ist ein Produkt der krankhaften und ungesunden Assimilationssucht. Der ungarische Nationalismus, das Weltbürgertum oder die Dekadenz der ungarischen Schriftsteller jüdischen Stammes darf dem jüdischen Volke nicht fcufgelastet Werden. Wir haben damit tafdhts gemein. Die Assimilation hat diese Gattung geschaffen, sie möge auch" die volle Verantwortung dafür übernehmen. Ge^en die jüdifdien Denunzianten. Wir haben bereits in unserer letzten Nummer über die Verleumdungskampagne berichtet, welche die reichsdeutschen. jüdischen Assimilanten gegen die Zionisten Deutschlands eingeleitet haben. Wir haben die ^Resolution, wetche in der Generalversammlung des „Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ angenommen wurde, im Wortlaut gebracht. Sie lief darauf hinaus, daß. der Jude, welcher sich nicht deutsch national nennt und nicht deulschnational fühlt, ein Sdrädling der jüdischen. Gemeinschaft sei und im Zentralverein nicht geduldet werden könne. Die Resolution bildete das Resultat einer beschämenden Debatte. Unsere „deutschnationaten Glaubensgenossen“ riefen förmlich die Regierung gegen die zionistischen „Vaterlandsverräter“ zu Hilfe. Es wurde u. a. erklärt, daß ein Zionist kein ehrlicher Staatsbeamter seüi könne, daß der Zionismus die. Grundfestejj des deutschen Vaterlandes erschüttere u. ,dgL m. In der. ohnmächtigen Verzweiflung darüber, daß die zionistische Bewegung unaufhaltsam wächst und die gesamte jüdische Jugepd ihr zustrebt, ließen sich die Helden aus dem „Zentrahrerein“ zu Lumpereien hinreißen, die man. bisher bei Juden für ausgeschlossen hielt. Denn daß Juden hinlaufen und jüdische Brüder bei einer antisemitischen Regierung als „Vaterlandsverräter“ denunzieren, bedeutet wohl einen Rekord! Das zionistische Aktionskomitee übersendet uns aus Berlin die Antwort, welche die Zionistische Vereinigung Deutschlands den dummen und nieder- I trächtigen Verleumdern öffentlich erteilt. Sie lautet: Erklärung. ' Der . „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ hat in seiner Generafver- . Sammlung vom 30. Mär2";l9l3 eine Resolution •gefaßt, die den Versuch .tjpacht, die „deutsche Gesinnung“ der Zionisten ' zu verdächtigen, um so den Ausschluß der deutschen Zionisten aus dem Zentralverein zu begründen.. Die zionistische Organisation ist seit dem Jahre 1S97 in Deutschland tätig. Von diesem Zeitpunkt an hat sie jederzeit das gleiche Programm vertreten. Trotzdem hat der Zentralverein stets öffentlich erklärt, daß ihm zionisti- Mitglieder ebenso willkommen seien, wie andere und hat die Mitarbeit der Zionisten ausdrücklich erbeten. Wenri also der Zentralverein es jetzt für erforderlich hält, sein Verhalten zu ändern, so. können dieser Taktik nur agitatorische Erwägungen zugrunde liegen. Der Zentralverein sieht, daß die zionistische Ideenwelt die wertvollsten Kreise des deutschen Judentums, insbesondere die Jugend, ergreift, daß die zionistische Organisation dauernd an Mitgliedern wächst und daß das neue jüdische Leben in Palästina den Beweis für die Lebenskraft des nationalen Judentums erbracht hat. Inhaltlich haben wir zu der Resolution folgendes zu erklären: 1. Der jüdische Nationalismus beruht auf der unbestrittenen Tatsache der gemeinsamen Abstammung aller Juden und ihrer gemeinsamen Ueberlieferungen. Die Ableugnung des nationalen Charakters dieser Ueberlieferungen und die Unterdrückung des jüdischnationalen Bewußtseins bedeutet einen Bruch mit der historischen Kontinuität des Judentums und muß daher — allen, gekünstelten Konstruktionen zum Trotz — zu seiner allmählichen Auflösung führen. 2. In dieser Eikenntnis halten wir es für unsere Pflicht afe Juden, für die nationale Zukunft des jüdischen Volkes zu arbeiten. Dieses Bestreben, das in einem großzügigen Kolonisationswerk in Palästina, der historischen Heimat und dem Lande der Zukunft unseres Volkes, seinen Ausdruck findet, dient zugleich der wirtschaftlichen und sozialen Hebung des jüdischen Volkes, dessen überwiegende Mehrheit in Osteuropa unter entwürdigenden und imerträglichen Verhältnissen zu leben gezwungen ist. 3. Diese jüdisch-nationale Gesinnung und Betätigung berührt in keiner Weise die Interessen des Deutschen Reiches, noch steht sie mit unserer aufrichtigen staatsbürgerlichen Gesinnung und Betätigung im öffentlichen Leben Deutschlands in Widerspruch. Wenn der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen solchen Widerspruch zu -konstruieren sucht, so liegt darin eine Veikennüng des nationalen Charakters des Judentums und der historisch gegebenen Beziehung des Judentums zum Deutschtum. Unsere staatsbürgerliche Auffassung schließt nicht nur die formale Erfüllung unserer Pflichten, sondern eine auf der Erkenntnis vom der sittlichen Bedeutung des Staates beruhende Treue und Hingabe ein, die aber niemals zur Aufhebung des auf. viertausendjähriger Geschichte beruhenden nationalen Zusammenhanges führen kann, der uns mit allen Juden verbindet. Wir weisen daher den vom Zentralverein unternommenen Versuch, unsere staatsbürgerliche Zuverlässigkeit .vor der Oeffentfichkeit zu verdächtigen, imd unsere tätige Anteilnahme an dem öffentlichen Leben Deutschlands mit den Konsequenzen für unvereinbar zu erklären, die wir aus unserer Zugehörigkeit zur jüdischen Nation zu ziehen haben, auf das Entschiedenste zurück. 4. Unsere Ideen haben infolge der Offenheit und Entschiedenheit, mit der wir die Judenfrage zu behandeln gewohnt sind, seit langem die Sympathie hervorragender Männer audi außerhalb des Judentums gefunden. Die Größe der Aufgabe, die wir uns gesetzt haben, hat uns die Achtung und Zustimmung weiter Kreise verschafft. Wenn nun gerade von jüdischer Seite Widerspruch gegen den Zionismus erfolgt, so wird durch solchen Widerspruch weder ein deutsches, noch ein jüdisches Interesse, sondern nur die in Westeuropa immer weiter fortschreitende innere und äußere Auflösung des Judentums gefördert. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Rechtsanwalt Dr. Hantke, Vorsitzender. IS NESTLE mmm KINDERMEHL PROBEOOSE VERSENDET GRATIS: ■ HENRINESßjWIgÜBIBgR^^JI flus dem 6eMrältsbepiditeöes„Bezafer‘; Tn tfer abgelaüfenen Berichtszeit ist die Künst-; gewerb6schuHf;''Bezalel‘ m Jerusalem ihrer Be- Stimmung, einem Teil der jüdischen Bevölkerung Palästinas 'Existenzmöglichkeit zu geben, weiter nachgekorpmen.. Ihre überaus ersprießliche Wirksamkeit erweist sich in diesem Jahre nicht in einer weiteren Zunahme des Arbeiter- und Arbeiterinnenbestandesj sondern drückt sich in der bedeutenden Zunahme des Wertes der erzeugten Gegenstände aus, der sich gegen das Vorjahr verdoppelte und die stattliche Summe von zirka Frs. 250.000.— ' erreichte. Dadurch wurden wir in die angenehme Lage versetzt, an Arbeitslöhnen zirka Frs. 135.000.— (gegen Frs. 80.000.— i. V.) auszahlen zu können. Der italienisch-türkische und der Balkankrieg hatten sowohl im internen Geschäftsbetriebe als in den Absatzverhältnissen empfindliche Störungen zur Folge und zwangen uns daher zur Zurückhaltung. Unter diesen mißlichen Umständen wäre es uns wohl kaum möglich gewesen, die Schule in ihrem Vollbetriebe aufrecht erhalten zu können, wenn uns nicht von verschiedenen Seiten eine tatkräftige Unterstützung zuteil geworden wäre. Herr Nathan Strauß in Newyork, der die Schule besuchte und an der Durchführung unserer Kulturarbeit lebhaften Anteil nimmt, deponierte bei unserer Bankverbindung in Jerusalem eine bedeutende Summe, wodurch die Aufrechterhaltung des Betriebes ermöglicht und eine Besserung unserer finanziellen Lage geschaffen wurde. Unsere schon früher geäußerte Absicht, die kaufmännische Leitung der Schule bewährten Händen anzuvertrauen, gedenken wir nunmehr zur Ausführung zu bringen. Wir sind zu diesem Zwecke mit einem erfahrenen Kaufmann in Verbindung getreten, den wir für die Leitung des Betriebes zu gewinnen hoffen. Die Ausgesta- ' tung desselben dürfte sich durch seine Abtrennung von der eigentlichen Schule in wirksamer Weise erzielen lassen, sodaß der Fabrikbetrieb der kaufmännischen, die Schule der künstlerischen Leitung zu unterstehen hätte. Der kaufmännischen Leitung würde es gleichzeitig obliegen, die Erzeugnisse zu vertreiben, sowie neue Absatzgebiete zu erschließen. Die in Warschau mit einem Kapital von Rbl. 50.000t— begründete Vertriebsgesellschaft „Bezalel“ hat nunmehrihre Geschäftstätigkeit aufgenommen und die Abnahme eines großen Teiles unserer jährlichen Produktion durch dieselbe steht in Aussicht. Vor einigen Monaten wurde in Krakau eine ebenso firmierende Vertriebsgesellschaft für Galizien und die Bukowina begründet. Nach dem Muster unserer ständigen Verkaufsniederlage in Berlin wird demnächst eine

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