Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ■ solche bei einem. ersten WarenWa'-use in Frankfurt a. M. eröffnet werden. Iii London hat ein : renommiertes Geschäftshaus deh Verkauf unserer Erzeugnisse in die Hand genommen. Die im vorjährigen Berichte erwähnte Un- . terriditsmethode in den . Kunstklassen bewährte . sich aui das beste und wurde 'daher beibehalten. Die Zahl der Schüler, der Arbeiter und Arbeiterinnen hat eine nennenswerte Veränderung nicht erfahren. Das Filigran-Atelier hat sich in recht . zufriedenstellender Weise entwickelt. Außer den . in Massen hergestellten gut gearbeiteten,' ge- . schmachvollen und preiswerten kleineren Gegenständen, die flotten Absatz finden und mit ähnlichen Fabrikaten anderer Länder erfolgreich konkurrieren konnten, gingen aus diesem Atelier auch gut gelungene, mit Elfenbeinschnitzereien Und Farbsteinen geschmückte größere Zierstücke ‘•hervor. Der Wert der Produktion dieser Abteilung hat sich erheblich gesteigert. Im K up f e r - A t e 1 i e rwurden für den " praktischen Gebrauch bestimmte neue - Modelle . hergestellt, die sich von den sog. Dainaskusarbeiten durch feine Komposition ■ und sorgfältigere Arbeit in vorteilhafter Weise-unterscheiden. Gute Effekte wurden dadurch erzielt, daß man '.einzelne Teile dieser- Gegenstände in Treib- und „ Batikmanier behandelte. Der-..gegen das Vorjahr •gestiegene Umsatz dieser Werkstätte -kennzeichnet deren fortschreitende Entwicklung.; Durch langwierige, stilistische und farbliche Neuerungen bezweckende Experimente wurde die Entwicklung unseres Teppich-Ateliers beeinflußt. Diese sind als abgeschlossen anzusehen. Wir haben damit begonnen, eine Stapel- . wäre in Perserart herzustellen, auf deren flotten Absatz wir rechnen zu dürfen glauben, umso- .mehr, als die „Bezalel-Teppichc“ aus prima Rohmaterialien durch geschulte, tüchtige Knüpferinnen hergestelit werden. Im Ho 1 z-At eli er fanden äußer Olivenholz auch andere Holzarten bei der Herstellung einer Kollektion von .Neuheiten Verwendung, die in der Batik-Abteilung weiter bearbeitet wurden. Außerdem sind kunstvoll gearbeitete, mit Elfenbeinschnitzerei versehene, in antikem Charakter gehaltene, größere Stücke in dieser Werkstätte hergestellt worden, die dem Entwerfer der Modelle sowohl als den handfertigen Arbeitern zur Ehre gereichen. Auch diese Abteilung hat einen gesteigerten Umsatz zu verzeichnen* Unsere neuen Ateliers 'für- Treibarbeiten, B.atik und Elfenbeinschnitzerei entwickeln sich gleichfalls in zufriedenstellender Weise. Die durch kostspielige Einrichtungen, . vielerlei Anschaffungen, durch die Herstellung einer großen Anzahl neuer Modelle gemachten, nicht {Unerheblichen Aufwendungen, tragen bereits ihre Früdite. Aber auch ' ausgezeichnete künstlerische Arbeiten, in Silber" und Messing getrieben, in Verbindung mit Filigran und unter .dezenter Verwendung von Farbsteinen, ebenso viele billigere Massenartikel wurden' in den neuen Abteilungen hergestelit und fanden schlanken - Absatz. Die Aussichten derselben sind somit vielversprechende. Es ist ferner zu erwähnen, daß sich auch .unsere Arbeiter-Kolonie in Ben Scha- -tn en in gewünschter Weise entwickelt hat. Eine Rentabilität derselben können wir vorläufig noch nicht erwarten, da sie in zu kleinem Maßstabe I .angelegt ist. Diese wird sich erst ergeben kön- «ia§n, Iwenn eine Vergrößerung derselben durch die Errichtung weiterer Arbeiterhäuser vorgenommen i-Wird. Hierbei rechnen wir wieder aui die verständnisvolle Unterstützung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds, mit dem wir ein diesbezügliches Abkommen abzuschließen hoffen. •/Das-in unserer kleinen Kolonie bereits Geschaffene hat sich für deren Bewohner als zweckentsprechend und segensreich .erwiesen. ‘ Die Einnahmen an Beiträgen, Subventionen etc haben sich gegen das Vorjahr wiederum .gehoben. Andererseits sind aus Oesterreich-Ungam ünd den Balkanländern viele Beiträge ausgeblieben. Eine Propaganda in - diesen Ländern, um die' entstandenen Lücken wieder zu füllen, ist datier erforderlich. Unsere Mitgliederliste muß überhaupt noch durch regeres Werben einen weit größeren Umfang als seither erhalten. Büs dem jiiOifAen Beben. jüdische Ackerbauer in Amerika. . Der soeben erschienene Jahresbericht der Jewish Agricultural and Indurtrial Aid Society 'für das Jahr 1912 enthält überaus interessante , Angaben über die Tätigkeit dieses Vereines. Der "Verein wurde mit der Absicht gegründet, den Juden, die sich der Landwirtschaft, zu widmen beabsichtigen, finanzielle Unterstützung zu gewähren und denen, die bereits Farmen besaßen, behilflich -zu sein, damit sie festen Fuß fassen und Ihre Lage, verbessern konnten. Aus diesen kleinen Anfängen hat der Verein mit der Zeit eine vielseitige und überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet, die sich auf 28 Staaten der Union und . aut 'Kanada erstreckt Sein Arbeitsfeld umfaßt: landwirtschaftlichen Unterricht; kooperative Kreditvereine usw. Bahnbrechend wirkte Ider Verein u. a. auf dem Gebiete der landwirt- JÜtHSCHE 2EIT0NG •schafttidien Kreditgenossenschaft nach dem Vor7 bilde des Raiffeisen-Verbands in Deutschland. Der Erfolg war einn so unmittelbarer, daß sich die Zahl dieser Vereine in einem Jahre verdoppelte. Zu den übrigen Einrichtungen .des Vereines gehören: das Arbeitsvermittlungsbüro, das in fünf Jahren 2461 junge Leute auf Farmen unterbrachte, und das Unterrichtswesen. Das letztere schließt auch den. Beistand des Vereins bei . der Auswahl der Farmen, dem Ankauf von Vieh und Geräten ein, wodurch Unerfahrene vor Ausbeutern geschützt werden. * Judenfeindliche Ausschreitungen in Russisch- Polen. . Aus Warschau wird gemeldet: Die gewissenlose Boykotthetze der führenden polnischen Kreise hat in Mläwa (Gouv. Plotzk) zu . argen Ausschreitungen gegen die Juden geführt. Einige hundert Hooligans drangen in die jüdischen Geschäftsläden und Wohnhäuser ein und verwundeten zahlreiche Juden. Die Polizei war gegen die Exzedenten machtlos. Erst einem starken Militäraufgebot gelang es, die Ordnung wiederherzustellcn. Auch in dem Städtchen Razion desselben Gouvernements' wurde ein kleiner Pogrom vorbereitet, dessen Durchführung gleichfalls nur durch das ‘ Einschreiten von Truppen verhindert werden konnte. , * Von-der Immobiliengesellschaft „Palästina“. 'Der': VerWaltÜHgsraf der Iminöbiliengesellschaft. „Palästina“ m. > b; H. in Berlin hat in seiner am 6. .April d. J. abgehaltenen Sitzung . beschlossen, der demnächst stattfindenden Gc- '.‘se'llschafterversammlung vorzuschlagen, für das äbgelaufe'ne Geschäftsjahr 1912 eine Dividende von 8°" auszuschütten'. Für das Geschäftsjahr 1911 wurde bekanntlich eine Divi- . dende von 6®/b verteilt. Im Laufe des zweiten Halbjahres 1912 sind für weitere 23.000 Mk. Stammanteile der Gesellschaft ä 500 Mk. verkauft worden. * Aus der Troppauer Kultusgemeinde, Die im Monate März d. J. vollzogenen Kultuswahlen brachten eine stattliche Anzahl von Zionisten in die Gemeindevertretung. Am 6. April fand die konstituierende Sitzung statt, auf deren Tagesordnung die Wahl des Vorstandes stand. Unser Gg. Dr. Robert L i ch t \v i t z, der schon einige Jahre .dem Vorstande angehörte und das Schulreferat innehatte, wurde von den Zionisten für die Stelle eines Vorsteherstellvertreters in Vorschlag gebracht; doch blieb er mit 12 gegen 15 Stimmen in der Minderheit. Da die Majorität den Zionisten das Stellvertreteramt nicht freiwillig einräumte, was bei der Anzahl der zionistischen Ausschußmitglieder ein gerechtfertigter Wunsch war, so nahmen diese keine Stelle im Vorstande an und werden sich somit in den folgenden 3 Jahren aktiv im Vorstande nihet beteiligen. Die nächsten Wahlen finden, in 3 Jahren statt; die Dinge werden dann anders stehen. PapfeisNatiiPichfen. Nachrichten aus Mähren - Schlesien. Vereinsabende. Troppau: Verein „Jeschurun“. Jeden Samstag im Vereinslokal (Salzgasse 45), 8 Uhr abends. Zion. Mädchenverein „M i r i a in“. Jeden Dienstag abends im Vereinsiokal Salzgasse Nr. 45). Proßnitz: Verein „Zion“. Jeden Samstag oder Sonntag abends ini Jüdischen Casino. Olmütz. Jeden Mitwoch, 8 Uhr abends, im Klub-Zimmer des „Grand-Caf6“. Iglau: Jüd. Volksverein „Theodor Herzl“. Jeden Samstag, um; 8 Uhr abends, im Vereinszimmer des „Grand-Hotel“ (Leupoldgasse 3). Ung. Hradisch: Jeden Sonntag, abends-81/2 Uhr, im Cafe Braun. Mährisch-Ostrau: (Volksverein „Zion“.) Jeden Donnerstag, 8(4 Uhr abends, im Klubzimmer des Cafe „Union“ (Ringplatz). . Oderberg: Jeden Dienstag nach dem 20. eines jeden Monates, 8 Uhr abends, Kultusgemeinedekanzlei. Brunn: Mädchenverein „M i r j a m“. , Jeden Samstag von 5—7 Uhr im Vereinslokal, Großer Platz 21. Nationalfondskommission. Jeden Mittwoch von 8—10 Uhr abends, Cafe Royal. * Sparsame Leser unseres Blattes, welche auf sehr netten, modernen Fensterschmuck reflektieren, wenden sich. unter Berufung auf die heutige Nummer dieser. Zeitung an die Fabriksfirma S. Schein, k. u. k. Hof- und Kammerlieferant, Wien, I., Bauernmarkt 10, 12 und 14, welche komplette Fensterdekorationen, bestehend aus zwei abgepaßten Spitzenteilen mit Bandeinfassung, je 100 cm'breit, 300 cm lang und einer, oliv oder bordo, Ton in Ton gemusterten Satindraperie, 50 cm breit, 155 cm lang, zum Erzeugungspreis von K 7.80 für ein Fenster per Nachnahme abgibt. Nr. 15 Eine Würdigung fierzls. Im Rahmen ges Wiener zionistischen Frauenvereines sprach kürzlich Gg. Adolf Stand (Lemberg) über Theodor Herzl. Er zeigte im strahlenden Lichte historischer Größe den Mann, der das Riesenwerk der jüdischen" Re’- naissance geschaffen. Moses H c ß, der Philosoph und Sozialist, K 0 I i s ch e r, die Verkörperung jüdisch-frommen Empfindens, Leo Pinsker, der Arzt mit dem warmen Gefühl für das physische Elend der Juden, Nathan Birnbaum, der die modernen völklichen Strömungen seiner Zeit auf das Judentum übertrug, sie alle predigten Rückkehr zum Volke. Aus Herzls seelischer Judennot aber erwuchs der politische Zionismus, der sich mit dem Philanthropismus eines Montefiore, mit der kühlen Freigebigkeit eines Baron HirsCh nicht begnügte und der physischen Not des Judenvolkes gleich wie der psychischen abhelfen will. Aut dem Wege einer sozialen Studie entsteht jenes moderne. nationale Judentum, von dein der Judenstaat noch nichts weiß. Nicht, die Reichen mit ihren Kapitalien und nicht die jüdischen Seelenhirten mit ihrem gleich selbstmörderischen wie 'anmaßenden Missionsideal haben Herzls Appell begreifen wollen. Das Volk, die breiten, von der Judennot gequälten Massen, besannen sich auf ihr Bestes, und begriffen das neue Mis'sionsidealA r b e i t für uns selbst und weiterhin in Variation des alten „ex Oriente lux“ ein ziclbewußtcs' „in Oriente, lux“. Das Volk schuf für die nächstliegenden Ziele Turnvereine, für fernere die jüdische Bank den Nationaifond . Aus unbedeutenden kolonisatorischen Anfängen, in Theorie verbliebenen Entwürfen einer Emanzipation schuf Herzl eine gewaltige Bewegung der Massen, gab ihr eine Organisation und als deren Krönung den Kongreß. Er verstand es, dein Judentum verloren gegangene Männer geistiger Kapazität ihrem Volke wiederzuerobern, er sprach für die gesamte Judenheit vor gekrönten Häuptern und Machthabern und bot diesen das seltene Bild des Juden, der alles für die Gesamtheit ,nichts für sich fordert. Und tat dies alles unter Aufopferung seiner' ganzen physischen Kraft in dem Zeiträume von kaum acht Jahren. Nach dem Organisator Herzl würdigte Stand mit ganz persönlicher Note den Menschen und Politiker. Wie wird er uns in der Geschichte entgegentreten? Nicht als bedeutender Kritiker, als großer deutscher Schriftsteller, ' Sozialpolitiker, Staatsmann oder Philosoph. Er war alles •von diesem,, aber Juden wie Georg .Brandes, Heine, Schnitzler, Wassermann, wie , Lassalle, Marx, Disraeli und Spinoza haben ungleich Bedeutenderes auf diesen Gebieten geleistet. Größer erscheint er uns als Jude, als Politiker, als Mensch. Als Jude, weil er als erster verstand, das starre Nur-Judentum mit Europa und Europa mit den Juden bekannt zu machen. Er hat das produktive Judentum reinlich . und nachhaltig von dem vegetativen unterschieden. Als Politiker, weil er als erster großzügige jüdische Politik trieb, schlechtweg jüdische Po- litik ohne schädliches Beiwerk. Auch Disraeli war großzügiger Politiker, .aber er verwertete seine Gaben für die Größe des britischen Reiches,, als jüdischer Politiker blieb er Dilettant. Herzls Judentum war nicht philanthropisch, sondern politisch, seine Politik nicht liberal, sondern jüdisch. Als Mensch wird er der Geschichte groß erscheinen, weil er die enorme sittliche Größe aufbrachte, unter Aufopferung aller den Menschen sonst teuren Güter seiner Idee zu leben, ■ weil aus dem Dichter Herzl der Mann der" Tat . wurde. Daß wir diesen Mann nach achtjähriger Tätigkeit für das Judentum verloren, gehört zu der furchtbaren Tragik unseres Volkes. Auf seinen Grabstein aber sollte man die Inschrift setzen, mit der Tacitus den Ruhm eines großen Monarchen verkünden wollte: „Saluti patriae non diu vixit, sed totus“. HUI JAKOB PINKAS im Neubau des -|»3 HOTEL NEW-YORK nirr Wien, II., Kleine Sperlgasse 5 bietet den. P. T. Gästen allen Komfort. — Küche und Kelter sind als erstklassig bekannt. Elegante und geräumige Lokalitäten. Hochzeits¬ und Festbankette werden bestens arrangiert. VereinsnadiFiditen. Wien. (Jüd. Handlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Wien, II., Taborstraße Nr. 11b.) Samstag, den 11 d. i\V,, 8 Uhr abends, Versammlung der Frauensektion. Referentin Kollegin Paqla Spatz. — Dienstag, den 15. d. M., 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Moses Waldmann über „Methoden des Sozialismus“. Gäste willkommen.