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Jüdische Zeitung · 1913-04-04 · 14 (4.4.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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iieite ß_ jÖdlSCHfe ZÜf ÜMÖ _ _ Nr. U können zufrieden sein. Die Reaktion beherrscht zwar den Staat und die Christlichsbzialen sind! stärker denn je, aber zwei große Siege dürfte die liberale Partei doch erringen: Di:e Vertreibung kranker Arbeit e‘r!k i n.d e r vom Semmering und.den ausgiebigen Schutz des Turfschwinde 1 s!-Heil Nedn mann und Kuranda! ... .... * . * Die gaüzische Landtagswahlreforrii. Das Schicksal der Wahlreformverhandlungen ist noch unbestimmt. Niemand kann Voraussagen, ob es den Majoritätsparteien des galizischen Landtages. gelingen wird, den Widerstand der Wahlreformgegner zu brechen. Sicher steht nur eines fest: daß die Juden in rücksichtsloser Weise in ihren selbstverständlichen Ansprüchen auf Sicherung einer entsprechenden Vertretung verkürzt wurden. Die größte Schuld an dieser Entrechtung der Juden' tragen die assimilatorischen Abgeordneten dös galizischen Landtages, besonders aber ihr Führer, der Abschaum der galizischen Judenheit,- der berüchtigte Löwenstein. An anderer Stelle dieser Ausgabe berichten wir über die Bemühungen Löwensteins, Wahlkreise mit gesicherter jüdischer Majorität unmöglich zu machen. Dieses Vorgehen des assimilatorischen Abenteurers -und Geschäftspolitikers ist eine natürliche Fortsetzung seiner bisherigen Tätigkeit und es ist überflüssig, Worte der Entrüstung und des Abscheus zu gebrauchen. Denn das Bild dieses Volks Verräters schwankt nicht im Urteile der Zeitgenossen. Angesichts der bedrohlichen Situation hat sich das zionistische Zentralkomitee in Galizien zu einer energischen Aktion aufgerafft. In einem an die Judenheit Galiziens erlassenen Aufrufe wird die Abhaltung von jüdischen Massenversammlungen zur Pflicht gemacht Am 1. April fanden im Lande große Protestmeetings statt, in welchen der Standpunkt der Zionisten präzisiert ihre Forderungen durch Annahme von Resolutionen von den Versammelten gutgeheißen und den ehr- und pflichtvergessenen assimilatorischen Vertretern im Landtag das schärfste Mißtrauen ausgesprochen wurde, ln Lemberg ,fand dje .Jüdische Massenversammlung in einem der größten Säle, im sogenannten Skarbeksaale, statt Die Referate Wurden von den Gg. Stand und Df. Reich gehalten. Die Versammlung nahm einen imposanten Verlauf. Mit gleichem Erfolge fanden auch in Tamopol, Brody, Stanislau und in anderen Städten Meetings Statt Die angenommenen! Resolutionen wurden dem Wahlreformaussdiusse, dem Statthalter und den assimilatorischen Abgeordneten übermittelt. In diesen Resolutionen wird die Einführung eines jüdischen Katasters und die Sicherstellung von 23 Mandaten verlangt- Hoffentlich ist diese Aktion nicht zu spät unternommen Worden. * #' ♦ Studentendemonstrationen in Paris. Wofür oder wogegen haben die französischen Studenten in der vorigen-Woche demonstriert? Gegen die Greuel des Balkankrieges? Gegen das Bündnis mit Rußland? Für irgend eine soziale oder kulturelle Forderung? Nichts von alledem'. Die französischen Studenten demonstrierten gegen die ausländischen Kollegen aus den ostslavischen Ländern. Zarter kann man eine judenfeindliche Demonstration nicht mehr bezeichnen. Die Deutschen demonstrierten gegen die „russischen Studenten", in Prag war eine kurze Zeit eine Aktion gegen Ausländer im Gange, in Lemberg verhängten die Polen einen Boykott über Warschauer Streikbrecher. — Nunmehr kann Frankreich nicht zuiüdkstehen. In allen Fällen handelte es sich aber um' jüdische Studenten, welche nirgends gern gesehen sind. Und da behaupte jemand, die Kultur eines Landes habe mit der Stellungnahme zu den Juden zu schaffen! Die höchstkultivierte französische Studentenschaft gleicht in punkto Jundenhaß den biersaufenden, studentischen Rüppeln1 aus Hhl!e oder den verkommenen allpolnischen Chauvinisten;in -Lemberg. im . Prinzipe ist-die Lage der Juden in 'allen Ländern die gleiche. Wer da 'auf die Segnungen des Fortschrittes hofft, beweist, daß er blind ist für die Vorgänge der Wirklichkeit. Erbauliches aus der Wiener Kultusgemeinde. Der obstruierende Kultusgentsindepräsident. Je mehr die Oeffentlichkeit gegen den Plan des Kultusgemeindepräsidenten Dr. Stern, die Aus-' arbeitung der Pläne für das Kinderspital einigen von ihm begünstigten 'Architekten zu übergeben, ’ Stellung nimmt, desto eigensinniger hält Dr. Stern an seiner Absicht fest. Wie bekannt, haben in den letzten Jochen mehrere Versammlungen stattgefunden,. welche einmütig verlangten, daß allen jüdischen Architekten Gelegenheit gegeben werde, sich an der Konkurrenz zu beteiligen. Alle Bezirkskommissionen, in welchen der Gegenstand, zur Sprache kam, faßten Resolutionen in demselben Sinne. Herr Dr. Stern schert sich jedoch nicht um die Oeffentlichkeit — ganz nach altem d eu t s ch 1 ib e r a 1 e n Verfahren —, fertigt die Deputationen der jüdischen Architekten, deren Argumente er nicht anhören will, kurz ab und die ^Vertreter der Bezirkskommissionen wirft er geradezu hinaus. Nun hat sich mit dieser Frage schon vor einigen Wochen die 'Baukommission des Wiener Kultusvorstandes beschäftigt und hat insbesonders zufolge der überzeugenden Ausführungen unseres Gg.i Oberingenieur Robert Stricker, der Mitglied dieser Kommission ist, sich mit erdrückender Mehrheit der Ansicht angeschlossen, daß alle jüdischen Architekten zur Konkurrenz einzuladen sind. Kurze Zeit nach dieser Beratung fand eine Sitzung des Vertreterkollegiums statt, zu welcher auch die Kultusvorsteher..jAr chit ek t. Gart_n e r u. Obering. Strick)er — gewissermaßen als technische Experten.— geladen waren. Die Sitzung war jedoch nicht beschlußfähig, da die Mitglieder des Vertreterkollegiums nicht erschienen waren. Die Mitglieder des Kultusvorstandes waren also nicht wenig überrascht, als sie vom Präsidium für Donnerstag, den 27. März, zu einer Plenarsitzung geladen waren und auf der Tagesordnung, dieser Sitzung als Beratungspunkt auch den Antrag des Vertreterkollegiums über die „Kinderspital- Konkurrenz - Ausschreibung“ vorfanden. Und jetzt erst stellte sich heraus, daß der Präsident eine zweite Sitzung des Vertreterkollegiums einberufen hatte,. daß zu dieser Sitzung die Herren Architekt Gärtner und Oberingeniur Stricker nicht mehr geladen worden waren, daß in dieser Sitzung drei Mitglieder des Vertreterkollegiums für die Zuziehung aller jüdischer Architekten, drei für eine beschränkte Konkurrenz unter einigen bevorzugten Architekten gestimmt hatten und daß der Präsident Stern zugunsten der beschränkten Konkurrenz dizimiert hatte. In der letzten Plenarsitzung des Kultusvorstandes war diese, Angelegenheit Gegenstand einer sehr lebhaften Diskussion.. Kein einziges Mitglied des Kultusvorstandeshat(fürden Antrag desVertreterkoliegiums Stellung genommen. Hingegen nahm Architekt Gärtner in energischer Weise gegen das Vertreterkollegium Stellung und sagte, er sei in den Kultusvorstand mit dem Programm eingezogen, auf dem Gebiete des Bauwesens mit der Protektionswirtsehaft aufzuräumen!, und er sehe nunmehr, daß man seine Mission unmöglich machen wolle. Herr Brod erklärte,-er sei über den Antrag des Vertreterkollegiums entrüstet und warnte den Kultusvor-. stand davor, sich'! mit der ganzen jüdischen ."O.effentiichkeit in Widerspruch zu setzen/ Sehr wärm nahm sich Obering. Robert Stricker der •- jüdischen'--Architektenschaft an: Erbe.- /zeichnete den Beright des Präsidenten'’als'tendentiös, kritisierte! scharf das VorgäieilJener Mitglieder der Baukommission -»welche/äus der Kommission austreten, wenn sie bei ,'der Kultusgemeinde mit Bauteil verdienen wollen und widerlegte ' in, sehr,,, eindrucksvoller Weise . die Scheinargumente des Präsidenten. .. .... * Als letzter. Redner kam -Gg. Dr. Jakob . Eh rLi ch,-. zum Worte. Er hatte.. kaum - mit der Erklärung begonnen, daß der P r ä-s i de n t in dieser .-Angelegenheit nicht.loyal-vorgegangen sei, als er schon vom .Präsidenten unterbrochen wurde. Dieser sah nämlich^ daß seine-,Sache: im Plenum schlecht ., stand und war infolgedessen in übler Laune. Und als Dr. Ehrlich seinen Vorwurt.,zu .begründen begann, unterbrach er ihn abermals, schloß die Sitzung und eilte .aus dem Sitzungssaal hinaus. Eine derartige Geschäftsführung des Präsidenten ist natürlich nur möglich, wenn bei den Sitzungen des Kultusvorstandes die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wird. Es ist ein ganz unerhörter und nur unter dem eigensinnigen Regime Dr. Stems möglicher Vorgang, daß über so wichtige Fragen, wie es der Kinderspitalbau ist, mit Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt wird. Der willkürliche Abbruch der Beratungen des Kultusvorstands ist ein Hohn auf die Geschäftsordnung. Der Wiener Kultusvorstand ist wohl auch1 die einzige Körperschaft, in welche er der Präsident Referate erstattet, ohne hiebei den Vorsitz abzugeben. Es dürfte wohl auch' noch’ in keiner öffentlichen Körperschaft vorgekommen sein, daß der Vorsitzende, um eine ihm unliebsame Rede zu verhindern, eine vollständig ruhig verlaufende Sitzung einfach schließt. Die Mitglieder des Kultusvorstandes sind doch keine kleinen Jungen, die sich vom Präsidenten nach., Belieben nachhause schicken lassen müssen. Die Entscheidung in der Architektenfrage wird nun vom Präsidenten durch Monate hinausgeschoben. Es wird Sache der Opposition sein, dafür zu sorgen, daß die Angelegenheit in der nächsten Sitzung nach den Grundsätzen einer anständigen Verwaltung, und nicht nach1 der Laune eines Einzelnen entschieden werde. Sonderbare Kundmachungen des Wiener Rabbinats. Unsere zionistischen Vertreter haben den Kampt getreu unserem Programme gegen das ekelhafte Trinkgelder- und Provisionsunwesen, Prüfet alles! Man sollte auch den Malzkaffee, wenn man solchen verwendet, prüfen. Lassen Sie sich, bitte, zum Ven gleich mit anderen Erzeugnissen in - einer meiner Filialen ein Gratis'Kost muster Malz-Kaffee verabreichen. JULIUS MEINL Gegr. 1862. LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im dienen Palais. —Versilbertes Kapital zirka 380 Millionen. — Pramienreseroe zirka 113 Millionen.—Billigste Prämien unö kulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit tfiditige, leistungsfähige Bgenten gegen bobe BezQge. flnshBntte erteilt die 6eneralagenisihaft Bien, L, Bspernplalz 1 (Beiter: Danid Hebenzahl). Eür Ostgalizien n. Bnhowina: Snbdirehlion Eöbl Tandes, Eemberg.

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