Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438432-2438445--3511-2443282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

8eite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 13 besonders von den Beschlüssen hervorzuheben jene, die sich mit der Festlegung eines endgültigen Einvernehmens mit dem Verband der jüdischen Handels- und Privatangestellten in Lemberg, mit der Schaffung von Jugendorganisationen befassen. In programmatischer Beziehung wurde festgelegt, daß der Verband auf nationaler Basis stehe, mit Ausschaltung irgendwelcher politischer Betätigung, der J. H.V. erstrebt die Vereinigung aller jüdischer Kollegen, und soll die so geschaffene nationale Gewerkschaft gemeinsam mit allen anderen Gewerkschaften durch eine nach dem Proporz zusammengesetzte Reidhsgewerkschafts-Exekutive ihre Krönung finden. Mit einer scharfen Resolution gegen die Einschränkung jüdischer Reisender in Rußland, sowie dem Aufträge an die Leitung, bei den kompetenten Behörden diesbezüglich zu intervenieren, schloß die äußerst eindrucksvolle Versammlung. flnfra! des jüöilihen Wanöep&unöes „BlausHeib“. Jüdische Eltern und Jugendfreunde! Im Vertrauen auf Eure bewährte- Tatkraft, die noch nie versagte, wenn es galt für Eure Kinder zu wirken, rufen wir Euch zu einem Werke der Liebe auf. Es gilt, mit geringen Mitteln Großes und Schönes zu schaffen. Seht sie nur an, eure ernsten, bleichen Kinder, wenn sie verkümmert über ihren Büchern sitzen. Seht unsere jüdische Jugend nur an, wie sie in den Straßen der Großstadt die Stunden verbringt, die ihrer Erholung und Freiheit gewidmet sein sollten. Da lauern Versuchungen aller Art und der Straßenlärm droht, die innere warnende Stimme zu übertönen. Sie sehen nichts als das Jagen der Menschen. Die Natur ist ihnen fremd, ihre Sprache verstehen sie nicht mehr, ihre Schönheit sehen sie nicht und ihre Erhabenheit, ihre Größe, vermag sie nicht zu beglücken, denn in wohlgepflegten Ziergärten und Naturalienkabinetten ist sie nicht zu finden. Wir wollen unsere Jungen und Mädchen hinaus führen in die freie Natur, in sonnige Landschaften, damit die Sonne auch jüdische Kinderherzen wieder erwärme. Sie sollen Tiere, Blumen und Steine kennen und lieben lernen. Sie sollen ihre jungen Glieder müde laufen, damit sie erstarken. Der jüdischen Jugend soll die Sehnsucht nach der reinen Natur eingepflanzt werden, sie bedeutet das innere Glück, sie läßt Männer und Frauen erwachsen, deren ein Volk bedart, das zum Lichte will. Wir werden unter der Leitung verläßlicher Führer planmäßige Wanderungen veranstalten, die durch ihre Einfachheit allen Kindern zugänglich sein werden. Junge Juden durch turnerische Zucht zur Herrschaft über den eigenen Körper, durch Einordnung in harmonisch gefügte Verbände zu gesundem Gemeinsinn zu erziehen und durch die Zugehörigkeit zu einer Kleines Feuilleton. Eine militärische Chanukahfeier in England. Von Alfred Burin, London. Eine der letzten Nummer der „Jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport“, Organ der jüdisch-nationalen Jugendbewegung veröffentlicht folgende interessante Schilderung: In England habe ich dieses Jahr noch eine andere Feier des Chanukah erlebt, die wohl sonst nirgends üblich ist: Eine militärische. Sie Wer jpie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die wurde — bereits zum zwanzigsten Male — als „Naval and Military Chanucah Service“ in London begangen. Diese Art, das Fest zu feiern,, ist packend, Chanukah als Fest des Soldaten), des Kriegers, der gleich den Makkabäern in die Schlacht zieht, zum Sieg oder Tod. Es ist ein tiefer Gedanke, den jüdischen Soldaten an die Heldentaten seiner Vorfahren zu gemahnen. Eine militärische Chanukahfeier mag zwar das Zeichen einer vorgeschrittenen Assimilation sein, aut der anderen Seite jedoch ist sie ein Beweis der Loyalität und der wirklichen polifrohen jüdischen Gemeinschaft ihr Selbstbewußtsein zu heben, das sind unsere Ziele. In vielen Ländern und bei vielen Völkern hat diese Einrichtung sich vortrefflich bewährt und gestützt aut Eure Liebe zu unseren Kindern wird diese edle Sache auch der jüdischen Jugend ihre Segnungen bringen. Universitäts-Prof. Dr. Albert Bing, Univ.- Prot. Dr .Ludwig Braun, Vorstandsmitglied d. israelit. Kultusgemeinde Dr. Jakob Ehrlich', Univ.-Prof. Dr. Salomon E h r m a n n, Vizedirektor der Universitätsbibliothek, Regierungsrat Dr. Salomon Frankfurter, Univ.-Professor Dr. Siegmund Freud, Schriftsteller Adolf Gelber, Hotu. Gerichtsadvokat Dr. Ludwig Gelber, Univ.-Professor Dr. Markus H a j e k, Direktor Alexander Hecht, Dozent Dr. Karl Hochsinger, Dozent Dr. Alexander Holländer, k. u. k. Oberst Wilhelm Husserl, Regierungsrat Prof. Dr. Wilhelm .Jerusalem, Akadem. Maler Isidor Kaufmann, Akadem. Maler David K o h n, Univ.-Prof. Dr. Leopold K ön i gstein, Akad. Maler Lazar Kr es t in, Univ.- Prof. Dr. Wilhelm KnöpflmachCr, Univ.- Prof. Dr. Otto Marburg, Präsident des innerösterr. Distriktskomites Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Leopold M e i s 1, Univ.-Prof. Dr. Max Neuburger, Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde Univ.-Prof. Dr. Josef P o 11 a k , Schriftsteller Josef Popper-(ynkeus), Univ.-Prof. Dr. Emil Redlich, MUDr. A. Sachs, Präsident des Jüdischen Wanderbundes' „Blau-Weiß“, Berlin, Kaiserl. Rat Leopold S a c h s von Sachsenhall, Schriftsteller Felix Salten,. Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde Dr. Isidor Samuely, Akademischer Maler Nikolaus Schattenstein, Prof. Otto Simon, Hof- -musiker Prof. Joseph ' S u 1 z e r, Dr. Wilhelm S t e k e 1, Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde Oberingenieur Robert Stricker, Schriftsteller Jakob Wassermann,Univ.-Prof. : Dr. Maximilian Weinjierger, Direktor Dozent Dr. Julius Zappert.Dr. Ignaz Z o 11 s ch a n , Univ.-Prof. Dr. Otto Zuckerkandl, k. u.k. Generalstabsarzt Dr. Jakob Zuckermann. * * ' : Das Exekutivkomitee: MUDr. Alfred Czapek, Obmann; Prof. Max G u 11m a n n, Obmannstellvertreter; MUDr. Rudolf Fischer, Kassier; .MUC. Otto Gersuny, Zeugwart und. Obmann der Führerschaft; stud. iur. Jakob Landau, I. Schriftführer; stud. iur. Max A11m a n n. r ll..Schriftführer; Rudolfine Waltuch, Bibliothekar; Ing. Robert Kien, Obmann des II. (westösterreichischen) Kreises , der jüdischen TurnersChaft, Beisitzender. Zuschriften sind an die Adresse des I. Schrift- ■ füherers, Herrn stud. iur. Jakob Landau, II., Zirkusgasse 10 zu richten. Hus dem judifdien Beben. Gründung einer jüdischen Organisation zur Regulierung der Auswanderung. Im' Londoner „jewish Chronicle“ richtet Herr Julius Ephraimsonn aus Bradford einen Appell an die Juden der ganzen Welt, sich zur Gründung einer Organisation zur Regulierung der jüdischen Auswanderung aus Rußland, Galizien und Rumänien zu vereinigen. Mister Ephraimsonn verpflichtet sich zu dem hierzu notwendigen Fond selbst 1000 Pfund Sterling (24.000 K) zu spenden, wenn sich in der ganzen Welt noch 2000 Juden finden, die zusammen zutischen Gleichberechtigung der Juden Englands und wohl auch ein Reichen (dafür, daß der historische Gedanke in der .jüdischen Bevölkerung Britanniens noch wach' ist. In der Großen Synagoge Londons in Aldgate fand am 8. Dezember die Feier statt, eine glänzende Demonstration. Abteilungen jüdischer Matrosen, martialische Gestalten, die in London; stehenden jüdischen Mannschaften der englischen Armee, unter ihnen die berittenen Truppen, baumlange Kerle in seltsamer Uniform, die Londoner Territorials und viele ehemalige Soldaten und Veteranen wurden in großen Kolonnen zur Synagoge geführt, unter jüdischen Offizieren und Korporälen. Einige Graubärtige trugen nur noch Soldatenrock oder Hose, alle aber marschierten strammen Schrittes herein. Dann kamen die Schwestern und Samariter des Roten Kreuzes in ihrer Tracht und nahmen eine Seite des Tempels ein. Die große Anzahl der jüdischen Frauen, die sich diesem Berufe gewidmet haben, überraschte mich; sie legt jedenfalls Zeugnis davon ab, daß sie auch hier nicht zurückstehen. Den Schluß bildeten unsere Scoutboys, diese frischen gesunden Burschen, in ihrer schmucken Uniform, stolz ob der Beachtung, die ihnen heute 'wieder einmal mindest eine gleiche Summe für denselben Zweck aufbringen. „Nicht, daß ich etwa der Meinung wäre,“ erklärt Herr Ephraimson in seiner Zeitschrift, „daß diese Summe für diese große Arbeit hinreichend wäre, ich lege bloß auf 'die 2000 Juden Gewicht, welche das Rückgrat der Bewegung bilden sollen.“ Aus diesem Grunde wendet sich Herr Ephraimsonn besonders an die jüdischen Gemeinden und deren Rabbiner in den großen Städten wie in Newyork, Paris, Berlin, Wien und Budapest mit der Bitte, die Londoner Juden, die ein Zentrum' für diese Bewegung bilden mögen, in dem Unternehmen zu unterstützen. Allerdings dürfte diese Organisation nicht mit alten verbrauchten Mitteln arbeiten, sondern muß neue und moderne Bahnen auf dem Gebiete der Auswanderungsregulierung betreten. Die Juden in Südafrika. Laut den Ergebnissen der letzten Volkszählung befinden sich in Südafrika insgesamt 47.000 Juden. Es entfallen demnach auf je 1000 Seelen der Gesamtbevölkerung 36 Juden. In Capetown gibt es bereits 6800 Juden, von denen die „Capetimes“ schreiben, daß sie nicht so sehr durch ihre Zahl als durch ihre Arbeitsamkeit und Intelligenz auf dem Gebiete des Handels und der Industrie auch im öffentlichen Leben einen großen Einfluß haben, da es unleugbar ist, daß der Aufschwung der südafrikanischen Städte in erster Reihe der unerschrockenen Pionierarbeit der Juden zu danken ist. Es ist überhaupt festzustellen, daß auch in Südafrika die Juden, die ein großes Element von Einwanderern darstellen, zum größten Teile (42.487) in den'Städten und nur 4280 in Landgemeinden leben. * Die. Berufsgliederung der osteuropäischen Juden Juden in Paris. Paris. Einen Versuch zur Feststellung der Berufsgliederung der eingewanderten Juden in Paris unternimmt „Speisers Kalender“. Bei dem Mangel an amtlichem Material ist die kurze statistische Arbeit als einzige ihrer Art interessant. Dieselbe ist auf Grund sorgfältiger privater Ermittlungen und namentlich der Mitteilungen der gewerkschaftlichen Organisationen aufgestellt. Nach dieser Statistik sind die aus Osteuropa (inkl. Türkei) eingewanderten Juden tätig als: Bäcker (selbständig) 12, Bäcker (Arbeiter) 70 (?), Klempner 300, Buchdrucker (selbstän- 1 dig)’ 10, Buchdrucker (Arbeiter) 35 (?), Bürstenr macher 65, Drechsler 400, Gamaschenstepper 300, Goldarbeiter 1200, Haarfärber 60, Händler aller Art ca. 5000, Angestellte bei solchen 400, Händler in Goldwaren und Edelsteinen 1000, Angestellte bei solchen 3000, Holzschnitzer 400, Installateure 2500, Lederarbeiter 600, Mechaniker und Schlosser 1200 (speziell für Automobile), Metzgermeister 12, Mützen- und HutmaCher 1460, do. ungelernte 500, Pelzarbeiter 1400, Photographen und Zahntechniker (Angestellte) 200, Schneider, gelernte 6300, Schneider NESTLEs IMIffl KINDERMEHL PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: § geschenkt wurde, voran ihre Fahnen, eine englische Nationalflagge und ein Banner mit dem Mögen David. Die Musikkapelle eines Londoner Regiments nahm au f den hinteren Bänken Platz. Dann kam der Hauptmoment: der Einzug der höheren Offiziere (es gibt hier manchen jüdischen Oberst), und — mit seiner ganzen altenglischen Pracht — des Lordmayors (Oberbürgermeisters) und des Sheriffs (obersten Richters). Der Gottesdienst wurde geleitet von Rev. Michael Adler, dem jüdischen Feldkaplan der englischen Armee und dem Chason A. E. Gordon. Ich mußte an andere Länder denken, in denen die Juden weit mehr, als es hier in England geschieht, Kraft und Leben zur Verteidigung des Landes darbringen. Ist auch dort eine solche, von der Obrigkeit patronisierte Feier möglich? England versteht es, alle seine Bürger patriotisch zu Imachen, und Heer und Marine sind hier nicht schlechter deshalb, weil sie jüdische Offiziere besitzen. Diese militärische Chanukahfeier ist eine hohe Schätzung des „Fremdlings im eigenen Lande“, ein schönes Beispiel für alle Nationen. OOO i iTTiTim T’i'wmni'ii'FinnYB'niü«rwv~nir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.