Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr, 12 stens noch die Orthodoxen, die abseits des Zionismus stehen und auch von ' den Offiziellen der stark reformierten Troppauer Judengemeinde nicht sehr erbaut sind. Doch die waren es nicht Man höre und staune: Dem sozial-.' demokratischen Zentralverein der- Handlungsgehilfen angehörige Herren haben plötzlich ihr eminentes Interesse für Kultusangelegenheiten entdeckt; ein ganz neues, Betätigungsgebiet für die Sozialdemokratie. Auf Grund welches Programmes könnten sie die? Stimmen der Wählerschaft beanspruchen? Dasj haben allerdings die Wähler nie erfahren. Diej Sozialdemokraten begnügten sich damit, denj Wählern des dritten Wahlkörpers eine Kandi-i datenliste zukommen zu lassen, in welcher fastj ausschließlich dem Stande der Handlungsgehilfen! angehörende Herren Aufnahme fanden. Gezeich-, net war die Liste mit „D e r Wahlausschuß“. Das; Mißgeschick wollte es, daß die Offiziellen keine; Kandidatenlisten aussandten, so daß sich' die! Liste des „Jeschurun“ und die des „Wahlaus-| Schusses“ gegenüberstanden und die Wähler, diel vorher von einer Beteiligung der Sozialdemo-y kraten nichts wußten, eine Zeit lang dachten, „Der Wahlausschuß“ seien die Offiziellen. " Einige Tage vor der Wahl fand über Anregung des „Jeschurun“ vom Kultusvorstdier Herrn Dr.- Sonnenschein bereitwillig einberufene Wählerversammlung statt, an welcher sich' auch die sozialdemokratischen Kultuskandidaten beteiligten. Nun, so dachte man, werde sich das; Kuriosum auiklären. Aber keiner der Herren j meldete sich zu Wort. Zwei höchst undemoj kratische Zwischenrufe seitens der Sozialdemo-, kraten lieferten den unwiderleglichen Beweis ihrer1 Anwesenheit; sonst Stille. ' ‘ Nun wollte man aber in der Bevölkerung' doch etwas über die Gründe für das Vorgehen; der Sozialdemokraten hören. .Und da kam es1 heraus: Die Kultusgemeinde hat den Handelsangestellten nicht einmal eine Gratisbank' im Tempel angewiesen! Törichte meinen, man hätte vielleicht den Kultusvorsteher um eine solche: Gratisbank angehen oder eine Eingabe an den' Kultusausschuß machen sollen. Nein, nein; da; kann man nur helfen, wenn eine große Anzahl Handlungsgehilfen im Kultusäusschusse sind. Und nehmen wir nun an, das Bankunternehmen wäre geglückt und das „Programm“ , verwirklicht, das Weltumstürzende wäre ge-; sdiehen, die Gratisbank geschaffen, was dann? : Ja, dann könnte man es höchstens noch durchsetzen, daß eine bestimmte Anzahl Sozialdemokraten zur Thora gerufen werden. Nebenbei sollen den Handelsangestellten auch die Kulhissteuern zu hoch sein. Dieser Ansicht sind andere 1 auch; aber die Handelsangestellten haben in der -Steuerkommission' -einen Vertreter, überdes-- sen Vorschlag die Steuern für die Herren fest-; gesetzt werden. Immerhin, die Frage wäre dis- - kutierbar, wenn man sie zur Diskussion stellen würde; das geschieht aber nicht. Seit langem schon trachten (wir Zionisten, mit den jüdischen Handlungsgehilfen in Fühlung * * zu treten. Wir würden es begrüßen, wenn sie ehrliches Interesse für jüdische Angelegenheiten zeigen würden und sie könnten gewiß sein, daß alle Arbeitswilligen unsere Unterstützung finden und wir gewiß auch' ihren Ver- ■ tretern 'Eingang' in den Ausschuß der Kültüsgemeiride verschaffen würden. Wiederholt wurden die Herren zu gegenseitiger -Aussprache geladen. Immer wieder bekommen wir es zu hören, wir seien nicht demokratisch genug und'der Nachweis wird mit Aeußerungen von Frauen Unserer Gggeführt, für die man . uns verantwortlich machen möchte. Daß' das aber nur eine faule Ausrede ist, haben die Herren anläßlich der Anwesenheit des Leiters der Organisation der jüd. Handelsängestellten, Herrn Blume, bewiesen. Trotz aller ihnen gemachten -Zugeständnisse bezüglich Zeit und Ort gelang es Herrn Blume nicht, die Herren zu einer Besprechung zusammenzubringen. Ist Herr Blume auch zu wenig demokratisch? Andererseits hat Herr Blume, der doch auch „nur“ Handelsangestellter ist, die wärmste Unterstützung unsererseits gefunden, so daß 'also nicht' die geringste Berechtigung zu derartigen Vorwürfen ' besteht,. Man wollte uns nur Schwierigkeiten machen. Dieses Vorgehen hat aber den Herren * recht viel Sympathien verscherzt. ' Statt offen vor die Wähler hinzutreten" und ihnen ihre" Wünsche, ihr Programm zu heimen, wird; in hinterhältiger Weise einfach eine Liste von' einem’anohymen'- ,-,Wahlausschuß“ versendet D'as ist man .sonstvon Sozialdemokraten nicht' gewöhnt. -Wie sfdi wohl die sozialdemokratische Parteileitung gegenüber 3er Kultus bestrebungen und der Kampfesweise^ der Troppauer Jünger verhalten wird? Bemerkt sei, daß die sozialdemokratische Kandidatenliste Bel. Ans dem jadiiihen Aeben. , Galizische Sozialdemokraten als Pogromhelden. Während der Reichsratswahlen 1911 in Galizien betätigte sich ein - gewisser Dr. Korkes, im Aufträge des Abg. Dr. D i am a n d. als Versammlungssprenger zionistischer Versammlungen. Dieser akademisch graduierte Rauf- K.k. Gartenbau (Kaiser-Wilhelm-Ring) Während der Purimwodie « Hintersteiners tMentfieater.» .... i ' Vom 23. bis 27. März 1913. Vorstellungen dreimal täglich, 11 Uhr,vormittags, 4 u. 6 Uhr nachmittags.i Zur Aufführung gelangt:; Bremer Stadtmusikanten. Märchenspiel von Hugo Mandl. Karten in allen Kartellbüros und bei der Tageskasse. Sitze von K 2 — abwärts. bold sammelte einige Strolche, mit denen er von Stadt zu Stadt-zog, um die zionistischen' Wählerversammlungen . mit Brachialgewalt zustören. Er tat .das darum, weil unser Og. "Adolt Stand Gegenkandidat des Dr. Diamand! in Lemberg *war und weil die polnischen Sozial-, demokraten gemeinsame Sache mit der assimilatorischen Reaktion und Korruption gegen die Zionisten gemacht -hatten. Auf seiner Strolchfahrt kam Dr. Korkes auchnach Stanislau, wo er gemeinsam mit lichtscheuen Gesellen in die zionistische Versammlung ging und eine große; Schlägerei inszenierte. Dieses Verbrechens we-j gen hatte sich1 in der äbgehaltenen Woche; Dr. Korkes samt seinen Komplizen vor demj Stanislauer Kreisgerichte zu rechtfertigen. Diel Verhandlung förderte zu Tage, daß die Sozial-; demokraten ganz im- Dienste der Assimilation! : gestanden sind . Vcm - den Angeklagten wurden: sechs zu Strafen von 3 bis 6 Wochen Kerker' verurteilt und drei! — leider darunter auch Dr. Korkes — freigesprochen. Die Bestrafung; des Dr. Korkes hätte für ihn sehr schlimme; Folgen, Verlust des> akademischen Grades ge-* habt, weswegen unser Gg. Dr. Zipper als Ver- - treter der Privatbeschädigten sich dem Straf-; verfahren nicht anschloß, . vielmehr um den * Freispruch des galizisch-sozialdemokratischen * Hooligans bat. * Hilfe für.die.Juden in. Janina. ' Die Union, des Associations Israelites hatte durch ihre Delegierten Dr. Paul, Nathan,; Elkan - Adler und Dr.. Bernhard Kahn, die den Balkan i bereisten, Vorsorge getroffen, daß nach1 der., -Einnahme von, Janina,; das,, unter seinem Ein- .wohnera etwa ,3d00 Juden zählt, den durch' die.; lange .Belagerung-, notleidenden Glaubensgenossen . in schnellster Weise die notige Hilfe gebracht -werden kann. Zu diesem Zweck war in Prevesa mit Unterstützung -der griechischen Behörden, die König Georg in der Audienz, welche er den Delegierten in Saloniki gewährte, in Aussicht; ■gestellt hatte, ein .]Lebensmitteldepot ..errichtet worden, um’in möglichst kurzer Zeit Nahrungs- ‘ mittel nach' Janina' schaffen zu können. Sofort nach dem Fall Janinas sind für 10.000 Franks Mehl und Lebensmittel hach Janina gebracht * Die Vorträge über jüdische Geschichte, Literatur und Kulter im Architektenyerein. Mit einem Vortrage des Herrn Dr. Grunwald über „Das Land der Bibel“- am Dienstag, den 11. d. M., fand der diesjährige Vortragszyklus ein Ende,. Von den abgehaltenen Vorträgen Seien besonders der Vortrag unseres Gg. Dr Osias Thon über „Streifzüge durch, die neuhebräische Literatur“, wohl der beste Vortrag der Saison sd\vie die Palästina-Vorträge des Herrn .Dr. Grunwald hervorgehoben. Auch die diesjährigen Erfahrungen bestätigen, daß die veranstalteten Vbrträge äußerst populär sind und daß es unbedingt notwendig ist, dieselben einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Diese Vorträge " sollten in einem' großen Saale und in der Leopoldstadt, im Herzen der Wiener Judenheit, stattfinden. Hoffentlich haben sich die Veranstalter die, Erfahrungen zu . Nutze gemacht und werden darum .dem. Bedürfnis nach einem "größeren" und bequem' zu. erreichenden Vortragssaale Rechnung "tragen. Wir behalten uns vor, auf diese /Angelegenheit ausführlicher zurückzukommen. *; * " Die Ausiändeffrage und die deutschen Juden. Wohltuend von dem Verhalten einiger jüdischer Kultusgemeinden bezüglich der ausländii sehen Gemeindemitglieder sticht die Stellungnahme einzelner jüdischer, Korporationen ab., So befaßte sich5 auch eine Versammlung des „Neuen Jüdischen'-.Gm eindevereins“ in Berlin mit der „Ausläriderfrage“./ Rechtsanwalt M. Feblowicz hielt das Referat.. Seinen klaren Darlegungen wurde reicher Beifall zu teil.-, Die sehr zahlreich Erschienenen nahmen einstimmig eine Resolution an, die sich' vjg egen jede Beschränkung •der Rechte .der Ausländer in den jüdischen Gemeinden wandte. . Die Tätigkeit der Wiener Allianz; Während der Monate Jänner und' Februar 1913 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 243 Emigranten, , davon 214 russische und 29 rumänische weiterbefördert und zwar: 122 nach den Vereinigten Staaten, 56 nach Argentinien, 12 nach Canada, -7 nach England, 29 nach Frankreich und 17 nach verschiedenen anderen Ländern. In ■ die Heimat zurückbefördert wurden 23 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden in )dlen Monaten Jänner und Februar für.31 Personen zusammen 134 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an 254 Emigranten insgesamt 1017 Speisemarken für die Israelitische Volksküche ausgegeben. Eine neue Zeitschrift. Am 1. April d. J. Wird die 'Monatsschrift „Freistatt, alljüdische Revue“ herausgegeben werden. Die Zeitschrift wird 64 Seiten stark' in Großoktav erscheinen und auf gutjüdischem Boden mit besonderer Berücksichtigung der national - jüdischen und zionistischen Bestrebungen stehen. Es liegen neben vielen anderen Beiträgen solche vor von: Asch, Birnbaum, Borochbw, Brod, Coralnik, Fränkel bar Tobiab, Goldmann. Gorelik, Klatzkin, Kaplun-Kogan, Leszinski, Lasker - Schüler, Nossig, Robinsohn, - Rubstein, Schmitz, Strauß-Quentin, Trietsch, Arnold Zweig u. a. Die „Freistatt“ Will vor allem dazu dienen, die Beziehungen zwischen Ost und West fester zu gestalten, sie wird keiner Partei dienen, sondern steht völlig, unabhängig da. Für die Gleichberechtigung der rumänischen Juden. (Briefwechsel des Conjoint Committee mit dem englischen auswärtigen Amt. — " Eine Anfrage im englischen Unterhaus.) London. Das vereinigte Komitee Board of Deputies und der Anglo-Jewish'. Association veröffentlicht zwei Zuschriften, die an. das englische auswärtige Amt im Jänner d. . j. in Angelegenheit der rumänischen Grenzerweiterung und der Rechte der dortigen Juden gerichtet hat, sowie die Antwortbriefe der Foreign Office auf diese Vorstellungen. In den Briefen des Conjoint Committee wird auf den Artikel 44 des Berliner Vertrages und auf den offenkundigen. Vertragsbruch der rumänischen Regierung hin- .gewiesen; die bisher von jüdischer und an- .derer Seite in dieser Angelegenheit unternommenen Schritte werden kurz aufgezählt und es wird schließlich der Erwartung Ausdruck ' gegeben,-die -englisehe-Regierungwerde es -nichtzulassen, daß der alte skandalöse Rechtsbruch durch ejne neue Entrechtung der im‘. -bulgarischen Grenzgebiet ansässigen Juden ausgedehnt und gewissermaßen sanktioniert wird. — In der Antwort des auswärtigen Amtes heißt es u. a.: „Obwohl wir die Beschwerden der Juden im Auge behalten werden, eignet sich der gegenwärtige Zeitpunkt, wo die Großmächte durch den Krieg und seine Verwicklungen so sehr in Anspruch genommen sind, doch kaum dazu, daß die Frage mit irgendwelcher Aussicht auf Erfolg . von der Regierung Seiner Majestät aufgeworfen werden könnte.“. In der jüngsten Donnerstagsitzung des englischen Unterhauses interpellierte. Sir- Phillipp Magnus den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, ob er. bereit sei, sich nach' Kräften .dafür einzusetzen, daß bei der bevorstehenden rumänischen Grenzregulierung die bisher unter dem Schutze der bulgarischen Verfassung lebenden Angehörigen sämtlicher religiösen Bekenntnisse gleiches Recht mit allen anderen rumänischen Staatsangehörigen sowie Garantien für die freie Ausübung ihrer Religion erhalten; ferner, ob der Minister geneigt ist, aus -diesem Anlasse die rumänische Regierung an ihre im' Berliner Vertrage übernommenen Verpflichtungen bezüglich der Gleichberechtigung aller Einwohner ohne Unterschied des Glaubens zu erinnern. Sir Edward Grey führte in seiner schriftlichen Antwort aus, er könne sich zu dieser Frage, da die Verhandlungen zwischen den beiden Staaten und den Großmächten noch schweben, nicht in bestimmter Weise äußern, ohne die. friedliche Beilegung des Streitfalles zu gefährden. Er erkenne jedoch an, daß die in der Anfrage des Herrn Abgeordneten vertretenen Grundsätze allgemeine Sympathie verdienen. * Auswanderung türkischer Juden. Wien. Die vom k'. k. österr. Handefsr« museum herausgegebene „Monatsschrift für den Orient“ schreibt: „Schon im Dezember 1912 war in der jüdischen Kolonie in Newyork die Ansicht verbreitet, daß der Balkankrieg dazu führen Werde, daß zahlreiche Juden, die bisher un.ter tüikischer Herrschaft ohne Bedrückung und mit dem Gefühle der Sicherheit gelebt "hatten, nunmehr vorziehen würden, jenseitsdes -Afiantw sehen Ozeans lieber eine neue Heimat zu suchen, sich' zu nehmen. In dieser Beziehung ist es als das Joch eines der kleinen Balkanstaaten auf insbesondere von Wichtigkeit, ob Salonich den Griechen verbleiben oder, wie vielfach vor-