Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438432-2438444--3499-2443269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 12 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Der Mehltrust, der bei uns schon mehrere Jahre existiert, wurde von einer Judenfirma gegründet. Darum kostet bei uns das IMehl so teuer. Die jährlichen Millionendividenden, die von den Mehlkompagnien an die Aktionäre verteilt werden, sind aus den Taschen der Bürger gerauht. Einen ähnlichen Nutzen werfen auch die Fleisch-, Eisenbahn-, Versicherungs- und Land- Wirtschaftsversicherungstrusts. In allen diesen Instituten hat der Jude überwiegende Macht und eine unerschütterliche Position, dank seinem Gelde und seinem kaufmännischen Scharfsinne. Vom ausländischen Millionenkapital1, das in Privatunternehmungen wie Banken und öffentlichen Schulden '.investiert ist, gehört mehr als die Hälfte den Juden. Diese haben es auch verstanden, unsere Presse zum Schutze der Interessen ihres Kapitals, die ihnen große Dienste erweist zu gewinnen. Ich will damit nicht gesagt haben, daß unsere Presse so jüdisch ist, wie die in Europa, vorwiegend in Frankreich, England, Deutschland und Oesterreich. Aber daß die semitische Gefahr existiert, darüber ist gar kein Zweifel. Es existieren bei uns bereits viele jüdische Redaktionsmitglieder. Es gibt auch zahlreiche jüdische Advokaten und Aerzte. Es gibt heute, kein lukratives Unternehmen in der Republik,' an welchem der Jude nicht betei'igt wäre. An der Getreidebörse, unter, den Kaufleuten und Industriellen, in den öffentlichen Aemtern, im Gerichtshöfe, in den Redaktionen, in der Medizin und überall gibt es Juden. Sogar in der sozialistischen Partei haben die Juden einen großen Einfluß. — Gerade diese Judensekte ist die begünstigste, weil viele Juden im Polizeidienste stehen. Die jüdische Frau ist degeneriert und unfähig zu physischer Arbeit. Sie hat keine Moral und mit Schlauheit ausgestattet, hat sie nur einen einzigen Wunsch, Geld anzuhäufen, viel Geld! — Die konstante Steigerung der Einwanderung dieses lästigen Volkes ist eine wirkliche Gefahr für das ganze Land. A. K. Rumäniidie Ambitionen. Vor einigen Wochen schrieb ein großes Wiener Blatt: ,.AlTe Mächte haben der Türkei den freundschaftlichen Ratschlag erteilt, Adrianopel-abzutreten und wenn die Mächte angerufen werden sollten, Schiedsrichter zu sein, werden sie Wahrscheinlich in ‘ derselben Richtung entscheiden, nach der ihr freundsdhafticher Ratschlag gezielt hat. Denn die Bulgaren müssen Adrianopel haben.“ Dieses wiederholte freundschaftlich erinnert schon sehr an das Sprichwort : „ .Gott schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden Werde ich mich selbst schützen.“ Uebrigens leben in Adrianopel fast gar keine Bulgaren.s Aber das Nationah'tätsprinzip ist wie der Status ’quo zum alten Eisen geworfen. Jetzt herrscht das Prinzip ,.Gewalt geht vor Recht“ und der Losungsruf ist ,.öte ftci oue je m’v mette“. Wir glauben daher, daß man bei dem Ziel „Vertreibung der Türken aus Europa“ nicht stehen bleiben wird. Fast jeder europäische Staat möchte nicht sein Töpfchen, sondern einen großen: Topf am’ türkischen Feuer wärmen. Rußland will die freie Durchfahrt durch die Meerengen, für sich allein, Frankreich wirft ein Auge auf Syrien, Deutschland auf Mesopotamien, England findet, daß die ägäischen Inseln eine schöne Zugabe zu Cypern wären, um das Protektorat über Albanien wird vielleicht noch einmal Oesterreich’ mit seinem treuen Verbündeten Italien streiten. Für uns Juden ist von all dem Wirrwar und all. dieser Beutesucht keine Verbesserung, eher ejne Verschlimmerung der Lage zu erwarten, wie ich noch zeigen werde. Es ist zwar die Rede davon gewesen, aus dem überwiegend von Juden bewohnten Saloniki, das Griechen und Bulgaren sich gegenseitig nicht gönnen, eine Art von freier Stadt, etwa wie Hamburg, zu machen, aber man spricht jetzt nicht mehr davon. Irgend ein frommer christlicher Machthaber scheint sein Veto eingelegt zu haben. In Saloniki leben ja aueh Christen und wie könnte man sie tler Gefahr aussetzen, von einem jüdischen Lueger oder Weiskirchner regiert zu werden! Uebrigens gtaube ich, daß dieser Plan auch' für die, Juden vielleicht Ge-, fahren bringt. Sie könnten vielleicht vom Regen in die Traufe kommen. Der jüdischen freien Stadt würden die .benachbarten Balkanstaaten und die europäischen Mächte keinen Augenblick Ruhe lassen. Jede etwas unhöfliche Behandlung eines Christen,, jede angebliche Verletzung des Völkerrechts -würde als Vorwand dienen, „Entschädigung“ zp fordern, mit Bombardement oder Besatzung, durch fremde Truppen zu drohen. Man weiß ja, wie dieses europäische System gegen nichtchristliche Staaten, wie Aegypten, Tunis^ Marokko, Tripolis, Persien und die Tüikej, ja gelbst gegen das große China angewendet wurde und noch angewendet wird. Wie aber auch das Schicksal der Juden in Saloniki sich gestalten mag, so wird es ihnen doch besser ergehen als. unter russischer oder rumänischer Herrschaft, und letztere droht den Juden, die jetzt ruhig und, wie es scheint, behaglich unter bulgarischer Herrschaft leben. Denn auch die Großmacht Rumänien hat ihre „Ansprüche“ angemeldet und , verlangt Anteil an. der Beute, Bulgarien soll .die Festung Silistria mit einigen tausenden Quadratkilometern Landes, etwa von dem Umfangendes Großherzogtums Oldenburg, abtreten. Rumänien hat zwar, während Bulgaren, Serben un$ Griechen kämpften und ihr Blut vergossen, ruhig zugesehen und nicht einmal die Judenverfolgungen unterbrochen, aber es verlangt eine Kompensation.“ Es erinnert i d)as an jenen preußischen oder österreichischen Spießbürger der zu Beginn der. Reaktion dekoriert wurde. „Wofür hast du denn einen Orden bekommen, du hast doch nichts für die Regierung getan?“ fragte ihn ein Freund. „Weil ich mich während der Revolution sehr gefürchtet habe“ lautete—diesr-Antwort: i: - Natürlich' gestehen die Staatsmänner dieses aus allerlei Resten anderer Völker, Zigeuner nicht ausgeschlossen, zusammengetoppetten Volkes ihre Eroberungssucht und. die? Gier, ihren Ausbeutungsbereich auszudehnen, nicht ein, sondern spielen die Gekränkten und Verletzten, denen ein Pflaster auf Kosten Bulgariens aufgelegt werden muß. Die das Volk, das dort nichts zu sagen hat, ausbeutenden Bojaren und Advokaten bedrohen die Bulgaren, die sie 'durch den Krieg mit der Türkei geschwächt glauben und vertrauen auf ihre von einem, deutschen Prinzen, den sie König titulieren, ausgebildete Armee. Daß dieser „König“ eigentlich’ nur Heerführer ist, den die Bojaren im Falle einer Niederlage als „lästigen Fremde n“, wie einen Juden, aus dem Lande jagen würden, muß ich' zu seiner sentimentalen dichtenden Gemahlin Entschuldigung annehmen. Andernfalls träfe das Königspaar die ganze Schmach der grausamen Judenverfolgung und die Schande des Bruches der von ihm eingegangenen Verpflichtung zur Gleichstellung der Juden. Aber den edlen Rumänen genügt es nicht, luden zu bedrücken, sie - beneiden die Russen, welche auch Polen, Finnländer, Tartaren und Mongolen, bedrücken und verfolgen können. Deshalb möchten sie einen von Nichtrumänen bewohnten Landstrich mit Drohungen und geheuche’ter Friedensliebe den Bulgaren entreißen oder abschmeicheln. Und auch das ist ihnen nicht genug. . Mit sentimentalen Phrasen klagte neulich ein „hervorragender rumänischer Diplomat“ dem Korrespondenten eines Wiener Blattes in Bukarest „über die Gleichgiltigkeit Oesterreich-Ungarns in der Frage der Kutzowallachen“, die uns allen viel mehr am Herzen liegt als man sich im Westen vorstelten kann. Für die große Menge der Rumänen ist das Interesse an den Stammesbrüdern am Pindus eine Herzens- und Ehrensache, die die stärksten Saiten des nationalen Bewußtseins in Schwingungen bringt, und den nüchterner denkenden rumänischen Politikern erscheint es von größter Bedeutung, daß Rumänien in Makedonien über ein wichtiges Bevölkerungselement verfüge, das ihm ein Recht gibt, bei der Ordnung der Angelegenheiten in Makedonien berücksichtigt zu werden und als unmittelbarer Interessent aufzutreten.“ Also, außer dem Stück von Bulgarien möchten die braven Rumänen auch ein weitabliegendes, von den Griechen beanspruchtes Gebiet an sich' reißen. Und dazu soll ihnen Oesterreich- Ungarn behilflich sein! > Wer sollte nun glauben, daß es in Oester-t reich Juden gibt, die sich den Rumänen anbiedem, die Hand drücken, Ke die Geißel über Juden schwingt. Doch sprechen wir nicht in der Mehrzahl. Ich weiß nur von einem Exemplar dieser Species. Am 26. November v. J. fand hier in Wien eine „freiheitliche“ (??) Versammlung und Kundgebung für die Interessensolidarität Oesterreichs und Rumäniens statt. An dieser Versammlung nahmen einige sogenannte freiheitliche Wiener und zwei .rumänische Abgeordnete teil. Einer von diesen Wienern drückte dabei die Sympathie der Wiener für das rumänische Volk aus. Zur Belohnung wurde er von einem der rumänischen Deputierten aufs wärmste bedankt und belobt. „Wie kommt ein Christlichsozialer in diese freiheitliche Versammlung?“ fragt hier vielleicht ein Leser. O nein, es war kein Geßmann und kein Bielohlawek, sondern, der, wie es scheint, noch nicht getaufte Reichsratsabgeordnete und Ministerialrat a v- D. Kamillo Kuranda, der Sohn des großen, Wirk'ich freisinnigen, tapferen und edlen Juden Ignatz Kuranda! Doch genug davon! Corruptio optimi pessima lautet eine alte Sentenz. (Wenn das Beste verdorben ‘wird, ist es das Schlimmste.) Dabei fällt mir noch eine alte Anekdote ein: Ein Jude begegnet am Versöhnungstage einen Glaubensgenossen, der eine Z igarre raucht. „Freund,“ ruft er, hast du vergessen, daß heute Jom Kippur ist?“ „Nein,“ antwortet dieser, ich habe nur vergessen, daß ich ein Jude bin.“ L. JS NESTLE KllfDERMEHl PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: ■ Briet ans Tfoppan. Die Sozialdemokraten wollen in die Kultusgemeinde. Am 9. März d. J. fanden in Troppau die Wahlen in den Ausschuß der Kultusgemeinde im dritten Wahlkörper statt. Der zionistische Verein „Jeschurun“ hatte im Kompromiß eine Liste aufgestellt, und es wurden unter zehn Kandidaten acht Zionisten nominiert. So hätte es sich denn niemand träumen fassen, daß es am 9. März doch zu einem Wahlkampf kommen sollte. Wer hat denn sonst noch an dem Ausgange der Kultuswahlen ein besonderes fnteresse, als die Offiziellen und die Zionisten? Hoch-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.