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Jüdische Zeitung · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite X r , .jflftlSCHE ZEITUNG; , , ' „ . Nr. 11 gen sie auch tot,; die Juden fielen auf die Knie bekreuzigten sich, küßten das Kreuz, bäten umg Leben, aber man schlug sie tat wie Hunde.“ Im Laufe von kaum einer Stunde waren zwei und vierzig Juden von den wütenden- Horden niedergemetzelt, zahlreiche andere schwer verwundet -Unter den Opfern befanden sich;- offenbar aus Versehen, außerdem drei Karäer, ein Armenier und ein Tartare.. Vergebens, hatten, einzelne Juden es versucht, im Polizeirevier I, im. Rathaus, auf dem Bahnhof Rettung zu finden. Im Polizeirevier wurden sie; von den dabei. stehenden: Feuerwehrleuten mit'einem Hagel von Dachziegeln empfangen; aus dem Bethaus zwang man sie mit Pfählen hinaus und -erschlug sie; desgleichen wurden sie am Bahnhof getötet Der Vorsitzende des Kameralhofes hatte befohlen, die flüchtigen Juden ins Geriditsgebäude hineinzulassen; da kam der Gendarmerieoberst Sagoskin und gab den Gegenbefehl, alle Juden, die sich dort versteckt hatten, auszuweisen — d. h. dem sicheren Tode entgegen.» „Entsetzlich erging es jedoch einem jungen jüdischen Mädchen, das sidi besuchsweise in Starodub aufhielt Man hatte ihr das Gesicht unter Martern verstümmelt, die Nägel ausgerissen und sie schändlich gefoltert Sie Wurde, obwohl bestialisch zugerichtet, noch lebend ins Krankenhaus gebracht, starb jedoch am nächsten Tage.“ . Die Strecke der Pogromfeufel: Fast 900 Tote, über 6000 Verwundete und Verstümmelte, ungezählte Schändungen und Vergewaltigungen, über 30.000 ruinierte Familien, über eine viertel Million durch Raub und Plünderung heimge- : suchte Menschen und fast 75 Millionen, Mark — geraubt oder im Gegenwert vernichtet, — das 'sind die Leiden des Judentums in Rußland - während weniger Tage des fürchterlichen Jahres 1905! Giebt es Menschenwort, das wohl das Meer dieses Elends ausschöpfen könnte? Menschensprache und Merischenvorstellung müssen schweigen, Gram und Grauen sind zu groß Alle -diese Mordtaten wurden unter Absingung der Zarenhymne vollbracht, Zarenbilder wurden vorangetragen. Bekanntlich wurden diese Mörder bis auf ganz, wenige Ausnahmen ,freigesprodien.. Aber auch diese wenigen' hat Väterchen Zar begnadigt .... Wenn wir - nach ^iie&ert-ßntr-aditjing mitteilen, daß sich bei der ’ Romähöwfeier, die vor wenigen Tagen in der Wiener russischen Botschaft abgehalten wurde, laut Bericht der Wiener Blätter auch Juden eingefunden haben, so genügt es, ihre Namen zu nennen: Withehn Singer, Chefredakteur des „Neuen Wiener Tagbiattes“, Baron und Baronin Alfons RothsdhiM, Baron Louis Röth^cMid, Dr. Siegmaind.. Münz, Redakteur der „Neuen freien, Presse“. Worte geiüugeni nicht, iaht die russisdiem Mordtufeeni zu brandmarken, noch weiniger aber reichem Worte aus, die Niedertracht dieser Knechtseelem zu kennzeichnen. Rundschau. Ein Wiener Rabbiner. Der Wiener Berichterstatter der „Welt“ schreibt: „Ein Wiener Rabbiner, der ein national-, deutsches Bekenntnis ablegt und einen Vortrag, den er die „Solidarität der Juden“ betitelt, dar zu benützt, um seine Angriffe gegen den Zionismus und Verdächtigungen des Nationaljudentums in salbadernde Phrasen zu wickeln, ist heute schon eine Kuriosität und wir würden des Vortrages keine Erwähnung tun, wenn er nicht vonj „Vprein Zur Abwehr des Antisemitismus“ veranstaltet worden wäre. Einige Stichproben aus den Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Armin Abeies: Um zu beweisen, wie verdammenswert nationaljudisches Bewustsein ist, ruft er mit erhobener Stimme aus, schon auf. dem ersten Bibelblatte stehe, Gott haben einen Menschen in seinem.Ebenbilde geschaffen — und keinen Nationalen ... Nationalismus sei gleichbedeutend mit Gegnerschaft gegen die. anderen und trage nur immer die eine Frage auf der Zunge: „Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?“ Nach dieser Definition des Nationalismus würde man wenigstens vermuten, daß Herr Dr. Abeies „israelitischer Kosmopolit“ ist und weitab von jedwedem nationalen Bekenntnisse steht. Weit gefehlt! National - j ü d i sch darf man nicht sein, national-deutsch hingegen muß man sein, ln folgendem tiefsinnigen Satze gipfelten die Darlegungen des Herrn Rabbiners: „W i r kön n erLn u.r J u de ri s.e.in, wenn wir Deutsche und Menschen sind.“ Seit -dem Auftreten Herzls haben die {assimilatorischen Juden .aus dem. Vereine zur Abwehr des Antisemitismus mit schöner Konsequenz allmählich einen „Verein zur Abwehr des Zionismus“ gemacht und' ihn seiner ursprünglichen Bestimmung, durch Aufklärungsarbeit unter den Nicht- ■ juden die Vorurteile gegen das Judentum auszumerzen, längst entfremdet. Gegen diese Irreführung der Philosemiten, die als Sturmbock gegen die jüdische Moderne benützt werden, protestieren wir ganz energisch und werden nicht ermangeln, die Herren immer wieder zu (entlarven.“ •*' Wir haben nichts hinzuzufügen. Wir Wiener Juden können auf den Germanen Abel es stolz sein, der seinen deutschen Nationalismus ausgerechnet aus-der Bibel -schöpft. Nur noch ein pikantes Detail: Rabbiner Abel e>s, stammt' aus Ungarn! Ein ungarischer Rabbi als Gefolgsmann von Schönerer und Wolf.- Heil! * * * Zehn zionistische Kongresse. Ueber dieses Thema sprach Dienstag, den 11. d.. M. Herr. Adolf Stand, Mitglied des zionistischen ..Aktionskomitees,. über Einladung der . yereinigungj.-galizi^cher.Hochschüler aus Galizien ■. „BarJCodiba“,Der- ,Vorttagende besprach mit i bekannter. Beredpapdceit; die Arbeiten der ,zehn zionistischen, . Kojigj^esse jind gab’ einen klären U,eberblick über , die bis ‘ jetzt von den Zio- . njsten geleistete. Arbeit, üher. die Ideenkämpfe, in der Partei und über die: errungenen Erfolge. Als dte zionistische Partei’mit ihrer Arbeit einsetzte, da waren -das . jüdische Land, die dort wohnenden Juden,, dasfür'- Palästina gesammelte Geld und die hebräische1 Sprache tot. Nach kurzer, -kaum ,zw;ei Jahrzehnte währender Arbeit hat das Land aufgelebt) .die dorthin reisenden Juden kommen nicht. mehr wie ehedem, um in Palästina zu sterben, sondern um den Boden des Landes mit - ihrer Arbeit zu erwerben und zu erschließen. .Der Nationalfond leistet mit seinem Gelde produktive Arbeit, die hebräische Sprache wjrd in Gymnasien' als Unterrichtssprache gebraucht und ist . die dominierende Verkehrssprache, der neuen . Siedlung geworden. Am Schlüße seines Referates wies Gg. Adolf Stand auf die gegenwärtige schwierige Lage der Türkei hin, besprach das Schicksal Salonikis und forderte in1 flammenden Worten auf, die Palästinaarbeit zu. forderen sowie für den Ausbau der zionistischen Organisation tätig zu sein. Hervorzuheben wäre, däß Herr Stand als eine der wichtigsten Aufgaben des nächsten Kongresses die Stellungnahme zum jüdischen Emigrationsproblem bezdichnete. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaften Beifall ausgenommen. •* - ' - * .#/ •- -- - : Der polnische Boykott gegen die Juden: - Berichten der Blätter zufolge hat der in Russisch-Polen über die Juden verhängte Boykott an seiner Heftigkeit nichts verloren. Mit wahrem. Feuereifer . betätigt sich die gesamte polnische Gesellschaft an diesem, antisemitischen Werke. Die Haupträdelsführer sind, die fortschrittlichen Antisemiten. Der- Boykott erstreckt sich auf alle Juden, ohne Rücksicht darauf, ob diese lithauischer Herkunft oder in Russisch- Polen eingeboren sind. Der Judenboykott ist unter der polnischen Bevölkerung äußerst populär und droht die Grenze zu überschreiten , Und sich auch in Galizien auszubreiten.:. In Galizien, namentlich im Westlichen.. Teile, wütet - schon seit langem, der Boykott gegen sogenannte „preußische Produkte“, was in der Praxis auf eine Bekämpfung der jüdischen Kaufleüte hinausläuft. Nunmehr beginnt sich -dieser eingesessene Boykott gegen die preußischen Waren als offener Boykott gegen die Juden .zu deklarieren. Leider muß in Anbetracht des eingefleischten klerikal-polnischen Antisemitismus gesagt werden, daß der Boykott Aussicht hat, in Westgälizien zu reüssieren. Die Folge wird eine weitere Steigerung der Binnenwanderung nach Ostga-!izien und die Konzentrierung des dortigen jüdischen Elends sein. Ueberdies dürfte auchdie Auswanderung rapid wachsen. Wir stehen somit einem akuten jüdisch-galizischen Problem gegenüber und es ist hohe Zeit, sich mit demselben zu befassen. * * * Geschäflsantisemitistrrus. Die Leinenwaren-Fabrikanten Gebrüder Reichart aus Dornbirn in Vorarlberg versenden an österreichische Firmen ein Zirkulär, in welchem es unter anderem heißt: „Gerade zur heutigen Teuerung muß jede Firma, welche Arbeiter beschäftigt, besonderes Interesse daran haben, däß diese ihren Lohn gut verwerten und bei Deckung ihres Bedarfes nicht gewissenlosen jüdischen Ausbeutern, womit unsere Monarchie besonders in der Wäsche- Branchereichlich versehen ist, in die Hände fallen.“ Solche Zirkulare wurden auch an jüdische- Firmen geschickt. Einer unserer Gg. wurde auchmit einem derartigen Briefe belästigt. Er gab folgende Antwort: „Es zeugt von besonders niedrigem <:Ghä4r rakter, wenn Sie Ihre Leistungfähigkeit nur dadurch motivieren können, daß Sie vor den „jüdischen Ausbeutern“ warnen! Es zeugt aber auch weiter von Dummheit, eine solch unverschämte. Anpreisung an unsere Firma, deren Eigentümer Juden sind, zu richten.“ Der Absender der Antwort legt uns nahe, der Fachorganisation der Wäschefabrikanten von dem Treiben der Gebrüder Reichart Mitteilung zu machen. Wir werden nicht ermangeln, dieser Bitte zu willfahren. Man sollte auch den Malzkaffee, wenn man solchen verwendet, prüfen. Lassen Sie sich, bitte, zumVergleich mit anderen Erzeugnissen in einer meiner Filialen ein Gratis-Kostmuster! Malz-Kaffee [ verabreichen. JULIUS IHEIHL Gegr. 1862. LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Mris.—Versilbertes Kapital zirka 380 Millionen. — PrätnienreserDe zirha 113 nillionen. — Billigste Prämienunö hnlanteste Bedingungen. Engagiert Jeöerzeit tütotige, leistungsfähige Rgenten gegen hohe Bezüge. flndtttteiiNN^eSeneralageiifsAaft Bien,!., BspergplabUteiter: David Rebenzabl). Für Ostgalizien u. Bukowina: .SuMireMiÖn ESbl Taujies Jemberq. \ }

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