Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2438141-2438432-2438443--3486-2443255
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

■ Erscheint wöchentlich;- — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12. Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte' werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ “ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5,-i—» vierteljähr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr.Trcs. 15.—. Einzelexemplare. 20 b. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. ■ ■ - * . * . 1 \ ' ' Nr. 11. | Wien, Freitag, den 14i März 1913 Vll. Jahrgang Bluthunde und Kneditfeelen. v. Romänowfeier. Von einer Sdhmutzw. elle auf den Thron gehobene Soldatendirnen haben wahnwitzige und schwachsinnige Verbrecher gezeugt, die Zaren Rußlands, die Beherrscher aller Reußen. Sie %£nnen sich Romanows und es ist historisch nachgewiesen, daß nicht ein Trdpfeit Blut des Adelsgeschlechtes dieses. Namens in ihren Adern rollt. Aus der Umarmung verseuchter Lustmädchen und . betrunkener Stallknechte und Kosaken sind sie’entstanden. Und 300 Jahre sind . es nun; her, daß diese Wüstlinge yieje Millionen Menschen in der scheußlichsten. Weise quälen, bis an den .Hals im' Blute waten. Jetzt wird noch ein Jubiläum gefeiert. .Nicht: genug; an der Schmach, daß dieses. Geschlecht von der modernen Gesellschaft nicht vertilgt .wurde,:;der Schandfleck des. zwanzigsten Jahrhufiderts wird noch gefeiert! Und die Vertreter der Kulturnationen drängen sich förmlich zum Feste des dreiten Verbrechergeschlechtes, Europa beugt .sich vor den Barbaren. Schrecklicher als '.unter allen anderen Völken haben die- Romanows unter den Juden gewiütet; Die Zahl der auf ihren Befehl Hingeschlachteten geht in die Hunderttausende und das Schicksal der unter ihrer: Knute Lebenden ist gräßlich. Die Worte reichen nicht aus-, um die wahnwitzigen Scheußlichkeiten'-' zu kennzeichnen. Lassen wir zu Ehren: der „jubilierenden“ Bluthunde vorliegende offizielle Protokolle aus den Gerichtsverhandlungen des Pogromjahres 1905 sprechen. Sie sind dem Buche „Pogrom“ entnommen:; fünfzehnjähriger Gymnasiast -.verteidigt die ‘Elite seiner -angegriffenen Mutter mit seinem Leiöfe, —1 und -fällt unter den- Messerstichen der Lüste, während die Bestie, der unglückseligen Mutter die schönen Augen'"aussticht. (So rast der Raust-h weiter.' Bis fünfzig jüdische Männer alter /irdischen' Qualen ledig ledig;.-sind und; die -grauenhaften- Gr,euel nicht mehr zu,, sehen' brauchen. .Greuel .wildester Schändung‘.an Trauen vor den Augen von Männern und 'Kindern! •' - ' Und vor" dem Werden 1 der .'Menschheit selber, . dem zukühftheiligen Schoß1 'der' Kindheit, hat die Horde so wenig Achtung und Scheu, daß sie kleinen, kaum geborenen Wesen die zarten Arme und Beine ausreißt (und. sie in die höheren Etagen schleppt, um sie' besser auf die Straße werfen zu können! J,. 'S. . . . Im Prozeß ist einwandfrei festgestellt worden, wie die Subjekte, die man doch nicht mehr Menschen nennen kann, gehaust haben. Juden wurden die Köpfe abgeschlagen. In das strömende Blut tauchte man Handtücher und die aut .'diese Weise rot getünchten Fetzen schwang man als Fahnen. — Auf weiße Fahnen schrieb man mit jüdischem Blut in großen Buchstaben die Worte: „Tod den -Juden“. Männern; und Frauen schlitzte man den Bauch auf, riß die Eingeweide heraus und stopfte Federn hinein. -Man sprang und tanzte auf den Leichen, brüllte und berauschte sich an den Getränken, die man hohnlachend stahl. Schwangere Frauen wurden mit Stöcken auf den Bauch geschlagen, bis sie an Verblutung starben. Und noch Scheußlicheres'’ leistete siCh der Menschenwahn. Hier einiges aus dem Protokoll des Grauens.; Frauen wurden, nachdem sie vergewaltigt waren, die Brüste abgeschnitten, dann wurden sie auf das schändlichste in einer nicht zu schildernden Art verunstaltet. ln einem Hause wurde die Mutter der Reihe nach von allen Banditen in Anwesenheit ihrer zwei kleinen Töchter vergewaltigt. Dann wurde sie in ein Schlachthaus getrieben und dort durch Beilhiebe getötet. . Einer Vierzigjährigen wurden, Nägef in die Nasenlöcher hineingeschlagen,« die durchden Schädel hindurchdrangen. I Einem älteren Manne wurde der untere Teil des Oberkiefers samt der Zahnreihe und der Oberlippe abgehauen. Einem bekannten Greise wurden die Ohren ausgerissen, dann schlug man ihn auf den Kopf bis er verrückt wurde. ,.;; 'Einem Handelsmann, der auf einem Auge . blind war, wurde das gesunde" Auge ausgestochen, und zwar von seinen-Nachbar.»», -die von diesem Gebrechen wußten. Während „er, bevor ihm dieses gräßliche Schicksal;'bereifet würde, mit seiner Frau und drei kleinen .Kindern vor den. Verfolgern floh,' warf er seipe Rmder über einen Zaun in den Hof'des y'eterinärtrztes.St., um wenigstens ‘die Kleinen zii retteh!*<£pr-,Si; -.ein: Täufling, warf ihm .die:,Kinder auf^dje.Straße -;p ^Tin’T'Gfatefmeister schwangeren Frau uhdTseiKeitt zwePKindem hn K|etler seines Hauses'• versteckt. - Eine Horde drang ein. Ein Hieb mit eindr Axt schlug dem .Mann den. Kopf ab, dann tötete 'man die Frau. Die Kinder ließ man am Leben, damit Sie mitansähen, wie die Leichen der Eltern in unbeschreiblicher Art geschändet’' wurden. Ein Gymnasiast, der sich in ein Klosett flüchtete, wurde dort grausam erdrosselt. Dem Schwerverletzten, der an der Ecke der Swetschnaia- und Gostinnajastraße aufgefunden wurde, sind die Gelenke an Händen und Füßen auseinandergerissen worden. Einem Mädchen wurde von einem vertierten Exzedenten während der Vergewaltigung die Nase abgebissen. Aut der Asiatskajagasse versteckten sich, während die Banditen raubten und plünderten, die Juden in den Keilern und auf den Dächern. Im Hause Nummer 13 hörten die Räuber Geräusch auf dem Dache. Sie eilten hinauf und fanden dort drei Juden (Brüder) und ein 13jähriges Mädchen. Alle wurden vom Dache hinabgeworfen auf eine Brücke, an die das Haus grenzte. Unten stand eine Masse, die sich sofort anschickte, auf die vier loszuschlagen. Erst am nächsten Tage fand man unter Schutt und Federn die furchtbar verstümmelten Leichen von zwei Juden. Den dritten und sein Kind brachte man auf den Tod verwundet ins Spital. Und diesmal ist es regelrechte Soldateska, die mit dem kalten Blut des Exerzierplatzes autdie verleumdeten Juden schießt. Das Protokoll berichtet u. a. folgende Unmenschlich'-) keiten: Fall 1. Um 4i/a Uhr nachmittags stand Beila Liebermann, Mutter von vier Kindern, vor der Türe ihres tief im Hofe gelegenen Hauses. Der Hof führt auf eine von Soldaten bewohnte Straße. Der Schutzmann Pawel erblickte die Frau und befahl einem Soldaten, sie zu erschießen. Der Soldat schoß und traf fehl, darauf zielte er nochmals und tötete die Liebermann fast auf der Stelle. Der Bruder der Unglücklichen wollte nach einem Arzt laufen,, aber der Soldat schoß auch nach ihm, und der Verwundete mußte, obgleich nicht lebensgefährlich verletzt, blutend ins Haus zurückkehren. Fall 2. Bei dem Schuhmacher Kalman Sajez, .in der Kalushskajastraße, im Hause Kapits wohnhaft, befand sich ein zwölfjähriges Mädchen, Freude' Küpitz, die Tochter einer Nachbarin: Die Schusterfrau ging ans Fenster, um. den Vorhang herunterzulassen; in diesem Moment zielte ein Soldat nach ihr, sie sprang - * ‘;-V vom Fenster zurück, es krachte ein Schuß, und die kleine Freude Kupitz wurde am Halse verwundet. Die Mutter des Mädchens, die herbeieilte und ihr Kind im Blute fand, sprang in den Flur, öffnete die Türe nach der Straße und schrie: „Rettet, meine Todtter stirbt“ Im selben Augenblick schoß ein Soldat. .ggpch ihr und tötete sie auf der Stelle. . . : Fall 3. Der greise Nachtnan :-€jarber ging in Begleitung zweier Männer naefcdem Abendgebet (gegen sechs Uhr) aus der Synagoge nach Hausev^Ü|gt?lk:h wurde auf atte drei von Soldaten eüjffiSiäive abgegeben, die Gatber an der Hand v^m^dete und einen seiner Begleiter, Wolf Dudak, der schon unter Nikolaus I. afs Soldat smdjenV hatte, auf der Stelle tötete. Garber riePnm Hilfe; und' auf sein Geschrei eilten zwei seiner Nachbarn herbei. Kaum hatten diese sich aber auf der Straße sehen lassen, als die Soldaten auch nach ihnen schossen, wobei der eine Schkomossky, augenblicklich getötet und der andere; Bjafostotzky, verwundet wurde. Fall 4. Durch. das häufige Knattern der Salven erschreckt,. lief eine gewisse Chane Winograd gegen fünf Uhr nachmittags auf den Hof des Eigentümers Kadischewitsch in der Ko- Wenskaja Straße, um sich dort zu verstecken. Eia Soldat hatte sie aber erblickt und verfolgte sie. Die Frau war glücklich bis an, eine Tür gelangt, da stolperte sie aber und fiel. Der ..Soldat, der sie eingehott hatten trat darauf einige S^^?%nFr^h^^ei?^i!m^Bttt^^'sie^als Mutier vieler Kinder zuschonen. Ganz besonders grausig wurden die- Juden in den Pogromtagen auf der Eisenbahn behandelt, ihrem oft einzigen Rettungsmittel. Da »st der Brief eines Schutzmanns sehr widrtig über die Vorgänge in Rasdelnaja. Ein Dokument, das von menschlicher Verworfenheit Tatsachen erzählt, wie sie sich kaum die Phantasie eines -Fieberkranken hätte ersinnen können! Also dieser Schutzmann schreibt: „Sie fragen, was bei uns los ist, ich werde ■ kurz schreiben, weil um alles auszuschreiben, muß man zwei Tage schreiben und wäre auch dann nicht fertig:'Im Dorf bei der Station Rasdelnaja befindet sich ein russischer Laden und ein jüdischer, beide Kolonialwaren- und Tabakläden, auch noch drei Familien-Juden und denken Sie sich, versammelten sich die Angestellten der Eisenbahn und schlossen sich ihnen sogar die Plünderer aus Odessa an, drei Nächte haben sie den jüdischen Laden und ihre Häuser und Wohnungen geplündert, letztere in was man stand oder schlief, machten sich auf und rissen aus im Laden war Ware für 8000 Rub. Wohnung mit Sachen und Einrichtung 10.000. Das altes wurde zerbrochen und geplündert. Nach dem Pogrom schon morgens, war ich auf der Stat. zur No. (zum Zuge. Dieser Zug kommt um 9 Uhr raprgens an, „der Postzug“. Wie nur der Zug einlief, da schrie einer aus der Menge: „Brüder. die Juden schlachten die Russen hm Waggon“ und da begann gleich so ein Gemetzel1, wie ich noch nie zu sehen bekommen' hatte. Man fing an die Juden und Jüdinnen aus den Waggonfenstern rauszuschleppen und gleich auf dem Perron totzuschlagen. Soldaten waren eine Kompagnie und als der Stationsvorsteher, der Kompagniechef und der oberste Gendarm riefen: „haut die Juden,“ da lagen im Lauf von 5—6 Minuten auf dem Geleise und auf Idem Perron mehr als 40 . Personen Tote und Verwundete^ einer Jüdin gelang es mit drei kleinen Kindern zu »entschlüpfen, sie ist 15 Jahre alt,, und 'die drei so 4—5 und 7 Jahre ’ und auch das mit zerschundenen 'Köpfen, aus denen . das Blut strömte, und als sie ins Dorf gelaufen kamen, da nahm sie keiner auf, sondern (hetzten sie mit .Hunden, und die Jungen warfen jsie mit Steinen, auch ein rothaariger kräftiger Jude von mittleren Jahren mit geschundenen Augen und Maul und ein Auge war ausgelaufen d. h. der Augapfel war mit Blut überströmt, er sah nicht wohin zu laufen, stieß sich, bald an der Mauer, einem Baum, Zaun usw., aber daf kamen Jungen mit Steinen nachgelaufen zur Station dort schlu- / > / r -7?*' ^iaSNriT**V'*rJ ••"7’---.-.".? - - ' —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.