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Jüdische Zeitung · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Beite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 9 Wasser gell alten, und es ist nutzlos gewesen, daß gerade manche Juden immer wieder das Schandblatt gekauft haben. Als Wochenblatt wird es natürlich weiterhetzen, einmal in der Woche statt siebenmal, aber einigermaßen erfreulich ist es wenigstens, daß die Hetzkunipanie bei ihrem Geschäft kein Geschäft gemacht hat. Wir sind weit entfernt, aus dem Krach dieses Organs zu folgern, daß der Antisemitismus in Böhmen abgewirtschaftet habe;, wir wissen, daß nur die Methode nicht gezogen hat. Aber ist schließlich nicht auch diese „Besserung“ erfreulich? Auch unter den Gaunern gibt es mehr und minder sympathische Typen ... * Ritualmordbeschuldigung in Bukarest. Vor ein paar Tagen fand vor dem Gerichte in Bukarest der Prozeß gegen den Advokaten Niculescu Scartan und gegen seinen Sekretär Constantinescu statt, welche wegen einer sensationellen Erpressung am jüdischen Kaufmann F i n k e 1 s t e i n angeklagt waren. Ein gewisser Herr Parg hatte der Staatsanwaltschaft angezeigt, daß Herr Finkeistein seinem Kinde Blut für die jüdischen Ostern abzapfen wollte. Diese Ritualmordbeschuldigung wurde von der Staatsanwaltschaft als unbegründet zurückgewiesen. Herr Parg überreichte nun, unterstützt vom Advokaten Niculescu, die Klage direkt an das Tribunal, welches den Herrn Finkelstein freisprach. Der Advokat ging nun gemeinsam mit seinem Sekretär zu Finkeistein und drohte ihm mit einer Kampagne in den antisemitischen Zeitungen. Sollte aber F i n k eist e i n 100 0 Lei geben, so werde man ihn in Ruhe lassen. Herr Finkeistein erklärte sich einverstanden und bestimmte die Stunde, wann der erpresserische Advokat das Geld holen könne Inzwischen verständigte er gleichzeitig die Polizei, welche sich zur bestimmten Stunde eihfand, um im gegebenen Augenblicke den Advokaten, sowie seinen Sekretär in flagranti zu erwischen. Der Plan gelang und der Advokat sowie sein Gehilfe wurden festgenommen, dann gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Vom Gerichte wurden nach mehrtägiger Verhandlung der Advokat Niculescu sowie auch sein Sekretär zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe ist wohl in Anbetracht des begangenen Verbrechens zu milde, es ist jedoch erfreulich, daß der erpresserische Advokat und sein Helfer der Strafe nicht entgangen sind. G. Victor. * Zionisten in der Kultusgemeinde Olmiitz. Die Zionisten dieser Stadt haben einen schönen Erfolg zu verzeichnen: Bei den in der 2. Februarwoche stattgehabten Kultüsgemeindeergänzungswahlen wurden 2 Ausschußmitglieder des Olmützer Bürgervereines „Zion“ (die Gesinnungsgenossen Arnold Jellinek, Likörfabrikant und Dr. Artur Taussig, Balmkommissär) mit großer Majorität in den Ausschuß der Kultusgemeinde zu 4jähriger Funktionsdauer gewählt. Beide Mandate wurden den Olmützer Zionisten seitens des offiziellen Wahlkomitees zugebilligt, es entfiel also diesmal die Notwendigkeit des Wahlkampfes, wie er sonst bei dem gleichen Anlasse ausgefochten werden mußte. Die bisherige Gemeinderepräsentanz ist eben zu der Erkenntnis fortgeschritten, daß der Zionismus eine Volksbewegung darstellt, welcher schon vermöge der von ihr ausgehenden regenederung begonnen, die monatlich zirka 120 Seelen ins Land brachte, was zum Teil durch die relativ nicht hohen Reisespesen vom Jemen nach Palästina erklärlich ist. Diese verhältnismäßig große Einwanderung der Jemeniten ist von allen Einrichtungen in Palästina mit großer Freude begrüßt worden. Man erkannte, daß ihre Auswanderung nach1 Palästina ihre einzige Rettung ist. Denn mag auch Palästina noch lange nicht jene hohe Stufe der Entwicklung in Landwirtschaft und Industrie, zu der es die natürlichen Verhältnisse befähigen, erreicht haben, so kann es doch mit Leichtigkeit auch unter den jetzigen Verhältnissen als Zufluchtsstätte für jährlich 1000 bis 1200 hartbedrängte Jemeniten dienen. Bedenkt man vollends, daß Palästina sich jetzt im Stadium des wirtschaftlichen Aufstieges befindet (was zur Genüge aus dem jährlich steigenden Import und Export erhellt), so ist man zu großen Hoffnungen berechtigt und darf von dieser Immigration als von der Heimfindung des vergessenen Jemenitenstammes in Südarabien sprechen. Neben diesen philanthropischen Empfindungen waren es aber auch andere Gesichtspunkte, die eine allgemeine Genugtuung über die Einwanderung der Jemeniten auslösten. Dies war besonders in jenen jüdischen Kolonien Palästinas der Fall, in deren Wirtschaft der Pflanzungsbau einen hervorragenden Platz einnimmt. Allein die Kolonie Pethach Tikw'ah beschäftigt zu gewissen Jahreszeiten außer den eigenen Arbeitekräften über 3000 Arbeiter, die sie aus einem Umkreise von 15 Meilen bezieht. Damit sind aber schwerwiegende Nachteile verbunden. Der eingeborene fellachische Arbeiter ist bedürfnislos, und in4 rierenden Wirkling eine Vertretung in c&icin jüdischen Gemeinwesen gebührt. Das Beispiel, das in dieser Hinsicht die größte Kultusgemeinde Oesterreichs, die Wiener, gegeben hat, beginnt vorbildlich zu wirken. Vivat sequens! * Die amerikanische Einwanderungsbill gefallen. Bekanntlich hatte Präsident Taft gegen die von beiden Häusern des Kongresses angenommene Burnett-Bill, die hauptsächlich gegen die Einwanderung osteuropäischer Juden gerichtet ist, sein Veto eingelegt. Nun wurde im Senat der Einspruch des Präsidenten überstimmt und die Vorlage gelangte zur endgültigen Entscheidung an das Repräsentantenhaus zurück. Am 19. Februar fand nun im Unterhaus tdie Abstimmung in dieser Angelegenheit statt. Dabei erklärte sich das Haus mit 213 gegen 114 Stimmen für die Aufrechterhaltung der Bill. Da jedoch zu einer Ueberstimmung des Vetos Zweidrittelmehrheit erforderlich ist und an dieser fünf Stimmen fehlten, ist die Vorlage kraft des Vetos des Präsidenten gefallen. * Die staatsbürgerlichen Rechte der Juden in den neuen rumänischen Gebieten. Die seit Monaten schwebenden rumänischbulgarischen Verhandlungen wegen einer Grenzberichtigung zugunsten Rumäniens sind bekanntlich dank der Mediation der Großmächte ihrem friedlichen Abschluß nahe, und es kann nunmehr als zweifellos gelten, daß Bulgarien einen gewissen Gebietsstreiten an das benachbarte Königreich abtreten wird. Nun ist das fragliche Grenzgebiet auch von einer größeren Anzahl Juden bewohnt, die bisher als bulgarische Staatsbürger mit den übrigen Bewohnern vollständig gleichberechtigt waren. Es entsteht also die Frage, wie sich die rumänische Regierung, die bekanntlich den Juden des Königreichs entgegen den Bestimmungen des Berliner Vertrages die Staatsbürgerrechtc vorenthält, zu den jüdischen Bürgern des neuenvorbenen Gebiets verhalten wird. Während einzelne österreichische Zeitungen freisinniger Richtung die bulgarische Regierung auffordern, die Rechte ihrer bisherigen Bürger energisch wahrzunehmen, ist in Rumänien selbst ein heftiger antisemitischer Feldzug ins Werk gesetzt worden, um die Gewährung von Bürgerrechten an die Juden des neuen Grenzgebietes zu verhindern. Der judenfeindliche Publizist J. Bursuk veröffentlicht in der Bukarester Tagespresse einen ungemein gehässigen Artikel, in dem er die Regierung warnt, den „Forderungen des internationalen Judentums“ nachzugeben. Die Studierenden der Bukarester Universität haben auf einem großen Protestmeeting eine Resolution im gleichen Sinne gefaßt und gedenken Massenkundgebungen im ganzen Lande gegen die Ansprüche der Juden des neuen Gebietes zu veranstalten. ParteisNachrichten. Mitteilungen des zionistischen Distriktskomitees für Inner - Oesterreich. Schekelsammlung. Die Schekelblocks pro 1913 (5673) werden bereits ausgegeben. Dieselben sind täglich von 3 bis 7 Uhr nachmittags im Büro (II., Karmelitcrplatz 1, Tür 10) zu beheben. folgedessen nimmt er fast seinen ganzen Lohn mit sich nach Hause. Das bedeutet also, wenn wir für jeden Arbeiter durchschnittlich 1 Frcs. Tagelohn annehmen, daß die Kolonie Pethach Tikwa mehrere Monate im Jahre täglich 3000 Frcs. Arbeitslöhne zahlen muß, ohne daß ein entsprechender Teil des Geldes in der Form des Einkaufs von Waren oder Lebensmittel in die Kolonie zurückfließt. Das Ungesunde einer solchen Wirtschaft liegt auf der Hand. Dazu kommt noch, daß in mancher Arbeitssaison, jn der der Fellache in seinem Dorfe dringende Arbeit zu verrichten hat, bei der Knappheit der vorhandenen Arbeitskräfte die Löhne ins Ungemessene steigen und die Fellachen nach Belieben die Preise diktieren. Dieser Zustand, der bei dem steigenden Pflanzenbau in unseren Kolonien, der naturgemäß viele Arbeitskräfte erfordert, für unsere Landwirtschaft geradezu ruinös W'erden kann, hat schon oft den Gedanken wachgerufen, in unseren Kolonien ein jüdisches Arbei.terele^ ment zu schaffen und sich so allmählich von der umwohnenden arabischen Bevölkerung unabhängig zu machen. Man war daher sehr erfreut, durch die Einwanderung der Jemeniten, die zugleich auch türkische Staatsbürger sind und daher auf die Förderung der Regierung rechnen dürfen, der Arbeiternot abhelfen zu können. Während man also auf allen Seiten mit der Einwanderung der Jemeniten nach Palästina zufrieden W'ar, trat ihr bald ein Hindernis, das Fehlen von Mitteln, entgegen, das sehr störend und äußerst beunruhigend wirkt und das nur durch die Opferwilligkeit der außerpalästinischen Judenheit behoben werden kann. o o Veranstaltungen anläßlich des Kongresses. Ueber Weisung des „Zionistischen Zentralbüros“ in Berlin, wird hiemit bekannt gegeben, daß sämtliche anläßlich des Kongresses stattfindenden Veranstaltungen ausschließlich vom Kongreßbüro gemacht werden. Die Vereine werden daher ersucht, alle diesbezüglichen Vorbereitungen zu unterlassen. # Wien. (Zionistischer Zentralverein.) Dienstag, den 4. März, 8 Uhr abends, findet im Cafe Mariahilf, VI., Mariahilferstraße 89 a eine Vereins - Versammlung statt. Tagesordnung: Der nächste Zionisten-Kongreß in Wien. Referent: Dr. Fritz Löhner. Gäste willkommen. * Vereinsabende. Nachrichten aus Mähren - Schlesien. Troppau: Verein „Jescliuru n“. Jeden Samstag im Vereinslokal (Salzgasse 45), 8 Uhr abends. Zion. Mädchenverein „Miriam“. Jeden Dienstag abends im Vereinslokal Salzgasse Nr. 45). Proßnitz: Verein „Zion“. Jeden Samstag oder Sonntag abends im Jüdischen Casino. Obnütz. Jeden Mittwoch^ S Uhr abends, im Klub-Zimmer des „Grand-Cafe“. Iglau: jüd. Volksverein „Theodor Herzl“. Jeden Samstag, um S Uhr abends, im Vereinszimmer des „Grand Hotel“ (Leupoldgasse 3). Ung. Hradisch: Jeden Sonntag, abends St'* Uhr, im Cafe Braun. Mährisch-Ostrau: (Volksverein „Zion“.) Jeden Donnerstag, SV* Uhr abends, im Klubzimmer des Cafe „Union“ (Ringplatz). Oderberg: Jeden Dienstag nach dem 20. eines jeden Monates, 8 Uhr abends, Knltusgemeindekanzlei. * SPENDE. Herr Baron Gustav Springer hat dank der Intervention des Gg. Obering. Rob. Stricker 1000 Francs für den Jemenitenheimstättenfonds gespendet. Brief aus Galizien. u N Jubiläum der Lemberger „Hasmonäa“. Am 14., 15. und 16. d. M. feierte in Lemberg die akad. Verbindung „Hasmonäa“ ihr 10semestriges Stiftungsfest. Viele Toynbeehalleii verdanken den „Hasmonäern“ ihre Entstehung; die Verbindung stellte dem Zentralbüro tüchtige Kräfte zur Verfügung; ihre A. H. nehmen in unserer Partei einflußreiche Stellungen ein, so ist A. H. Dr. Korngrün Sekretär des A.-C.. Dr. Geyer Sekretär des galizischen Zentralkomitees. Zum Stiftungsfest erschienen Vertreter aus ganz Galizien und der Bukowina. Freitag, den 14. d. M. abends, versammelten sich alle Erschienenen auf der Bude der „Hasmonäa“, Samstag, den 15. d. früh vereinigte ein Fest-Convent alle Festteilnehmer. Nach Absingung des Bundesliedes hielt der Präses dem frühzeitig verstorbenen Mitgiiede F a k e I einen Nachruf. Hierauf wmrde unter Beifall auf Antrag des Gg. Steinberg beschlossen, zum Andenken an das Stiftungsfest ein Jemenitenhaus in Palästina zu stiften. Samstag, den 15. d. abends fand eine von Tausenden besuchte Volksversammlung im großen Saale des Vereines Tikwath Zion statt. Es sprachen: Dr. Israel Waldmann, Adolf Stand, Dr. Korngrün, Dr. Leon Reich und Dr. Geyer. Den Vorsitz in der Versammlung führte der Präses Bund. Sonntag fand ein Besuch des Grabes des verstorbenen Mitgliedes Fakel statt. Die Feierlichkeiten fanden am 16. d. M. abends durch Veranstaltung eines Tanzkränzchens ein Ende. Bezeteff. PalästinasNachPiihfen. Milchwirtschaft in den jüdischen Kolonien Palästinas. . Aus der palästinensischen Kolonie Ekron wird geschrieben: Nachdem der landwirtschaftliche Beirat des zionistischen Palästina-Amtes, Herr Dr. Zagorodsky, die Schaffung einer Milchwirtschaft in der Kolonie Ekron angeregt hatte, beschloß die Anglo-Palestine Company, ihrerseits einen Versuch nach dieser Richtung zu fördern. Demgemäß hat sie mit einer Gruppe von Kolonisten in Ekron folgende Vereinbarung getroffen: 1. Die A. P. C. gewährt 21 Kolonisten einen Vorschuß von 6000 Frcs., wofür die Kolonisten solidarisch haftbar sind. 2. Für dieses Geld sollen unter sachverstän- •diger Kontrolle Milchkühe angeschafft wrerden. 3. Das Vieh soll unter regelmäßiger tierärztlicher Kontrolle stehen ,und versichert 'werden. 4'. Wenn sich die Sache bis Eliul (September) d. J. als lohnend erweist, w'ird die A. P. C. einen langfristigen Abzahlungstermin mit den Kolonisten vereinbaren und eventl. auch den Kredit erhöhen, damit der Betrieb ausgedehnt werden kann. Sollte aber bis dahin die Sache als mißlungen betrachtet werden müssen, so werden die

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