Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 9 JUblSCHE ZEltUNG Seite % sund. Jüngst erst'hielt er seine Generalversammlung ab, in welcher der bisherige, /um DK.-Obmann avancierte Obmann Gustav F i n z i die Führerschaft dem representativman der Troppauer Zionisten — dem Gg. Dr. R. Lichtwitz übergab. Der neue Obmann erhielt einen neuen Obmannstellvertreter in der Person des Gg. Hugo Schl es inger, dieser wieder einen Kollegen in Gg. Dr. L. Lcscline r. Zu ihnen gesellen sich die Gg. We i n r eb und Schwarz, die seit der vor zwölf Jahren erfolgten Gründung des Vereines ununterbrochen dem engeren Vorstande angehören, ferner Og. Leo Leschner als Schriftführer und — Glicht als Letzter — der NF.-Kom. Troppaus Albert Schlesinger. Eine Reihe anderer Gg. wurden kooptiert und ihnen bei unseren Beratungen das Stimmrecht verliehen, an denen sich übrigens jeder beteiligen ka'nn, der die Mühe nicht scheut, uns am Samstag Abend in unserem Heime, Salzgasse 45, aufzusuchen. Diese regelmäßigen Zusammenkünfte allein haben „Jeschurun“ zu dem gemacht, was er ist, sie sind die einzige unerläßliche Voraussetzung für zionistische Arbeit. Regelmäßig -- ein für allemal festgestellt — muß aber nicht bloß das Zusammenkommen, Ort und Zeit des Zusammenkommens, sondern auch die Tagesordnung sein. An erster Stelle steht bei uns „Mitgliederbewegung“, Ncuanmeldungen, Beratung über zweckmäßige Propaganda etc. Eine von Gg Finzi verfaßte beispielgebende Karthot ek der Judenschaft Troppaus bildet die Grundlage sowohl für diese Beratungen, wie für die unmittelbar nachfolgende über den Nationalfond, zu dessen Wachstum wir im Jahre 1012 mehr als 2S00 Kronen beigetragen haben. Diese Summe ist nebst einer 100U Kronen-Jemenitenspende der Familie Kulka, hauptsächlich durch zwei Sammelmittel aufgebracht worden, durch die Büchsen — deren es in Troppau mehr als ISO gibt — und durch das Spendenbuch, das allmälig zur Familienchronik der jüdischen Gemeinde wurde. Kein Familienereignis, das spurlos vorüberginge an unserem Spendenbuche. Uns entgeht nichts und keiner, dafür wird am Samstagabend gesorgt. Daß das Spendenbuch selbst, sowie der so erfolgreiche B ü ch s e n b r i e f(Brief an die jüdische Frau), Troppauer Erfindungen sind, werden bald — zufolge enormer Verbreitung dieser bewährtesten Sammelmittel -- die Wenigsten wissen. Der Beratung über den NF. folgt die über unsere Banken (S h a r e - K 1 u b: Gg. Siodmak), über andere palästinensische oder palästinafreundliche Institutionen — so in letzter Zeit besonders über den „Verband j ü- 4 i&P Ire r K,u.l,t u r.a,r b e.i t. i n Palästina“ (Referentin: Gg. Frau Ernestine- Spiegel), über J emenitenaktion, die der Jeschurun erst vor einigen Tagen in Angriff nahm und fast schon beendet hat. Allerdings waren an dieser Aktion alle maßgebenden Faktoren beteiligt, so die Kultusgemeinde und die B.B. Loge Silesia. Beratungsstoff bietet in letzter Zeit auch die im Entstehen begriffene Sportsektion (Ref. Gg. Dr. Gallus), die seit Jahren bestehende Jugendgruppe (Ref. Leschner), die B i b 1 i o t h e k (Gg. Sch w a r z) und die kleine Schwester des Jeschurun, der zionistische Mädchenverein „Mirjam“ (Obm. Frl. Eckstein), und zum Schlüsse das Beste: Freier Gedankenaustausch. Ereignisse der letzten Woche werden von unserem nationalen Standpunkte aus erörtert und beleuchtet. Vorangeht allmonatlich die Besprechung Feuilleton. Zum Grabe der Mutter Rahel*). Von Schalom Asch. Sabbat Nachts, als die -Sterne am Himmel funkelten und das Oellicht im Fenster, sattelte man die Esel, und wir ritten aus Jerusalem, in der Richtung nach Bethlehem, um mit den ersten Sonnenstrahlen am (irabe der Mutter Rahel zu sein. Es ist das erste Mal, daß ich auf diesem Wege reite, und doch ist er mir nicht fremd. Nicht fremd sind mir die Felder und Täler, nicht fremd die Oelbäume, nicht fremd der Himmel über dem Kopf. Ist’s doch der Weg nach Betlehem, auf dem unser Vater Jakob unsere Mutter Rahel begrub. „Auf dem Wege“ begrub er sie, „da noch eine Strecke Landes nach Ephrath war.“ Damit ist ja Betlehem gemeint. Und siehst . du nicht die Frau in Sabbatkleidern, mit der Sabbathaube auf dem Kopfe? Ist das nicht .Mutter Rahel, wie sie aus dem Grabe sich erhebt, den vertriebenen Juden nachblickt und die Hände zum Herrn der Welten emporstreckt . . .? Mutter Rahel gilt viel bei ihm. Niemand setzt bei ihm so viel durch wie sie. Erinnerst du dich noch an ihren großen Kampf mit ihm in jener. Nacht, da der Tempel zerstört wurde. *) Aus dem in der Sammlung „Vom alten Stamm“ erschienenen Buche „Im Lande der Väter“. Zu beziehen durch die „Jüdische Zeitung“. über den V o r t r a g , der in keinem Monate aushleiben darf. Der letzte war 'der des Gg. Dr. Leschner, der die in letzter Zeit in Troppau aktuell gewesene Frage erörterte: „Sollen wir radikal sein?“ Seine Ausführungen hatten den Erfolg, daß die Zuhörerschaft nach Beendigung des Vortrages vollzählig im Saale verblieb, um der sofort ansetzenden Diskussion zu folgen, in deren Verlaufe es sich erwies, daß auch die Kontrareden entweder schon national sind, oder unserer nationalen Bewegung mit „allergrößter Sympathie“ gegenüberstehen, d. h. national sind, ohne es sich vorläufig selbst eingestehen zu wollen. — Doch sind unsere Vorträge keineswegs die einzigen in Troppau, sondern wechseln ab mit denen der B. B. Loge und des J ü d. Liter. Vereines. Dieser —• von Jüdischnationalen noch vor dem Jeschurun gegründet geht gerade daran, die jüdischen Institutionen unserer Gemeinde um die j ü d. Jugendbibliothek zu bereichern. Seiner Anregung Folge leistend haben sich zu diesem Werke vereinigt: Die Kultusgemeinde, die Loge und er selbst, der in seinem Bestreben, die Kenntnis jüdischer Dichter zu verbreiten, demnächst auch einen Rezitat i o n s a b e n d (mit Hofschauspieler Prof. G r eg o r i) veranstalten wird. An seinen Arbeiten sind in erster Linie Gesinnungsgenossen beteiligt, sowie auch an denen der M o r i a h K a d is c h a h (Obmann Gg. Spiegel) und nicht zuletzt an denen der Kultusgemeinde. Schon jetzt ist der Zionismus sowohl im engeren Vorstande, als auch im Ausschüsse gut vertreten und wird es gewiß bald in erhöhtem Maße sein, denn im März finden die Kultuswahlen statt. Doch darüber und über so manches andere nächstens. Versammlung iuöifdier Rrdiitehten. Ueber Veranlassung des Jüdischen Volksrates fand am 13. Februar d. J. eine Versammlung jüdischer Architekten und Gewerbetreibender statt, in welcher die Angelegenheit der Vergebung der Arbeiten für das jüdische Kinderspital zur Besprechung gelangte. Der Vorsitzende der Versammlung, Gg. Dr. Egon Z w e i g wies in seiner einleitenden Ansprache darauf hin, daß der jüdische Volksrat, welcher aus allen zionistischen Kultusgemeindefunktionären gebildet werde, bestrebt sei, die Verwaltung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zu reformieren und zu modernisieren. Besonders sei jedoch eine Reform hinsichtlich der bis jetzt von der Kultusgemeinde praktizierten Vergebung von Arbeiten notwendig. Zum eigentlichen Thema, der Vergebung der Kinderspitalsarbeiten sprachen die Vertreter der jüdischen Architekten, arch. Dr. Wlach und arch. Dr. S t r n a d. Beide Herren gaben eine Schilderung., der mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern gepflogenen Rücksprache bezüglich der Arbeitenvergebung. Die jüdischen Architekten verlangten die Ausschreibung eines allgemeinen, später als die Kultusgemeinde dieser Forderung nicht zustimmen wollte, eines alle jüdischen Architekten umfassenden Konkurses'. Dr. Stern lehnte aber diese Forderung ab und erklärte, daß er nur einen auf einige Architekten beschränkten Konkurs für entsprechend halte. Die Mitteilung der Herren Wlach und Strnad riefen bei den Versammelten große Entrüstung hervor. Der nachfolgende Redner, Gg. Dr. Ehrlich wies darauf hin, daß der Kultusrat noch und er Jeremias schickte, um die Erzväter zu wecken? . . . Siehst du nicht den schwarzen Schatten dort zwischen den Oetbäumen? Ist das nicht Jeremias, der Prophet, auf dem Wege nach Bethlehem? . . . Die Erzväter hälfen nicht . . . Da kam sie, Rahel, unsere Mutter Rahel, stellte sich vor Gott hin und sprach zu. ihm: „Herr der Welt! Du weißt ja, wie sehr mich Dein Knecht Jakob liebte, und daß er sieben Jahre meinem Vater um mich diente. Und als die sieben Jahre um waren, hörte ich, daß ihm mein Vater nicht mich, sondern meine Schwester Lea geben wollte. Da vereinbarte ich Erkennungszeichen mit ihm, damit ihn mein Vater nicht täuschen könne. Ich bekam aber Reue, meine Schwester tat mir leid, sie sollte nicht beschämt werden, und ich verriet ihr die Erkennungszeichen, damit Jakob nicht wisse, daß sie Lea sei. Und ich sprach an ihrer statt, damit er ihre Stimme nicht erkenne . . . Und war nicht eifersüchtig auf sie . ... Und siehe, ich war ja nur ein Mensch von Fleisch und Blut, von Erde und Asche, und zürnte nicht. Warum zürnst Du Israel, daß es fremden Göttern diente? Was schadete Dir das Götzenbild, dieses Nichts, daß Du deshalb meine Kinder vertriebst und die Feinde mit ihnen tun liessest, was sie wollten . . .?“ Und dort die Felder hüllen sich in Nebel, verschwinden mir am Horizont. Der Himmel hängt über meinem Kopfe. Stern an Stern. Ein Oelbaum steht einsam mitten im Felde und sagt sein stilles Gebet. Ihr Felder, in Tau und Nacht getaucht, erzählet mir! Und du einsamer Baum im Felde, ich will mich unter dich hinsetzen, und keine Entschlüsse gefaßt und daß der Präsident Stern dezidierte Erklärungen über Angelegenheiten abgegeben habe, die noch gar nicht im Plenum des Kultusrates verhandelt wurden. Ein Redner, ein gewisser Herr Baum verlangte, daß ein allgemeiner Konkurs ausgeschrieben werde. Dieser Ansicht traten in energischer Weise die Herren Plaschkes und Ob.-Ing. Stricker entgegen, welche es als Gebot der Ehre bezeichneten, daß das von Juden gestiftete Kinderspital auch von Juden ausgeführt werde. Belustigend wirkten die Ausführungen des Kultusvorstandes Dr. Schreiber, der so tat, als ob ihm die ganze Angelegenheit und der Kernpunkt der Forderung, Berücksichtigung aller jüdischen Architekten und Gewerbetreibenden, unbekannt wären. Dieses Spiel mit der Geduld der Versammelten fand durch die ausgezeichneten Ausführungen des Gg. Dr. Weiseng r ü n eine gründliche Zurechtweisung. Am Schlüsse wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 13. Februar 1. J. in der Restauration Guth tagende Versammlung fordert den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde auf, in Beobachtung der Grundsätze einer geordneten Verwaltung sämtliche Wiener jüdische Architekten zur Einreichung von Plänen für den Kinderspitalbau einzuladen und auch bei Vergebung der sonstigen Arbeiten den freien Wettbewerb der jüdischen Gewerbetreibenden zu ermöglichen,“ Rus dem judiftfaen Reden. Dr. Hertz — Chief Rabbi von England. In der Wahlversammlung, die hier am Sonntag, den 16. Februar tagte, wurde Dr. J. H. Hertz, der früher Rabbiner in Johannesburg (Südafrika) war und gegenwärtig in Amerika amtiert, zum Chief Rabbi der großbritannischen Juden gewählt. Neben der besonderen Empfehlung der Wahlkommission, worüber schon früher berichtet wurde, trug namentlich ein Empfehlungsschreiben des bekannten jüdischen Gelehrten Dr. Salomon Schechter, Professors am Jüdisch- Theologischen Seminar in New York, zur Wahl von Dr. Hertz bei. Demission des Gouverneurs von Jerusalem und Ernennung eines neuen Gouverneurs. Der vor kurzem ernannte Gouverneur, Tahar Cliair Aladin Bey, hat nach einer Amtszeit von nur wenigen Tagen bereits demissioniert. Tahar gehört pämlich zu .den eifrigsten Gegnern .der nunmehr wieder ans Ruder gelangten Jungtürken, die er vor seiner Berufung nach Jerusalem in der von ihm begründeten Konstantinopler Zeitung heftig bekämpft hatte. Zu seinem Nachfolger ist Madschid Bey ernannt worden, der in dem Rufe eines vorurteilsfreien und auch den Juden freundlich gesinnten Mannes steht, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der in Konstantinopel als Anhänger antisemitischer Bestrebungen galt. Allerdings wird hier in jüdischen Kreisen, die Gelegenheit hatten, zu dem -Exgouverneur in nähere Beziehungen zu treten, versichert, daß Tahar das Land als Freund der Juden verläßt. Besonders konnte er in den Tagen der Jerusalemer Münzkrisis erkennen, welchen Wert in kritischen Lagen die jüdische Bevölkerung für das Land besitzt. In Privatgesprächen mit Jerusalemer jüdischen .Notabein versprach Tadeine rauschenden Blätter sollen mir von den Zeiten und Dingen erzählen, die über diesen Weg kamen . . . damals, als Israel noch ein Volk war, und das Land Israels sein Land. Der Araber treibt den Esel an und singt ein Lied. Schweig’, arabischer Knecht, schweig’! Stör’ mit deinem eintönig sehnsüchtigen Liede meine Träume nicht . . .! Siehst du den schwarzen Schatten nicht, der sich dort hinter den Oelbäumen verbirgt? Ein Mann ist’s. Sieh sein Gesicht, wenn er es den Sternen zuwendet! Sieh, wie bleich die Stirn sein Antlitz krönt! Silberweiß leuchtet der Bart im Sternenlichte. Sein ganzes königliches Gesicht leuchtet im Sternenlichte. Weißt du nicht, wer es ist? Sieh doch, was er im Reisesack trägt: Ein Oelkrüglein, einen goldenen Spieß und eine Posaune. „Wohin gehst du, Alter, mit deinem Oelkrüglein, mit deinem Spieße und deiner Posaune?“ „Ich gehe, einen König über Israel krönen.“ „Wer ist dein König, Alter, den du krönen willst, in dunkler Nacht, in .Verborgenheit und Einsamkeit?“ „Er ist nicht höher als alles Volk. Ein Knabe ists, ein kleiner-Knabe, ausdem Hause Isais, . kraus und schwarz sind seine Haare, schwarz blitzen seine Augen. Und die Schafe hütet er.-“- Und dort im Felde ist Gibeath Schaul (Saufshügel). Dort ruhen ein Heer und sein König, aus der Schlacht geflüchtet, halb tot und vom Geiste Gottes verlassen. Der Prophet hat Gottes Herrlichkeit vom Berge genommen und trägt