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Jüdische Zeitung · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 8 Klassen eintritt, ob er gegen den Krieg schreibt oder das Recht alles Lebenden auf Genuß und Freude betont — immer glaubt mann zwei grundgütige Augen zu sehen, welche unbekümmert um Vorurteile und überkommene. Meinungen liebevoll und verzeihend jede Kreatur betrachten. Wenn auch Josef Popper kein ausgesprochener Philosoph der Ethik ist, wenn er auch als Universalgenie jede geistige Regung der Menschheit kennt, so ist’s doch nicht der Denker und nicht der Schriftsteller in ihm, die so nachhaltig wirken und zur Liebe und Verehrung veranlaßten. Vielmehr ist es der Priester der Liebe und der Freund aller Leidenden, als welchen sich Popper immer erwiesen hat, die rückhaltlose Verehrung heischen. Josef Popper ist Jude und stolzer Jude. Er steht allen Tagesströmungen fern und nur aus diesem Grunde ist er kein Vorkämpfer für speziell jüdische Fragen. Popper ist aber kein flacher Assimilant und ein im Geiste Fahnenflüchtiger wie viele berühmte Schriftsteller jüdischen Stammes. Daß Popper ein treuer Sohn seines Volkes geblieben, fließt letzten Endes aus derselben Quelle, welche seine .verzeihende Menschlichkeit hervorbringt — aus seinem stolzen und vornehmen Charakter. Die jüdische Presse. Wer den kulturellen Tiefstand jener Juden, die außerhalb des Zionismus sich noch für „jüdische Fragen“ interessieren, kennen lernen will, den laden iwir ein, die jüdischen Zeitungen Woche für Woche durchzugehen, wie wir es pflichtgemäß tun müssen. Mit welchen Dingen sind sie gefüllt! Welche Physiognomie besitzen sie! Es ist wahrhafter Winkelghcttogeist, der aus ihnen spridit und sie können nicht viel anders sein, als ihre Leser sie verlangen. Wäre nicht der Streit um die Richtlinien, der einigen Kampf und einiges Leben in diese Blätter bringt, so wäre ihr Inhalt nichts anderes, als Kille- und Personalnachrichten, Apologetik des Judentums, Aufzählung berühmter Juden, Vereinsjubiläen, und ähnliche interessante Dinge. Da wird in einem Blatt in einem gewaltigen „Brief aus Oesterreich“ die Bezirksvertrefung Hietzing' getadelt, daß sie am Bürgerball nicht eine Weise des Juden Offenbachs spielen ließ, dafür wird mit Genugtuung hervorgehoben, daß die Wiener Sternwarte einen neuentdeckten Planeten zum Andenken an Rothschild „Albert“ nannte, so daß die Erinnerung an ihn am Himmel verewigt sei. Und mit ähnlichen für das Judentum äusserst wichtigen Angelegenheiten werden die Spalten der jüdischen Presse zum großen Teil gefüllt. Daß Judentum und Judcnheit vor einer Schicksalswende stehen, daß der Killestandpunkt nicht mehr ausreicht, um den großen Problemen, welche die heutige Zeit dem Judentum gebracht hat, gerecht zu werden, davon ahnt niemand etwas, der diese jüdischen Blätter zu Gesicht bekommt. Der große Moment findet ein kleines Geschlecht. Oder besser - es findet nur das hergebrachte, unabänderlich sich im Kreise drehende Judentum. Denn das Einzige, um das heute noch ein Kampf in der Kille geht: Orthodoxie contra Richtlinien ist nichts anderes als der alte Kampf der Pharisäer und Sadduzäer. Der Zionismus, die einzige Form des Judentums, die sich an jene großen Probleme wagt, ist für die Kille nichts als eine der vielen „Strömungen“ im Judentum. Daß es für keinen Juden etwas anderes geben kann, als sich für oder gegen ihn zu erklären, das begreifen die sogenannten Führer der- Gemeinde nicht. Eines Tages aber, wenn die Palästinasiedlung größer und die hebräische Renaissance zur Tatsache geworden sein wird, werden sie zu ihrem Erstaunen sehen, wo das Zentrum des Judentums eigentlich ist. Vielleicht werden sie dann selbst die Nichtigkeit all ihrer heutigen Bestrebungen einsehen. Es wird aber wohl zu spät sein. * Die Schwitzhöllen. Durch alle Zeitungen ging die Nachricht, daß in der New-Yorker Konfektionsindustrie ein großer Streik ausgebrochen sei. Doch nirgends stand zu lesen, daß die Arbeiter, welche in dieser Branche in grauenhafter Weise ausgebeutet werden, fast durchwegs-eingewanderte russische Juden sind. Nicht weniger als 80.000 von ihnen stehen in Streik. Bei einem kleinen Teil der betroffenen Firmen sind durch Intervention der jüdischen Gemeinde die Forderungen der Arbeiter bewilligt worden. Angesichts des großen Elends unter den Heimarbeitern, bemüht sich Roosevelt, durch seine Partei im Kongreß eine Minimallohn-Bill durchzubringen. Amerika, die einzige Zufluchtsstätte für die zur Emigration gezwungenen jüdischen Massen ist in Wahrheit nur eine Stiefmutter für diese. Nur durch Arbeit in Branchen, die so schlecht zahlen, daß der amerikanische Arbeiter es verschmäht, bei ihnen Beschäftigung zu suchen, können die Juden ihr Leben drüben fristen. Der jetzige Streik geht um eine nur geringe Besserung ihrer Hungerlöhne, und auch wenn er siegreich beendigt sein wird, werden die Juden" in den New-Yorker Schwitzhöllen kein beneidenswertes Los haben. Die alte wie die neue Welt, sie weisen nur gradweise Abstufungen auf in dem Pandämoniuni jüdischen Massenelends! Die eingeieffenen und die ausländischen Juden in Deutidiland. Am Donnerstag, den 30. Jänner sprach im großen Saale des Curio-Hauses vor einer vielhundertköpfigen Versammlung der Zionistischen Ortsgruppe Ha mbur g-Altona,Herr Rechtsanwalt Dr. Altrea Klee - Berlin über den jüdischen Solid arjfätsge danken unserer‘Z;it. Nachstehend seien die Grundzügc des Referates mitgeteilt: In den allerletzten Tagen beginne man nun, die ausländischen Juden unter den Juden als. etwas Besonderes zu betrachten. .Tn einigen" deutschen (jemeinden’ habe 1 man versucht, ausländischen Juden das Gemcindewahlrccht zu entziehen, ln Duisburg sei dies auch gelungen. Und nun habe auch das Hamburger „Israelitische Famiüenblatt“ beschränkende Sonderbestimmungen für das Wahlrecht ausländischer Juden in Vorschlag gebracht. Wenn die’ Zionisten sich mit dieser Frage befassen, so geschähe es, weil sie als die getreuen Wächter der Einheit des jüdischen Volkes rechtzeitig warnen wollten, daß man nicht einen Schritt mache, den die Kinder und Enkel bedauern würden und der absolut unjüdisch wäre. — Redner wies .auf die verhängnisvolle Spaltung hin, welche der Hochmut der sich besser dünkenden sephardischen (ehern spanisch-portugiesischen) Juden vor Jahrhunderten dem Judentum verursacht hätte und daß erst jetzt /.wischen diesen und aschkcnasischcn (ehern, deutschen, russischen oder galizischen) Juden im Orient dank dem versöhnenden nationalen Gedanken ein Ausgleich stattfinde. An diesem Beispiel solle man gelernt haben, wie ungemein gefährlich cs sei, das Experiment nun durch Aufrichten einer Sehranke zwischen west- und osteuropäischen Juden zu erneuern. Leider sei dem Durchschnitts-westeuropäischen Judender osteuropäische im wesentlichen nicht mehr als ein Objekt gutgemeinter Wohltätigkeitsaktionen gewesen; als man, aber sah, daß das Gros der sich in Deutschland niederlassenden Ausländer konservativen, also den nicht in den Gemeinden herrschenden Anschauungen huldigte und gar mit den Zionisten verhandelte und mit diesen Einfluß ausüben wollte in der jüdischen Gemeinde, da gab es plötzlich eine Ausländerfragc und mit einem Male hatte man zweierlei Juden. Das sei töricht, denn jene Leute, welche diese Schranke aufzubauen im Begriffe sind, denken nicht darüber nach, was sie dem „ausländischen“ Judentum zu verdanken haben. Sei es doch wissenschaftlich unanfechtbar festgelegt, daß der Tag berechnet werden kann, an welchem ohne das regenerierend wirkende „ausländische“ Blut, die deutsche Judenheit atjfr hören würde zu existieren. Die Einheitlichkeit des Judentums sei deshalb unantastbar aufrecht zu erhalten, wie es der Zionismus erstrebt.' Im Zionismus -könne die gesamte Judenheit der ganzen Welt, welcher Sprache, welcher ■ Kultur, welcher religiösen Ueberzeugung sie auch sei, mitarbeiten an der Regeneration und an der Zukunft des jüdischen Volkes. An den mit ungewöhnlich lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Diskussion an, in welcher seitens der Redaktion des Hamburger „Israelifischen Famiiienblattes“ der Versuch unternommen wurde, die Tendenz des im Referat erwähnten „Aus!änder“-Artikels als sich mit den ■zionistischen Bestrebungen deckend hinzustcllen. ■Von zionistischer Seite wurde dem unter Zustimmung der Versammlung in entschiedener Weise entgegengetreten. Mit der Verlesung eines Schreibens Se. Ehr würden des Herrn Oberrabb. Dr. Lerner, welcher die Vorschläge, die Wahlrechte ausländischer Juden zu beschränken; als eine empörende Vergewalfigung bezeichncte, die der Grundlehre der Einheit des Judentums Hohn spräche, wurde die eindrucksvolle Versammlung, die dieser Kundgebung lebhaft applaudierte, geschlossen. L. L. Troppauep Brief. Jüdisches Leben in Troppau! — Daß es so^ etwas gibt, wird vor einem Jahrzehnt noch unglaublich geklungen haben. Denn die Judenschaft Troppaüs „erfreut“ sich des Rufes-, zu den ganz entjudeten zu gehören. Diesem Vcrdammungsurteile gegenüber haben wir Troppauer bisher nur den Trost: „socios habuisse malorum“, daß es unter den Städten Westösterreichs nur wenige gibt, die besser wären. Der Fromme wird mir darin nicht widersprechen — der Nationale aber freudig zustimmen und es anerkennen, daß das moderne, nationale Judentum wenig: Orte kennt, die besser wären als Troppau. Und doch könnten es viele, sehr viele sein, die zumindest so gut sind wie Troppau, wenn es nur mehr Zionisten gäbe in der zionistischen Organisation und weniger „alte Juden“, die — so jung sie sonst sind — nichts kennen als klagen über die Indolenz der -- Andern. Weil die Andern indolent sind, darum machen sie selbst nichts. Doch schließlich, was gellt es mich an, was anderwärts unterlassen wird; ich will darüber schreiben, was in Troppau geschieht. Unter „Troppau“ verstehen wir — Sie und ich — in erster Reihe den „Jeschurun“. Dieser lebt und ist unberufen ge- Ein Schwarzer nach Tisch macht munter und frisch! Die Untersuchungen von Professor Hollingworth haben erwiesen, weshalb es so ist. Wenn Sie sich dafür interessieren, wie man der Ermüdung nach den Mahlzeiten entgeht, so lesen Sie die kleine Broschüre: „Winke für Feinschmecker“ Gratis erhältlich in allen Geschäften der Firma JULIUS MEINL Gegr. 1862. LEBENS - VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. 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