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Jüdische Zeitung · 1913-02-14 · 7 (14.2.1913) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Das Jubiläum Oer „Kaöimah.“ . Die anläßlich des 30semestrigen Stiftungsfestes veranstalteten Feierlichkeiten nahmen am 27. v. M. mit einem Begrüßungsabend ihren Anfang. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete ein glänzender Festkommers. Nach der Begrüßungsansprache des Präses der „Kadimah“. Herrn Baltinester, folgte eine Anzahl von Ansprachen, in welchen die Bedeutung der „Kadimah“ gewürdigt wurde. Der erste Redner, Herr Felix Salten, hielt die Festrede: Es gab eine Zeit, da sahen wir um uns nur Menschen auf der Flucht von den eigenen Wurzeln und vor dem eigenen Blute, und noch immer erkennen viele nicht, daß es im Leben nicht darauf ankommt, etwas zu spielen, sondern den Weg zu sich selbst zu finden. Heute ■fragen wir nicht mehr danach, ob der Jude, der sich von sich selbst lossagt, eine tragische oder eine lächerliche Figur ist, denn wir haben unter all dies einen dicken Strich gezogen, seitdem Theodor Herzl uns eine Heimat des Geistes gab und eine Heimat des Blutes. Die weiteren Redner waren der Ehrenbursch <ler Verbindung, Gg. Dr. Schalit, Gg. Generalsekretär Blumenfeld, die Gg. A. H. der „Kadimah“, Reich, Dr. Bernhard, Gg. B a t o, sowie Vertreter der erschienen Korporationen. Ueberaus eindrucksvoll war der Besuch am Grabe Herzls. Ungefähr 300 Studenten hatten sich am Eingänge des Döblinger Friedhofes versammelt und bewegten sich in stummer Ehrerbietung unter Vorantragung eines mächtigen Kranzes in der Farben der „Kadimah“ zu Herzls Gruft. Das Mitglied der „Kadimah“ stud. Mandl trat vor und erneuerte mit folgenden Worten den Treueschwur seiner Verbindung: „Wir erneuern den Schwur, den du jedem jungen Kadimahner abnahmst, wenn er das Band anlegte. Wir wollen vorwärts und ostwärts ins Ahnenland, und voran tragen wir den herrlichsten aller Kadimahner, unseren toten Fürsten Theodor Herzl . . .“ Freitag, den 31. Jänner fand die Festkneipe statt. Bei dieser Gelegenheit wurde namentlich vom Präses Bai t inest er die Notwendigkeit eines Zusammengehens aller studentischen Korporationen betont. Die Feierlichkeiten wurden am Sonntag, den 2. Februar durch einen Ausflug auf den Kobenzl beschlossen. Albanien und Palästina. Die Großmächte haben beschlossen, daß .aus Albanien ein selbständiger Staat gtebildet werde. Zu einem guten Teil hat das Gerechtigkeitsgefühl diesen Beschluß hervorgerufen: „Der Balkan den Balkanvölkem“, also: den Albanern das albanische Sprachgebiet. Die Großmächte leisten Bürgschaft, daß den Albanern ihr Recht wird. Unwillkürlich drängt sich jetzt die Frage auf: Was ists mit Palästina? Ist Palästina nicht ebenso die Heimat der Juden wie Albanien die der Skipetaren? Wäre es nicht ebenso gerecht, den jüdischen Staat wieder aufzurichten? Ist nicht die Losung: „Das Judenland den Juden“, ■ebenso überzeugend, wie die Parole: „Der Balkan den Balkanvölkem?“ Es kann kein Zweifel darob herrschen, daß die zionistische Forderung begründeter ist, denn der Einwand, die Juden hätten ihr Land verlassen und dadurch ihr Besitzrecht verloren, ist unstichhältig. Nach sogenanntem Kriegsrecht ist es einzig die Niederlage, welche ein Volk seines Staatsrechtes beraubt; und die Albaner sind ihren Feinden ebenso unterlegen, wie die Juden dem .römischen Weltreich. ■ Nach Menschenrecht und göttlichem Gesetz ist aber jede Vergewaltigung Unbill: die Unterjochung der Albaner in ihrem eigenen Land geradeso [wie die Vertreibung der Juden aus Palästina. Wenn das Volk, dem das Ungemach widerfahren ist, sich in seiner Identität erhält, ist die Möglichkeit gegeben, das an ihm begangene Unrecht wieder gut zu machen. Die Gegner des Restaurationswerkes werfen meist die Frage auf, ob denn das Volk wert sei, ein selbständiges Staatswesen zu bilden, und geben selbst eine verneinende Antwort. So heißt es, die Albaner hätten keine staatsbildende Kraft, die Juden hätten keine politische Begabung. Doch da ist zweierlei auseinander zu halten: Die politische Anlage und das politische Geschick. Denn was kann die höchste staatsbildende Kraft einem kleinen Volk nützen, wenn Weltreiche mit zwanzigfach überlegenen Truppenmassen ins Land einbrechen? Das Unglück der Albaner und der Juden war, daß ihr Land inmitten imperialistischer Staaten lag. Immerhin haben idie Juden in den jahrhundertelangen Kämpfen gegen Aegypten, Babylonien, Assyrien und Rom länger ihre Unabhängigkeit zu erhalten vermocht, als die Skipetaren. Ein historisch bedeutsames Staatswesen hat . Albmiien (Epirus) nur (unter König Pyrrhus geBildet, der seine Waffen (sogar nach Italien trägen konnte, wo er freilich nach hartnäckigem Kampfe von den Römern geschlagen wurde. Das war im Anfänge (des dritten Jahrhunderts v. h. Hundert Jahre später war Albanien römische Provinz, nachdem es zuvor von den Makedoniern unterworfen worden war. Nach dem Zerfall des römischen Reiches wechselten Germanen, Bulgaren, Byzantiner und Serben im Besitz Albaniens, (bis ,es endlich vor 500 Jahren unter türkische Fremdherrschaft kam. Welch anderes Bild bietet die jüdische Geschichte! Trotz der unaufhörlichen Kriege mit den damals weltbeherrschenden Mächten Aegypten (und Mesopotamien konnte das Israelitischjüdische Reich — von den Zeiten freien Nomadentums abgesehen — durch volle fünf Jahrhunderte seine vollkommene Unabhängigkeit bewahren (1250—750). Hierauf folgte eine lose Oberhoheit, eine Suzeränität, keine Souveränität der Assyrer durch 80 Jahre, und wiederum durch mehr als zwei Jahrzehnte völlige Freiheit Erst um 600, als die Babylonier das Judenland unterwarfen, (begann eine Zeit der Zwingherrschaft, die (aber schon 537 ein Ende hatte, denn die persische Regierung behandelte das jüdische Volk wohlwollend und unterstützte sogar alle Bestrebungen, fdie auf die Wiederherstellung der von (den Babyloniern zerstörten Hauptstadt Jerusalem und deren national-religiöse Kulturstätte abzielten. ^Ebenso Wie unter persischer Herrschaft, war auch unter Atexander, unter den Ptolemäern und unter den Seleuziden bis 170 v. Ch. das Judenvolk in allen inneren Angelegenheiten völlig freu Ja, als der Versuch gemacht wurde, ihm die Religion und damit die nationale Kultur zu nehmen, erhob sich das ganze Volk unter der Führung der Makkabäer, befreite idas Land und errichtete einen unabhängigen jüdischen Staat, dessen politische Bedeutung man daran ermessen kann, daß er die erste Macht in ganz Asien war, mit wetcher das 'römische Weltreich ein Bündnis schloß. Ueber hundert Jahre währte die neuerliche Unabhängigkeit; dann begann der Kampf mit Rom. Ueber zwei Jahrhunderte dauerte das heldenmütige Ringen mit dem Imperium, 71 n. Ch. wurde Jerusalem erobert, 135 der letzte Aufstand unter Barkochba erstickt. Wie viel bedeutsamer ist die politische Geschichte der Juden als die der Albaner! Von der Kultur ganz zu schweigen. Die albanische Literatur feichf~fmf UTren düPftigSten Anfänge*! kaum über anderthalb Jahrhunderte zurück, während bei den Juden zweifellos schon um 1000 vor unserer Zeitrechnung Schriftwerke, wie die Sagen über die Weltschöpfung und die Patriarchen, .sowie die Geschichte des Volkes seit dem Auszug aus Aegypten vorhanden waren. Zusammen (mit den Werken der späteren Jahrhunderte, den Psalmen und den Propheten bilden diese Schriften geistige Großtaten, die der Menschheitsgeschichte angehören. Wenn also den Albanern' von den Großmächten die Unabhängigkeit wiedergeschenkt wird, so ist dies ein Akt der Gerechtigkeit, der aufs wärmste begrüßt werden muß. Die Albaner sind eines selbständigen Staatswesens würdig, denn sie haben ihr ’ Volkstum unter den schwierigsten Verhältnissen bewahrt. Aber mehr noch als ihnen gebührt den Juden die Wiederaufrichtung ihres Staates, nicht nur weil sie trotz ungünstigeren geographischen Bedingungen länger ihre Unabhängigkeit und unter Oberhoheit ihre innere Selbständigkeit behauptet haben, sondern weil sie eine unvergleichlich höhere Kultur hervorgebracht haben als die arnautischen Felsbewohner. An die Gerechtigkeit der Großmächte sei apelliert, daß sie jetzt, da das türkische Reich zusammenbricht, zugleich mit der albanischen auch die Palästina-Frage einer Lösung Zufuhren. Die Juden verlangen, keine völlige Staatshoheit, si'e begnügen sich mit der Autonomie unter türkischer Obe|rherrschaft. Ein innerlich gefestigtes jüdisches Gemeinwesen in Palästina wäre"* aber ebensöwohl fm Interesse der Türkei, die sich reorganisieren will, als im Interesse der Großmächte zu begrüßen. Um den Preis Albaniens würden sich zwei Großmächte — Oesterreich-Ungarn und Italien — bis aufs Blut bekämpfen; indem sie aber beide darauf verzichten und dgir Albanern selbst Autonomie zusichern, haben sie einen Zankapfel aus der Welt geschafft. Um1 Palästina würde England jeden Krieg wagen,, wenn eine europäische Macht, sei es Frankreich oder Deutschland, die Hand ausistreckt. Auch hier wäre dem Frieden am besten gedient, wenn eine neutrale Macht, unabhängig von allen europäischen Staaten, das Land besäße, unter türkischer Oberhoheit, andernfalls das Osmanenreich völlig zertrümmert wird, in voller Selbständigkeit. Mögen die Botschafter der Großmächte, die gegenwärtig in London beraten, in dieser Richtung der Türkei Ratschläge erteilen! Sie würden im Sinne der Gerechtigkeit wirken und im Interesse des europäischen Friedens! Dr. S. K. Hus dem iüöiidien Reben. Fortschritte des Turnwesens in Palästina. Jaffa. Die Hoffnungen, die man vor einigen Monaten an die erste Konferenz der palästinensischen Turnvereine geknüpft hatte, daß sie zu einer Ausdehnung des Turnwesens unter der palästinensischen Judeniheit beitragen werde, sind in Erfüllung gegangen. Schon jetzt zählt der Turnverband „Makkabi“ nicht weniger als 11 Vereine, und zwar in Jerusalem, Jaffa, Beirut, Pefhach-Tikwah, Rischon Le-Zion, Rechoboth, Neß-Zionah, Gederah, Ekron, Sichron-Jakob und Rosch Pinah. An anderen Orten sind neue Turnvereine im Entstehen begriffen. So hat beispielsweise Herr Dr. Elias Auerbach, Arzt in Haifa, früher ein aktives Mitglied des Berliner Turnvereins „Bar-Kochba“, seine Mitarbeit für einen in Haifa zu gründenden Turnverein zugesagt. Ein anderes ehemaliges Mitglied ded „Bar-KoChba“, Herr E. Herrmann, wirkt in Jaffa und den benachbarten Kolonien für die Entwicklung der TurnsaChe. Besonders erfreulich ist der Erfolg des Jaffaer Turnvereins, dem es gelungen ist, die verschiedensten Elemente der Jaffaer jüdischen Bevölkerung: Aschkenasim, Sephardim und Jemeniten, an seinen Turnabenden einträchtig zu versammeln. Der Vorstand des Turnverbandes .Makkabi“ hat beschlossen, periodisch Zirkulare über die Turnbewegung in Palästina herauszugeben, in denen die Berichte der einzelnen Turnvereine sowie Aufsätze über verschiedene turnerische Fragen veröffentlicht werden sollen. In Jaffa hat der Turnverein eine eigene Lesehalle eröffnet, in der die Mitglieder auch Unterricht in der hebräischen Sprache, in der jüdischen Geschichte usw. empfangen. Der Jerusalemer Turnverein erhielt anläßlich der Anwesenheit des Herrn Ussischkin, Vorsitzenden der Chowewe Zion, ein Darlehen von dieser Gesellschaft zwecks Anschaffung von Turngeräten. Neben dem Turnen der Erwachsenen hat auch der Turnunterricht in den Schulen Fortschritte zu verzeichnen. Ueber „Das Schulturnen vom medizinischen Standpunkte“ hielt kürzlich Dr. Moscowitz aus Rechoboth ein Referat in der jaffaer „Jüdisch-Medizinischen Gesellschaft“. Außer den Aerzten waren auch die Leiter des HebräisChen Gymnasiums, der Mädchenschule, der Schule des Hilfsvereins der deutschen Juden, sowie die Turnlehrer dieser Schulanstalten anwesend. Nach längeren Verhandlungen wurde folgende Resolution gefaßt: 1. Das Schulturnen ist sowohl für Knaben als für Mädchen eine Notwendigkeit als Hilfsmittel zur Hebung der Gesundheit der Schüler. Deshalb muß der Turnunterricht in sämtlichen Schulen als obligatorisch gelten. 2. Die Schüler und Schülerinnen sollen jedes halbe Jahr von einem Arzte untersucht werden, damit diejenigen, denen das Turnen gesundheitlich unzuträglich ist, auf Anweisung, des Arztes vom Turnen befreit werden. * Das amerikanische Einwanderungsgesetz vor dem Senat. N e w y o r k. Dank dem energischen Protest des American Jewish Committee und anderer . Organisationen wurde die unhaltbare Bestimmung/ der neuen Einwanderungsvorlage, wonach Einwanderer Führungsatteste von den Bcnörden ihres Herkunftslandes vorzeigen müssen, aus dem Gesetzentwurf gestrichen. Das Haus der Volksvertreter hat nun die Vorlage dem Senat zu letzter Lesung überwiesen. Es steht zu hoffen, daß dieses Gesetz, das von weittragender Bedeutung für die jüdische Einwanderung nach Amerika ist, im Senat nochmals gründlich revidiert wird, bevor es dem Präsidenten Taft zur Bestätigung zugeht. Enthält ja die Vorlage auch nach Streichung der verfänglichen Klausel noch eine Reihe gravaminöser Punkte, besonders in Bezug auf die Ausschließung von Analphabeten. Da dem Wortlaut der Vorlage entsprechend nur solche ePrsonen von der

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