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Jüdische Zeitung · 1913-02-07 · 6 (7.2.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ke'-’** Seite 4 diesem seit Jahrhunderten vom Geschrei der kämpfenden Parteien widerhallenen Gebiet zu bewahren gewußt hat. Es wird das Standardwerk des ganzen Zeitalters über Juden und Judentum bleiben.“ ,.Die wunderbare Schilderung der jüdischen Fami- 1 i e, wie sie Sombart gibt, eine Schilderung, wie ich sie kaum je von einem Nichtjuden in so reiner und unverhohlener Anerkennung gehört oder gelesen habe, für die wir ihm von Herzen dankbar sein müssen.“ ,.Sombart ist newiß kein Antisemit, und er verfolgt mit seinem Werke die besten Absichten.“ „Ich sehe den großen Wct seines Buches in der außerordentlichen Fülle von Anregungen zum Nachdenken und zur Weiterarbeit, die er uns in reichem Maße bietet. So kann ein wissenschaftliches Werk oft durch seine Fehler und Ve-s*öße bedeutsam werden, indem es die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Gebiet lenkt, die Diskussion gewissermaßen eröffnet und so noch durch seine Irrtümer die Bahn für die Wahrheit frei (macht.“ Die angeführten Stellen beweisen zur Genüge, wie frivol und gewissenlos unsere antizionistischen Juden werden können und wie sie auch die niederträchtigste Lüge nicht verschmähen, wenn es gilt, dem jüdischen Nationalismus eins am Zeuge zu flicken. Der eigene Gewährsmann enthüllt ihren frommen Betrug! uns dem iüöifdien beben. Antisemitische Agitation m Ostgalizien. Lemberg. Unter der La"dbevölkerung in Os+o-ahzien waren zur Zeit, als der österreichischserbische Ad-ia-Ko"f'fkt ausbrach, wilde Gerüchte verbreitet, wonach ei” Kne'r mit Ruß- 'and U'imit+e'bar bevo-ste'l’e. nie Jüdischen Landbewohner flüchteten in die S+ädte, wodu-ch die ohnehin grone Not (Ter ansässigen Bevölkerung erhöht wu"de. Di“ massenhafte Landflucht der iüdisthen Dorfbevölkerung wurde hauptsächlich dadurch hervomerufen. daß die russophilen Elemente der ru+heriscben Bevölkerung von pans'awis+ischen Agitatoren g.enen die Juden und flo’en aufgeh“tzt wurden. Man drohte den Dorfiuden mit Pogromen, verweigerte die Ein'ösung der b“i Juden ho-’t-abierten Schulden, ia man nahm ihnen vielfach, ohne daß sie Widersnmch zu erheben gewant hätten. ihre Warenvorräte weg. Die Regierung tat ihr Möglichstes, um Ordnung zu schaffen und die Unruhe und Erregung zu bannen. Doch mußte sie in Anbe-. tracht der bedrohlichen Stimmung von scharfen Maßnahmen abs“hen. we'che die Reunmhigunn nur gesteigert hätten. Nunmehr ist wohl die Krieosfu-cht gewichen, aber die wilden Instinkte der irregeleiteten Bevölkerung sind noch nicht beruhigt. Namentlich im Nordosten des Landes treten bedauerliche Erscheinungen zutage. Vor einigen Ta^en wu-den einige Bauern wenen ihres “v^essiven. antisemitischen Benehmens verhaftet. Die jüdische Presse Galiziens betont, daß der Antagonismus zwischen der chris“iciien und jüdischen Landbevölkerung künst'ich dmch unverantwortliche Pogroma<titation heraulbeschworen wurde und zu einer Kalamität geworden ist, die leicht das ganze Land in ernste Sorge zu se+zen vermag. Fs wird darauf hingewiesen, daß m’n die Schlichtung der Gegensä+ze nicht lediglich der Regierung überlassen dürfe. Vielmehr sei es die vornehmste Pflicht der ruthenischen politischen Führer, aufklärend zu wirken und ihre "Volksgenossen vor 'den antisemitischen 'Agitatoren zu warnen. Es besteht die Hoffnung, daß dieser Aon eil an die ru+h“nischen Führer sein Ziel nicht verfehlen wird. * Judenverfolgungen in Südarabien. Jaffa. Jüdische Flüchtlinge aus Sanaa, der Hauptstadt des Jemens, die vor kurzem in Jaffa eintrafen, schildern die anarchischen Zustände die dort platzgegriffen haben und unter denen in erster Reihe die Juden zu leiden haben, in den schwärzesten Farben. Ueber die Ermordung des Schwagers des Chachambaschi in Sanaa, worüber schon früher berichtet wurde, erzählen siefolgendes: Der F.-rnordete hatte eine Schuldfordcrung an einen dortigen Mos'im und verklagte ihn beim Gericht. Der Beklagte erschien jedoch nic^t zum Termin. Daraufhin (ting Wohnung seines Schuldners, um ihn durch Bitten der Gläubiger, Jebudah ben Sulaiman. in die zur Zahlung der Schuld zu bewegen. Der Moslim erklärte wutentbrannt, daß der Jude nicht mehr lebend sein Haus verlassen würde und JÜDISCHE ZEITUNG er drosselte ihn in bestialischer- Weise. Der Mörder ist nicht einmal zur Rechenschaft gezogen worden und befindet sich; auf freiem Fuße. Welche Bestürzung sich der jüdischen Bevölkerung angesichts dieses Vorfalles bemächtigte, kann man sich leicht ausmalen. Es fehlt überhaupt nicht an täglich neuen Gewalttaten, die den Juden in Nordjemen das weitere Verbleiben im Lande als unmöglich' erscheinen lassen. Daß alle alten „gesetzlichen“ Bedrückungen wieder in Kraft getreten sind, wurde schon berichtet. In letzter Zeit wurde auch die früher von der türkischen Regierung subventionierte Talmud- Thora-Schule (in der auch Türkisch und andere profane Gegenstände gelehrt wurden) von dem Vertreter des Imam Jachia geschlossen. Es gab bisher einen einzigen jüdischen Beamten in Sanaa. Er wurde jetzt mit Schimpf und Schande aus dem Amte verjagt und mußte fliehen, um sein Leben zu retten; Die jüdische Gemeinde in Sanaa, die ca. 3000 Seelen zählt und wegen der dort von altersher herrschenden hohen jüdisch-religiösen Bildung bei der ganzen jemenitischen Judenheit in höchstem Ansehen steht, erwartet jetzt in ihrer namenlosen Not Hilfe und Rettung von den großen jüdischen .Hilfsorganisationen Europas. Die Flüchtlinge, die in Jaffa einftrafen, haben in der jüdischen Ackerbau-Kolonie Rechoboth Arbeit und Unterkunft gefunden. *’ Gründung einer Landarbeiter-Siedlung bei Rischkm Le-Zion. Aus der Kolonie Rischon Le-Zion wird geschrieben: Dienstag, den; 6. Sdiebat (14. Januar) wurde in nächster Nähe von Rischon le-Zion der Grundstein zu einer neuen Landarbeitersiedlung geleert. Der Boden dieser Siedlung umfaßt 300 Dunam und wurde vom Odessaer Ko- . mitee der Chowewe Zion erworben. Die Sied- ‘ lung wird den Namen „Nacäfalath Jebudah“ tragen, zum Andenken an > Dr. Jebuda Pinsker, den Verfasser des Buches „Autoemanzipation“ und ersten Vorsitzenden der russischen Chowewe Zion-Gesellschaft (geboren am 24. Dezember 1821. gestorben am 9. Dezember 1891). Die neue Siedlung Nadialath-Jehudah wird entsprechend den vorhandenen Bedürfnissen drei Kategorien von Siedlern aufweisen r Zunächst die selbständigen Landarbeiter, deren Bestreben es ist, durch 'intensive Bewirtschaftung einer kleinen Bodenf'äche ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Ansiedler erhalten Parzellen von ie 7 Dunam. Die zweite Kategorie bilden Handwerker und Arbeiter der Weinkellereien in: Rischon, denen es hauptsächlich auf einen Bauplatz und ein Stückchen Gemüseland ankommt Die dritte Kategorie bilden die Jemeniten aus Rischon, ca. 30 Fami'ien, für die''60 Dunam reserviert wor- ■ den sind. •. An der Feierlichkeit der Grundsteinlegung, : die in Anwesenheit des' Herrn Üscischkin s+att- fand, nahm nahezu die ganze Bewohnerschaft der Kolonie Rischon Le-Zion. sowie viele Vertreter der Nachbarkolonien und zahlreiche Gäste : aus Jaffa teil. Nach Absingung der „Hatbfkwah“ begrüßte Herr Lubmann im Namen der Kolonie Rischon Le-Zion Herrn Ussischkin und die anderen Gäste, worauf ein ,.EI mole rachamim“ für Pinsker, Herzl und Witkin rezitiert wurde. Darauf hielt Herr Ussischkin eine Ansprache im Namen des Odessaer Komitees, in der er ein Bild von dem Wirken Pinskers entwarf und der Mutterkolonie Rischon zu der neuen Siedlung gratulierte. Weitere Ansprachen hielten Eisenberg, Barsilai, Disengoff, Scheinkin und Vertreter der Arbeiterorganisationen. An Baron Ed- : mund Rothschild in Paris, den großherzigen Förderer des palästinensischen Kolonisationswerkes, wurde ein Begrüßungstelegramm abgesandt. Die jüdischen Wächter begleiteten darauf die Gäste zu Pferde bis zur Jaffaer Chaussee. * Die Assanierung Prags und das Prager Ghetto. Dem Abgeordnetenhause wurde Dienstag, den 28. v. M. die Regierungsvorlage betreffend die Abänderung der Bestimmungen über die Enteignung zum Zweck der Regulierung des Assanierungsrayons der königlichen Hauptstadt Prag vorgelegt. Zum Zweck der Regulierung des Assanierungsrayons der Stadt Prag wird der Stadtgemeinde Pra«- bezüglich der im Assanierungsrayon befindlichen Liegenschaften das Enteignungsrecht eingeräumt. — Dem Motivenbericht ist zu entnehmen: In Anbetracht der unbedingten Notwendigkeit der Assanierung der Josefstadt und von Teilen der Altstadt und Neustadt in Prag wurde der Stadtgemeinde Prag durch das Gesetz vom Jahre 1893 Für die Dauer von 10 Jahren das Enteignungsrecht ein- Nr. 6 geräumt. Das Gesetz vom Jahre 1903 verlängerte die Frist zur Ausübung des Enteignungsrechtes der Gemeinde bis zum 7. April 1913 und änderte die Grenzen des Assanierungsrayons der Neustadt ab. Die Stadtgemeine Prag ist nun um eine weitere Verlängerung dieser Frist um 10 Jahre, das ist bis zum 7. ApriE 1923, eingeschritten.' Nach dem vom Stadtverordnetenkollegium beschlossenen neuen Lageplan bleiben von der Regulierung unberührt: der alte Judenfriedhof, die St. Niklaskirche, das jüdische Rathaus und die angrenzende Synagoge, die alt-neue Synagoge, das Haus K.- Nr. 930 am Altstädter Ring, die St. Salvatorkirche, die Heiligengeistkirche und die ihr gegenüberliegende Synagoge, die Volks- und Bürgerschule gegenüber der Kirche der Barmherzigen Brüder und diese Kirche, das Haus K.-Nr. 915 in der Ziegengasse und schließlich die St. Kastuluskirche. Aus diesem Entwürfe geht hervor, daß die Stadtgemeinde Prag ihren ursprünglichen Plan, die berühmten historischen Denkmäler des Prager jüdischen Ghettos der Asanierung zu opfern, fallen gelassen hat. Diese Nachricht wird namentlich in jüdischen Kreisen große Genugtuung hervorrufen. * Die Juden in Serbien und den neueroberten 'Gebieten. In Serbien leben etwa 7.500 Juden. Verhältnismäßig sind sehr viele Juden eingezogen worden, aus Belgrad, wo unter 92.000 Einwohnern 5600 Juden leben, allein 670. Sehr viele davon sind bei der Miliz, sie sind also nicht direkt auf den Kriegschauplatz entsandt worden. S c h ab a d s, 30 bis 35.000 Einwohner, 250 Juden, 35 Soldaten; P i r o 11, 30.000 Einwohner, 350 Juden, 32—35 Soldaten; Pozarewats, 25.000 Einwohner, 150 bis 200 Juden, 30 jüd. Soldaten: diese Stadt hat infolge des Krieges von Belgrad her verhältnismäßig die meiste Un+erstützung haben müssen; Seskowats, 20.000 Einw-, 150 bis 200 Juden, 20 jüd. Soldaten; vereinzelte jüdische Familien in Kruschewats, Jagodina, Waljewo, Saidschar. Die von Serbien eroberten Städte, in denen Juden wohnen, sind folgende: * N o v ib a z a r. vor dem Kriear viel durch Arnau+en gelitten. 6000 bis 7000 Einwohner, 40 bis 50 jüd. Familien, im Kriege nicht; Prischtina, 15.000 bis 20.000 Einwohner, 60 jüdische Familien, vor dem Kriege ebenfalls un+er Artnauten sehr gelitten, im Kriege nicht; Kumanowo, 10.000 Einw., 10 jüdische Familien, nicht gelitten, bei Kumanowo blutige Schlacht; in S j a n i t z a und F er i so witsch ca. 5 bis 6 jüd. Familien; in Mitrowitza etwa 10, nirgends Juden geschädigt. Ebenso nicht , in U e s k u e b, 60.000 bis 70.000 Einwohner, über 2000 Juden. Die Reichen waren nach Saloniki geflüchtet und sind jetzt zurückgekehrt. Viele zum türkischen Heer ausgehoben; dort waren auch viele türkische iüdische Soldaten aus Saloniki, die beim Rückzug abgeschnitten, hier blieben, un+erstützt werden mußten und später nach Saloniki heimkehrten. Durch direkte Kriegsschädigun°r haben die Juden Ueskuebs nicht gelitten. Hilfe von außen scheint nicht notwendig. Monastir, 90.000 Einwohner, 12.000 Juden, ca. 30 bis 40 waren zum türkischen Heer ausgehoben. * Eine Enzyklopädie des Judentums Sn hebräischer Sprache. Petersburg. Unter der Redaktion von J. B. Markon wird hier Anfang 1914 der erste Band einer fünfzehnbändigen Enzyklopädie des Judentums Jn hebräischer Sprache erscheinen. Diese hebräische Enzyklopädie, die bestimmt ist, eine empfindliche Lücke in der hebräischen wissenschaftlichen Literatur auszufüllen, hat sich die Mitarbeit der hervorragendsten jüdischen Gelehrten Europas gesichert. Von nichtjüdischen Orientalisten, die ihre Mitwirkung an dem bedeutsamen Werke zugesagt 'haben, seien Prof. Nöldeke (Straßburg), Prof. Cornill (Halle) und Prof. Strack (Berlin) genannt. Der Abonnementspreis für den einzelnen Band der Enzyklopädie (30 Druckbogen) beträgt in Deutschland 15 Mk.. ——- * Die Juden auf den Philippinen. Manila. Auf den Philippinen leben gegenwärtig etwa 3000 jüdische Familien, die meist aus Rußland stammen. Sie sind größtenteils Kaufleute und Handwerker und haben es bisher noch nicht zu einer regelrechten Gemeindeorganisation gebracht. Von einem jüdischen Zusammenleben, wie es in anderen Einwamdjerungsländem so charakteristisch zutage tritt» ist hier nichts zu merken. Nur an den hohen jüdischen Festtagen vereinigen sich größere Gruppen von Juden zu einem gemeinsamen Gottesdienst. Fabriks-Marke. &0.-&Z78V, *.'***-. jr-

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