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Jüdische Zeitung · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 jfaDlSCHE ZEITUNG Nr. S beit in Palästina macht Wir .sagen ihnen und mit Recht, welch segensvolle Wirkung wir dadurch hauptsächlich für die Zukunft erzielen und vergessen, daß die große Masse dieser Mitglieder Leute sind, die im schweren Daseinsikampf stehen, die' mit des Tages Sorgen zu tunhaben und deren Idealismus auf die Dauer nicht tragfähig genug ist, um allein die ganze Last des Baues zu stützen. Da möchte ich mir gestatten darauf hinzuweisen, daß es einer vollkommenen Regeneration unseres inneren Vereinslebens gleichkäme, wenn es gelänge, unseren Vereinen neben dem1 rein ideellen auch ein wirtschaftlich-persönliches Interesse zu geben. Wenn de Menschen nicht nur von der Zukunft hören, Wenn sie nicht über alle Feinheiten in den Differenzen der theoretischen Anschauungen und Ideen Mathias Achers und Achad Haams gelangweilt werden, sondern wenn sie auch sehen würden, daß in den Verein zu gehen für sie selbst eine Erleichterung ihrer täglichen Sorgen bringt dann werden wir weiter kommen. Wir müssen etwas Aehnliches schaffen wie Gewerkschaft und politische Organisation. " Wo immer man an das Problem des Zionismus rührt, eröffnen sich unendliche Möglichkeiten, erschließen sich neue Arbeitsgebiete, die, wenn Arbeit Segen ist, Segen schaffen. Doch um solche Arbeit nicht nur zu projektieren, sondern auch auszuführen, dazu bedarf es der genteinsamen Arbeit aller. In erster Linie wende ich midi an die studierende Jugend. Sie, die hoffen darf, das gelobte Land unserer Väter nicht nur zu erarbeiten, sondern auch, zu erleben, hat die Pflicht, ihr ganzes Sein und Können für jene einzusetzen, die ihr Glück hur mehr in der selbstlosen Arbeit für Palästina erhoffen können. Von der studentischen Jugend fordern wir, daß sie ohne Rücksicht auf Tneoreme und trennende Momente ihre ganze Kraft in den Dienst unserer Sache stellt und daß es ihr auch stets vorschwebe, daß bei dem1 großen Ziel, Erez Jisrael wieder dem Judentum, zu gewinnen, keine hohe und keine niedere' Arbeit gibt Jede Arbeit ist gleich wertvoll, jede gleich ehrenvoll, geheiligt durch den Endzweck, die Erlösung des Judentums. Pie studentische Jugend ist nicht um ihrer selbst willen da. Das Volk ruft sie und sie hat diesen Ruf zu hören. Ihre internen Streitfragen werden automatisch enden, wenn die Arbeit für die Nation beginnt Man sagt von den Ostasiaten, daß ihr Hauptuntersthied gegen uns Menscheg der westlichen Kultur darin besteht daß sie unpersönlich fühlen, daß sie nicht das Empfinden haben, Individuum zu sein, sondern als Individuum nur Teil des Ganzen. Ich weiß nicht ob diese Idee bis zum" Extrem getrieben wirk’ich segensvoll wirken .kann und ob -nieht der‘Stillstand Chinas die’ verhältnismäßig geistige .Unproduktivität Japan, das'ia hauptsächlich rezeptiv ist . auf diese Unpersönlichkeit zurückzuführen ist Das eine aber weiß ich: wenn diese Anschauung vom Wesen des Os+asiaten richtig ist, dann sind wir Juden das absoluteste Widerspiel derse’ben. Denn der Grundfehler unserer Golus-Existenz, dei Hemmschuh unserer nationalen Entwicklung war, daß der Jude zuviel Individualismus hatte. Im Zionismus ist uns allen einen derart überwältigende Idee gegeben, daß man sie in ihrer Wirkung mit der Lehre Buddhas vergleichen kann, daß die Individualität wenn auch nicht aufgegeben, so doch zurückgedrängt wird. Wi» alle haben uns in das Ganze elnzuffigen, in diese große Idee, die hier in Wien von Herzl ihre Form als demokratisches modernes Judentum' erhielt Dann werden wir nicht mehr sein, ich und du, sondern wir, das Judentum. Oie HierüsoIgmitaniScbe Stiftung. Der. Antrag der Wiener zionistischen Kultusyorsteher auf Einsetzung einer Palästinak.ommission, welche dem1 Kultusvorstand angegliedert werden solle, mag manchem, dem die Geschichte der Juden unbekannt geblieben, fremd geklungen haben, und als das Verlangen nach einer umstürzenden Neuerung erschienen sein.*-Und doch ist es nicht viel länger als ein halbes Jahrhundert her, daß der Wiener Kultusvorstand aus den durch Frau v. Herz gestifteten Geldern zu Jerusalem die Lämelschule errichten ließ, die bis zur Stunde — wenn auch , mit Hilfe des Hilfsvereines der deutschen- Juden — segensreich fortgewirkt hat Weit weniger bekannt — wahrscheinlich sogar vielen Kultusvorsteh era völlig unbekannt — ist eine zweite Schöpfung jener innigen ' Palästinaliehe, wie sie vor Zeiten in den Herzen auch der führenden Wiener Juden geglüht hat, nämlich die Hierosolymitanische Stiftung. Diese- Stiftung,, populärer auch Wölf-Wertheimer Stiftung genannt, ist infolge Entschließung Kaisers-Franz I. vom 24 Februar' 1801 am 8. August 1808 konstituiert worden. 'Ihr Fonds stammt aus Almosengeldern, welche von verschiedenen „Guttätern jüdischer Nation“, teils Inländern, teils Ausländern, in. den Jahren 1723 und 1724 (also unter Kaiser Karl VL) bei dem Wiener Bankier. Wolf .Wert-, heimer für die arme Judenschaft ia Jerusalem. Hebron* lind- Safeä zusaramengetrfgen wordepwar. Als das Geschäft Wertheimers, ins Stök- ' ken geriet, wurde dieser Fonds vom Hofmarschallamt in Verwahrung genommen und bis zur Konstituierung der i Stiftung beim n.-ö. Provinz-Zahlamt in österreichischen öffentlichen Fondspapieren deponiert. Der Stiftsbrief bestimmt, daß das Kapital für immer in Oesterreich bleiben, die Interessen aber jährlich iunter die armen' Juden jener drei'Palästinastädte verteilt werden sollen. Und zwar soll das n.-ö. Proviiii-Zahlamt (jetzt wohl die Statthalterei) die Interessen an die Hof- und Staatskanzlei {jetzt Ministerium des Aeußern) und diese an die Internuntiatur' (jetzt Botschaft) in Konstantinopel geben; - Der ‘ Botschafter habe dann dieses Geld den. drei Judengemeinden zur Verteilung unter ihre. Armen nach dem Verhältnis -Ihrer Bevölkeriings- und Armenzahl abzuführen; u. zw. entweder im Wege der in Konstantinopel befindlichen -und durch die -öttomanische Staatsgewalt jedesmal, zu bezeichnenden 12 Vorsteher der türkischen Judenschaft oder doch direkt an die Ortsvorsteher der drei Gemeinden. Die legalisierten Quittungen dieser Ortsvorsteher sind auf. demselben Wege z.urück an die n.-ö. Landesregierung, zu leiten und hier bei den. Stiftungsakten /- zur freien Einsicht für die Kuratoren — zii verwahren. Solcher Kuratorensind' aus- „der hiesigen, ansehnlichen. Judenschaft“ zwei zu bestellen, doch einer davon stets. aus der Wertheimschen Familie, „und zwar aus dem Grunde, Weil schon die! ersten- .Kollatoren. zii Ihren 'Vorfahren das Zutrauen /hatten.'* Die; Kuratoren sind durch /den Stiftsbrief .ausdrücklich - verpflichtet, sich halbjährig. bei, der n.-ö. Landesr regierüng zu überzeugen/ daß die ‘Verwaltung der Stiftung in Ordnung geht:" Als erste Kuratoren wurden ernannt derprivilegierte Groß2händler David Wertheimer und der Bankier Freiherr Nathan Ornstein. Derzeit fungieren als Kuratoren,, der BankierLudwig. Egianuel .Wert? heimber und Oberrabbiner Dr. Güdemann. Da das Kapital dieser Stiftung nicht weniger als 150.000 fl. beträgt, ist es von brennendem Interesse für die: jüdische Öffentlichkeit, wie die Stiftungszinsen verwendet werden.' Es läßt sich denken, daß für die österreichischen Behörden — von ihrem Standpunkte aus mit Recht — vor allem der Gesichtspunkt maßgebend sein wird, die Stiftung zur Stärkung des politischen Einflusses Oesterreichs unter den Juden Palästinas zu verwenden, bes+enfalls dürfte das Geld nach den veralteten Methoden der Chalukah an Sdinorrer .und zur Züchtung von Schnorrern auf die Hand, verteilt werden. Welch dankenswerte Aufgabe /wäre es da, für die Palästinäkomniission'der./Jjjdengemeinde Wien, den Kuratoren kräftig,.'beizustehen, die Verwaltung der Stiftung, gestützt7Sauf die Staatsgrundgesetze, für die nunmehr autonome Judengemeinde herauszuverlangen und dann aus dem Schatz, welchen der patriotische Geist der, Vorfahren gehäuft hat, den arbeitsfrohen Enkeln in Ältneuland segensreiche Hilfe zu bringen! Dr. Egon Zweig. ParteisNacfirichten. Innerösterreichischer Distriktstag. Am 26. d. fand bei zahlreicher Beteiligung aller. Organisationen und in Anwesenheit der Wiener Mitglieder des Z. K. und des Generalsekretärs Herrn Blumenfeld (Berlin) der ordentliche Distriktstag für Innerösterreich statt. In das neue Distriktskomitee wurden gewählt die Herren: Dr. Leopolji.Meisel, Obmann, ferner Ludwig Batö, Dr. Leopold Friedmann, Dr., Oskar Horner, Frl. Kohn, Julius Löwy, Dr. Weisengrän, J. H. Wahltuch und Dr. Georg Weiner. Einen ausführlichen Bericht werden wir in der nächsten Nummer nachtragen. Nachrichten aus Mähren und Schlesien. Vereinsabende:. Troppan, Jesdiurun., Jeden Samstag im Vereinslokal (Salzgasse 45), 8 Uhr abends. Ans dem Jöüitöieit Geben. Organisationbestrebungen innerhalb der Jerusalemer jüdischen Gemeinde. Jerusalem: De? Aufenthalt des Herrn Ussischkin,' Vorsitzenden des Odessäer Palästinakomitees/ in unserqr’ Stadt hat wieder die ■ Frage der 'Organisierung unserer Gemeinde in' Flußgebracht. Auch, in Jaffahat man ja bis -or kurzem gezwejfelt, ob die verschiedenen Elemente der jüdischen .Bevölkerung: Sephardim, Jemeniten und .Aschkenasim —. die letzteren noch unter einander in verschiedene Gruppen getrennt — sich zu einer einheitlichen Gemeinde werden zusammenschließen können. Auch :n Jaffa fehlte es nicht an einigen einflußreichen Personen, die Jahrzehnte hindurch selbstherrlich allein das. Heft in Händen hielten und sich nicht verpflichtet fühlten, der Gesamtheit Rechenschaft. abzulegen. Und dennoch genügte , die ausdauernde - Arbeit einiges; ernster. Männer in, Jaffa; uni dort in wenigen Jahren eine freigewählte, nach den besten Müsterri 8rganisierte Gemeindeverwaltung zuschaffen; welche durch ihre zielbewußte Arbeit immer mehr an Autorität gewinnt. Sollte schließlich nicht ein Gleiches in Jerusalem gelingen? - Allgemein bricht sich jetzt die Erkenntnis Bahn, daß es in erster Reihe darauf 'ankommt, eine möglichst große Zahl von Personen zu finden, - die - zur Zahlung von Gemeindesteuern bereit sind. - Hier werden nämlich alle Gemeindeausgäben von den. landsmannschaftlichen „Kolelim“ der Chalukah bestritten, so daß 'auch' recht wohlhabende Einwohner schon durch die Befreiung von -allen Gemeindeabgaben Nutzen von der Chalukah ziehen, worauf sie gar keinen Anspruch hätten. Mag man auch in Europa mit deni Namen Jerusalem nur Vorstellungen von Armut: und’ Elend verbinden' — die 'freilich hier vorherrschen -rwir hierwissen, daß auch reiche Juden in . Jerusalem keine Seltenheit, sind. Man, denke nur an das bucharische. Judenviertel t Ja/ selbst jüdische Millionäre gibt es hier, so unglaublich' dies draußen klingen mag! Um riiir einige Namen zu nennen, sei’auf den. sephardischen. Bankier Valero und den jemenitischen Bankier Benin (aus Aden) hingewiesen. Nun ist es gewiß ein Nonsens, daß alle diese Leute, die m einer änderen Gemeinde zii den Höchstbesteuerten gehören würden, in Jerusalem aller Pflichten ledig sind und die Chalükah-Verwaltungen allein alle Ausgaben Zii decken haben. Aber nicht bloß die gäriz Reichem, auch der Mittelstand,’ auch der Krämer, der Lehrer, Beamte usw.^ müßten — ebenso wie in Jaffa — zu ■ regelmäßiger. Steuerleistung herangezogen werden,, wenn man aüs dem -jetzigen Tohuwabohu' herauskommen und endlich geordnete Verhältnisse schaffen will. ■ Freilich sind diese Bestrebungen noch zu neu, um hier gleich realisiert werden zu können.. (Bezeichnend ist übrigens,. daß die gesamte jüdische Presse unserer Stadt für sie eintritt.) Wer jedoch ein Auge für das Werdende hat, wird sich die Hoffnung nicht nehmen lassen, daß wir früher als manche Pessimisten glauben, in Jerusalem eine organisierte Gemeinde haben werden.' Dann-wird auch "jene, {.autoritative Körperschaft, vorhanden sein, die allein berechtigt wäre, im Namen" der jüdischen Bevölkerung Jerusalems zu sprechen, —. was auch den Freunden der heiligen Stadt in Europa nur höchst willkommen sein könnte. *” Massenausweisungen von Juden aus Petersburg. Petersburg: Seit einiger Zeit hat hier ein Massenauszug jüdischer Familien eingesetzt die; sich’’ nach' - - dem sogenannten - ■'Ähsiedluno'sravon begeben. Der Grund dieser Erscheinung liegt in der Verschärfungder Bestimmungen, •tie den Aufenthalt der Juden in der russischen Hauptstadt beschränken. In sämtlichen Stadtvierteln Petersburgs ist neuerdings das Wohnrecht der dort ansässigen . jüdischen Kaufleute und Handelsangestellten „revidiert“ und den neuen Vorschriften entsprechend eingeschränkt worden. Gleiche Vorschriften wurden auch für Finnland erlassen. * . <'t Gründungsjubiläum von Merchawja.- Aus der Kolonie Merchawja (Ga'i'äa), wo der Jüdische Nationalfonds bekanntlich eine S'edlungsgenossensrhaft nach den Plänen des Berliner Nationalökonomen Franz Oppenheimer eingerichtet hat, wird geschrieben: Die jüdische Landarbeiterschaft in Unter- Galiläa ist im allgemeinen nicht sehr auf das Feiern erpicht. Dort herrscht der harte Werkeltag, und der Sinn für heitere .Geselligkeit, für Festesfreuden und' dergleichen ist dort nicht besonders heimisch. Um so größer war die Freude an dem Gründungsjubiläum, welches die Einwohner von Merchawja am 4. Januar veranstalteten. Als Ffestsäal diente die große Arbeiterküch'e. die mit den Bildern Theodor Herzls und Franz Oppenheimers geschmückt war. Für prächtigen Anemonen-, und anderen Blumenschmuck sorgten die Mädchen der Siedlungsgenossenschaft. Ueberhaupt boten die kräftigen Arbeiter, die Arbeiterinnen, die jemenitischen Maurermeister und Steinträger, die persischen Erdarbeiter und die Kolonisten aus Merschawjgh und Mes'h'aein prachtvolles Bild: Eine Ansprache hielt bloß der erste Arbeiter von Merchawja/^'kurz, kernig und gehaltvoll, wie es dort " Brauch ist. Der Arbeiter. Paß gedachte der schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, die sich der Siedlung bei' ihrer Gründling seitens der äufgehetz- : +en Nachbarschaft und der feindlichen Behörden in Nazareth entge"etiges+el1t' hatten. Haben. ia die- Lokalbehörden ein<*s Tages in unmotivierter Weise die Einwohner von . Merr, riiawja ganz einfach dwounepgti Es nah Tane, an denen es den Ansiedlern an Wasser und Brot * rillte. D:e Anschaffung des ersten Wane-w fflr Merchawja kostetedem Arbe;*er lech-s^el Nissanow das Lehen, Eme Anzahl der besten -Arbeiter mußte beinahe ein fahr lang im Gefäng. nis schmachten. Und doch genün+e ein ,7eit-. raum'von. zwei Jahren, uni einen völlicren Wand^y b€a4*eizüjfihrett.:JHnä;■

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