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Jüdische Zeitung · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 servativen Familiensinn der Juden. Ferner habe Sombart nicht so unrecht; wenn er die Juden als. besonders: disponiert zum Kapitalismus erkläre, - woraus allein schon eine, unüberbrückbare Kluft zwischen ihnen und der- Sozialdemokratie resultiere. : Lorenz sagt zum. Schluß: „Der Jude, welcher Sozialdemokrat wird, gibt das bessere. Teil des Judentums preis- und bewahrt sich nur noch die Schlacken, um derentwillen er sich von jeher die Feindschaft der Völker zugezogen hat“ Sowenig wir diese Ansichten und Urteile unterschreiben,. so ist doch eines daranerfreulich: Dab inan selbst in den konservativsten Kreisen änfängt, über das wahre Wesen des. Judentums nächzutorschen, daß die billige . antisemitische Phrase jede Geltung verliert, und auch Judengegner - einsehen,. daß das Judentum eine komplizierte Erscheinung ist, die man mit instinktiver Zu- oder Abneigung nicht erledigt. Ob aber Herr Lorenz seinen Zweck erreichen und. die Judenin großer Zahl von der Sozialdemokratie losbringen wird, möchten, wir füglich bezweifeln. Denn er übersieht, daß die Juden, nicht Rationalisten im gewöhnlichen Sinn des Wortes sind, sondern daß ihrem Verstände gewisse Ideen, wejt angeboren, tief eingewurzelt sind. Eine solche ist die der sozialen G e r.e ch t igk-.ei t. Erst wenn allgemein klar werden würde, daß die Sozialdemokratie diese nicht verwirklichen kann und wird, wie es z. B: der Jude Landauer in seinem prächtigen: „Aufruf zum Sozialismus“ behauptet, würden die Juden dieser Partei. nicht mehr zustimmen. Preußisch-reaktionär dürften sie' aber auch dann wohl kaum werden! Die Juden und der polniiforuthenildie Rusgleidi. Die täglich für Gesamteuropa und speziell für Oesterreich wachsende russische Gefahr macht es zu einer österreichischen Lebensfrage, die Südslaven und besonders - die Ruthenen innerhalb der schwarz-gelben Grenzpfähle zu befriedigen. Unter' diesem . Gesichtspunkte -; ist. -äÜSr'fräS'*Scheitenv'der polnisäv-ruthenischen Ans- * gleicfisverhandlungen nur eine Episode. ' Schon Gründe der äußeren Politik werden zu-ihrer Wiederaufnahme führen und schließlich werden trotz des a 11 polnischen Widerstandes sowohl in; der Universitätsfrage wie in der Frage der ■Wahlreform den Ruthenen Von Seite des -Polenklubs Konzessionen gemacht werden, müssen. ' - . 'Der pölnisch-ruthenische Ausgleich, ist eben j eine Reichsnotwendigk eit. Die Stellung der Juden zu ihm, sowie überhaupt zu den großen‘ Reichsfragenkann daher nicht nach lokalen Gesichtspunkten, sondern ausschließ'ich nur; unter dem der jüdischen Gesamtnation und Ge- 1 Samtösterreichs erfolgen. Daß eine solche Stellungnahme durch den Mangel einer einheitlichen jüdischen Reidisorganisation - sehr erschwert wird, widerlegt nicht die Notwendigkeit einer ein h eit 1 ich en •'ü-’i-ch ösler-eichischen Volks- :politik, sondern beweist nur-die Reform'be- -dii rf t igk ei t unserer polnischen Organisation. ■ Es wäre: auch ganz falsch' — um' beim Beispiel des Verhältnisses der Juden zu den Polen und . Ruthenen zu bleiben — zu meinen, daß i „Wien" die galizischen Juden, zu einer, unter : allen Umständen antipolnischen, dem Ruthenenklub blinde Heeresfolge leistenden Politik, veranlassen wolle. Wie für das Gesamtreich, so proklamieren-wir auch für Galizien eine Juden- .polifik-mit der Devise: Gegen keine Nation, -aber gegen den Chauvinismus, Anti; s e m i t i sm u s u n d K1 a s s e n e g oi s m u s für das jüdische ..Werk, für die Gleichberechtigungaller Reichsvölker in einem modernen, n a t i o - nal-autonomischen Oesterreich. Eine solche \ Judenpolitik kann naturgemäß mit den Parteien der polnischen Oligarchie nicht paktieren, wenn sie nicht den jüdischen, demokratischen und österreichischen Standpunkt verlassen will. Noch, ist Galizien keine polnische Adelsrepublik und keine russische Satrapie, sondern ein österreichisches Kronland und ein ebenso großes Verbrechen an der Monarchie Jüdisvhen, Vblke, jnSbe^ondkfealter an JÜDISCHE, ZEITUNG Seite 3 den galizischen Juden ist es, durch direkte oder indirekte Förderung des allpolnischen Chauvinismus der russophilen Propaganda in Galizien den Weg zu ebnen. Vielmehr ist die zwölfte Stunde bereits gekommen, in der die Juden Galiziens, einerseits für ihre^ jüdisch-nationalen Forderungen, zugleich aber für den Ausgleich als Volk mit den anderen" polnischen Volksstämmen auf den politischen Kampfplatz treten müssen. Je schärfer sie^den gesamtösterreichischen Standpunkt. geltend ’ machen werden, um so eher haben sie Aussicht, ihre jüdisch-nationalen ' Postulate zu verwirklichen; je mehr sie jedoch eine galizischpartikularische Judenpolijik verfolgen, um so mehr laufen sie Gefahr, die Kosten des nunmehr uherläß'ichen polnisch-ruthenischen Ausgleiches zu bezahlen. Zwischen Polen und Ruthenen den Keil abzugeben, mag jüdisch-assimilatorische, kann aber keineswegs jüdische Volkspolitik sein. Die ohnedies traurige politische sowie wirtschaftschaftliche Lage der galizischen Juden kann vielmehr nur dadurch verbessert werden, daß diese sich an das gesamtösterreichische Judentum anlehnen, in Galizien selbst jedoch eine gesamtjüdische, 'gesamtösterreichische, wahrhaft demokratische Volkspoli|ik verfolgen. Dann wird der unbedingt nötige polnisch-ruthenische Ausgleich nicht' nur dem polnischen und ruthenischen, sondern auch dem jüdischen Volke zum größten Nutzen gereichen. K. Untere Rufgaben m dem Kongreß Von Julius. Löwy. Unter all, den zahllosen Definitionen, in denen man den unendlichen Inhalt des Zionismus auszüschöpfen versuchte, scheint mir die zutreffendste jene zu sein, die ihn als das demokratische möderrte Judentum bezeichnet. Drei Worte nebenemandergedtellt, die für uns, die wir uns zu dieser gemeinsamen Gedankenwelt bekennen, den Inbegriff alles dessen darstellen, was für uns Menschen vort Heute von Wert ist. ich brauche wohl nicht!erSf hervorzuheben, daß ich das Judentum dabei als, höchsten Begriff an dielerste,SteUe.setzfyupddjiß ich.,spgac.noch weifergehend glaube, wir sollten uns öfter Ides? schönen Wortes Nordaus, erinnern: „Das. Judentum wird zionistisch seid Öderes wird' nich* s<*in!“ Die: Zusammenstellung 'dieses Ausspruriies mit dem der Moderne enthält sozusagen symbolisch ausgedrückt die unendliche Lebenskraft und Lebensjugend,. die unserem' Volke eignet. Gibt esbetreffs dieser zwei Begriffskreise kaum eine Dissonanz, .so -ist . der dritte: Teil: der Definition , des. Ziemismus , um so schärfer iifhstri+ten. Oft soll es dazu’ dienen, Einzelbestrebungen'zu decken, noch öfter Differenzen und Dissonanzen, die schrill in den Bau unserer Organisation hineinklingen, plausibel zu machen. Es liegt mir durchaus ferne, mit diesen Worten auf irgend welche speziellen Tatsachen änspielen zu wollen. Ich möchte nur das Wesen der Demokratie, wie sie einzig und allein dem Zionismus und überhaupt jeder Zusammenfassung von Menschen dienen kann, kurz! auseinandersetzen. Wenn1 wir sehen, daß aut i der einen Seite, etwa in England, mit seiner : Selbstregierung die Demokratie die schönsten Früchte gezei‘igt.ha‘, und auf der anderen Seite beobachten, wie unter dem gleichen Signum der; Demokratie die mittelamerikanischen Staaten von ' einer Revolution in die -andere taumeln und' schließlich doch nur dazu gelangen, einen Ty- ■ rannen durch einen anderen ablösen zu lassen, : so ist es klar, daß der gleiche Name hier . grundverschiedene Begriffe deckt. Man muß . innerhalb der Demokratie zwei verschiedene Wer senheiten feststellen: die assoziierende mH | die dissoziierende. ,Wenn das Wesen der - Demokratie darin besteht, daß der Wille der; Majorität in individuellem Sinne sich deckend mit dem Vorteil der Allgemeinheit, die Her>v j srinft haben soll, dann besteht, die assoziierende! Demokratie darin, daß sie die bei sonstiger Ver-; sdvedenheit der Anschauungen zwischen, den ver-! schiedenen Parteien bestehende Uebereinstimmung betont, während die dissoziierende De-; mokratie bei Gleichheit der Anschauungen die trenrenden Momente hervorhebt. Nur wenn man innerhalb, eines Gefüges, wie es unsere Bewegung ist, stets das "Gemeinsame, vorj. allen be- . dingungslos Anerkannte, in den Vordergrund stellt, wenn man sich :stets vor Augen häl\ daß wir es im Zionismus mit Zionisten : zu tun haben, kann die Demokratie jene segens-;vollen Wirkungen erzielen,-die zu üben sie bestimmt ist. Ich glaube, daß wir die assoziierende 1i Demokratie bekennen, und. daß bei uns die-Rücksichtnahme auf .Anschauungen und Ueberzeugwn- ‘g&i Von GesmnüitgsIgVncfe&n -faörihr wer atö der Achtung für des anderen Meinung entspringt. Die Prinzipien nun, die wir alle gemeinsam und bedingungslos anerkennen und die uns fest und 'unauflösbar binden, stehen im Baseler Programm; Hier einigt uns die Weltanschauung, die Betrachtung der Dinge durch das alljüdische Prisma, hier sollte. uns .auch die Arbeit einigen. Es ist also das Kardinalpositulat der Demokratie: Verteilung der Verantwortung auf möglichst viele' Menschen, Heranziehung neuer Kräfte und Belebung alter Parolen durch neuen Inhalt. Das auf Wien angewendet ergibt als nächstes und erstes Arbeitsfeld die Sammlung der zahlreichen Gesinnungsgenossen, die ich für zahlreicher veranschlage, als wir' selbst vielleicht annehmen. Wenn unsere Organisation zahlenmäßig und nach der Vorarbeit unserer. Vereine nicht jene Höhe erreicht hat, die wir nach den ersten Anfängen anzunehmen berechtigt schienen,' so hat dies, wie ich glaube, nicht seinen Grund etwa in einem Nachlassen der Begeisterung oder in einer Abwendung der. Massen von unseren Ideen, sondern im Gegenteil: die Ideen, die vor nun 16 Jahren' die ersten Pionniere des Zionismus predigten, mit denen sie bei den einen Enthusiasmus weckten, bei den anderen den festen Unterbau für eine Weltanschauung schufen, — diese Ideen sind heute so sehr zur Setostverständlichkeit geworden, daß die meisten gar nicht glauben, es sei notwendig, diese Ideen erst noch ausdrücklich zu akzentuieren. Mag sein, daß die vielen, die ich hiebei im Auge habe, nicht klar und ausgesprochen sich zu unserem Programm bekennen, daß sie an dem oder jenem1-Punkte etwas auszusetzen haben, sie un‘erliegen doch dem Einfluß des zionistischen Fluidums. Und unser jüdischnationaler Gedanke, der Gedanke von dem aufrechten, innerlich freien und stolzen Judentum hat von der Seele unseres Volkes Besitz ergriffen. Wenn wir bedauern, daß wir dies nicht mathematisch erfassen können, so empfinden wir es doch als beglückendes Bewußtsein, daß das Judentum von heute ein anderes, ein selbstbewußteres geworden ist, als das vor zwei Dezennien. ■ So wird es denn zu unserer Aufgabe, den parteimäßigen Schaden, den der Sieg unserer Leitidee uns selbst brachte, dadurch aufzuheben, daß wir den Leuten die UeberzeUgurig beibringen, es genüge nicht bloß, einer Idee anzühängen, sondern man müsse sie auch , bekennen. Wir müssen darnach streben, diese vielen und vielen Parteigänger' unseren Reihen ''anzufügen, wir müssen aber auch versuchen, ihnen die Möglichkeit zu geben, mit möglichster Oekojioinie. it? unserer Bewegyng_ mitzuarbeiten,,, . Und da scheint es mir notwendig, in einer Großstadt von der Ausdehnung Wiens mit ihren zahlreichen gesellschaftlichen Schichtungen, die sich vielfach sogar in der lokalen Verteilung aussprechen, dieses weite Arbeitsfeld zu teilen. Tch würde dafür eintreten; daß Wien in eine Anzahl von Rayons geteilt wird unter dem Gesichtspunkt der Dichte der jüdischen Bevölkerurijg, so daß etwa judenarme Bezirke zusammengezogen werden, während in judenreichen auch einzelne Straßen schon einen Ravon zu bilden hätten. Jeder dieser Rayons soll einen Rayonsleiter erhalten, womöglich eine dortsetost wohnhafte Person, die Gegend und Menschen genau kennt, und daher imstande ist, in direkter Arbeit von Mann zu Mann zu whrken. Jedem dieser Rayonsleiter müßte eine Anzahl unserer Jungmannschaft zur Seite stehen, die in- Bezug auf agitatorische und sonstige Arbeit; sich zu seiner absoluten Verfügung zu halten hätte. Innerhalb dieser engen Rayons ist nun die erste Arbeit zu. leisten. - Hier, wo die In- 1 teressen der Einzelnen vielfach parallel laufen,! werden sich naturgemäß außer dem rein zio- I nistischen auch vielfach andere Berührüngs- ■ punkte finden, so daß man der Gefahr der : Eintönigkeit, einer der schwersten für jede forti dauernde Tätigkeit entgehen kann. Innerhalb < dieser engen Grenzen wird man aber auch den! Einzelnen leichter dazu bringen können; selbst \ mitzuarbeiten, sozusagen sein eigenes Licht . leuchten zu lassen, wodurch wiederum sein Eifer : mitzutun gefördert wird. Dementsprechend hat! der Aufbau weiter zu gehen: Gegenüber den ,'i häufigen Rayonsarbeiten die etwas selteneren-;'und daher wertvolleren Arbeiten bei Zusam-'; raenfassung mehrerer Rayone und schließlich als i‘ Krönung die gemeinsame Arbeit. der gesamten Wiener Organisation. Ich möchte nur im Vor- . beigehen bemerken, daß auch die Provinz, die . ein zwar enges, tfber ergiebiges Feld der Arbeit ■mir Zu sein scheint, nicht .länger unbebaut bleiben darf. . '• Ith habe im Vorhergehenden schon gesagt,- daß einer kontinuierlichen Arbeit nichts so gefährlich ist wie die- Eintönigkeit und doch istidies nicht der .einzige Mange1, an detn unsere zahlreichen und Ebner — speziell in der Proivinz — so blühenden. Vereine kranken. Wir dürfen nicht vergessen, daß das Tä+igkeitsfeld dieser Vereine rein dem Idealismus gehört. Wir verlangen von den MitgUedern, daß sie Monat um Monat, Jahr um Jahihre Zeit damit verbringen, daß sie, sei es die theoretischen Seifen des Zionismus diskutieren, hören.oder von den ‘ffcftti&fot' Ftte1&wfttehrhorä4 tfie urisere ArV

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