Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-r" ->Jr ’• ■ ‘ Seite 2 . riODlSCHg.ZEtfüNQ Nr. 5 Joden gegen Juden. Es ist eine leider nicht vereinzelte; Erscheinung, dab sieb die assimilierten Juden .des Westens aufs heftigste gegen den Zustrom osteuropäischer Stammesgenossen wehren.. So in England, Deutschland, Ungarn und auch in Wien ist eine solche Tendenz fühlbar. Besonders stark ist diese in Ostpreußen. Die erwandernden russischen und polnischen Juden sind den ansässigen deutschen Juden sehr unbequem. Dufch sie wird ihre Lebenslüge zerstört, daß sie „Deutsche israelitischer Konfession“ sind, da vor aller Welt ihre Stammesgleichheit mit den östlichen Elementen offenbar-wird, ln ihrer Abneigung gegen, diese begegnen sie sich natürlich, mit der Regierung, die in dem Zustrom russischer Juden weder - eine : — Slavisierung der Ostprovinzen' sieht Deshalb wird die Grenze gegen solch unerwünschte Einwanderung möglichst gesperrt «md die schon, ansässigen östlichen Juden schweren Schikanen ausgesetzt. Die Kultusgemeinden' helfen wacker mit und haben beschlossen, den Juden aiditdeutscher Staatsbürgerschaft das Wahlrecht zu nehmen, obzwar sie natürlich die Kultussteuer zahlen. Diese Maßregel wird damit begründet, daß der „deutsche' Charakter“ der bstpreußischen . Kultusgemeinde gewahrt werden soll,' welche auch die Jugend in deutschem Sinn erziehen wollen; während die Einwanderer eine bedenkliche Hinneigung zu einer jüdischen Erziehung, zur hebräischen Sprache etc. .haben. Die Regierung hat natürlich diese Maßregel mit Wonne bestätigt Die Betroffenen verlangen nun selbstverständlicherweise, von der Steuer befreit zu werden, wenn diese firnen nicht das Wahlrecht gibt, damit sie ihre Mittel zur Gestattung der Kultusangelegenheiten in ihrem Sinne verwenden können. Dieser Kampf tobt in Memel, Tilsit, Danzig, Insterburg und Eydtkuhn^pl In Königsberg und einigen kleineren Orten bestehen bereits zwei jüdische 'Gemeinden; schließlich wind'" die Schaffung von „Gemeinden östlicher Juden“ auch für .die anderen Städte. Ostpreußens ein Notbehelf sein, um über die momentane fetale Situation hmwegzukommen. Jedenfalls zeigtes sich in diesem Fälle 'in der krassesten K Weise; wie ganz unhaltbar die’Theone der Assimilation zur Lösung' der judenfrage ist. if * ' Dlejuden in den Balkapländern. ‘ (Ein Interview ’ mit dein‘ Friedensdelegierten.) Der „Jewish Chronide“ hat. die ''büigari-: sehen und griechischen Delegierten der Frie-i denskonferenz über die Lage der Juden.in Bulgarien und Griechenland interviewen lassen. Wir, gehen . die Antworten derselben im Auszuge, wieder: Dr. Danew sagte, die 40.000 Juden Bulgariens genießen alle Rechte und Freiheiten, :wie. die. Bulgaren selbst. - Sie sind loyale und treue Staatsbürger die an den politischen Fragen mit Eifer arbeiten. Die Juden sind für Bulgarien unersetzlich als Händler. Ohne sie könnte mänT'-'nicht sein,- besonders in den neueroberten;. Landstrichen, deren ökonomischen Wert'.sie -entwickeln werden. Die Bulgaren sind das. einzige Balkanvolk, welche den Juden immer .Gerechtigkeit widerfahren, lassen .und die. -in aller Zukunft. daran nichts , ändern .werden^ ' Nicht rinmal Rußland, dem Bulgarien so viel .Dank schuldet, konnte es zu einer anderen -Haltungbestimmen.;: Judensind in Bulgarien -Richter,-Offiziere, Staatsbeamte, Abgeordnete, u. zwar verschiedener Partririchtung. D.n Darnew^drückte -sein Erstaunen darüber aus, daß die „Neu« Fr. :Presse“j ein Blatt, bei dem, wie: er sagt, Juden. Einfluß haben, einen Staat gegen Bulgarien unterstützt, -der. entgegen dem Berliner Vertrage die Juden;so-schlecht’behandle, um so mehr, als die^von Rumäniejr beanspruchten Territorien ^vdnjzählr eichen jüdisch en Landbesf.tzern bewohnt sind. Er beklagte rieh-auch darüber, daß - Max Nordau eine feindselige; Haltung gegen . Bulgarin einnähm. . - '; » - General Paprikow lobte die militär i s c-h e Haitung de r7 j udisch en O f fiziere und’ Soldaten im Kriege, ihren Mut-ond ihre Opferwiltigkät.'i Viele Ifäben Auszeichnungen -erhalten. ' Die Ausstreuungen an- ■ tisemitischer deutscher‘Organe, wonach" die Ju-" den sich im Felde schlecht benommen hätten, ■ sind böswillige Erfindungen. . Ministerpräsident Vehizelos sagte, ' daß Griechenland seit seinem Bestände 1 die ' Juden mit- Gerechtigkeit behandelt und ihnen' volle' Bürgerrechte gewährt ^liabe. Sie hättendaher keinen Grund, zu 'fürchten, daß die Griechen -ihre Haltung ändern würden. König Georg sei rifl;guter Freund der. Juden und öfters bei Herrn Cohen ln Athen zu Gast. Den Griechen fehle jede antisemitische Empfindung. Erhabe auch Dokumente, aus; denen hervorginge,’ daß die Behörden in Saloniki die ^größte Fürsorge für die Juden hätten leider könne er sie, weil geheim, nicht veröffentlichen!!! Nachdem der Großrabbmri selbst die Berichte der lokalen griechischen Behörden der Stadt bestätigt habe, so könne die Regierung an ihrer Wahrheit nicht zweifeln. : (Die Geschichte, die von Rabi Meir eine solche Bestätigung erzwungen wurde, und wie er sie später selbst richtigstellte, ist durch;alle Blätter - gegangen. Herr Venizelos macht es sich ein bischen leicht, über die notorischen, von ’ allen europäischen Konsuln und Berichterstattern zugegebenen Greuel, welche die Griechen an den JudenSalonikis verübten, hinwegzukommen. Anm. d. Red!) Dr. Streft behauptete, die Türken seien es gewesen, welche die Griechen der Judenmassakres anktagten, nur um sie zu verdächtigen.' Griechen. .und; Juden lebten einträchtig mit einander,- hauptsächlich! wegen ihrer identischen Auffassung--von der Heiligkeit des Fanülieülebriis! ’ (Eäne£-'etwas Eigenartige' Begrünj. dung^ydn^^Harmofifei^angesräiß 'dS^’eJßiifer-{ ten. wirtschaftlichen Konkurrenz zwischen Grie-: eben und. Juden.. Anra:- d.. Red.) Ein Antisemi-’ tismus fehle in Griechenland, dort sind Juden! hohe Beamte und Offiziere, genau so, wie in: Bulgarien. Die griechische Regierung will die -Saloniker. Judengemeradenicht ihres nationalen 'Sönderchärakters ’Berauben. ' Die' Griechen seien, das ’ einzigeVölle’'!der;; Welt,’: welches die .Men-; sehen nur nach ihrem Charakter,. nichtaber nach Rasse und- Religion beurteilten. Sie waren das erste Volk, das die Juden emanzipierte. Herr Skudulis sagte, die Juden hätten im Kriege tapfer gefpehten. In Saloniki, würden die Griechen stets den Juden nachstehen, da diese, wirtschaftlich besser organisiert sind und eine höhere ökonomische Stufe erklommen haben. Die griechischen Delegierten versicherten den Interviewer, Gg. Dr.! Melamed, zu wiederholten Malen, daß die Juden in den neuen Provinzen ... vollste Gleichberechtigung erhaltet werden. - Wir. wollen's abwarten! t - -- i. Jndenfmn und Sozialdemokratie. Wir haben kürzlich eines - Schreibens. 'Erwähnung getan, das ein. jüdischer Freiherr an die-Kreuzzeitung richtete, in-dem erbrich dagegen verwahrte, daß die "Juden sämtlich Liberale oder Sozialdemokraten wären. Er sei gut konservativ. Den preußischen "konservativenwar diese Erklärung sehr angenehm. Der Judenpunkt ist firnen, 'trotzdem sie seit dem Tivoliprogramm den Antisemitismus mehr öder minder verhüllt, akzeptiert' haben,; jdöch nicht" ikö; restlos klar, als Cs. bri sVtkhpteüßischeh|>0Äflcern pfein mußte. Ein, “wenn äugh} kleiner Teil Von ihnen, der wirklich religiösest^ Ün^indeb.äCh Antisemitismus als . Intoleranz,?d^j$''^^di{kg%rii geziehen sein möchte! 'e£n anderer, "gcsf$er£r aber, möchte,riie zahlreichen reichen Juden Deutschlands, mit denen sö jhäncher dCjjtlche Rjitc^'yerschwägert ist, oder. wenigstens 'ihr Geld,.ü%.: die konser- . "vätive Partei gewinnen und wem.;den’ Liberalen abzieh.cn. . ,~v - - Selbstverständlich -gehört das Gros der deutschen. Juden, den sogenannten Linksparteien an, die Großindustriellen, Bankiers etc. -/den Nationalliberalen; die :Kaufleute;''-Aefzte''etc. meist den - freishrifigäx -Parteien, .und die Angestellten,: sowie das Intelligenzproletariat der Sozialdemo- -- kratie. Klasseninteresse und Ideologie sind dafür die bestimmenden’ Elemente' in Deutschland so-vwohl, als auch in anderen Staaten, und_;ein jüdi- . scher’ politisch1 „Konservativer“ (lies Reaktion närer) ist eine seltene,. weil fast unmögliche Erscheinung. Aus diesem Gründe" sehen die deutschen Junker von jeher die Juden als ihre politischen Totfeinde an. Soll also rin Teil der Juden doch zum Konservativismus abgezogen werden, so kann das entweder' dadurch geschehen, daß man ihnen verspricht,' den Antisemitismus sofort aufzugeben, wenn die Juden' zu der herrschenden Klasse übergehen, was die „Kreuzzeitung“ ’ wiederholt getan hat, oder man macht die Sache intelligenter und beweist den Juden, daß es einfach ein Irrtum von ihnen ist, wenn sie glauben, in den liberalen Parteien sei' von Natur aus ihre 'politische' Unterkunft'-zti suchen. Einen interessanten Versuch in dieser Richtung.'machte kürzlich der. konservative Politika" Ernst Lorenz (Hamburg),TÜ eihrin Artikel! „Judentum und Sozialdemokratie“ (im „Allgem. Beobachter“).- In diesem - durchaus , ernst lind objektiv gehaltenen Aufsatz untersucht Lorenz die These Chamberlains, daß der deutsche Sozialismus bestimmt sei durch die. spezifisch jüdische Geisterrichtung. - Lorenz bestreitet , nun diese auch; von arideren-behauptete Wesensgleichheft ^zwischen ■ ■ JufcleiitUm und-tSpzialdemokratie. Er führt-aus, daß es allerdings .vier Eigenschaften wären, die tatsächlich eine solche als gegeben erscheinen lassen: Der Internationalismus,. Rationalismus, Feminismus unddie kritische Veranlagung des Judentums. Aber viel tiefer greifen die trennenden Momente. Der Jude seiim innersten Kern Individualist, ferner ist er .,eminent konservativ, hätte er sonst seine Religion, . Sprache etc.,, ja'vseine-. Existenz .erhalten können? Lorenz verweist als' Beispiel auf das Buch Bebels: „Die Frau“, und dem schreienden Gegensatz der darin niedergelegten Anschauungen zu dem kon- Ein Schwarzer nach Tisch nacht munter und frisch! Die Untersuchungen von Professor Hollingworth haben erwiesen,' weshalb es so ist. Wenn Sie sich dafür interessieren, wie man der Ermüdung nach den Mahlzeiten entgeht, . so .lesen Sie die kleine Broschüre: .Winke für Feinschmecker* ' - Gratis erhältlich in .: allen Geschäften der Firma JULIUS MEINL Gegr. 1862. LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. In cigenu PaUi*.—Versilbertes Kapital zirka 380 nfflionen. — Prämienreseroe zirka 113 tlülionen. —Billigste Prämien unO kulanteste Beöingnngen. Engagiert jeOerzelt ffldifige, leistiingsfSiiige Agenten gegen-kohe BaBge, ttien, L, Hspernplatz 1 (Adler: Daniö Hebanahl). EBr Ostgalizien n. Bniionina: SnUireUion. Ubl Tanbes, tonberg. HnsMnHe erteiltdieSeneralagentsihalt