Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Bewegung bedeutete und daß deshalb gegen sie. die heftigsten Angriffe seitens, gewisser, politisch - zionistischer Gruppen gerichtet wurden, noch am letzten. Kongreß und. auf .der letzten Jahreskonferenz. Man wies insbesondere darauf hin,. daß die Gesellschaft nur! 15.000. Pfund Aktienkapital aufbringen könnte: und daher leistungsunfähig sei. . Was hat indessen die . P. L. D. C. wirklich geleistet!. Mit ihrem lächerlich geringen Kapital hat sie die gesamte Kolonisationstätigkeit der letzten Jahre in Fluß gebracht, sie hat K i n e r e t h und) Dagania geschaffen, den Boden in Merchawja gekauft, parzelliert Und veräußert, 'zum' Teil;an die Siedlungsgenossenschaft, hat in Südpalästina 5600 Dunams* erworben und an zwei jüdische Pflanzungsgesellschaften verkauft, 1200 Dunams bei Chedera für dasf Odessaer Komite erworben, drei Grundstücke von 4000,. 5000 und 12.000 Dunams in Judäa gekauft und steht wegen weiterer Erwerbungen in Unterhandlung. Seit Abschluß der Chowewe Zion-. ,und Rothschildkolonisation ist nicht so viel Boden in jüdische Hände gekommen, wie durch die Tätigkeit der P. L. D. C. Aber nicht nur der Erwerbder Terrains ist ihr zu danken, sondern auch! die .klagelöse Durchführung der in Palästina so schwierigen Besitzergreifung und. Parzellierung, sowie die erfolgreiche Art der Ansiedlung, namentlich der Arbeitergenossenschaften. Die P. L. D. C. hat ein System ausgebildet, das. sich bestens bewährt hat. Das alles ist geschehen, trotz des geringen Kapitals, dank der Tätigkeit des Palästinaamtes, vor allem aber des leitenden Geistes Dr. ’Ruppin. Ein weiterer nicht hoch genug arizuschlagender Fortschritt ist es aber, daß es der. P. L. D. :C. gelungen ist, von der J. C. A. Kapital zum Ankauf von Terrains leihweise zu erhalten. Die J. C. A., welche in Palästina seit langer Zeit keinen neuen Boden erwarb, hat dadurch nicht nur ihren Willen bekundet, dem Fortschreiten der jüdischen Siedlung ihre Hilfe zu leihen, sondern sie hat dadurch ,daß .sie der so kapitalsschwachen P. L. D. C. größere Mittel zur Verfügung gestellt hat, dieser ein solennes Vertrauensvotum erteilt. Beide Momente sind im höchsten Grade erfreulich und wir beglückwünschen sowohl die J. C. A. zu ihrem Entschluß, der . einen Wendepunkt in ihrer ’ Pälästinapraxis bedeutet,- als auch-das Engere; Äctiofis'öomite, wie Herrn Dr. Ruppin dazu, daß eSi ihnen gelungen ist, diese Verbindung nerzustellen, deren weiterer Ausbau zu öiner rascheren Ausdehnung der jüdischen Kolonisation Bedeutendes leisten korinte. Aus dem Bericht tier P. L. D. C. wollen wir noch1 hervorbeben, daß die Farm Kinereth von einer amerikanisch-jüdischen Gruppe in Pacht genommen wurde, während Dagania bekanntlich vom jüdischen Nationalfonds übernommen wurde: Die P. L. D. C. wird dadurch von allen Zeit und Mühe raubenden, aber nicht in ihren eigentlichen Wirkungskreis, dem Ankauf und der Parzellierung von Terrains, fallenden Betätigungen befreit und wohl bald in der Läge sein, auch Dividende zu bezahlen. Von den Parzelleh in Kerak, wo eine Villenstadt erstehen soll (am Tiberiassee) hat die P. L-. D. C. Jahre 1912'13 Parzellen verkauft). Sie .kooperierte im abgelaufenen Jahre mit der ,;Qeulah“, welche Verbindung einondauernde bleiben wird. Die ausgezeichneten Erfolge der P. L. D. C. sollten ein Ansporn sein* daß die Pfundaktien der Gesellschaft in der Organisation einen besseren Absatz fänden wie bisher, lwo von den 50.000 Stück erst zirka 15.000 plaziert wurden. In Oesterreich wurden 1912 nur 351 Aktien abgesetzt, beschämend wenig! Hievon fallen auf Westösterreich nur 148! Wir hoffen, daß im laufenden Jahre die leitenden Komitees alle Anstrengungen machen werden, um den Absatz der P. L. D. C. Aktien in Oesterreich wieder auf die frühere Höhe zu bringen. Das Milämn der „Raflimah“. Die älteste jüdisch-nationale Verbindung, die altehrwürdige „Kadimah“, welche ihrem ererbten Ruhme beständig neue erworbene hinzufügt, begeht dieser Tage das Jubiläum ihres 60-semestrigen Bestandes. Klein und unahnsehnlich war die jüdisch-nationale Bewegung, als Perez Smolenski im Vereine mit mehreren gleichgesinnten Studenten vor 30 Jahren die Kadimah begründeten. Eine Welt von Hohn, Haß, Verachtung umgab die neue Gründung. Aber unbekümmert um die ringsum wütende Gegnerschaft ging die Kadimah ihren, anfangs einsamen, Weg und schritt, ihrem Leitspruche getreu, der Bewegung voran. Heute, da der überwiegende Teil der studierenden jüdischen Jugend dem jüdischen Volke wiedergewonnen ist, kann die „Kadimah“, diese Erziehungsstätte für Offiziere der zionistischen Bewegung in allen Ländern, stolz und im Bewußtsein ihrer nützlichen bahnbrechenden Arbeit in die Vergangenheit schauen '■ und die Zuversicht hegen, daß ihr auch in ‘ Hinkunft ehrende und schöne Erfolge beschieden sein werden. Die anläßlich des Jubiläums von der Kadimah getroffenen Veranstaltungen umfassen einen Begrüßungsabend,1 einen Kommers," ein Meeting,' einen * Ball; einen ‘ gemeinsamen Besuch des Herztgrabes und eine Abschiedsfeier. Das Interesse, welches die jüdische Oeffentlichkeit an diesen Veranstaltungen nimmt, legt Zeugnis ab einerseits von dem Fortschritt der zionistischen Idee, andererseits aber auch von der Beliebtheit, deren sich die Kadimah in der jüdischen Gesellschaft erfreut. Die Veranstaltungen, von denen bis zur Stunde der Begrüßungsabend, der Ball und der Kommas absolviert sind, tragen ein vornehmes, ernstes Gepräge, wie es der feiernden und gefeierten Verbindung ziemt. Sehr angenehm berührt es, daß der Geist, der aus allen Veranstaltungen spricht, nicht lediglich in der Vergangenheit und in der Erinnerung an vollbrachte Arbeit schwelgt, sondern in die Zukunft gerichtet ist. Noch sind wir als Be-! wegung und als Volk nicht so weit, daß wir einen Augenblick lang — und sei es nur für Betrachtung des zurückgetegten Weges — innehalten und rasten könnten. Größere und gewaltigere Aufgaben als die bereits vollbrachten warten unser und der „Kadimah“. Ostwärts und vorwärts I Diese Parole möge weiterhin für uns und unsere Arbeit bestimmend sein. Und da die jubilierende „Kadimah“ sich dessen bewußt ist, darum ..bringen ihr alle, die unserer Ueberzeugung sind, anläßlich ihres Festes die herzlichsten Glückwünsche dar. Rundschau. Reformen für Syrien? Als Folge des für die Türkei unglücklichen Krieges werden in den asiatischen Landesteilen Rufe nach Reformen laut, die in Stambul ernste Beachtung finden. Auch in Syrien (einschließlich Palästinas) werden von den Notabein Forderungen erhoben, die von Abgesandten einer in Beirut abzuhaltenden Versammlung von Volksvertretern in Konstantinopel vorgebracht werden sollen. Die hauptsächlichsten» Förderungen sind: 1. Ausdehnung der Befugnisse der Generalräte. Bisher wurden deren Vorschläge und Beschlüsse von der Zentralregierung gänzlich unbeachtet gelassen. 2. Anerkennung des Arabischen als offizielle Sprache der Verwaltung. Bisher ist überall das Türkische die offizielle Amtssprache, nur bei den Gerichten wurde die Verwendung des Arabischen gestattet. 3. Die Ernennung europäischer Inspektoren für die einzelnen Verwaltungszweige. 4. Lokaler M i 1 i t ä r d i e ns t, d, h. Kasernierung der Truppen in Friedenszeiten nicht außerhalb der Provinz, aus der sie stammen. 5. Zuordnung einer vom Generalrat der Provinz ernannten Kommission zumStatthalter (V a 1 i), welcher mit dieser Zusammenarbeiten soll, also provinzial-konstitutionelles Regime. 6. Ernennung von Eingeborenen zu den Posten der. lokalen Verwaltung.' Wie. man sieht»'.ähneln diese Vorschläge denen, welche aus allen anderen Provinzen seit Jahren gestellt werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Pforte jetzt endlich geneigt sein wird, wenigstens die dringendsten Reformen zu gewähren. Im Interesse einer . Konsolidierung ihres asiatischen Besitzes wäre das sicher zu -wünschen.; * * _ ,