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Jüdische Zeitung · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 3 Aus dem Bukowina«- Landtage oder der Ehrenmann Wassilko. In diesem Blatte wurde seitens unseres Parteifreundes .Luzian Brunner vor einigen Monaten viele ehrenrührige Dinge vorgeworfen, ohne daß Herr Wassilko reagiert hätte. Für diese Haltung hatte der Ruthenenführer aus der Bukowina seine besonderen Gründe. Welcher Art diese Gründe sind, konnte man aus der anläßlich der Sanierungsaktfon zugunsten der verkrachten Genossenschaftsverbände im Bukowinaer Landtage abgeführten Debatte erkennen. Da bekam man saubere Geschichten zu hören! Die zur Errettung aus wucherischen Judenhänden für die rumänischen, ruthenischen und deutschen ■ Bauern gegründeten Verbände waren ein Herd der krassesten Korruption. Provisionsgeschichten, Bestechungen, Defraudationen, Betrügereien — das alles bildete das Hauptgeschäft dieser zum „Volkswohle“ gegründeten Institutionen. Und gar die Rolle, welche- Herr Wassilko hielte! Sein Kollege, der rumänische Abgeordnete Popovid berichtete über Verkäufe von den Herrn Wassilko gehörigen Liegenschaften, für welche die ruthenische „Solanska kasa“ horrende, den Wert weit übersteigende Preise gezahlt hat. Herr Wassilko hatte allerdings den traurigen Mut, diese sogar im Bericht der offiziellen Untersuchungskommission bestätigten Angaben zu leugnen. Er berief sidi dabei auf das Zeugnis seiner Klubkollegen, die allesamt von ihm abhängig und ihm daher willfährig sind. Auch die jüdischen Landtagsabgeordneten spielten eine traurige Rolle. Sie untersützten allesamt — bis auf Dr. Straucher — die Machenschaften der Majorität Es heißt, daß sie sich wegen des Anteiles gewisser Juden an den Geschäften der Verbände, sowie wegen ihnen für die Juden versprochener Konzessionen zu dieser Haltung veranlaßt fühlten. -Es wäre aber weit ehrenvoller gewesen, auch ' die schuldigen Elemente preiszugeben und nicht ohneweiters die Schweinereien korrupter Obermacher aus allgemeinen und zum großen Teil aus jüdischen Steuergeldern decken zu lassen. Ein offizielles deutsches Urteil'' über das neue Palästina. Die „KÖlnische Zeitung“, das offiziöse Organ des reichsdeutschen Auswärtigen Amtes, Schreibt äußerst lobend über das . neue zionistische Leben in Palästina und hebt insbesondere jene Schöpfungen hervor, die dank der Hilfe des Jüdischen Nationalfonds ins Leben gerufen wurden. Das Blatt schreibt u. a.: „Die jüdische Einwanderung hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen und zur Anlage blühender Kolonien in- Palästina geführt Man muß £ie jüdische Bevölkerung Palästinas in zwei Hauptgruppen teilen, in den alten Jischub, den älterem Teil der jüdischen Stadtbevölkerung, d. h. die ältere Niederlassung, und in den neuen Jischub, der den unter dem’ Einfluß der modernen zionistischen Bewegung neu zugewanderten, produktiven, erwerbstätigen Bevölkerungsteil bildet Die städtische Bevölkerung des neuen Jischub ist von höchster Bedeutung für das Kultur- und Wirtschaftsleben des nur halbentwickelten Landes. Sie" liefert Kaufleute und Gewerbetreibende, Aerzte und Lehrer; sie arbeitet an der Entwicklung von Handel und Industrie, an der Besserung der Gesundheitszustände und an der Hebung der allgemeinen Gesittung. Was sie bereits hierin geleistet hat. beweist das in Jaffa befindliche prächtige neue Stadtviertel Tel Aviw in der Nähe der Bahn Jaffa-Jerusalem. Auch der an dieses angrenzende neujüdi^die Stadtteil Nadialath-Benjamin, sowie die in flen letzten Jahren in Haiffa und anderwärts gebauten Stadtviertel sind Zeichen jüdischen Fleißes. Den eigentlichen . Kern des neuen Jischub bildet, obwohl dem städtischen Teil bedeutend unterlegen, die ländliche jüdische Bevölkerung, die etwa 40 Dorfsiedlungen umfaßt. Sie ist dazu bestimmt, die große Frage zu entscheiden, ob es möglich ist, einen erheblichen Teil der Juden wieder der Landwirtschaft zuzuführen und das Volk damit zur Genesung und zur Ausdauer zu befähigen. Der jüdische Landbesitz in Palästina beträgt augenblicklich etwa 40.000 ha. Hiervon sind 30.000 Hektar besiedelte Landstücke, und zwar in Judäa etwa 8600 ha (15 Kolonien), in Samaria 6000 ha (8 Kolonien)," in Galiläa 16.200 ha (16 Kolonien) und im Ostjordanland 300 ha (1 Kolonie). Es fiel zuerst schwer, die Juden, die bisher überwiegend ein handeltreibendes Volk gewesen waren, an die Landwirtschaft zu gewöhnen, und es wurde manchen Kolonien nicht leicht, in den ersten Jahren vorwärtszukommen. Eine große Stütze, fanden sie aber im Baron Edmund v. Rothschild in Paris, der ihnen stets in ihrer Bedrängnis beistamj, den vielfach ungesunden Sumpfboden durch«^AftQ|j|ijizung von Eukalyptusbäumen gesundete, ausgedehnte Weinkellereien erbaute, Wasserleitungen anlegte, den Absatz des Weines organisierte usw. Allerdings hatte diese Fürsorge des Barons v. Rothschild für die Kolonisten anderseits den Nachteil, daß viele unselbständig und lässig wurden, sich mehr und mehr an die Hilfe des Barons gewöhnten und nicht recht vorwärtskommen wollten. Entmutigt durch diese unbeabsichtigten Folgen seiner Kolonisationsmethoden zog sich Baron v. Rothschild 1899 von der Unterstützung der Kolonien zurück und übertrug die Verwaltung seines Werkes der Jewish Colonisation Association in Paris. Seither ist eine ständige Entwicklung der Kolonien zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit hin zu verzeichnen. “'Die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Kolonien Palästinas können in vielen Beziehungen mit denen der jüdischen als gleichlaufend bezeichnet werden. Die allgemeine Besserung der Zustände, die durch die jüdische Kolonisation beschleunigt wird, insbesondere die Stärkung der persönlichen Sicherheit-und die Einführung, geordneter Rechtsverhältnisse, ist für die deutschen Kolonien von größtem Wert Die Türkei hat von der jüdischen Siedlung zweifellos nur Vorteile zu erwarten. Mit jüdischem Kapital wird ein durch viele Jahrhunderte ' vernachlässigtes Land zu neuer Blüte gebracht, inmitten der unruhigen arabischen Bevölkerung schafft ein seßhaftes, arbeitsames. Element Ruhe und Ordnung, hebt die Sicherheit und Steuerkraft des Landes und schlägt eine für den Welthandel wichtige Brücke zwischen Orient und Okzident.“ * Die christlichen Befreier. Ueber das entsetzliche Treiben des griechischen Mordgesindels, welches unter Patronanz der europäischen 'Großmächte das „christliche Befreiungswerk“ unter Juden und Türken besorgt, gibt ein uns eingesandter Privatbrief aus Saloniki Aufschluß^ Es heißt in diesem Briefe unter anderem: . . . Seitdem die Griechen die Stadt eingenommen haben, erleben wir Schreckliches. Es scheint, daß die griechische Armee mit der besonderen Mission hieherkam, zu rauben, zu vergewaltigen und zu plündern. Das Elend ist unbeschreiblich. Bei : uns Juden gibt es wenigstens Solidarität und Zedaka. Dank der Hilfe des Hilfsvereines der deutschen Juden und der Alliance Israelite Universelle kann man eine kleine Aenderung in der Lage konstatieren. Aber die türkischen Moch a dj i r en < (Einwanderer) sterben buchstäblich vor Hunger. Ich selbst bin in der Kommission zur Verteilung von Brot. Du kannst Dir nicht vorstellen, welche Szenen sich abspielen. . Man 'jammert und weint um ein Stück Brot. Und dieses grenzenlose Elend haben uns, lieber Bruder, die Balkaneuropäer gebracht. Die griechische Soldateska, die mit der Mission kam, die Befreiung der Mazedonier zu bewirken, erkannten wir sofort als Raubgesindel. Während die bulgarische Armee die jüdischen Viertel bewachen, plündern und rauben die griechischen Soldaten wie im Mittelalter. Die Anwesenheit der bulgarischen Armee hat zur Herstellung der Ordnung viel beigetragen. Infolge der Zensur weiß ich nicht, was die europäische Presse über Saloniki schreibt. Jedenfalls kannst Du meine Nachricht als authentisch betrachten. Ohne Uebertreibung: die Stadt zählt jetzt über 400.000 Einwohner. Die Plünderungen sind nur in jüdischen Läden und Häusern vorgenommen worden. Die Banditen irren sich nicht in den Adressen, wenn die Läden auch keine jüdischen Aufschriften tragen. Man plündert am hellen Tage, die griechische Polizei sieht den Räubern ruhig zu. Jeden Tag bin ich im jüdischen Viertel und höre, wie die armen jüdischen Kaufleute jammern und weinen. Dem einen wurde sein ganzes Lager gestohlen, dem andern wurden 40 Dutzend Regenschirme, dem dritten alle Zuckerkisten weggeholt usw. Du begreifst, daß eine Person allein dies nicht tun kann. Es sind natürlich ganze Banden organisiert, die, mit Trägern und Wägen ausgestattet, die jüdischen Geschäftsleute berauben. Du siehst also, was für „Befreier“ zu uns gekommen sind. Ich kann Dir versichern, daß wir Juden das Verschwinden des alten türkischen Regimes bedauern, damals war das alles unbekannt und unbegreiflich. Wir Juden konnten bis jetzt unsere Kaltblütigkeit bewahren, wenn diese Zustände noch andauern, kommt es zum Ausbruch einer Revolution. Der letzte Dienstag war ein Trauertag für ■die ganze jüdische Gemeinde, dieser Tag wird in der Geschichte der Gemeinde schwarz eingeschrieben werden. Was geschah? Zwei Juden, Kaufleute und Wechsler, wurden am hellen Tage ermordet. Sie gingen um 5 Uhr nach hause. Unterwegs begegneten sie fünf Banditen, die von ihnen Geld verlangten. Di^.,Juden lehnten ab und wurden sofort ' durch RevÖiverschüsse ermordet, angesichts ihrer K i n d e r I Diese traurige Nachricht verbreitete sich blitzschnell. Wir ermutigten uns und alle jüdische Korporationen beschlossen einen imposanten Leichenzug zu organisieren. Die Beerdigung fand am nächsten Tage statt: Ueber 30.000 Juden nahmen teil; viele Reden wurden gehalten. Es entstand unterwegs eine Panik, da die griechischen Militärbehörden den Leichenzug sehr ungern sahen, der ein mächtiger Ein Schwarzer nach Tisch macht munter und frischt Die Untersuchungen von Professor HoUingworth haben erwiesen, weshalb es so ist. 'Wenn Sie sich dafür interessieren, wie man der Ermüdung nach den Mahlzeiten entgeht, so lesen Sie die kleine Broschüre: „Winke für Feinschmecker* Gratis erhältlich in allen Geschäften der Firma JULIUS MEINL Gegr. 1862. f NIEDERLÄNDISCHE LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. I Im eigenen Palais.—Versilbertes Kapital zirka 380 Billionen. - Prämienreseroe zirka 113 Billionen. — Billigste Prämien und kulanteste Bedingungen | Engagiert Jederzeit ffiditige, leisfnngsfökige Agenten gegen koke Bezöge. jnggngeertalt die Ceneratagentakalt Uten, 1„ Bspernplatz 1 (Beiter: Daoifl Hebenzakl). EOr Ostgalizien u. Bukowina: Snbdirektion Lob) Taubes, üemberq ■v-rs*ara*K«r;-* b.^-T^^r****^*™*-^.-**^. . ...

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