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Jüdische Zeitung · 1912-12-27 · 51 (27.12.1912) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
51 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 51 gamenten hat es ihr kampfesmüder Intellekt restauriert. Wo haben Sie bei uns Juden das „ineinander von Kultur und Religion“ begegnet? Etwa im Westen, wo in den angehäuften Bergen von Kultur kein einziges Körnchen echter unverfälschter Religiosität zu finden ist? Oder — im Osten, wo nur mit dem Weichen der Religiosität Kulturansätze zu keimen beginnen? Und wenn man im heutigen Judentum einen Funken jener lodernden Flamme suchen wollte, man könnte es in erster Reihe bei jenen „Materialisten“ finden, die auch Sie als „jütische Vollbringer jüdischen Heiligungsglaubens“ bezeichnen mußten. Nur können sie es nicht vergessen, daß der „große eingebildete Schreck“ — unseres Geistes Kind ist und es ist ihnen daher nicht gegeben, sich vor ihm in mysteriöser Exstase und Demut zu beugen . . . Aber auch Ihre Synthese, das „Ineinander von Kultur und Religion“, ist es nicht ein Erzeugnis Ihres nach' Ruhe dürstenden Intellektes? Also wiederum — „I n t e 11 i g e n z—R e- 1 i g i o s i t ä t“ ... Ja, so sind wir Juden nun einmal, stets und überall ein Volk des Intellektes, sogar in unserem Gott-Suchen, Gott- Schaffen und Gott-Verlassen. Und nun — wenn es nicht bei Worten bleiben soll, wenn wir, „die Letzten der Lehre, die Ersten der Tat“ werden sollen, — w a-s sollen wir tun? Wer ist der „Feind“, den Sic verjagen wollen? Wer sind sie, die „Vielen“, über denen zusammen mit Ihnen die Reue gekommen ist? Das alles haben Sie uns nicht gesagt, vielleicht können Sie es uns auch nicht sagen, denn das Eine müssen Sie wissen so gut wie wir: Der Weg, auf den Sie uns rufen, er führt über Jabneh — nach K a 11 o w i t z! Wir aber, die die allseitige Regeneration unseres Volkes anstreben, werden ihm unermüdlich Zurufen: „Los von Kattowitz!“ In aufrichtiger Hochschätzung Ihr Maxim A n i n. Rundschau. Aus dem Sumpfe der Großjuden. Ein Sproß aus dem Tramway-Reitzes-Geschlecht ist vorige Woche baronisiert worden. Der neue Freiherr Reitzes von Marienwert ist längst getauft: nunmehr ist er protestantisch und hochadelig. Den Adel erwarb dieser Protestant jüdischen Geblütes durch eine Spende für den Eucharistischen Kongreß. Allerdings wird diese Wahrheit dementiert, aber die Offiziösen wissen selbst sehr wohl, daß ihnen keine Katze auf ihr Dementi hereinfällt. Denn daß Herr Reitzes für eine Spende von 200.000 K zugunsten eines-wohltätigen Zweckes Baron geworden wäre, ist doch nicht wahrscheinlich. Die Version, daß der Tramway-Reitzes der .Regierung 500.000 K zur freien Disposition, das heißt für den katholischen Eucharistenkongreß übergeben hat, beruht anscheinend auf Wahrheit. Natürlich wird dieser Schacher der Regierung mit dem israelitisch-protestantischen Reitzes auf das 'allgemeine Judenkonto gewälzt werden, genau wie die Millionen, - weiche die Familie Reitzes an der Pferdetramway verdient hat, zum Anlasse der christlichsozäalen Hetze genommen wurden. Ueberhaupt hat das jüdische Volk, von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, an seinen reichen Juden wenig Freude. Die Sprößlinge der Reitzes, Gutmann et tutti quanti unterscheiden sich in nichts von den verkommensten Nachfahren degenierter Blaublütler. A propos Gutmann! Wie ereiferten sich bei der Ankündigung, daß eine Enkelin des verstorbenen Gutmann getauft sei, Dr. Kapralik und seine journalistischen Beschützer? Nun mußten sie den Schmerz erleben, daß vor einigen Tagen bereits die zweite Enkelin Gutmanns einen Christen, eigen gewissen Habig, zum Ehegespons erwählt hat. Schließlich erwecken in uns die Heldentaten der Gutmannschen Sprößlinge und der Adel des Tramway-Reitzes keinen übermäßigen Schmerz, denn wir haben das jüdische Volk nie mit diesen entarteten Parvenünachkommen identifiziert. Wir wissen, daß das jüdische Volk in seinem Kerne gesund ist und freuen uns, daß die faulen Teileauf dem Wege der" Taufe oder durch Mischehen mit hochadeligen Kretins ausgestoßen werden. * » * David Heinrich Müller gestorben. Am 21. d: M„ ist hier der hervorragende jüdische Orientalist Hofrat David Heinrich Müller, Professor der semitischen Philologie an der Wiener Universität, im Alter von 66 Jahren gestorben. Müller genoß namentlich als ausgezeichneter Kenner der südarabischen Dialekte; hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Er hat sich um die Erforschung der althebräischen Metrik sowie um die hebräische Lexikographie "bleibende Verdienste erworben und war ferner als tüchtiger Assyriologe bekannt. Er gehörte auch dem Lehrkörperder Jüdisch-Theologischen Lehranstalt in Wien an und las dort über hebräische Grammatik und jüdische Religionsphilosophie. — Hofrat Müller, welchem einen Tag vor seinem Tode der erbliche Adel verliehen wurde, stammte aus Buczacz, wo er als gediegener Talmudist einen ausgezeichneten Ruf genoß. Als verheirateter Mann wandte er sich dem Studium profaner Wissenschaften zu und verstand es, dank seinem Fleiße, seinem gründlichen Wissen und seiner Zielstrebigkeit, sich eine hervorragende Position zu schaffen. Hofrat Müller war als wirkliches Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, als Forscher, Lehrer und Schriftsteller allgemein bekannt und geschätzt. Sein Auftreten in dem Bibel-Babel-Streite ist noch in lebhafter Erinnerung. Um jene Zeit vindizierte er in einem berühmt gewordenen Vortrage die biblische Ethik -und das altjüdische Recht mit der stolzen Formel: „Hane rein meam esse aio“ für sein Volk. Sonst trat Hofrat Müller nur wenig hervor. Von der modernen jüdischen Bewegung hielt er sich fern, obwohl der Zionismus in seiner nächsten Umgebung — wenn auch nicht an seinen Söhnen begeisterte Anhänger fand. Hofrat Müller war — abgesehen von seiner, über jeden Zweifel erhabenen, bedeutenden Gelehrsamkeit — sonst ein „guter Jude“, der sichs mit den Herrschenden und Mächtigen nicht verderben will. Immerhin überragte er das Pvgmäengesclilecht der anderen „strebsamen“ Professoren jüdischer Abstammung in beträchtlichem Maße. * * * Rote Assimilanten unter sich. Es ist unausweichlich, daß die Juden, welche in der Sozialdemokratie führende Rollen spielen, dadurch, daß sie. verschiedenen nationalen Lagern angeboren, sich manchmal in die Haare fahren müssen — ein Schauspiel für Götter! Da ist der jüdisdi-polnisch-sozialistische Herr Liebermann, der sich jn jüngster Zeit vom jüdischdeutsch-sozialistischen Herrn Austerlitz manche Anrempelung gefallen lassen muß. Liebermann, der Oberpole, . gefällt sich in letzter Zeit in der Rolle des polnischen Freiheitshelden, der einen österreichischen Krieg gegen Rußland als höchst wünschenswert hinstellt und sich für die völlige Unabhängigkeit Polens begeistert. Das paßt natürlich Herrn Austerlitz nicht in den , Kram, und die „Arbeiterzeitung“ weist Liehermann fortwährend zurecht. Ja, kürzlich, als dieser Sozialist im Ausschuß bei der Abstimmung über das Kriegsleistungsgesetz durch Abwesenheit glänzte, schrieb Austerlitz höhnisch: „Zufall oder Absicht?“,, Das ist ja reizend! Der eine jüdische Sozialist unterschiebt denf andern Verrat an der sozialistischen Opposition gegen den Militarismus. Dein einen nationale^ So-^- zialisten ist der andere zu' sehr" National-? Patriot! Wir aber glauben, der Jude als polnischer Chauvinist, ist: eine mindest so blamable + Figur, wie der Jude, der die lnternationalität " betont. Wenn das Ergebnis aberschließlich";.:' dieses ist, daß der international gesinnte Jude ' sich mit dem chauvinistischen Bruder herumrauft, dann können wir -zufrieden sein. Die Absurdität des politischen Standpunktes beider . könnte nicht besser demonstriert werden." Mögen - sie daher nur lustig weiter raufen! ZionistiKdies Judentum.*) Bemerkungen zu Adolf Böhms Artikel „Zionistisches Reformjudentum“ in Nr. 50 der„Jüd. Ztg.“ Von Joachim Neiger. Die Ursache der allzu langsamen Zunahme unserer Bewegung, bei gleichzeitig wachsender Aktualität des Zionismus, glaubt Adolf Böhm in der angeblichen Existenz eines „zionistischen Reformjudentums“, das er mit großem Scharfsinn und bewundernswerter Gründlichkeit bekämpft, gefunden zu haben. Von der falschen Prämisse ausgehend, daß der Zionismus bestrebt ist, die Lebensform der einzelnen Zionisten zu beeinflußen, kommt der Verfasser zu Schlußfolgerungen, die, in vielen Punkten, eine Richtigstellung dringend erheischen. ln erster Reihe —• und darauf muß mit Nachdruck hingewiesen werden — darf der Zionismus nicht als temporäre Erscheinung oder' als Parteigebilde innerhalb des Judentums definiert werden, da er vielmehr als das Judentum selbst aufgefaßt werden muß. Zionismus und Judentum sind synonyme Begriffe und ersterer bedeutet nur die vorbehaltlose Bejahung des letzteren. Wir Zionisten zumindest können uns, in Konsequenz unserer Ideenentwicklung, die Zukunft unseres Volkes nicht anders' vorstellen, als daß das Judentum entweder ganz zionistisch werden' oder aber überhaupt nicht existieren wird. Von diesem Standpunkte ausgehend, kann die numerische Zunahme der organisierten Alitglieder unserer Bewegung keineswegs als Maßstab für die Werbekraft des Zionismus angewendet werden, die doch gerade in der unleugbar vorhandenen Aktualität in allen — selbst nichtjüdischen — Kreisen, am wirksamsten zum Ausdruck kommt. Wo immer sich nur Symptome jüdischen Selbstbewußtseins, trotziger ' Auflehnung gegen moralische Knechtung oder lebendiger Hoffnungen — allerdings nicht mystischer Natur — aut eine Zukunft in Erez Israel zeigen, dort ist die. zionistische Idee bereits eingedrungen und jene Kreise, mögen sie uns auch , aufs Grimmigste *1 Die Redaktion behält es sich vor, nach Abschluß der .Diskussion über den Artikel „Zionistisches Reformjudentum“ von Adolf Böhm zu den aufgeworfenen Fragen Stellung zu nehmen. Ein Schwarzer nach Tisch macht munter und frisch! Die Untersuchungen von Professor Hollragworth haben erwiesen, weshalb es so ist. Wenn Sie sich dafür interessieren, wie man der Ermüdung nach den Mahlzeiten entgeht, so lesen Sie die kleine Broschüre: „Winke für Feinschmecker“ Gratis erhältlich in allen Geschäften der Firma JULIUS MEINL Gegr. 1862. :te£sis£f- NIEDERLÄNDISCHE LEBENS -VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais. —Eersidiertes Kapital ziFita 380 niliisnen. — Ppot3»i!>arese?08?zipfsa 113 Billionen. — Billigste Prämien und kulanteste BaOingungcn. Engagiert jeöerzeit tü&fige, leislnngsfäftige Agenten gegen hohe Bezüge. BnsMniteerteilt Oie 6eneP3tagenis<hait isien, 1., Esperapiatz 1 (Beiter: Osoifl He&eazakl), Für Ostgalizien n. Bukowina:-Subflirektlon 0561 Taubes, Hemberg.

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