Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 50 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4___*._JÜDISCHE ZEITUNG . Und -in dieser Manier fährt das „Deutsche Lesebuch“ fort. Menschen- und Naturgeschichte — Erd- und Himmelskunde, überhaupt alle behandelnden Gegenstände sind kaum mehr als ein Vorwand, von der höheren Ehre des Christentums zu singen. Und das müssen die jüdischen Kinder jahraus, jahrein schlucken, ohne daß sich eine Hand zu ihrem Schutze rührt! Da die Eltern der so vergewaltigten Kinder es kaum riskieren können, gegen die von a.len Behörden gedeckten Schulde:poten aufzumucken, wäre zur Abwehr zunächst der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde berufen. Er hat ■ im Bezirksschulrat, im Ortsschulrat und Landesschulrat seine Vertreter sitzen, wie der jüngste Rechenschaftsbericht wieder rühmt. Haben diese Vertreter bisher etwas zur Abwehr ge^an? Und wenn ja, was haben sie getan? Df.* jüdischen Eltern haben ein Recht, auf diese schwerwiegenden Fragen eine klare und erschöpfende Antwort zu bekommen. Und sollte der KuLusvorstand wirklich alle Mittel der Abwehr erschöpft haben, worüber wir bei seinem Geheimsystem gar nichts wissen, dann wieder wäre es Pflicht des Vorstandes, dafür zu sorge.’, daß die Judenkinder aus den Fesseln der sogenannten „Interkonfessionellen Volksschule“ befreit und dem Schutze neu zu errichtender jüdischer Schulen - anvertraut werden. ' Wir warten auf baldigste Aufklärung. Dr. Z w e i g. 25 Pfennig. Dieser Beitrag wird allwöchentlich ausgezahlt, damit die Armen ihre Vorräte en gros einkaufen können. Alles in allem wurde von der Kommission bis zu dem bezeichneten Tage ausgegeben: für Miete 1620 Piaster, Transportkosten und Verschiedenes 4162 Piaster, Kleidung, Wäsche und ■ Letten 69.790 Piaster, Nahrung 59.770 Piaster und für ärztliche Behandlung und Desinfektion 5077 Piaster, zusammen 140.420 Piaster, d. s. ungefähr 24.000 Mark, Cer Gesundheitszustand unter den jüdischen Immigranten war verhältnismäßig ausgezeichnet, wenn man die furchtbaren Zerstörungen in. Betracht' zieht, die Dysenterie, Blattern, Typhus und Cholera unter den mohammedanischen Mohadschirs in Konstantinopel anrichten. Nur in allerletzter Zeit hat auch unter den jüdischen Zuwanderern die Cholera etwas beunruhigenderen Umfang angenommen. Im ganzen wurden in der Berichtszeit konstatiert und behandelt: 13 Fälle von Cholera, darunter 3 tötlicne, 17 Fälle von Typhus, 1 tötlicher, 1 Fall von' Meningitis, 1 Fall von Scharlach, einige Fälle von Dysenterie und eilige Lungenentzündungen, die günstig zu verlaufen scheinen. Dieses verhältnismäßig günstige Resultat ist einerseits der guten Ernährung der Flüchtlinge, der dauernden '^ärzt'ichen Ueberwachung in allen Quartieren und •endlich der sofortigen Ueberführung der Kranken in das jüdische Krankenhaus' „Or Hachaim“ zuzuschreiben. . Im allgemeinen muß man sagen, daß die Kommission mit Gewissenhaftigkeit und Erfolg ihre Mission erfüllt hat, sodaß Hoffnung ist, daß auch die weitere Hilfstätigkeit, die ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat, im Sinne der zahlreichen Helfer des In- und Auslandes vor sich gehen wird. Judifdies vom Balhanhrieg. Die jüdischen Flüchtlinge in Konstantinopel. Die aus Vertretern des Hilfsvereines der Deutschen -Juden, der Alliance Israeli,e Uneverselle, des Ordens Bene Beritli und des Großrabbinates zusammengesetzte Kommission zur Hilfeleistung für die jüdischen Kriegsflüchtlinge in der türkischen Hauptstadt versendet soeben ihren ersten Tätigkeitsbericht, dem wir die folgenden interessanten Daten entnehmen: Der Bericht umfaßt die Zeit von. der Ankunft der ersten Zuwanderer bis zum 7. Dezember. Bis zu diesem Tage sind 584 jüdische Familien in Konstantinopel eingetroffen, dis 2590 Seelen umfassen. Diese Flüchtlinge verteilen sich aut die folgenden Herkunftsorte.'.Es'kamen aus Adrianopel Lule-Borgas Rodosto Silivria Kirk-Kilisse Tschorlu Baba Eski Visa 114 Familien 84 „ 43 „ 130 104 , . 71 n 11 10 mit.420 Seden . 387 „ » 200 . „ 614 „ . 447 . ' »317 „ „ 48 „ » 49 „ Der Rest rekrutierte, sich aus den Stächen und Dörfern Demotica, Mustafa-Pascha, Pawloköj,. Tschadaldscha und änderen. Diese Imigrantenmengen sind - aufdis verschiedenen ''jüdischen .Stadtviertel von Konstantinopel verteilt worden, wo die einheimischen Juden sich in rührender Weise ihrer annahmen. Die größten Agglomerationen der Flüchtlinge entständen in den Stadtteilen Galata mit 524 Seelen, Hasköj mit 517 und Balat mit 381 Seelen. Es handelt sich darum für diese Armen Kleider, Betten und Bettwäsche, Hausrat, Nahrung und ärztliche Fürsorge zu beschaffen. Zuerst fandoi fast alle unentgeltliche Aufnahme, in Privathausern, .meistens bei den Aermsten der Stadt. Einige konnten bei Verwandten Unterkommen. Später wurden jedoch fast alle in Synagogen, in den Turnhallen des Turnvereins „Makkabi“ und in einer in Pascha-Bagtsche am Bosporus gelegenen leerstehenden jüdischen Glasfabrik untergebracht, in einigen Vorstädten mußten auf Kosten der Kommission Mietshäuser gemietet werden. Die nötigen Wäsche-,' Kleidungs- und Bettstücke wurden zum großen Teile durch Sammlungen in der Gemeinde beschafft; Damen -machten'die Runde in ‘allen jüdischen Häusern imd es wurde mit größter Freigebigkeit geschenkt. Trotzdem waren große Anschaffungen aus der Zentralhilfskasse notwendig. Es wurden 153 Ballen Wäschestoffe, 990 wollene Decken, 585 Matratzen, 610 Kissen und 725 - Oberdecken, sowie 120 Strohteppiche gekauft. Was die Nahrung betrifft, so stellt, die Kommission mit Stolz fest, daß keiner der Flüchtlinge in keinem Augenblicke seiner Anwesenheit in der Hauptstadt Hunger gelitten hatte. :Für die allerersten Bedürfnisse sorgte auch hier die einheimische jüdische Bevölkerung. Dann begann die Stadtbehörde Brot unter den „Mohadschirs“, wie sie in der türkischen Amtssprache heißen, zu verteilen. Zwar geschah das nicht in allen Stadtvierteln und nicht regelmäßig, aber es bedeutete doch einen großen Zuschuß zu der allgemeinen Versorgung. Die . Kommission griff hier -ein, indem sie für die Beköstigung eineinhalb Piaster pro Tag und Kopf, verteilte, etwa' Die erste Hilfe für Adrianopel. Adrianopel ist noch immer eng von der bulgarischen -Armee umschlossen. Der Waffens'ills'.and hat dieser Festung wohl einige- Ruhe, aber keine Erleichterung für die Verpflegung verschafft.. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dort eine furchtbare Teuerung herrscht, vielleicht sogar Hungersnot. Die Vertreter des Hilfsvereines und der Bene Berith haben deshalb vor einigen Tagen die Initiative dazu ergriffen, auf irgend eine Weise zu versuchen, das Elend der Juden dieser Stadt zu erleichtern. Der eben verkündete Waffenstillstand konnte dazu verhelfen. Da weder Post;- noch Bahn, noch Telegraph nach Adrianopel im; Betrieb sind, wandte man sich an die' Kaiserliche Ottomanbank um Rat, auf welche Weise''sie' Geldsummen an ihre ■Adrianopeler Filiale zur Auszahlung an die dortige ■ Gemeinde übermitteln-' könnte. Die Bank erklärte, ‘ es sei eine. Möglichkeit dazu vorhanden, wenn die Militär-Intendanz die. Beförderung der entsprechenden Depesche per Radiotelegraph übernehmen würde. Man begab sich also ins Kriegsministerium, welches sich auch tatsächlich für diese ganz außerordentliche . .Begünstigung im Interesse der Wohltätigkeit gewinnen ließ. Am 10. Dezembfer ist die Sendung durch Vermittlung der Ottomanbank, welche auf jede Kommission dabei verzichtete und des Kriegsministeriums nach Adrianopel abgegangen. Sie. bestand aus 500 türkischen Pfuid, die sich aus 200 vom Hilfsverein, ,200 von der Alliance und 100 von der Großloge Bene Berith zusammensetzten. Sobald bestimmte Nachricht über die glückliche Ablieferung der Summe an das Großrabbinat von Adrianopel hier eingetroffen sein wird, werden weitere Hilfsbeträge dahin abgehen, wofür noch neue 5000 Francs vom Hilfsverein und. 15.000 Francs von der Alliance zur Verfügung stehen. Soeben ist auch eine neue Sendung vom Exeku'ivkomitee des Ordens Bene Berith in Chikago im Betrage1 von 10.000 Frs. für die Allgemeine jüdische Hilfsaktion in der Türkei •eingetroffeh. Große Ueberschwemmung in Serres. , Als ob es an den Kriegsleiden - noch nicht genug wäre, ist ein neues Unheil in Gestalt' einer Ueberschwemmung in der einige Wegstunden nördlich von Saloniki gelegenen Stadt Serres über die dortigen Juden hereingebrochen. .Der neben -der Stadt vorbeiziehende Fluß.tratüber seine Ufer und: setzte alles unter Wasser." Der jüdische'Stadtteil von Serres wurde fast vollständig vernichtet,' die Häuser weggerissen, die Menschen in Lebensgefahr gestürzt: Ein Teil der Gemeinde'barg sich;in der höher gelegenen Schule der Allianz, der - Rest. flüchtete ins Weite. So steigt, die Flut des jüdischen. Elends iri der Türkei immer höher und höher. Neue- Audienz des Saloniker Größrabbiners bei König Georg. i . "Rabbi Jakob Meir ist am .3. Dezember in einer zweiten Audienz,-vom König der Hellenen empfangen worden/ 'Der König richtete an den Rabbiner-die Frage, ob er von den Veröffent-' lidiüngen der europäischen Presse über Exzesse dergriechischen- Armee gegen :Juden Kehn*' '>• Nr. 50 habe. Rabbi Jakob Meir bejahte. Hierauf ersuchte der König den Großrabbiner, ihm freimütig "zu sagen, wie sich die Dinge in Wirklichkeit zugetragen hätten. Als Antwort gab ihm -Rabbi Meir eine offene Darstellung der Vorgänge, wie sie durch die Presse bereits bekannt sind, eine Darstellung, die jedenfalls den' auffälligen Brief desselben Rabbiners an den Prinzen Nikolas, den * der „Temps“ publizierte, vollständig widerlegte. ' Es ergibt sich aus dieser Tatsache, daß wirklich, wie» allseits angenommen -worden war, jener Brief nur das Produkt einer direkten Erpressung gewesen sein konnte. (Anm. d. Red.: In diesem Briefe wurden die Beschuldigungen gegen die griechischen Pogromhelden zurückgezogen.) Der Großrabbiner sagte dem König, daß Sy/a^oge -Schändungen s.fa ^gefunden hätten und daß auch eine Reihe von Vergewaltigungen vo.i Frauen und Mädchen unwiderleglich festgestellt seien. Mit besonderem Nachdruck berichtete er alsdann von dem scharfen und erbarmungslosen Boyk o 11, den jetzt alle Griechen, alteingesessene oder neu eingexogen;, gegen ' die jüdischen Geschäfte eröffnet haben. Sobald ein Grieche in einen Laden eintritt, fragt er den Kaufmann: „Bist du Türke, Grieche oder Jude?“ Ist es ein Grieche oder Türke, so kauft er bei ihm; ist es aber ein .Jude, so erklärt er: „Jude, bei dir kaufe ich nicht!“ Die reservierte Haltung der Juden beim Einzüge des griechischen Heeres erklärt der Großrabbiner frei heraus durch die Tatsache, daß die Juden, die eine große historische Dankbarkeit für das türkische Reich empfänden und weder unter dem alten Regime, .noch in der Verfassungszeit jemals etwas von den Türken zu leiden gehabt hätten, natürlicher Weise sehr betrübt über die türkische Niederlage und den Verlust Salonikis gewesen wären. Befreiung jüdischer Kriegsge*ang--«er. Es scheint, daß seit kurzem die griechischen Autoritäten Salonikis ihre Haltung den Juden gegenüber geändert haben. Nicht nur der neue Empfangdes Saloniker Größrabbiners beim hellenischen König und der Besuch, den dieser Tage der Stadtkommandant von Saloniki dem Rabbiner abstattete, um ihm allen möglichen Schutz zu versprechen, zeugen dafür, sondern vielmehr noch der folgende Vorfall. Mit einem Trupp osmanischer Kriegsgefangener trafen kürzlich auch etwa 40 jüdische Gefangene ein, unter denen sich neun "Saloniker Bürger befanden. Der Vorstand des jüdischen Klubs von Saloniki leitete nun Schritte ein, um die Freilassung dieser jungen Leute zu erwirken.. Tatsächlich fand er dabei das Entgegenkommen der hellenischen Militärbehörden. Zuerst wurden die jüdischen Soldaten in einem Kaffeehause - isoliert und durften sich dort wie freie Bürger betragen. Sodann wurden sie vollkommen frei: gelassen gegen die schriftliche Bürgschaft des Klubs, daß sie die Stadt Saloniki nicht Ahne Erlaubnis verlassen würden. Der Chachambaschi der Türkei im Palast des Sultans. Am .10. Dezember, aus Anlaß des ersteh Moharrem, begab sich der Chachambaschi gleich allen anderen Würdenträgern des Reiches in-den Sultanspälast, um dem Herrscher die Glück-' wünsche der jüdischen Nation zu übermitteln. Vor einigen Tagen gab der neue Botschafter Italiens auf dem Großrabbinate seine Karte ab. -Auch der Kommandant des im Bosphorus ankernden spanischen Kriegsschiffes machte Rabbi Nahum einen Besuch: Ferner erschienen auf dein Großrabbinate der neugewählte stellvertretende ökumenische Patriarch; und der Präsident des griechischen Konsistoriums, um Räbbi'Nahum für seine Teilnahme an dem Begräbnisse des jüngst verstorbenen - Patriarchen, sowie der jüdischen Nation für die Zeichen von Mitgefühl .an der Trauer des griechischen Elementes anläßlich des. Hinscheidens des Patriarchen den Dank ihres Vo!L kes auszusprechen. Brief aus der Bukowina. Der Raiffeisenschwindd und der jüdische Landtagsklub. In verschiedene jüdische Blätter wurden entstellende Berichte über die Krise im jüdischen Landtagsklub, die zur Niederlegung der Öbmannstelle durch Herrn Dr. Straucher geführt hat, Wien, II., SfelaniestraBe Nr. 14. Telephon interurbän 13702. 70 modernst eingerichtete Zimmer von K 2.80 aufwärts, in unmittelb. Nahe des Nordu. Nordwestbahnhofes, 5 Minuten vom Stadtzentrum. _ BADEN bei Wien, Antonsg. 13, Franzcnsstr. 34 Telephon interurbän 217. 400 Personen fassend schöner Naturgarten. Elektrisch beleuchtet - - ‘Große Veranden und Säle vis-ä-vis-. dem Kurpark. Große Speisesäle zur Abhaltung von Hochzeitsdiners und anderen festlichen Veranstaltungen; - Pension nach.Uebcrelnkommen. Exquisite Küche und Kellia