Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 50 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr. 50 lanziert. Dies ist umso bedauerlicher, als die; Haltung des Gg. Abg. Dr. Straucher in der Frag«, welche diese Krise herbeigeführt hat, eine korrekte’ und den nationaljüdischen Intentionen vollkommen entsprechende ist. Wir erhalten von informierter Sehe aus Czernowiiz nachstehenden Bericht: „Die letzte Landcagssession wurde nur zu ' dein Zwecke einberufen, um die „Sanierung der R a i f f e i s e n k a s s e n“ mit Landeshilfe 1 durchzuführen. Diese ■ Sanierungsaktion ist ein betrügerischer Anschlag auf die gesamte Bevölkerung der Bukowina/ namentlich aber auf die jüdische. Die nationalen Raiffeisenverbände der Ruthenen und Rumänen haben Statuten- und gesetz widri ge . Geschäfte gemacht und eine geradezu verbrecherische Wirtschaft betrieben; sie weisen nun Millioncn-Deffizite auf. Ihre, Absicht war, die Holzgeschäfte den jüdischen Unternehmern zu entreißen, was ihnen auch durch nicht ernst gemeinte lieberbote gelungen war, obgleich sie Spekulations¬ oder industrielle Unternehmungen nicht betreiben durften! Die Defizite in diesen Verbänden sollen vier bis f ü n t Millionen betragen— verläßliche Feststellungen über diese Höhe und über die W'erte der Aktivbestände, der Passiven überhaupt — fehlen. Und-nun soll das Land Bukowina unter seiner Garantie eine Schuldenlast von fünfzehn Millionen Kronen übernehmen, und die Defizite sollen ans der sog. „Zinsen-Spannung“ gedeckt werden, d. h. aus der Differenz der Zinsen des aufzunehmenden Millionendarlehens (5"" bis 5:4'"n) und der Höhe des von der bäuerlichen Bevölkerung für Kredite zu zahlenden Zinsen (9"u bis 9V'^'•!•) sollen die fehlenden Millionen gedecktwerden! Dieser ingeniöse Plan ist von Haus verfehlt. Denn erfahrungsgemäß kann die bäuerliche Bevölkern.«* aus dem geringen Ertrage ihrer überaus mageren Wirtschaft kalUm 4n<> bis 5“i> zahlen. Die Bukowina besitzt überhaupt keinen eigentlichen Bauernbestand; 54°o besitzt Grund von kaum - Hektar bis 3 Hektar und zusammen etwa 83"", bis zu, 5 Hektar! Die naturnotwendige Folge muß dann sein, daß das Land die 15 Millionen zahlen müßte, d. h. die in etwa 60 Jahresraten abzustattende Verschuldung in der Höhe von nahezu 30 Millionen müßte zum größten Teile die städtische, also zumeist jüdische Bevölkerung, die in keiner Weise an diesen Raiffeisenverbänden oder Raiffeisengeschäften beteiligt war, zahlen.; Die Judenschaft müßte also für die Sünden, Lumpereien und Bereicherungen dritter Personenaufkommen, -- zum Lohne -dafür, daß ihnen die bezeichneten Raiffeisen-Verbände di.* Geschäfte aus der Hand genommen haben. Der Haß der Herren Nikolai Wassilko, L>r. | Onciui und Genossen gegen ' Abg. Dr. Straucher kennt deshalb keine,-Grenze. Und es bot sich ein'-trauriges Schauspiel! Herr Nikolai Wassilko hat alle Mitglieder des jüdischen Klubs für das Sanierungsprojekt gewonnen, dessen „überzeugteste“ Anhänger sie plötzlich geworden waren. Diese tiefgehende prinzipielle Meinungsverschiedenheit über eine der wichtigsten sozialen und sozial-ökonomischen — aber auch moralischen Fragen und Probleme im Landtage hat dazu getührt, daß Abg. Dr. Straucher wiederholt seine Demission als Obmann des „jüdischen Klubs“ angeboten und sie schließlich auch zurückgelegt hatte. Der Klub verlor aber seine eigene Leitung und Selbstständigkeit überhaupt. Die Mitglieder des jüdischen Landtagsklubs folgten blind in allen Fragen den Winken und Weisungen des Herrn Nikolai Wassilko, die strammen jüdischen Abgeordneten knickten zusammen. So trennten sich die Wege des Abg. Dr. Straucher von jenen seiner Klubgenossen. Und alleinstehend entwickelte Abg. Dr. Straucher in der diesjährigen Oktober-Session des Bukowinaer Landtages eine Tätigkeit,- die von seiner politischen Schulung und seiner Liebe zum jüdischen Volke Zeugnis ablegte. Im ganzen Lande und in allen nationalen und politischen Parteilagern wurde die Stellungnahme und Tätigkeit des Abg. Dr. Straucher rühmlichst hervorgehobea. In zwei großen jüdischen Volksversammlungen in Czernowitz nach Schluß des Landtages wurden Dr. Straucher begeisterte Ovationen dargebracht. Das ist die wahre Sachlage. Veritas. Aus dem jüdifdien Geben. Ein interessanter Vortrag. Donnerstag, den 12. d. M. schilderte Rabbiner Dr. Grunwnld, der vor einigen Wochen aus Palästina zurückkehrte, seine Reiseeindrücke. Dr. Grunwald konnte nicht genug Worte' des Lobes über das Gesehene finden. Er regte die Gründung eines Palästinaressorls in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde an und forderte die Anwesenden auf, für Palästinazwecke zu spenden, wodurch sie sieh an der Errirhtung eines lebensvollen Werkes beteiligen würden. * Kriegsfurcht in Galizien. Die moskalophile Propaganda in Galizien arbeitet.mit einem in Rußland bewährten Mittel: mit Pogromdrohungen. In vielen Gemeinden sagen die Bauern offen, daß sie die Zeit der russischen Herrschaft herbeisehnen, denn dann werde Ist nun ' schon diese Aktion eine durchaus verwerfliche, so ist sie auch weiters eine unaufrichtige und zweckwidrige, weil die bäuerliche Bevölkerung s e 1 b s t und die Untergenossenschafteji gar nicht saniert werden. Denn die Sanierung soll sich lediglich auf den ruthenhehen und rumäiischen Genossenschaftsverband beziehen — während Abg. Dr. Straucher und eine kleine Minorität des Landtages eine wirkli ch e Sanierung der Bauern und ihrer Kassen fordere und h i e f ü r auch Opfer .zu bringen bereit sind. Die vorgelegten Berichte über die' amtlichen Revisionen diser Verbände aber enthalten geradezu niederschmetternde Tatsachen und Feststellungen über die unglückliche und verbrecherische Wirtschaft in denselben. Abg. Dr. Straucher hat nun in der letzten Landtagssession im Oktober mit seiner ganzen Energie und Sachkenntnis gegen dieses Projekt Stellung genommen, ist aber, trotzdem noch im Juni d. J. die Mitglieder des „Jüdishecn Landtagsklubs“ mit Dr. Straucher in der Ablehnung einig waren, vom ganzen Klub verlassen worden. Der Einfluß Nikolai Wassilk o’s, des wärmsten Befürworters dieser sog. Sanierung, hatte gesiegt." Dr. Straucher forderte die gerichtliche Untersuchung, objektive Ermittlung der Aktiven und Passiven, Feststellung der wahren Defizile, Eruierung der eigentlichen Schuldigen und der Ursachen des Zusammenbruches. Alles im Lichte' der-Oeffentlichkeit!. — (Dies ist jedoch hintertrieben und lediglich, die Einsetzung einer amtlichen Erhebungskommission angenommen worden.) — man den Juden zeigen können, daß man Herr im Flause ist. Die geängs ijten Juden verlassen in vielen Dörfern ihre Wohnungen und ziehen in die Städte. Es muß“ zugegeben werden, daß seitens der Behörden alle Maßnahmen getroffen wurden, um Ausschreitungen zu verhüten. Der Dichter- Morris Rosenfeid gls Jubilar. In einigen Tagen wird der -Dichter Morris Rosenfeld, der heute internationalen Ruhm genießt, fünfzig Jahre alt werden. Der schon einmal vor einigen Jahren totgesagte Dichter wird anläßlich seines fünfzigsten Geburtstages den Gegenstand verschiedene.- Ehrungen bilden. In seinem Aufenthaltsorte, New-York, hat sichrem Komitee gebildet, welches das Arrangement der Huldigüngsveranstaltungen übernommen hat. . » Miilbnensiiftung für Jerusalem. Jerusalem. Die religiöse Verehrung der frommen Juden für Jerusalem ist kürzlich wieder durch eine große Spende für religiöse Zwecke zum Ausdruck gekommen. Eia Mitglied der bekannten indisch-jüdischen Familie Sasson hat in seinem Testament über eine Million Franks mit der Bestimmung hiaterlassen,' daß in Jerusalem eine Jeschibah, ein Lehrhaus zum,Studium des Talmuds errichtet werden ' soll,; wo zwanzig Talmudgelehrte dem Studium des Talmuds und der kabbalistischen Schriften obliegen sollen. Ein neues jüdisches Krankenhaus in Jaffa. Jaffa. Hier macht sich schon seit längerer Zeit der Mangel eines geeigneten jüdischen Krankenhauses fühlbar. Zwar besteht ein solches, , doch ist es sehr klein und verfügt nicht über die nötigen Mittel, um einen regulären Krankenhausbetrieb aufrechterhalten zu können. Daher haben sich eine Anzahl jüdischer Bürger von Jaffa zusammengetan, und die Errichtung eines neuen Krankenhauses in Angriff genommen. Aus Rußland sind seitens der Angehörigen des Herrn Wyschniak, der bereits 40.000 Frks. für diesen Zweck zugesagt hat, noch weitere namhafte Beträge in Aussicht gestellt worden. Jerusalemer Chronik. Die Werkstatt für Rerlmutterarbeiten, die hier auf Rechnung des Herrn Nathan Straus gegründet wurde, entwickelt sich gu. und es ist zu hoffen, daß sie einer Anzahl Familien den Lebensunterhalt verschaffen wird. Dr. Brünn, der Leiter des hiesigen Gesu ldheitsamtes, erhielt, von Herrn Nathan Straus aus New-York 10.000 Frs., die als Unterstützung für die durch den Krieg in eine Notlage geratenen Familien dienen sollen. ParteisNacfciicfiteii. Mitteilungen des Palästina-Informationsbüros Wien, 11., Karmeliterplatz 1. Teleph. Nr. 22:075. Es wird uns vom Arbeitsbüro der Poale- Zion in Jaffa folgendes mitgeteilt: „In Jaffa ist eine Stelle für eine Lehrerin der Kunststickerei in einer Schule von 30 Mädchen frei. Bedingungen: 150.— Francs monatl., außerdem werden die Reisespesen ersetzt. Zionistin bevorzugt.“ Offerten zu richten an das Palästina-Informationsbüro, Wien, 11., Karmeliterplatz 1. Ferner wird uns aus Palästina mitgeteilt, daß Landarbeiter, speziell in den Kolonien Rechewoth und Chederah, jetzt Arbeit finden können, wo auch Anfängern die Möglichkeit geboten wird, die Arbeit zu erlernen. Da sich bei uns sehr oft Auswanderer melden, die unentgeltlich nach Palästina befördert zu werden wünschen, machen wir hiemi. bekannt, daß eine Gratisbeförderung nach Palästina durch uns auf keinen Fall erfolgen kann. Durch uns sind lediglich für Auswanderer Anweisungen auf Ermäßigungen erhältlich. (Siehe Inserat „Nach Palästina“.) Der geringste Betrag, der für die Reise von Wien bis Jaffa außer Verpflegung mit Syriendampfer (11 Tage auf "dem Schiff) erforderlich ist, beträgt für einen armen Auswanderer K 62/75, mit dem Eildampfer (7 Tage) K 70,25. (Inbegriffen Strafe Frcs. 10.—, die in Jaffa entrichtet wird, w'eira der Landende keinen Reisepaß besitzt.) Me Nafthabäßrfeißp veranstaltet von der Wiener zionistischen Vereinignng und Wiener zionistischen Jugendgruppen am Samstag, den 21. Dezember 1912 im Hotel „Continental**. Programm: Prolog: Med. Isidor Klaber. Festrede: Dr. Otto Abeies. Tendenzrede: Otto Schick. Klaviervortrag: Else Schwarz. Rezitationen; Dr. Benno Wunsch, Mitglied der „Neuen Wiener Buhne**. — Josef Torczyner, Schauspieler. Gesargsvcrtrag: .Wilhelm Rosner. Violinvirtuose Rudolf Lampe!. Eine Riege des 1. Wiener jüdischen Turnvereines. Beginn 3 Uhr. Karten (Sitzplätze) ä 60 Heller an der Kassa. ZIVNOSTEHSKfl BflNKfl ElblflbE WEN L,HERBEH6(ISSEt2 Aktienkapital und Reserven: über K 100 Millionen. Wechselstuben in Wien: I., Herrengasse i2,11.,Praterstr. 24,11«., Landstraße-Hauptstr. 88. IV., Favoritenstiaße 4, . V., Margarefenstr. 71, VI., Gumpendorferstr. fl||h§| me . m 100, V1L, Mariahilferstr. 84, VIII, JosefmmM ÄftnM städterstr. 103, IX., Porzellangasse 9, X., Fa- CI Im Lnn^JCIm voritensir. 95, XVI., Neulerchenfelderstr. 41. Kufante Besorgung aller Bank- und Börsentransaktionen. auf BUchel Zentrale in Prag, gegründet 1888. Filialen: Brünn, Budweis, Friedek-Mislek, Iglau, Karlsbad, Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg, ' Melnik, Olmütz. Mährisch-Ostrau, Pardubitz. Pilsen, Pisek, Prossnitz. Reichenberg, Tabor, Trest. Stahlkammer mit vermietbarer» Sale» Abonnement von K 7.— an.