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Jüdische Zeitung · 1912-12-06 · 48 (6.12.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
48 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 48 müßte zeigen, wie sie mit Konzessionen, welche sie armen alten Juden und Jüdinnen gestohlen haben, Schnaps verkaufen, wie blutig sie alle, verfolgen, die gegen ihre Herrschaft protestieren, wie sie bei Volkszählungen und Wahlen und sonstigen Anlässen mit Füßen treten und der Wahrheit ins Gesicht schlagen, diese Herren, die in Wien so lammfromm und so kultiviert tun. Alles müßte man zeigen! Vergnügungsreisende würden dadurch allerdings nicht ins Land gelodet, aber ein faules Geschwür am Körper Oesterreichs würde aufgedeckt werden. Es wäre Hoffnung, daß sich das besser informierte Oesterreich besinnt und die galizisdien Völker und das galizisehe Land, gute Völker und ein gutes Land vor weiterer Lotterwirtschaft und dem Ruin bewahrt. Zionistischer Mädchen-Verein „Moriah“. tat lüäeitw im Festsaale des Hotel Continental am 15. Dezember d. J. Ihre freundliche Mitwirkung haben vorläufig zugesagt: Frau Betti Ullrich, Mitglied des Deutschen Volkstheaters; Herr Neuß, Mitglied der Neuen Wiener Buhne; Herr Opernsänger Henrik Baumann; Herr Virtuose Laschkowitz. Ein von Maler Krestin u. H. Herschdörfer inszeniertes lebendes Bild bildet den Abschluß des Abends. Beginn präzise 8 Uhr. Karten (Sitze) ä K 4, 3 und 2; Stehplatz ä K 1, erhältlich Im Kartenbureau: Kehlendorfer, I., Krügerstraße 4, Jüd. Zeitung, II., Karmeliterplatz 1 und im Caf6 „Marienbrücke“. Bus dem jüöiidien Leben. Die türkische Regierung und da1 Grunderwerb der Juden ln Palästina. •Berlin. Das zionistische Zentralbureau in Berlin teilt mit: Kürzlich erschien ein Erlaß des neuen Gouverneurs von Jerusalem, Muhaddi Bey, der die Frage des Bodenerwerbs durch ausländische Juden zum Gegenstände hat und die Lokalbehörden auf die einschlägigen früheren Verordnungen hinweist Dieser Erlaß hat in verschiedenen Blättern zu alarmierenden Nachrichten und unzutreffenden Kommentaren Anlaß gegeben, indem die Sache so dargestellt wurde, als habe die Konstantinopeler Zentralregierung dem Gouverneur Anweisungen erteilt, den Juden in Palästina den Grunderwerb zu verbieten oder z’u erschweren. Demgegenüber können wir auf Grund authentischer Informationen versichern, daß der der fragliche Erlaß des Jerusalemer Gouverneurs keineswegs durch irgendwelche Verfügung der Zentralregierung hervorgerufen worden ist. Er enthält lediglich eine Wiederholung alter, bisher in Geltung befindlicher Verordnungen, und es entspricht einer von den neuernannten Gouverneuren vielfach geübten Gepflogenheit, den lokalen Verwaltungsbehörden derartige ältere Bestimmungen in Erinnerung zu rufen. Da im übrigen die in Rede stehenden Beschränkungen, die aus den achziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammen, dem Geiste der ottomanischen Verfassung und den Grundsätzen der neueren Gesetzgebung widersprechen, dürfte ihre Auflistung wohl nur eine Frage der Zeit sein. ' Jedenfalls sind sie auch jetzt 'Schon für die Entwicklung des jüdischen Kolonisationswerks in Palästina von geringer Bedeutung und rechtfertigen in keiner Weise die Beunruhigung, die infolge des neuen Jerusalemer Erlasses in einem Teil der jüdischen Presse Platz gegriffen hat. ■* * Massenausweisungen von Juden aus Sudrußland. Petersburg. Der jüdische Dumaabgeordnete Friedmann äußerte sich in einem Gesprächmit dem Petersburger Berichterstatter einer Warschauer jüdischen Zeitung, er werde jutzt täglich in hunderten von Telegrammen aus der Provinz bestürmt, zugunsten ausgewiesener jüdischer Familien in Südrußland sowie in den Dörfern des Ansiedlungsrayons zu intervenieren, ln jüngster Zeit sind allein aus den Dörfern der Gouvernements Wohlynien, Podolien und Jekaterinaslaw mehrere hundert jüdische Familien ausgewiesen worden. Die jüdischen Abgeordneten der Duma, fügte Friedmann hinzu, sind nicht in der Lage, irgend etwas für diese Unglücklichen zu tun, da ihre Vorstellungen und Beschwerden an zuständiger Stelle stets erfolglos bleiben. Neues aus Risc'hon Le-Zion. Ri schon Le-Zion. Unserer Kolonie ist jetzt die Möglichkeit gegeben, einer neuen Entwicklung entgegenzugehen. Die Stagnation, die hier in den letzten Jahren zu verzeichnen war, hatte ihre hauptsächlichste Ursache in der^Bodenknappheit der Kolonie. Dieser Tage gelangte nun der bereits vor längerer Zeit seitens der J. C. A. erworbene Boden, der an unsere Kolonie grenzt, unter den Kolonisten zur Verteilung. Ueberhaupt wurde das Verhältnis der Kolonisten zur J. C. A. kontraktlich geregelt. — Die Belladie (Stadtverwaltung) unserer Kolonie hat sich folgendermaßen konstituiert: Lubman (Ras il- Belladie Bürgermeister), Mairowitz, Zalilichin, Girin und Landau. Letzterer wohnt in Neß- Zionah, das mit uns zu einer Munizipalität vereinigt ist. Die Regierung hat die Wahlen bereits bestätigt. — Die Bewachung unserer Kolonie wurde ■ der Wächterorganisation „Haschomer“ übertragen, die auch die benachbarten Kolonien B’er-Jakob und Rechoboth überwacht. — Der Waad der Kolonie befaßt sich mit der Frage, w'ie man die immer mehr zunehmende Teuerung in unserer Kolonie mildern könnte. Eröffnung der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pethäch-Tikwah. Jaffa. Am 1. Kislew wurde,'wie ursprünglich festgesetzt, die landwirtschaftliche Mittelschule in Pethacli-Tikwah eröffnet. Für das: erste Schuljahr ist folgender Lehrplan aufgestellt worden: Die Unterrichtssprache ist selbstverständlich das Hebräische. Per Lehrplan berücksichtigt allerdings in erster Reihe die Schüler aus Pethacli- Tikwah selbst. Doch ist der Leiter der Schule, Dr. agr. Pickholz, der Ansicht, ’daß die dem Lehrplan zugrunde gelegten Prinzipien es auch auswärtigen Schülern ermöglichen werden, 'die Landwirtschaft theoretisch und praktisch zu erlernen. Dazu kommt, daß Pethach-Tikwah mit seinen mannigfaltigen Kulturen der geeignetste Ort für eine derartige Schule ist. * Hotelwesen In den jüdischen Kolonien Palästinas. Aus der palästinensischen. Kolonie Rech.oboth wird berichtet: Die erfreulicherweise immer wachsende Zahl der jüdischen Palästinareisenden, die naturgemäß auch unsere Kolonien in steigendem Maße aufsuchen, hat schon seit langem das Bedürfnis nadi gut eingerichteten Hotels in den jüdischen Kolonien gezeitigt. Bis jetzt nahmen die Kolonien Sichron-Jakob und Gederah (Katra) ■ darin eine bevorzugte Stellung ein. In letzter Zeit hat nun der Kolonist Charlap in Rechoboth einen recht hübschen Bau in " schöner Lage für Hotelzwecke aufführen lassen. Rechoboth ist nämlich sowohl bei den Turisten als auch bei den palästinischen Städtern wegen seines gesunden Klimas und seiner intelligenten Bewohnerschaft als Sommerfrische sehr geschätzt. Es befindet sich daher dort noch ein zweites Hotel in einem gemieteten Hause, das sich eben-, falls eines sehr regen Zuspruchs erfreut. Auch in Neß-Zionah wurde, dieser Tage ein Hotel eröffnet. # * * Vom palästinensischen Orangenmarkt. Jaffa. Der Balkankrieg beeinflußt bis zu einem gewissen Grade auch den hiesigen Orangenmarkt, da die Besitzer der Pflanzungen, alljährlich ein großes Quantum Orangen nach Konsfantinopel, Saloniki, - Smyrna usw. zu schicken pfligten, was unter den gegenwärtigen Umständen ausgeschlossen erscheint. Andererseits heißt es, daß in diesem Jahre die Orangenernte in Spanien und Italien infolge vieler Regengüsse ungünstig ausgefallen sei, was wieder die Chancen für den palästinischen Orangenexport verbessert. Man zahlt in Palästina durchschnittlich .per Kiste 3.25 Frs. Die Vertriebs-Gesellschaft „Pardeß“ setzt ihre Bemühungen zur Gewinnung neuer Absatzgebiete fort. In den nächsten Tagen wird ein führendes Mitglied dieser Gesellschaft Herr Golomb, .nach Odessa reisen, um dort die Einfuhr der polästinischen Orangen zu organisieren. Auch Australien gewinnt als Absatzgebiet immer mehr, an Bedeutung, da es im Winter keine eigenen Orangen hat und die palästinische Orange den weiten Transport gut verträgt. Indessen bleibt noch immer Liverpool der hauptsächliche Einfuhrhafen für die palästinische Orange. # *. Von der jüdischen Kunstgewerbeschule „Bezalel“ in Jerusalem. J eritsal em. In einigen Wochen wird Herr Prof. Boris Schatz sich mit einer reichen Kollektion von Wären aus den Werkstätten der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem nach Amerika begeben. Dort sollen Ausstellungen der Bezalel- Erzeugnisse veranstaltet werden, und es ist zu hoffen, daß diese Ausstellungen die Popularität des Bezalel in Amerika erheblich steigern werden. Sowohl für den Absatz von Waren wie für die Gewinnung von Freunden und Förderern des Bezalel wird die Reise des Herrn. Prof. Schatz von großem Nutzen sein. Die Juden in der ungarischen Statistik. Nach der Statistik der letzten ungarischen Volkszählung befinden sich unter den 20,886.487 Einwohnern Ungarns 932.406 Juden, also 4.5°/n der ganzen Bevölkerung. Hievon entfallen auf Kroatien und Shvonien 21.230 Juden. * * * Tätigkeitsbericht der Jüdischen Allianz zu Wien. Während des Monates November 1912 wurdenvon der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 136 Emigranten, davon 105 russische, 31 rumänische, .weiterbefördert, und zwar 40 nach den Vereinigten Staaten, 44 nach Argentinien, 13 nach Kanada, 2 nach England, 25 nach Frankreich, 12 nach verschiedenen anderen Ländern. In die Heimat zurückbefördert wurden 18 Rückwanderer. Während des Aufenthalts in Wien wurden im November für 4fl Personen zusammen 78 Tage Logis und -volle Verpflegung gezahlt und an 98 Emigranten insgesamt 360 Speisemarken für die Israelitische Volksküche ausgegeben. Vom Jänner bis Ende November wurden insgesamt von Wien aus 1122 russische und rumänische Emigranten nach überseeischen bezw. westeuropäischen Ländern weiterbefördert und 191 Rückwanderer repatriiert. * * * Hebräisches Gymnasium in Jerusalem. Auf Antrag des mährisch-schlesischen Distriktskomitees hat der geschäftsführende Ausschuß des Zionistischen Zentralkomitees beschlossen, zu Gunsten des Hebräischen Gymnasiums in Jerusalem eine Sammelaktion einzuleiten und hiefür die Jugend zu interessieren. Mit der Durchführung wurde das Innerösterreichische Distriktskomitee betraut, das die Sammelblocks mit künstlerisch ausgeführten Bausteinen bereits anfertigen ließ. Zur Mitarbeit hat sich die Wiener Zionistische Vereinigung gemeldet. * Hilfsaktion für die jüdischen Opfer des Krieges in den Balkanländern. Die Israelitische Allianz zu Wien hat im Vereine mit dem Verbände der israelitischen Humanitätsvereine „Bnai Berith“ eine Hilfsaktion für die infolge des Krieges in unsägliches Elend geratenen jüdischen Gemeinden der Balkanländer eingeleitet.' Hochherzige Spenden werden im Bureau der Israelitischen Allianz zu Wien, II., Untere Donaustraße Nr. 33 in den Vormittagsstunden zwischen 9 und 1 Uhr oder durch die Postsparkassa (Scheckkonto Nr. 8152) mit Dank entgegengenommen. Jüdischer Sport. Hakoah—Typographia 1:1. Hakoah spielte mit drei Ersatzleuten auf uneingeplanktem, äußerst schlechten- Platze. Dieses Match kommt einem gewonnenen Spiele gleich, da die Gegner einen fremden Spieler eingestellt hätten. Die Hakoah bekommt daher die beiden Gewinnstpunkte in der Meisterschaft. Dieses Moment kann uns aber nicht vollständig betriedigen, ein ziffernmäßiger Sieg wäre uns lieber. Er Wäre auch möglich gewesen, wenn es der Linksaußenstürmer nicht vorgezogen hätte, wie schon so oft, zuhaüse zu bleiben. Außerdem fehlte noch „Oli“ in der Stürmerreihe, so daß der ganze Angriff lahmgelegt war. Typographia war vollständig ebenbürtig und lieferte ein faires, ausgeglichenes Spiel. Bei der Hakoah war das Verteidigungstrio einfach hervorragend. Im Tor stand Rudi Fischer, er war in den letzten drei Wettspielen für den suspendierten Halpern tätig. 'Sein Debüt in der ersten Mannschaft ist ein glänzendes zu nennen. Rosenthal und Sträußler gaben wie immer ihr Bestes. In der Halfreihe befriedigten nur Glasl und Dukes, obzwar beide schon viel besser gespielt haben. ' Im Angriff sah es recht traurig aus. Nur Jenö Gansl und Grasgrün zeigten einige Durchbrüche, die übrigen spielten recht schwach. Also im Allgemeinen ein Schwächeanfall der Vordermannschaft, der hoffentlich, eben soplötz- ’ich wie er gekommen, wieder verschwinden wird. A. B. Voranzeige. Hakoah gegen Slovan. Sonntag, den 8. d. M., spielt Hakoah ihr letztes Spiel auf eigenem Platze vor Beginn der Winterpause. Der Sportklub Slovan wird den Unsrigen im Meisterschaftskampfe gegenüberstehen. Es ist ein äußerst interessantes Match zu erwarten. Das letzte Zusammentreffen der beiden Mannschaften in der Vorigen Meisterschaftsserie endete 2:2 unentschieden. Hakoah steht gegen-

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