Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 46 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 jCfDISCHE ZEITUNG Nr. 46 liehen Verbindungen! Warum beruft Herr Dr. Ofner nicht eine Versammlung — die bevorstdienden Kultuswahlen sind ein sehr guter Anlaß —, um von seinem Deutschtum zu erzählen? Ein prinzipienfester, unbedingter Politiker sollte doch nicht in verschiedener. Drapierung auftreten. Herr Dr. Ofner kann aber so und kann auch so! Wie’s gerade paßt.. Einmal ist er strenger Freiheitlicher und Gegner aller Rassenuntersdiiede; ein anderesmal sieht er ganz tatenlos zu, wenn seine Bundesgenossen einen Ritualmordgläubigen in den Gemeinderat kandidieren; ein drittesmal erscheint er im strahlenden Bankettlicht und singt das alte verlogene Lied von „deutscher Freiheit und Treue“. Wie’s gerade paßt! Hauptmannfeier. Der deutscheste unter den jetzt lebenden Dichtern, Gerhart Hauptmann, feiert seinen 50. Geburtstag. Er kommt gerade nach Wien und die „Concordia“ gibt ihm ein Festbankett. Im Namen der österreichischen deutschen Schriftsteller sprechen: Siegmund Ehrlich, Felix Salten, Balduin Groller, Stern und Julius Bauer! Felix Salten ist unter diesen der einzige Schriftsteller. Und da er zionistisch gesinnt ist, so sprach er natürlich nicht im Namen der „Deutschen“, sondern er hatte den guten Geschmack, von den „Deutsch-Redenden“ zu sprechen. Aber die Anderen! Hat das deutsche Wien wirklich keine anderen Schriftsteller-Repräsentanten als Tagesjournalisten und Operettenlibrettisten? Wir sind nicht chauvinistisch und erkennen das deutsche Schrifttum als mächtigen Kulturfaktor an. Insbesondere sehen wir in Hauptmann einen wirklichen Dichter, der Gestalten schafft und nicht bloß kombiniert. Wir hätten nichts dagegen, wenn deutsche Schriftsteller jüdischer Abstammung, ein Salten, ein Schnitzler etc. Hauptmann feierten. Wenn aber jüdische Dutzendjoumalisten sich als Vertreter des Deutschtums und deutscher Kunst gebärden, dann müssen wir dies als widerwärtig bezeichnen und können es dem wirklichen Deutschen nicht verdenken, wenn sie sien .dagegen auflehnen. Protestieren diese gegen solche Anmaßung im Namen des Deutschtums, so tun wir es im Namen des seiner Würde bewußten Judentums. Vielleicht scheitert die Etablierung eines anständigen Verhältnisses zwischen Deutschen und Juden wirklich nur an der von Juden beherrschten deutschen Presse. Kurioses von Oer letzten Volkszählung. Die Resultate der letzten österreichischen Volkszählung werden allmählich der Oeffentlichkeit übergeben; vorläufig ist das erste Heft erschienen, welches die summarischen statistischen Angaben über die österr. Bevölkerung, geordnet nach Sprachen und Konfessionen, enthält inbetreff der Sprachlichkeit (Sprachenverhältnisse) ergab die offizielle Statistik niemals ein wahres Bild der Wirklichkeit. Der letzten Volkszählung gebührt jedoch in dieser Beziehung ein ganz besonderer Platz. Der Umstand, daß die Majoritätsvölker in bezug auf die Umgangssprache einen unerhörten Terror gegen die schwächeren Nationen, bezw. ihre Minoritäten ausgeübt haben, hat die letzte Volkszählung zu den lächerlichsten Absurditäten geführt, oder um uns der korrekten Sprache der österreichischen statistischen Zentralkommission zu bedienen; „sie haben uns vor Ergebnisse gestellt, für welche eine sachliche Erklärung nicht zu finden ist“ *) und dieses Mal sah sie sich zur *) Ergebnisse der Volkszählung vom Jahre 1910, I. Band, 1. Heft; Abschnitt: „Die Bevölkerung Oesterreichs nach Umgangssprachen“. Bemerkung genötigt, daß - „manchen Resultaten der Volkszählung über die Umgangssprache nur ein relativer Wert zukommt“. Es wird interessant sein, einige Ziffern bezüglich der Sprachlichkeit Oesterreich anzuführen. Laut der letzten Volkszählung bedienten sich der deutschen Umgangssprache 9,950.266, tschechisch-mährisch-slovakischen 6,435.983, polnischen 4,967.984, ruthenischen 3,518.854, sloyenischen 1,252.940, italienisch-(ladinischen) 768.422, serbokroatischen 783.334, rumänischen 275.115. Der Zuwachs der einzelnen Sprachen Oesterreich betrug im Zeiträume der letzten 20 Jahre: Sprache gewachsen im Zeitalter 1890-1900 1900-1912 deutsch um 8'38 o/o um 8-50 % tschech.-mähr.slov. , 8-82 „ „ 8-07 „ polnisch „ 14-52 „ „ 16-64 „ ruthenisch * 8-71 „ ■„ 4-24 „ slovenisch * 1-37 „ „ 5 04 „ serbo-kroatisch „ 10-30 „ „ io-ii „ italienisch (lateinisch) > 7-67 „ . 5.68 „ rumänisch „ 10-45 „ . 1912 * Den größten Zuwachs weist die rumänische Sprache auf (19.12 Prozent), der fast doppelt so groß ist wie der des vorangegangenen Zeitraums (10.45 Prozent). Man darf hiebei nicht vergessen, daß in der betrachteten zehnjährigen Periode die Bukowina einen . ansehnlichen Emigrantenstrom speiste (31.814 Seelen), an welchem auch1 die dortigen Rumänen ihren Anteil hatten. Infolge dieser Emigration belief sich das -faktische Wachstum der Bukowinaer Bevölkerung im ganzen auf 9.06 Prozent. Wenn man nun selbst zugäbe, daß sich die Rumänen an der Emigration nicht beteiligt, im Lande also ihren ganzen Geburtenüberschuß behalten hätten, — was selbstverständlich durchaus nicht der Wirklichkeit entspricht, — hätten sie doch kein so ungeheuerliches Wachstum aufweisen können, denn der allgemeine natürliche Zuwachs der Bukowina in der genannten Periode betrug 11.5 Prozent und die natürliche Vermehrung der Rumänen konnte sich selbstverständlich von der allgemeinen Norm nicht in dem Maße unterscheiden. Ungeheuerlich‘stark ist auch der Zuwachs der polnisch Sprechenden (16.64 Prozent), zweimal so stark wie der der Deutschen (8.50 Prozent) oder der tschechisch Sprechenden (8.07 Prozent). Auch im früheren Jahrzehnt war der Zuwachs der polnisch Sprechenden weit höher als der der anderen Sprachen, wenngleich kleiner als im letzten Jahrzehnt. (4.5°/o gegen 16.64»/o). Den Gegensatz hiezu bemerkt man an den Ruthenen. Während sich der tatsächliche Zuwachs der ruthenischen (id est griechisch-katholischen) Bevölkerung in Oesterreich im Laufe der letzten zehn Jahre auf 9.2 .Prozent beläuft, vermehrte sich die Zahl der ruthenisch Sprechenden in demselben Zeitraum nur um 4.24 Prozent. Deutlicher tritt dieses Kuriosum in Erscheinung, wenn wir uns bloß an Galizien halten, wo sich die Nationen nicht nur nach der Sprache, sondern auch nach der Konfession unterscheiden. Laut den Ergebnissen der letzten Volkszählung hat sich in Galizien im Laufe der letzten zehn Jahre vergrößert: Die griechisch-katholische (ruthenische) Bevölkerung um 8.88 Prozent, die ruthenisch sprechende um 4.35 Prozent, die römisch-katholische polnisch sprechende um 17.14 Prozent (polnische) Bevölkerung um 11.37 Prozent, die Wenn foian also den Resultaten der Volkszählung in sprachlichen Beziehung Glauben schenken dürfte, würde sich ergeben, daß gerade in den letzten zehn Jahren, in denen sich' die ruthenisch-nationale Bewegung so mächtig entwickelt, die nationale und mit ihr der Kampf um die völlige Gleichberechtigung der ruthenischen Sprache alle Volksschichten in Bewegung gebracht hat, daß gerade jetzt, wo das ruthenische Volk eine so kräftige kulturelle Tätigkeit entwickelt und über das Land ein Netz ruthenischer Schulen breitet, wo es an der Schwelle einer eigenen Universität steht, daß sich just in diesem Moment die Assimilation an die Polen verstärkt hat. Die konservativsten polnischen Politiker und die hartnäckigsten Feinde der ruthenischen Renaissance sind durch die lebendigen Tatsachen, mit - denen sie doch gewiß genau bekannt sind — gezwungen worden, für alle Zukunft lauf die Assimilierung der Ruthenen zu verzichten und offen das Recht sieses Volkes auf selbständige nationale Existenz anzuerkennen; und da erscheint die offizielle Statistik auf dem Plan und berichtet uns von dem grandiosen Fortschritt der ruthenischen Assimilation an die Polen. Noch lächerlicher sind die Mitteilungen der letzten Volkszählung in Niederösterreich. Schon seit Jahrzehnten ziehen Tausende tschechischer Aibeiter hach Wien. Hier ist ieine große tschechische Massensiedlung entstanden, deren Wirkung auf allen Gebieten des sozialen Lebens fühlbar wird. Sie bildet jetzt In Wien eine starke und stetig wachsende Macht, ln den letzten zehn Jahren haben einige Wiener Bezirke dank der stetig wachsenden Zahl der Tschechen ihren deutschen Charakter beinahe verloren und in manchen Bezirksteilen hört man auf der Straße fast nur die tschechische Sprache. Ungeachtet dessen verzeichnet die letzte Volkszählung für *3 m £ BeOasflbenO. S Der Sportklub „Hakoah“ veranstaltet Samstag, den 23. November 1912, im Beethovensaale, I., Strauchgasse, einen Beda- Abend, dessen Reinertrag dem veranstaltenden Vereine zufallen wird. Mitwirkende: Beda, Carli Nagelmüller (Hölle); Elsa Saldem (Fledermaus); Else Sander (Bürgertheater); Komponist Oskar ^Steiner (Fledermaus); Alwin Neuß (Neue Wiener Bühne); Dr. Benno Wünsch (Neue Wiener Bühne); Leo Valberg’(Simplicissimus). Anfang 8 Uhr. Soiree-Toilette. Karten' ä 6, 4, 3 und 2 Kronen^zu haben' | im Vorverkaufe bei Kehlendorfer, Caf6 „Marienbrücke“ und Cafe „Liechtenstein“, Liechtensteinstraße. Ein Schwarzer nach Tisch macht munter und frisch! Die Untersuchungen von Professor Hollmgworth haben . erwiesen, weshalb es so ist. Wenn Sie sich dafür interessieren, wie man der Ermüdung nach den Mahlzeiten entgeht, so lesen Sie die kleine Broschüre: „Winke für Feinschmecker“ Gratis erhältlich in allen Geschäften der Firma JULIUS MEINL Gegr, 1862* LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais.—Versilbertes Kapital zirka 380inillionen. — Prlmienreseroelzirka 113-nillionen”—^Billigste Prämien und kulanteste Badingungen. Engagiert Jederzeit tüditige, leistungsfähige BgentenIgegenIkoke£Bezüge. Auskünfte erteilt die Generalagentsikaft Uien, I., Hspernplatz 1 (Beiter: Oaoid Hebenzakl). Eflr£Ostgalizien u.£Bukowina: Subdirektion Göbl Taubes, Bemberg. NIEDERLÄNDISCHE