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Jüdische Zeitung · 1912-11-22 · 46 (22.11.1912) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
46 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ci Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeiiterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ ’ä 'ich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskriptewerden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ™ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjahr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 133.404. Telefon 22.075. ■ Nr. 46. Wien, Freitag, den 22. November 1912 VI. Jahrgang An die zionistischen Kultuswähler! Sonntag, am 24. November 1912, finden in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachm, die Wahlen in den Vorstand der%raelitischen Kultusgemeinde statt. Das gefertigte Wahlkomitee hat sich mit dem Zentraiwahlkomitee dahin geeinigt folgende Kandidatenliste der Wählerschaft zu presäntieren: a) Für die sechsjährige Mandatsdauer (weißer Stimmzettel): Emanuel Hoffmann Hausbzsitzer, XVIII., Karl Ludwigstraße 27. Dr. Gustav Kohn Hof- und Gerichts-Advokat, IX., Hahngasse 25. Dr. Josef Pollak k. k. Universitätsprofessor, I., Annagasse 1. Adolf Schramek k. üTk. Hoflieferant, Kohlenhändler, II., Novaragässe 21. Leopold Simon k. k. Kommerzialrat, Metallwarenfabrikant,' I., Freisingerg. I. Dr. Maximilian Steiner Privatier, IX., Günthergasse 2. Dr. Alfred Stern em. Hofu. Gerichtsadvokat, II., Untere Donaustraße 27. Ingen. Robert Stricker Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen, ftt.r Bechardg. 24. b) Für die zweijährige Mandatsdauer (blauer Stimmzettel): Dr. Jakob Ehrlich Hof- und Gerichts-Advokat, I., Neutorgasse 15. Gesinnungsgenossen! Das Interesse der Partei erfordert, daß Ihr vollzählig bei der Urne erscheinet. Das zionistische Ulahlkomitee. Auskünfte werden am Wahltage an die P. T. Wähler in folgenden Agitationslokalen erteilt: Im I. Bezirk: Cafe „Marienbrücke“, I., Rotenturmstraße 31. Im II. Bezirk links der Taborstraße: Restaurant Hirschbein, II., Schiffamtsgasse 20. Im II. Bezirk rechts der Taborstraße: Cafe „Reklame“, II.,. Praterstraße 34. Im III. und XI. Bezirk: Selcherei Salzer, III., Radetzkyplatz 4. Im IV., V. und X. Bezirk: Restaurant Hamberger, V., Schloßgasse 5. Im VI. und VII. Bezirk: Cafe „Mariahilf“, VI., Mariahilferstraße S9 a. Im VIII. und IX. Bezirk: Cafe „Jägerhof“, IX., Porzellangasse 22. Im XVI. und XVII. Bezirk: Privatrestauration Stein, XVI., Ottakringerstraße 35. Im XVIII. und XIX. Bezirk: Cafe „Döbling“, XIX., Döblinger Hauptstraße 39. Im XX. Bezirk: Restaurant Hirschbein, II., Schiffamtsgasse 20. NB.: Die Gg., welche am Wahltage an der Agitation teilnehmen, werden aufgefordert, sich in den Wahllokalen ihres Bezirkes beim Wahlleiter zu melden. Alle Gesinnungsgenossen, die Schekelblocks beihöben haben, werden dringend ersucht, die gesammelten Schekelgelder nebst Ablieferung der SChekelblocks per Postanweisung oder Postsparkassenkonto oder aber persönlich (in der Administration der „Jüdischen Zeitung“, II., Karmeliterplatz Nr. 1, Tür 10) abzuführen. Zionistisches Distriktskomitee für Inner- Österreich. Rundschau. Der zahme Wolf. Der radikalste aller Deutschen, K. H. Wolf, der eifrigste Judenfresser und unentwegteste Alldeutsche hat nunmehr genug politischen Schafen das Fell über die Ohren gezogen und ist zahm geworden, in jeder Beziehung. Sein „Los von Rom“-Programm hat er zuerst in die Tasche gesteckt. Dann ist er Patriot geworden und hält schwarz-gelbe Reden, die in ein „Hoch die k. k._ Armee“ ausklingen und nunmehr geht er daran, natürlich nur soweit seine persönlichen Interessen in Frage kommen, seinen patentiereten Judenhaß aufs Eis zu legen. Dieser Lump, der die giftigsten Verläumdungen über unser Volk ausgestreut, der den Boykott predigte und tausende österreichische Kaufleute schwer geschädigt hat, schmarotzt nunmehr an der Tafel reicher Juden. Er, der es als Maxime für jeden deutschen Mann aufstellte, lieber zu verhungern, als einen Bissen aus jüdischer Hand zu nehmen, der insbesondere die „Jüdäomagyaren“ grimmig befehdet hat, füttert sich in Pest bei Juden aus. In allen Zeitungen stand’s groß und breit, daß bei dem Delegationsdiner, welches der Jude H e 11 a i in Pest gab, Karl Wölfehen Judenküche speiste und loyale Toaste hielt. Bei diesem Diner gabs vielleicht nur einen, der ihm an Charakterlosigkeit gleichkam, und das war der Gastgeber. Er hat den erbärmlichsten Feind seines Volkes gastlich aufgenommen und einem Subjekt, das kein ehrlicher Jude im Hause dulden würde, schön getan. Wir sind mit den Deutschen quitt. Sie haben Wolfs, wir haben Heltais. Wie’s gerade paßt. Dr. Julius Ofner führt oder läßt von seinen Angehörigen immer einen Umstand ins Treffen führen: Seine unbedingte Prinzipienfestigkeit. Alle gegen die politische Tätigkeit und programmatischen Ansichten des Dr. Ofner erhobenen Vorwürfe und Einwendungen wurden mit der Bemerkung, zurückgewiesen: „Es ist eine Persönlichkeit“; was nichts anderes bedeuten soll,, als daß man es mit einem geschlossenen, unbeugsamen, unbedingten Charakter zu tun hat. Wie aber sieht diese Unbedingtheit in Wirklichkeit aus? Anläßlich der Reichsratswahlen tat Dr. Ofner sein Deutschtum in seinen prinzipienfesten Busen und machte lediglich in Sozialpolitik, wobei er aber als wichtigsten Bewerbungsgrund um das Leopoldstädter Mandat seine Zugehörigkeit zum Judentum gelten ließ. Vor einigen Tagen aber, als die „Fidelitas“ (kommt von Treue und notabene deutscher Treue) die Einweihung ihres neuen Heimes feierte, grub Dr. Ofner sein während der Reichsratswahl sorgsam verborgenes Deutschtum heraus und präsentierte es allen ganz und halbgetauften Vertretern der nebbich! deutschen und freiheit-

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