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Jüdische Zeitung · 1912-11-15 · 45 (15.11.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
45 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. ‘45 JÜDISCHE ZElTÜNG Seite 5 anstaltete Bezaleiaussteilung, welche von 3000 Personen besucht war-, und 11.000 Kronen dem Bezalel eingetragen hat, die Vorträge des Doktor Korngrün und Dr .Feiix dienten der Palästinapropaganda. Für Palästinazwecke wurden im abgelaufenen Jahre 25.000 Kronen gesammelt, darunter über 6000 Kronen für den Zentralfond, 9000 Kronen für den Nationalfond, 1400 Krönen für den Bezalel, 2400 Kronen für Aktien der P.: L. D. C. und über 5000 Kronen für das hebräische Gymnasium in Jerusalem, dank der persönlichen Agitation des Dr. Zipper, der in Ostgalizien für diesen Zweck schon 40.000 Kronen gesammelt hat. In den letzten Monaten wurde m Krakau die Verlagsgesellschaft „Emunah“ reaktiviert, welche der kulturellen Tätigkeit gewidmet sein soll; die demselben Zweck dienende Bücherkommission hat für 1300 Kronen Bücher verkauft. Auf politischem Gebiete veranstaltete das Komitee Versammlungen wegen der Landtagswahlreform und der lokalen Angelegenheiten der. einzelnen Städte. — Dem Rechenschaftsbericht . folgte eine Diskussion, in welcher die Wünsche der Delegierten, hauptsächlich in Betreff der Stärkung der neuen Vereine in der Provinz, der Förderung der hebräischen Sprache und des hebräischen Unterrichtes und der Agi-, tation unter den konservativen Juden ausgesprochen wurden. Im großen und ganzen drückten die Delegierten ihre Zufriedenheit mit der Tätigkeit des Komitees aus, was in dem einstimmig gefaßten Beschlüsse zum Ausdrucke kam, dem Komitee das Absolutorium zu erteilen und das Vertrauen auszusprechen. In der Nachmittagssitzung folgten die ' Referate des Dr. Leser über die nächsten Aufgaben in Palästina und über das Budget, des Dr. Feldblum und Dr. Bulwa über unser Verhältnis zu der. nichtzionistischen Parteien und Institutionen und des Dr. Zimmermann über einige Aenderungen im Organisationsstatut. Die Anträge des letzten wurden einer Statutkommission überwiesen, die Anträge des Dr. Feldblum, in welchen konstatiert wird, daß die meisten nichtzionistischen Parteien und- Institutionen im Judentum für die na-‘ . tionalen Interessen des jüdischen Volkes schäd- ■ -lieh wirken, und daher das Zusammenwirken mit denselben den Zionisten nur dann möglich ist, wenn darunter der nationale Charakter unserer. Bewegung niCht leidet, sowie die Anträge des: Dr. Leser, in welchen eine rege Propaganda für die. bestehenden palästinenschen Institutionen, insbesondere f'ür das hebräische Gymnasium in Jerusalem gefordert wird, wurden zum Beschluß erhoben. Hervorzuheben wären noch die angenommenen--Anträge ,des. Dr.,. Hilfstein, , betreffs. ) der Gründung von jüdischen Turnvereinen, des H. Rath, betreffs der Agitation unter der ortho- , dojren Jugend und des Dr. .Felix, in weichem die Anstellung eines bezahlten Parteisekretärs gefordert wird. - — Zum Präsidenten des Komitees für das folgende Jahr wurde Dr. F e 1 d b 1 u m, ferner Dr. W ahrhaftig, Dr. Zimmermann, Dr. Thon, Dr. Leser, Dr. Krengel und P i n e 1 e s einstimmig wiedergewählt. Mit Dankesworten an Dr. Feldblum, Dr. Zipper und das Präsidium schloß der Distriktstag. Abends fand im überfüllten Saale der mit Lichtbildern illustrierte Vortrag des Dr. Zipper über seine Reiseeindrücke in Palästina, dessen Reinerträgnis ‘ für das hebräische Gymnasium in Jerusalem bestimmt war, statt. Unter großer Begeisterung forderte Dr. Zipper die Anwesenden auf, durch Spenden zur Erreichung dieses Zieles beizutragen. Hoffentlich wird dieser Apell nicht ohne Wirkung bleiben; auf dem Distriktstage wie auch während des Vortrages sind für diesen Zweck größere Spenden gezeichnet worden. Sowohl die Beratungen des Distriktstages wie auch der zündende Vortrag des Dr. Zipper haben unsere Sache in Krakau und Westgalizien um einen großen Schritt vorwärts gebracht. Dr. Z. A. Mitteilungen des. Palästina-Informationsbüro Wien, II. Karmeliterplatz 1. Auskünfte und Fahrpreisermäßigungen für eine Palästinareise erteilt außer dem Palästina- Informationsbüro in Wien auch das Zionistische Zentralbüro Berlin W. 15, Sächsische StraßeS und das „Comitato d’aiuto per emigranti ebrei“, Triest, via del Monte 1. Amtsstunden: via Torre Bianca 15, II, an Donnerstagen und Samstagen von 7 bis 71/2 Uhr abends; in dringenden Fällen werden die Ermäßigungsbriefe auch Sonntag früh von 8 bis 9 Uhr, aber statt via Torre Bianca, via del Monte 1 ausgefolgt. k Anmeldungen zu den : hebräischen Kursen: i.-ö. DK., Wien II., Kanneliterplatz 1, II. St. täglich zwischen 11 und 12 Uhr vormittags. Auskunftsbüro für den hebräischen Sprachunterricht: Zuschriften zu richten an Lewi Dichter, Wien L, Universität. Sonntag, den 17. November findet in Lemberg eine Sitzung des zionistischen Parteirates der galizischen Organisation statt. Tagesordnung: Die Lage der Juden in Galizien. Referent : Dr. G. Zipper. Die Situation in der Partei und die Einberufung der zionistischen Landeskonferenz. "Referent : Dr. M. Ringel. (Wir vermissen den zufolge eines in der vorigen Sitzung des Parteirates angenommenen Beschlusses an erster Stelle zu setzenden Punkt der Tagesordnung „Die österr. Gesamtorganisätion“. Anm. d. Red.). Der vorige Woche stattgefundene Distriktstag der südgalizischen Zionisten hat sich einstimmig für die baldige Einberufung einer' politischen Konferenz der österreichischen Zionisten ausgesprochen. ParteisNachFictiten. Böhmischer Distriktstag. Der diesjährige ordentliche böhmische DISTRIKTSTAG findet am Sonntag, den 17. Novemberl912, im Festsaale des jüdischen Rathauses statt. Beginn präzise 9V» Uhr vormittags. Tagesordnu ng: V. Eröffnung der Tagung und Wahl des Präsidiums. 2. Rechenschaftsbericht des Distriktskomitees: a) allgemeiner Teil (Ref.: Dr. Hugo H e r rm a n n), b) Kassabericht (Ref.: Herr E. Thein), c) Bericht des Nationalfondskommissärs, (Ref.: Herr Prof. Wertheimer), d) Revisionsbericht. 3. Die nächsten Aufgaben der Ortsgruppen. (Ref.: Herr Kurt Blumenfel d, Sekretär des E. A. C., Berlin). 4. Presse (Ref.: Herr Dr. E. G ü t i g). - 5. Wahlen. 6. Freie Anträge. Rus dem jüdihhen Reben. Im dunklen Beiz beginnt’s zu tagen. Eine Nachricht aus Beiz meldet, daß bei den in der vorigen Woche stattgefundenen Gemeinderatswahlen, gegen den Willen des Beizer Wünderrabbi, zwei Gesinnungsgenossen, die Herren Isak Hammer und Nuchim Schaffel, in den Gemeinderat gewählt wurden. Gesinnungsgenossin Frau Rosa Feigenbaum gestorben. Am 30. Oktober isf in Paris Frau Rosa Feigenbaum nach kurzer Krankheit gestorben. In der Dahingeschiedenen verliert das jüdische Volk nicht nur eine edle Wohltäterin, sondern auch eine eifrige langjährige Anhängerin der zionistischen Bewegung, welcher sie seit den Anfängen das regste Interesse entgegenbrachte. Sie war bei mehreren Kongressen anwesend und hat seinerzeit den Wiener Mädchenverein „Moria“ als Delegierte vertreten. Seit Jahren in Paris lebend , hat Frau Feigenbaum bis in die letzte Zeit an allen Vorgängen der Wiener zionistischen Organisation lebhaften Anteil genommen und besonders den Nationalfond propagiert. In zionistischen Kreisen wird der Dahingeschiedenen ein ehrenvolles Andenken gewahrt werden! Eine interessante Entscheidung der böhmischen Statthalterei. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Komotau hat bei Aufstellung des Budgets der Gemeinde unter anderen Subventionen auch dem Jüdischen Nationalfonds 50 K zuge wiesen. Nun fanden sich aber im Kultusvorstand Herren, welche gegen diese Spende protestierten und da sie überstimmt wurden, brachten sie eine Beschwerde bei der politischen Aufsichtsbehörde, der Bezirkshauptmannschaft Komotau, ein, in der sie geltend machten, daß die Kultusgemeinde nach dem Gesetze nur für die „religiösen Bedürfnisse“ der Gemeindeangehörigen zu sorgen habe, die Zuwendung an den Nationalfonds aber eine „politische Demonstration“ sei. Die Bezirkshauptmannschaft hat der Beschwerde stattgegeben und den Beschluß des Kultusvorstandes als ungesetzlich aufgehoben Gegen diese Entscheidung nun beschloß der Kultusvorstand Komotau, den Rekurs an die böhm Statthalterei zu überreichen und betraute damit das Vorstandsmitglied Herrn Dr. Hermann Hirsch. In dem Rekurse wurde ausgeführt, daß die Entscheidung der Bezirkshauptmannschaft ein ungesetzlicher Eingriff in die Autonomie der Kultusgemeinden sei; da die Kultusgemeinde auch für andere, nicht direkt religiöse Zwecke, wie Krankenhäuser, Waisenhäuser, Wohlfahrts vereine, Mittel bewillige, müsse ihr auch das Recht zustehen, den Jüdischen Nationalfonds, dessen Zwecke in dem Rekurse dargelegt wurden, zu subventionieren. Dieser Tage langte nun die — inappellable — Entscheidung der k. k. Statthalterei in Prag herab, wodurch dem! Rekurs vollinhaltlich stattgegeben, die Entscheidung der Bezirkshauptmannschaft aufgehoben und der angefochtene Beschluß des Kultusvorstandes bestätigt wird. Die jüdische Prozentnorm in Rußland. Die neueste Verfügung der Behörden gegen die Juden, die sich würdig in die Kette der Willkürakte der letzten Zeit einreihen wird, ist die Ausschließung der Juden aus der Kiewer Handelshochschule. Von 1800 jüdischen Aspiranten, die auf Grund ihrer abgeschlossenen Vorbildung in einer Handelsmittelschule ihre Aufnahme in der Akademie nachsuchten, sind nicht mehr als 199 berücksichtigt worden. 1600 Juden bleiben die Tore der zum größten Teil von jüdischem Gelde erhaltenen Hochschule geschlossen. Die Lage der unglücklichen jungen Leute, die ihre ganze Schulzeit dem Handelsstudium gewidmet haben und nun kurz vor dem Ziel brutal von der Stätte (der Bildung zurückgedrängt werden , ist eine verzweifelte. Von verschiedenen Seiten sind Aktionen eingeleitet worden, um diesem Gewaltakte entgegenzutreten. Leider ist nicht die geringste Aussicht auf Erfolg vorhanden. Die Juden in Palästina und der Krieg. Im Vordergrund des allgemeinen Interesses steht — wie sollte es auch anders sein? — der neue Krieg, in den die Türkei, die kaum den Krieg mit Italien beendet hat, nun gegen ihren Willen verwickelt wurde. Ein banges Gefühl zieht durch die Gemüter. In Jerusalem haben die Rabbiner ein besonderes Gebet für den Sieg der osmanischen Waffen verfaßt und auch eine besondere Andacht für die Wohlfahrt des Vaterlandes veranstaltet. In Jaffa kam auf Anregung von Frau Dr. Schamai eine Besprechung jüdischer Frauen zustande, in welcher beschlossen wurde, zur Hilfeleistung für die verwundeten türkischen Soldaten nach dem Muster des Roten Halbmondes einen „Roten > Mogen-David“ zu begründen. Inzwischen mußte der junge Ben-Jenuda als verantwortlicher Redakteur des „Haor“ ohne zureichenden Grund einige Tage im Gefängnis zubringen. Sein „Vergehen“ bestand darin, daß er, indem er die Ansichten ausländischer Zeitungen über den vermutlichen Ausgang des Krieges registrierte, auch einige der Türkei gegenüber pessimistisch' gehaltene Zeitungsstimmen wiedergab. Fortgesetzt ziehen junge Soldaten, auch Juden darunter, andie Grenze. Der jüdische Arzt Dr. Neumann aus Jerusalem, ebenso Dr. Moyal aus Jaffa haben sich freiwillig zur Fahne gemeldet. Der Kolonistensöhn Eisenberg aus Rechoboth, der vor kurzem die Militärschule absolvierte, ist ebenfalls bereits ins Feld gezogen. Die jüdischen Abgeordneten der vierten Duma. Bisher sind in die neue russische Reichsduma drei jüdische Abgeordnete gewählt worden. In K o w n o wurde der frühere jüdische Abgeordnete Fr iedmann wiedergewählt. In Kurland wurde Dr. Gurewitz und in Lodz Dr. B o m a s z gewählt. Die letztgenannten zwei Abgeordneten sind in der breiten jüdischen Oeffentlichkeit wenig bekannt, haben sich aber int jüdischen Leben ihrer Wohnorte erfolgreich betätigt. Alle drei jüdischen Abgeordneten werden sich voraussichtlich der konstitutionell-demokratischen Partei anschließen. * * *• Ein Ehrenzeugnis für die Schächtmethode. London. Der hiesige Tierschutzverein hat in der letzten Zeit eine lebhafte Agitation gegen das rituelle Schächten entfaltet. Es entspricht ganz dem praktischen Wesen der Engländer, daß sie es nicht beim theoretischen Kampfe bewenden ließen, sondern vergleichende Studien über die verschiedenen Schächtmethoden Vornahmen. Vorige Woche wurde nun die Vorführung der verschiedenen Schächtmethoden im Londoner Schlachthause in Gegenwart eines großen Publikums vorgenommen. Auch die Vertreter der jüdischen Gemeinde wurden hiezu eingeladen. Es ist nun interessant, daß sämtliche Methoden, welche die vorherige Betäubung des zu schlachtenden Viehes bezwecken, vollständig versagt haben, und selbst die eifrigsten Mitglieder des Tierschutzvereines mußten konstatieren, daß das Vieh bei diesen Methoden viel länger und viel größere Schmerzen leidet, als bei der jüdischen rituellen Schlachtmethode. Ein Vorstandsmitglied des „Verbandes der englischen Tierschutzvereine“ sah sich denn auch veranlaßt, einem Vertreter der jüdischen Gemeinde gegenüber öffentlich die Bemerkung zu machen: „Die jüdische Schlachtmethode hat die Probe siegreich bestand«». Da» wird nun der ganzen Hetzkampagne gegen da» rituelle Schächten in diesem Lande ein unrühmliches Ende bereiten.“ Hoffentlich wird ihm die Zukunft Recht geben.

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