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Jüdische Zeitung · 1912-11-15 · 45 (15.11.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
45 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 wenn sie sich gleichwertig mit den Deutschen zeigten, nicht in Deutschland verbleiben. Pudor macht mit dem „Raus mit den Juden 1“ bitteren Ernst .Er schlägt zum Schluß seiner Abhandlung Gesetze vor, welche den Juden nicht nur die Entziehung aller Rechte und das Stellen unter Polizeiaufsicht bringen, sondern die auch eigene Paragraphe zur Austreibung der Juden aus Deutschland enthalten sollen. Selbst diejenigen . Juden, die schön seit 2000 Jahren auf deutschen Boden sitzen, müssen hinaus. . i Und nun fragen wir: Haben die deutschen 'Juden wirklich' keinen Anlaß, sich für eine* * jüdische Politik, d. h. eine Vertretung der jüdischen Interessen in Deutschland zu kümmern? Anstatt daß' aber bei den für die Juden immer schwerer werdenden Zeiten die deutschen Israe- ' liten endlich1 von dem Wahne geheilt wurden, der „Fortschritt“ oder gar ein Sieg der Sozialdmnokratie werde die Erlösung bringen, fangen sie an, eine noch verrücktere Politik zu betreiben und ' gehen zum Teil zu den Feudalen über! Der jüdische Rittergutsbesitzer Schottländer in Breslau hat sidi erst kürzlich in der „Kreuzzeitung“ darüber beschwert, daß man die Juden alle als Liberale oder Sozialisten hinstellt. Er sei gut konservativ allewege! Das Calcül: Die .Feudalen und Reaktionäre verfolgen uns bloß -deshalb, weil wir freisinnig sind, also werden wir^ reaktionär, dann wird der Antisemitismus aufhören, ist zu geistreich, als daß es in der . Musterkarte• deutschisraelitischer Politik hätte fehlen. können. Damit ist wirklich schon der , Kreis.der politischen Dummheitsmöglichkeiten erschöpft und wenn auch das nicht hilft, dann . wird man am Ende doch noch einmal jüdischnational werden, aber bis dahin ists noch lange Zeit .und inzwischen wird die Partei des Herrn Schottländer -nach den Rezepten ihres neuesten Vorkämpfers, des Herrn Pudor, ihn mit den anderen Juden aus Deutschland hinausgeworfen -Ih'äben. - rCK>*CK>*CK)»CK>«CJra*CK>CK)tt«CK> .**« flMMnUJi -*o . '...o.-WIen, II., StefanieitraBe Nr. 14. Telephon interurban 13702. ■ ’70'modernst eingerichtete Zimmer von K 2.80 aufwärts. In uqmittelb. Nähe des Nordu. Nordwestbahnhofes, 5 Minuten ■: ' vom Stadtzentrum. f&DEN Bel Wien, Antonsg. 13, Franzensstr. 34.; Telephon interurban 217. 400Personen fassend schBner Naturgarten. Elektrisch beleuchtet ■ Große Veranden und Säle vis-ä-vis dem Kurpark. Große.jSipeisesäle zur’Abhaltung von Hochzeitsdiners und an- ' deren festlichen Veranstaltungen. Pension nach Uebereinkommen. Exquisite Küche und Keller Bei -einem Pferde sieht man auf die Zähne, bei euLem Menschen auf den Verstand. # Was nützt der graue Kopf, wenn der Verstand grün ist. : - * Wo ein Narr: gesessen hat, soll man den Stuhl abwischen. * Nennen Dich Deine Genossen einen Esel, so lege Dir einen Sattel auf. * Ein Narr gibt, ein Kluger nimmt. * . Je größer der Goj (gemeint ist hier die Unwissenheit), desto größer das Masel (Glück). * Ein ganzer Narr ist ein halber Prophet, * Wer. allesverstehen will, wird nicht alt werden. * Wenn ein Narr einen Stein in einen Garten wirft, können ihn zwanzig Weise nicht herausholen. * Besser mit einem Weisen in der Hölle als mit einem Narren im Paradies. * Mit der Zeit lernt auch ein Bär tanzen. ' 'rv- ■ ■ * Alle Kinder sind klug, solange sie klein sind — aber mit dem Wachsen nimmt nicht immer der Verstand zu. * JÖDISCHE ZEiTUNÖ tage der Juden in Saloniki. Ueber die Schrecken des Krieges und die Leiden, die der Krieg besonders auch' über die Juden auf dem Balkan gebracht hat, gibt nachfolgender Brief, der noch vor dem Falle Salonikis'' an ein Mitglied des Vorstandes des Hilfsvereins der Deutschen Juden gerichtet wmrde, beredte Auskunft. „... . Die Worte fehlen mir, um1 Ihnen , die Schrecken und die Not der Zeiten,. die w'ir durchleben, zu schildern. Saloniki macht den Eindruck einer Stadt in Trauer. Ünsere Gemeinde, die durch1 die ökonomische .Krise aller ihrer Mitglieder seit dem italienisch-türkischen Krieg bereits verarmt ist, befindet sich jetzt, seit dem Ausbruch des Balkankrieges, mit all seinen Greueln, in der allerelendsten Lage. Die Stadt selbst sieht wie ein großer Friedhof aus: Wir Juden stehen vor der ungeheuren Aufgabe, solidarisch Hilfe zu leisten und sind doch völlig unfähig, sie zu erfüllen. Es handelt sich zunächst um die bedürftigen Familien der israelitischen Soldaten, die ohne Mittel zurückgeblieben sind, und die buchstäblich Hungersstreben müssen, wenn ihnen nicht Hilfe gebracht wird. Dazu kommt die große Schar eingewanderter Juden, die vor dem Kriege aus dem Innern des Balkans geflohen sind und mit jedem Zuge ankommen. Es sind Arme, Greise, Frauen, Kinder, Kranke, ganze Familien aus Karafaria, Istip, Uesküp etc., die ihr Hab und Gut im Stidie gelassen haben. Es ist ein namenloses Elend mit seinem ganzen Gefolge von Schrecken, Trauer und Hilflosigkeit. Wir bringen sie in den Schulen unter. Man muß Tag für Tag für ihre Bedürfnisse sorgen. Und es kommen alle Tage mehr. Wir sind schon überschwemmt; das Publikum spendet über die Kräfte; es opfert sich dabei auf, denn1 es leidet gleichfalls unter der schrecklichen Krise. Weinend schreibe ich diese Zeilen nieder, denn ich mache mich darauf gefaßt, daß wir iijcht lange mehr, aushalten können, so groß‘ist; die verzweifelte Lage der ganzen Bevölkerung. Die Tränen stürzen mir aus den Augen, wenn ich daran denke, daß aus Mangel an genügender Hilfe diese Aermsten ohrie Linderung ihres Elends bleiben, und Hunderte von Familien buchstäblich dem Hungertode preisgegeben sind. In diesen Zeiten der Angst und des Schreckens wende j ihc meine Blicke .zu' Ihnen'' nach Deutschland ' um Hilfe und. Rettung. I-ck flehe Sie inbrünstig an, unter den Juden .Ihres Landes und bei den großen jüdischen Gesellschaften eine solidarische jüdische Hilfeleistung anzuregen, wie es leider schon so oft geschehen müßte. Im Namen so; vieler tausender Unglücklicher flehe ich Sie um) Ihren Beistand an. Besonders schnelle Hilfe tut? not, , denn die Tagäjr‘die; wir noch aushalten.- können,1 ‘ sind' gezählt.“ Infolge der immer neuen Sdhreckensmelduneh, die aus allen Teilen der kriegführenden taaten - kommen, hat der Hilfsverein der Deut-, sehen Juden gemeinschaftlich mit der Großloge für Deutschland die 'erste Rate für das Hilfswerk auf 25.000 Francs zu erhöhen beschlossen. Gegenüber der Größe des Elends, das von - Tag zu Tag wächst,'ist auch diese Summe nur Nr. 45 •! sehr geringfügig. Es ist Pflicht aller Juden, sjch durch, i weitere reichliche Spenden für die Opfer des. •Balkankrieges an der Hilfsaktion Zu--beteiligen! * ist;:. Disfrififsfag der westgaliziirfieji Zionisten. * , Von unserem Berichterstatter. Krakau, den 9. November 1912.. Sonntag, den 3. November-fänd in Krakau unter reger Teilnahme der,-.[hiesigen Parteigenossen der XI. Delegiertentag,,der westgalizi^chen Zionisten statt. Es waren 41 Delegierte aus. verschiedenen westga'izischerf'“Städten erschienen, außerdem wohnte den Beratungen Herr >B)oktor Zip per aus Lemberg,i;als Vertreter de?' Lemberger Zentralkomitees,, . bei. Den Delegierten wurde ein gedruckter'Tätigkeitsbericht: vorgelegt, dem wir folgende' Ziffern entnehmen: Die Zähl der Ortsgruppen ist im Verwältungsjahre 5672 von 25 auf;35.,gestiegen, die ,£ahi der eingezahlten Schekel erweist im Vergleiche mit dem abgelaufönen Kongreßjahre ’ &ine Zunahme von über 200, da sie schon 1844; (im' Jahre 1911 1646) beträgt nund ganz sichern die Zahl 2000 erreichen wird. Um den Konfakt mit-den ProvinzstädteiT äju erhalten und zu'stärken, wurde in Krakau Teilt; Parteibüro gegründet, welches eine rege Korr.espondez mit der-'-Provinz führte. Zum Zwecjce. der Agitation und der Stärkung der Organisation veranlaßt^ -das Distriktskomitee mehrere Reisen hervorragender Genossen und Redner in Westgaliz-ien. So besuchte Doktor Pilz er 19 Städte,>idessen Reise sehr zur Konsolidierung der Qrganisation beigetragen hat, Dr. Felix hielt in 9 Städten Vorträge über Palästina, Rabbiner D o w aus Jerusalem agitierte in 14 Städten unter den Orthodoxen für den Nationalfond, Dr. Lewin und Blumenfeld sprachen in Krakau, Tarnow und Rzeszow in großen Versammlungen. Die in Krakau ’ver- WWWWW Avis für Einjährig-Freiwillige 1 Telefon: Stelle 6 von 3455. Witkowski & Nacht Nödrf. Julius Nadirs Witwe Wien, IX., Berggasse 27. empfiehlt sämtliche Uniformierungs- und Ausrüstungs-Sorten für das k. k. Militär, Staats- und Eisenbahnbeamte, sowie für Einjährig-Freiwillige aller Branchen. Große Auswahl in Couleurbändern. Neuanschaffungen werden in kürzester Zeit effektuiert Jedem Ziegenbock gefällt sein Glöckchen. .; * ■ Schickt man einen Narren einkaufen, dann freuen sich die Krämer. * Wenn ein Alter eine Junge heiratet, wird der Alte jung und die Junge alt. * Ich lachte auch, wenn der Narr nur nicht mein wäre. * Ein Zeichen der Weisheit ist das Schweigen, aber das Schweigen allein ist noch keine Weisheit. Wo Wissen ist, dort ist auch Weisheit. Wo Kraft nötig ist, hilft der Verstand nichts. , * Alles bekommt man fürs "Geld, iiur nicht Verstand. Einem Narren soll man ein halbes Haus nicht zeigen. * Bis siebzig Jahre lernt der Mensch und stirbt unwissend. '* Wer mit Chodiümmr (Weisen) verkehrt, wird selbst ein Chochim (Weiser). '* Ein Narr kann mehr fragen alz zehn Weise beantworten können. Jeder Narr ist für sich klug (d. h. nur die andern haben unter seiner Dummheit zu leiden). * Alle Kantoren sind Narren, aber nicht alle Narren sind Kantoren. (Jeder Sänger gilt bei den Juden-'für einen Narren.) * Wer zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, ist noch kein Weiser., Der aber ist es, der von zwei Uebeln das kleinere wählt. * Wer heute Brot hat und. sich sorgt, was er morgen essen wird, hat kein Gottvertrauen. * Er ist nicht für Gott und nicht für die Leut’ (sagt man von einem Taugenichts). , '* Geh ich her, beißt mich ein Bär; geh ich hin, sticht mich eine Bien! (einer, dem es überall schief geht). * Ein Narr fragt einen Weisen: „Seit wann ist Gott?“ — Der spricht: „Das laßt sich nicht beweisen; Sag mir, wann war er nicht?“ * Der Teufel hol' den Einfall, der einem zu 'spät kommt. O O

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