Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 45 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 45 Säte 2 3 inan “muß damit redmen, Saß die Austragung in der Kultusstube selbst ihm' einen noch folgenschwereren und entschiedeneren; Charakter verleihen wird. Sie werden all ihre Kraft und emsigen Fleiß anweaden müssen, um unser Programm’ zur Geltungzu bringen und ihr Bemühen wird nur dann ein fruchtbares sein, wenn die Partei ihre Aktionen mit allen Mitteln fördert. Das mahlabbommen. DLe bevollmächtigten Vertreter des Zentralwahlkomitees einerseits und des Zionistischen Wahlkomitees anderseits, haben in einer Konferenz, welche über Antrag des erstgenannten ■ Komitees siattfand, folgendes als Grundlage für ein 2tt schließendes Wahlabkommen festgelegt: t. Das Kultuswahl-Exekutivkomitee der Wiener Zionisten beansprucht die Ueberlassung ' zweier Mandate. 2 .Ke Nominierung der Kandidaten für diese Mandate wird dem Kultuswahl-Exekutivkomitee der Wiener Zionisten überlassen. ' - - 3; Das -genante Komitee nominiert als Kandidaten die Herren Dr. Jakob Ehrlich und Obedngenieur Robert Stricker. 4. Das zionistische Exekutivkomitee beanqmicht in der Liste für die Bezirkskommissionen zirka tO Prozent der Mandate. Die Nominierung der Kandidaten obliegt, ausschließlich dem genannten Komitee. 5. Im Falle des Zustandekommens der Einigung wird eine gemeinschaftlich« Erklärung nebst Empfehlung der gemeinsamen Kandidatenliste aUe*r Wäldern übermittelt. _ Nachdem die beiden WaUlkomitees in PlenarstalWgen den Abschluß des Uebereinkommens aaf dieser Grundlage genehmigt haben, wird folgender Aufruf an die Wählerschaft versendet: An die geehrten Wähler der israelitischen Kultus^ gemeinde! Am 24. November d. J. findet die Statuten^ ' mäßige. Wahl aus. der ' allgemeinen Wählerktasst - iär - Atorsianlt ■1 der 'Wiener -isräel. > Kultusl ' gememde statt,-bei welcher neun Mandate zur Besetzung gelangen. in aller Not und Bedrängnis war es die jüdische Gemeinde, welche dem Judentum einen festen Rückhalt und jedem einzelnen seiner Glieder eine sichere Zuflucht bot.- Diese hohe Aufgabe hat auch die altehrwürdige Wiener israel. Kultusgemeinde: Sie sott ein Sdhutzwall sein gegen Verfolgungen von - Außen und gegen das Erschlaffen des jüdischen .Geistes. Jm. Innern. Diese Grundlage alles jüdischen Lebens zu erhalten und auszubauen, ist oberste Pflicht jedes Juden und doppelte Pflicht in den gegenwärtigen ernsten Zeiten. Darum haben sich die Unterzeichneten Wahlkomäees geeinigt, der geehrten Wählerschaft für die bevorstehende Wahl eine gemeinsame Kandidatenliste zu empfehlen. Die friedliche Entwicklung der Gemeinde auf der Bahn stetigen kulturellen und sozialpolitischen Fortschritts liegt uns Allen gleichmäßig am Herzen - und bedarf angesichts unserer wachsenden Sorge um das jüdische Gemeinwohl der eifrigsten Förderung von alten Seiten. Bei der Auswahl der Männer, die wir dem Vertrauen der Wählerschaft empfehlen, waren wir von dm Grundsätze geleitet, daß in der Wiener Kulfaisstübe nur Persönlichkeiten von unanfechtbarem Charakter und warmer EmDfindung für sBJe Bedürfnisse der jüdischen Allgemeinheit Platz finden dürfen. Zu jenen, die schon bisher mit tiefem sachlichem Ernste und unermüdlicher Hingebung sich den großen administrativen Aufgaben der Gemeinde widmeten, gesellen sich junge, arbeitsfrohe Kräfte, deren Schwungkraft auch für die Zukunft einen frischen Pulsschlag in unserem Gemeindeleben verbürgt -AD’ diese Männer sind beseelt von dem rühmlichen Eifer, ihr bestes Wollen und Können in den Dienst der Gemeinde zu stellen und so nicht nur den Glanz und das Ansehen dieser großen Organisation zu wahren und zu mehren, sondern auch den Bestand und die Ehre des Gessmtjtutentums gegen alle äußeren und inneren Feinde zu verteidigen. Wir rufen daher alle Wähler ohne Unterschied der Parteistellung auf, ihre Stimmen ,am , 24. November für die folgenden Kandidaten abzugeben: a) Für die sechsjährige Mandatsdauer: (weißer Stimmzettel) Emanuei Hoffmann, Hausbesitzer, XVIIL, Karl Ludwigstraße 27. Dr. Gustav Kohn, Hof- und Gerichtsadvokat, IX., Hahngasse 25. Dr. Josef PoBak, k. k. Universitätsprofessor, 1., Annagasse 4. Adolf Schramek, k. u. k. Hoflieferant, Kohlenhändler, II., Novaragasse 21. Leopold Simon, k. k. Kommerzialrat, Metallwarenfabrikant, : I., Freisingergasse 1. Dr. Maximilian Steiner, Privatier, IX., Günthergasse 2. ' Dr. Alfred Stern, ein. Hof- und Gerichtsadvokat, 11., Untere Donaustraße 27. Ingenieur Robert Stricker, Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen, III., Bechardgasse 24. b) für die zweijährige Mandatsdauer: (hlauer Stimmzettel) Dr. Jakob Ehrlich, Hof- und Gerichtsadvokat, 1., Neutorgasse 15. Für das zionistische Wahlkomitee: Dr. J. H. Körner, Zahnarzt; Isidor Gewitsch, Kaufmann; Ingenieur Emil Fried, Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen. , Für das Zentral-Wahlkomitee: Dr. Jakob Omstein, Hof- und Gerichtsadvokat, Vizepräsident der isr. Union; Dr. Josef Winternitz, Hof- und- Gerichtsadvokat;. Josef Schaalmarat, Bergwerksprodukten-Händler; Gottlieb Bettelheim, Fabriksbesitzer. Rundschau. Woodrow Wilson. Infolge des Balkankrieges ist die Oeffentlichkeit ziemlich achtlos an der großen politischen Umwälzung in den Vereinigten Staaten vorübergegangen. Namentlich wir Juden werden durch1 die Wahl des-Demokraten Wilson zum Präsidenten der United States stark tangiert.- Deun die Auswanderungsfrage ist für die Juden eines der brennendsten Probleme. Namentlich sind es die Vereinigten Staaten, welche dieses Problem durchvein; iEmw,anderungsverbot katastrophal gestalten! k^nneaih-De^ n$ue^Pj$sid,$ni -ist-kein Freund. deE, Einwanderung, In’ einen) seiner politischen Hauptwerke nahm er sogar in ziemlich gehässiger Welse gegen die „osteuropäischen“ (lies: jüdischen) Einwanderer Stellung. Wenn auch im Wahlkampfe von einer Beschränkung der Einwanderung keine Rede war, so ist doch die Befürchtung nicht unangebracht, daß der Präsident Wilson die Ansichten des schlichten Professors Wilson betätigen und an die Wahlversprechungen des Kandidaten Wilson vergessen wird. Alles ist schon dagewesen, sagt Ben- Ahiba. Warum sollte es ausgeschlossen sein, daß Politiker vergeßlich werden und sich von ihren Herzensneigungen und nicht von Programmen leiten lassen? Wir und die Balkanwirren. Die nächsten Tage können schreckliche Ueberraschungen bringen, was jedoch die streitenden österreichischen Völker nicht zur Besinnung bringt: Polen gegen Ruthenen, Deutsche gegen Tschechen, die Südslaven gegen alle; alles geht drunter und drüber. Und alle schielen über die Grenze. — Die Alldeutschen behaupten, daß der ganze Balkan nicht die Knochen eines deutschen Soldaten wert sei; die Tschechen veranstalten anläßlich der serbischen Siege Freudenfeste; die Südslaven sympathisieren mit ihren slavischen Brüdern. Die Polen , lassen wijde Gerüchte von Aufständen in die Welt flattern. Die Altrufhenen treiben offenen Hochverrat und die Italiener haben ihre alten Hoffnungen nicht begraben. Kurz, bei allen österreichischen Völkern bestehen mehr oder minder ausgesprochen irredentistische Parteien. Nur die anderthalb Millionen Juden sind durchwegs vaterländisch und loyal gesinnt. Und gerade diese aufrichtigsten Anhänger des österreichischen Staatsgedankens werden am ärgsten behandelt. Das ist schon österreichische Staats- und Diplomatenweisheit, gerade den zuverlässigsten Teil der Bevölkerung am stiefmütterlichsten zu traktieren. Wir wissen für die österreichische Diplomatie einen guten Rat. Anstatt Kriegspläne zu schmieden, möge sie lieber im eigenen Hause Ordnung machen und dafür sorgen, daß die besten Patrioten, die Juden, nicht mit der Zeit gleichgültige Zuschauer des schleichenden Niederganges werden. * # Ein trauriges Memento. Die Tagesblätter brachten am 13. November unter dem Titel „Studentenschlägereien mit einem Todesopfer“ folgende Nachricht aus Darmstadt: „Heute in den frühesten Morgenstunden ereigneten sich’ schwere Studentenausschreitungen, die den Tod eines Beteiligten zur Folge hätten. Eine Anzahl deutscher Studenten der Technischen Hochschule besuchte nach einer durchzechten Nacht ein Cafe in der Rheinstraße, wo eine Anzahl russischer Studenten saß. Ein deutscher Student begann mit einem russischen Händel, und nach kurzer Zeit war eine allgemeine Schlägerei im Gange. Der Besitzer des Cafes entfernte hierauf die deutschen, Studenten aus dem' Lokal. Nach einer Viertelstunde verließen auch . die Russen das Kaffeehaus und bald ertönten Schüsse und Hilfegeschrei. Die deutschen Studenten hätten den russischen jaüfgelauert [und waren über sie mit Stöcken hergefallen. Der russische Student Weiser aus ,Czenstochäu zog seine Browningpistole hervor und schoß auf die Angreifer, von denen einer schwer verletzt wurde. Als die Angreifer ihren Kommilitonen fallen sahen, drangen sie mit Stöcken und Messern auf die Russen ein. Hiebei erhielt Weiser eine Anzahl Stiche, die einen sofortigen Tod herbeiführten. Sechs Studenten wurden in Haft genommen und- ■mehrere Verletzte nach dem Krankenhäuse ge-' bracht.“ Der Russenhaß .der,. deutschen Studentenschaft und — wie wir' in der; letzten Nummer berichteten — vieler deutscher Hochschullehrer ist nichts anderes als brutaler Antisemitismus. Die Provokation des deutschen Studenten galt nicht dem „Russen“,, sondern war die.Betätigung eines im Hep-Hep-Geiste erzogenen. deutschen Edeljünglings gegen einen verhaßten Juden, der sich nachher gegen die frechen Banditen, die nach Meuchelmörderart ihm und seinen ahnungslosen Gefährten auf lauerten, zur Wehr setzte. Merkwürdig bleibt es, daß bei dieser Schlägerei gerade der Jude sein Leben lassen mußte .Sollte die Geschichte mit dem Browning nur 'erfunden Ein Schwarzer nach Tisch dacht munter und frisch! Die Untersuchungen von Professor Bollingworth haben erwiesen, weshalb es so ist. Wenn Sie sich dafür interessieren, wie man der Ermüdung nach den Mahlzeiten entgeht, so lesen Sie die kleine Broschüre: •Winke für Feinschmecker“ Gratis erhältlich in allen Geschähen der Firma JULIUS MEINL Gegr. 1862. LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. ba eigenem Palais.—Versilbertes Kapital zirka 380 KUUionen. — Prämienpescm zirka 113 Millionen.—Billigste, Prämien und kulanteste Baöingungen. Engagiert jederzeit tflibfige, leistungsfähige Agenten gegen koke Bezüge. InskünttrcrteBitic GcneralagetttsAiH Hin, l„ Hsperaplaiz 1 (Leiter: Daolö Seitenzahl). Eür&tgalizien u. Bukowina: SuMirektion &öbl Taubes, üemberg.