Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 42 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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35Bffi4.aa 55£5?i53e!!S5ffB5 Seite 2 rufcnsten Personen und die vollendetsten Mittel, welche heute der Partei zur Verfügung stehen, besorgt werden. Der Generalsekretär der zionistischen Weltorganisation, Herr Kurt Blumenfeld aus Berlin, wird mit einem Vortrage über „Zionistische Arbeit und Erfolge“ den Abend einleiten; er wird über die neuesten Errungenschaften der Arbeit unserer Organisation im Lande Palästina erschöpfende Auskunft geben. Gesinnungsgenosse Blumenfeld, welchem wir den Ausbau unserer mustergiltigen Organisation, der reichsdeutschen, zu danken haben, hat sich auch in Wien als einer unserer scharfsinnigsten und gediegensten Referenten erwiesen. Zufolge seiner Stellung im Aktionskomitee ist er der Berufenste, über die neuen Arbeitsmethoden und Arbeitsmittel zu referieren. Der größte Teil des Abends wird aber der Vorführung der Lichtbilderse-ie „Pa'ästina im Bild“ gewidmet sein, die hiemit zum ersten Male dem großen Publikum zugänglich gemacht wird. Eine kleine Auswahl dieser Bilder ist bereits im September den Teilnehmern der Zentralkomiteesftzung in Berlin vorgeführt worden. Die /■ Lichtbilder, welche von unserem Gesinnungsgenossen Dr. Leo Kann, Vizepräsidenten des Oesterreichischen Photoklubs, herrühren, haben bei dieser Gelegenheit und vor einem Auditorium, das Palästina^ größtenteils aus eigener Anschauung kennt, Sensation erregte, ln dieser künstlerisch vollendeten und umfassenden Weise ist auch nach dem übereinstimmenden Urteil das neue und alte Palästina noch nie behandelt worden. Alle Teilserien wie: das Leben und Treiben der Yemenitischen Juden, das hebräische Gymnasium, das herrliche Bergland Judäa, die historischen Stätten, der „Bezalel“ u. dgl . m., sind gleich vollständig und übersichtlich. Die* Photographien in natürlichen Farben, welche bei dieser Gelegenheit auch zu sehen sein werden, sind überhaupt die ersten, welche verfertigt wurden. Mit dem Vortrage wird auch eine Ausstellung des Prachtwerkes „Palästina im Bild“, welches die künstlerische Reproduktion der Kann’schen Bilder in Form von Albums, Wand- und Mappenbilder, Kunstblättern und Glasbildern enthält, verbunden. Das Interesse, welches das jüdische Publikum dem vom Verlage „Jüdische Zeitung“ veranstalteten Vortragsabend entgegenbringt, ist ein äußerst reges und die Veranstaltung wird sicherlich eine der originellsten und fruchtbarsten sein. Wiener Kultuswahl 1912. Sonntag, den 24. November erfolgt die Hauptwahl aus der sogenannten Allgemeinen Kurie, am 1. Dezember die allfällige Stichwahl. Hier kommen zur Besetzung die durch Ablauf des sechsjährigen Turnus erledigten acht Mandate der Herren Dr. Alfred Stern, Dr. Gustav Kolm, Dr. Maximilian Steiner, Emanuel Hoffmann, Dr. Josef Pollak, Adolf Schramek, Leopold Simon und Dr. Anselm Halpern (dieser wurde erst. 1910 bei der Ersatzwahl nach Doktor Alfred Berger gewählt) mit einer Laufzeit bis 1918 sowie als neuntes das durch den Tod des Herrn Max Frank erledigte Mandat mit einer Laufzeit bis Ende 1914. Am 4. bzw. 6. Dezember schließt sich dann die Wahl aus der Kurie der Höherbesteuerten an. Hier kommen zur Besetzung die durch Ablaut des sechsjährigen Turnus erledigten vier Mandate der Herren Moritz B. Eissler, Dr. .Arthur Kuranda, Dr. Leopold Kohn und Max Jirner ^dieser 'erst 1910 bei der Ersatzwahl nach Herrn Bernhard Pollack von Parnau gewählt) mit einer Laufzeit bis Ende 1918 sowie als JÜDISCHE ZEITUNG fünftes das durch den Tod des Herrn David Ritter von Gutmann erledigte Mandat. Interessant ist ein Vergleich zwischen der Wählerzahl 1910 und 1912 in den einzelnen Wahlkreisen. Stadtbezirk 1910 1912 I '2200 2465 265 II, XX- 3100 4783 1683 . III, XI 800 1378 578 IV, V, X . 900 1268 368 VI, VII 1750 2476 726 VIII, IX 2100 3446 1346 XII,-XV 600 1011 411 XVI, XVII 800 564 236 xviii, xix 700 1084 + 384 XXI 100 182 + 82 Summe 13050 18657 + 5607 Darnach hat die stärkste Vermehrung der Wählerzahl gerade in jenen Wahlkreisen stattgefunden, die der jüdisch-demokratischen Opposition geneigt sind, während die innere Stadt, diese Hochburg des Assimilantentums, durch Alsergrund-Josefstadt und Mariahilf-Neubau überflügelt, vom zweiten auf den vierten Platz zu rückgesunken ist. Alles günstige Auspizien! Geheime Sitzung des Wiener Kultusvorstandes vom 13. Oktober 1912. Man mißverstehe uns nicht. Es ist nichts Besonderes vorgefallen, daß unser Vorstand hinter verschlossenen Türen berät. Nein, geheime Sitzungen sind für die altliberalen Herren in der Seitenstettengasse ein ständig gütiges höchstes Moralprinzip und es sind Dezennien her, seit Dr. Stern bei seinem Eintritt in die Kultusstube — dem damaligen Präsidenten zu Trotz — sich für öffentliche Sitzungen begeistert hat. Die Oeffentlichkeit wird jetzt dadurch fingiert, daß die jüdischen Blätter über einzelne Vorkommnisse der Plenarsitzungen durch sorgsam appretierte Berichte des Kultussekretariats in formiert werden. Dem letzten Bericht entnehmen wir folgendes: Das Kultusministerium hat die Statutenänderung vom 6. Februar 1912 (Streichung' des Wahlrechtsraub - Paragraphen und Vermehrung der Vertrauensmänner, d. h. Sieuereinschätzer) am 22.’ August genehmigt. Das Ministerium würde jede andere Statutenänderung, die ein^ Erweiterung des Wahlrechtes brächte, ebenso glatt genehmigen:; wenn , sie der .Vorstand beantragen würde. Dr. Stern aber will nicht! Ein anonymes Ehepaar fügte den schon früher gespendeten 240.0P0 K weitere 30.000 K für Errichtung eines Pavillons im jüdischen Knabenwaisenhaus hinzu. Das Finanzministerium hat der Kultusgemeinde für ihre Quittungen über Friedhoftaxen die Gebührenbefreiung zuerkannt. Mit der Gemeinde Wien wird ein Vergleich dahin geschlossen, daß sie der Kultusgemeinde zu den Kosten des Religionsunterrichtes von 1908 bis 1912 (was später?) eine Pauschale (wie viel?) bezahlt, während bisher die Refundierung nach der gesetzlichen Mindestzahl der zu erteilenden Religionsstunden bemessen wurde. Der nö. Landesschulrat 'hat 'auf Anregung des Kultusvorstandes eine Novelle zum Landesschulgesetz beschlossen, wonach auch im jüdischen Religionsunterricht höchstens 79 und mindestens 50 Kinder zu vereinigen sind, während bisher zum Nachteil der Juden die Zahl 79 absolut galt. Der Gemeinderat hat die Baulinien für den neuen jüdischen Friedhof bestimmt. Der größte Teil des Berichtes ist mit einer der vom Kultuspräsidenten so beliebten Polemiken gegen Abwesende ausgefüllt. Diesmal geht es gegen die „Nationalzeitung“. Ihre Angriffe gegen das Komitee der Rappaport’schen Preisausschreibungs-Stifiung,. als wäre bei Auswahl der Themen und bei Zuerkenhung der Preise Rabbiner Dr. Grunwald, Blocks Schwiegersohn, auffallend begünstigt (Worden, seien haltlos. Hierfür bürgen schon die Qualitäten der Preisrichter. Uebrigens sei Dr. Grunwald erst zweimal prämiiert worden, 1893 und 1912. Die erste Prämiierung fand den Beifall hervorragender Nichtjuden, wie z. B. des Philosophen Eduard von Hartmann. (Das war bekanntlich ein „großer Antisemit“ a Ja Sombart und wir würden,' wenn wir uns jemals auf Hartmanns Beifall berufen hätten, von Stern und Bloch gewiß als „jüdische Antisemiten“ verschrieen.). Dr. Grunwald ist jedenfalls zu bedauern. Als Schwiegersohn Blochs wird ihm alles zuge- . Nr. 42 mutet. Der Kultusvorstand ist aber nicht zu bedauern, denn seine, anrüphige Verbindung mit Bloch wäre lösbar, außer daß die Herren Parnassim Blochs Rache fürchten.; Kiew. Von Maxim A n i n. „Die Mutter der russischen Städte“.. Die Geburtsstätte des zoologischen „Nationalismus“, des .völkermordenden Regimes, des tierisch-wütenden Antisemitismus. Die wirksamsten inquisitorischen Neuerfindungen auf dem Gebiete der Judenhetze wurden hier gemacht .und erprobt. Eine sonderbare Stadt, ein unhqimliches Gemisch von äußerer Schönheit und .innerer Abscheulichkeit, materieller Kultur und geistiger Barbarei. ■ ■ ' Eine der schönsten Städte — vielleicht dje schönste — Rußlands. Vielgestaltig; färben- und formenreich, und doch einheitlich. im Gesamteindruck, liegt es malerisch auf dem steilen, abr wechslungsreichen rechten Ufer des Dnjepr hingeworfen. / ' ' ■ Stolz ragt der Wladimirberg inmitten der Stadt. Sorgsam gepflegt ist . der zierliche. Kaufmarinsgarten. Der ungezwungen-prächtige Kaiserpark. Die altertümliche Lawra' mit: ihren monotonen Mönchgruppen und bunt - malerischen Bettlerscharen. Das legendäre Asko.ldgrab . . . Eine ununterbrochene Kette natürlicher Pracht und Natur gewordener Historie. Bei jeder Straßenkreuzung unerwartet anmutige, weich auf- und absteigende Aussichten. Man lasse sich jedoch von diesen lockenden Fernsichten nicht verleiten. Denn unerreichbar sind sie wie die Fata morganä: seit Jahren sind alle Wege dorthin verrammelt. Pflaster, Straßenbau, Kanalisation,, elektrische Anlagen ohne Plan,' ohne Ordnung, ohne Erfolg. Die „Stadtväter“ kommen aus ihren Projekten nicht heraus, das Budget wächst ins Ungeheure. Die schönsten und kostspieligsten Bauten, die in der Stadt errichtet werden, -gehören — ihnen. Und der bequemste und undurchdringbarst-': Deckmantel für diese unlautere Wirksamkeit ist — die echt patriotische Judenfresserei. Wer in Rußland in den vielstimmigen Chorus: „Haut die Juden!“ einstimmt, der hat das vollste Privilegium auf Diebstahl und Unterschlagung, aut Mord und Raub. Denn jener Ruf bildet heutzutage die Grundlage des Systems. Hyperpatriolischer Servilismus, hypernationalistisches Geheul und bestialischer Judenhaß waren stets zu allen Zeiten und in allen Ländern der Deckmantel grenzenloser Korruption und gesellschaftlich-historischer Sterilität. Energie überwindet alte Schwierigkeiten. Eine noch nicht bewusst ausgenutzte Energiequelle ist das im Kaffee enthaltene Koffein. Es ist ein Freund des Mensdhen, denn es regt seine gute Laune, seine Phantasie, sein Gedächtnis und seine Tatkraft mächtig an. Aber nur richtig gerösteter Kaffee zeigt keine üblen Nachwirkungen. Richtig gerösteten und immer Irischen Kaffee kauft man bei . Julius MEINL, Kaffee-Import Gegründet 1862. NIEDERLÄNDISCHE LEBENS-VERSICHERUNGS-GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. 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