Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 41 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438380-2438421--3251-2443000- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■MP Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 41 Oie Juden Oesterreichs nach der Volkszählung von 1910. Die bisher vorliegenden summarischen Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 sind in der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“ in mehreren Abhandlungen erörtert worden. Die interessantesten Ergebnisse lassen wir folgen: Von 28V» Millionen Einwohnern waren 1,313.687 Juden, das sind 4.6°>- Im Jahre 1900 wurden 1,224.899 oder 4.68V», 1890 1,143.305 oder 4.78“o gezählt. Die Zunahme ist nur absolut, die relativen Zahlen sind in Abnahme. Diese Abnahme ist auf Konto der starken Auswanderung sowie der Uebertritte zu setzen. lieber die Verteilung der Juden auf die einzelnen Kronländer schreibt Dr. Haas in der letzten Nummer der erwähnten Zeitschrift, daß Niederösterreich eine starke Zunahme der jüdischen Bevölkerung zeige, was auf Rechnung von Wien zu setzen ist. Von den 184.779 Juden Niederösterreichs wohnen 175.318 in Wien, wo sie 8.6°,« der Bevölkerung ausmachen. In den Alpenländern und in Triest hat ihre Zahl gleichfalls zugenommen, dagegen weisen Böhmen und Mä hren einen starken Verlust auf. ln Böhmen beträgt derselbe nicht weniger als 7.46°/o für die Zeit von 1900 bis _1910. Dr. Haas schreibt Hierüber: „Zum großen Teil sind in diesen Kronländern der nationale und konfessionelle Boykott und die zufolge der wirtschaftlichen Emanzipation der christlichen Bevölkerung erschwerten Existenzbedingungen für die Juden, insbesondere auf dem flachen Land, bestimmend hiefür gewesen, ihre alten Wohnsitze zu verlassen und so manche Jahrhunderte hindurch bestandenen Kultusgemeinden gehen einer sicheren Entvölke'rungund langsamen Auflösung entgeh en. Beinahe ein Drittel der Juden Böhmens bewohnt Prag und die Vorstädte (28.888). Die Zahl der Juden in den Industriestädten Reichenberg (1240), Pilsen (3656), Teplitz (3495), Karlsbad (1955), Aussig (1108) steigt,' jene in den Landgemeinden fällt. Auch in Mähren zeigen sich analoge Erscheinungen. Brünn zählt 8945 Juden (7.9"> der Bevölkerung). Zunahmen zeigen Olmütz (1679) und der Gerichtssprengel Ostrau. Die Gerichtsbezirke Proßnitz (1511), Lundenburg (1315), Göding (1201) haben abgenommen. Iglau verlor 346 (jetzt 1304). Große Verluste zeigen die Gerichtssprengel Boskowitz, Ung.-Brod, Ung.-Ostra, Nikolsburg, Gaya und Trebitsch. . In Schlesien ist die Zunahme nicht mehr so stark wie bisher, beträgt aber noch immer mehr, als jene der Gesamtbevölkerung (12.13 gegen 11.24‘Vo). Insbesondere der Teschener Kreis zeigt wegen (der Nähe des Ostrauer Reviers eine starke Zunahme. Faßt man das Ostrauer Revier zusammen, so zeigt sich folgende Bewegung: 1880 •1900 1910 Ger. Bezirk M. Ostrau . . . 1017 2232 6112 n „ Oderberg . . . 557 691 1061 „ „ Freistadt . . . . 524 609 1398 „ Teschen . . . . 1484 1712 2498 Stadt Troppau.'. . 1061 1089 1112 „ Bielitz. . 1660 1977 3024 In. G a 1 i z i e n und der Buk o wi n a hat die jüdische Bevölkerung zwar, in den letzten zehn Jahren absolut' und relativ mehr zugenommen, als in den vergangenen Dezennien, was auf eine geringere Auswanderung zurückzukühren ist, jedoch ist ihr Zunahme-Prozent niedriger als jener der Gesamtbevölkerung, während er früher viel höher war. Auch hier ist die Konzentrierung ider Juden in Stadtgebieten zu konstatieren. Lemberg nahm um 16.000 Juden zü, Krakau um 7000, Droliobycz um 8000, Stanislau um 5000. In der Bukowina ist Czernowitz mit 28.613 Juden (32.SS der Bevölkerung), der am stärksten von Juden bewohnte politische Bezirk Oesterreichs. Zum Schlüsse geben wir noch eine Aufstellung über die wichtigsten Kronländer: Kronland Zahl der Juden Zunahme in % 1900 1910 . Von je 1000 ' I Einwohnern [waren am 31.: 12. i Niederösterreich ....... 157.278 184.779 j i + 17.49! + 13.91 52.32 Böhmen. 92.745 j 85.826 | — 7.46 j + 7.13 12.68 Mähren. 44255 41.158 | — 7.00 | + 7.57 15.69 Schlesien. 11.988 13.442 | -f 12.13 j + 11.24 17.76 Galizien.- 811.371 871.906 I + 7.46 i -j- 9.70 108.64 Bukowina. 96.150 . 102.919 1 1 + 7.04: -f 9.57 128.63 Ganz Österreich. 1,224.899 1 1,313.698; 1 : -|- 7.25 j }■ -f 9.26 45.98 Erster Wiener judifdier turnuereiiu Am 7. Oktober fand die Generalversammlung statt, die sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Der Obmann, Herr Dr. Immerglück, erstattete den allgemeinen Rechenschaftsbericht, an den sich die Spezialreferate über die Kassagebahrung den Turnbetrieb und das Turngeräteinventar anschlossen. Uebereinstimmend konnten die Referenten eine gedeihliche Weiterentwicklung des Vereines konstatieren. Der Turnbetrieb war während des ganzen Jahres ein sehr reger und wurde: auch während der Sommermonate in fast unvermindertem Umfange aufrecht erhalten. Die Zahl der Teilnehmer ist gegen das Vorjahr in allen Abteilungen bedeutend /gewachsen und 'erreichte der Turnbesuch im Herrenturnen mit 127 Teilnehmern am 14. März d. J. und im' Damenturnen mit S4 Teilnehmerinnen am 12. Februar d. J. seinen Höhepunkt. Aber nicht’nur numerisch erfuhr der Verein eine Steigerung, sondern auch in turnerischer Beziehung machte er derartige Fortschritte, daß er heute einen der" ersten Plätze unter den Wiener Turnvereinen einnimmt. Dieser turnerische Fortschritt kam auch bei den Darbietungen des Vereines zum Ausdruck, von denen die Beteiligung des Vereines an der Makkabäerfeier durch eine Musterriege am Hochreck, deren Vorführungen den Glanzpunkt des Abends bildeten, das Zöglingswetturnen am 27. Februar d. J. und das große in den Sofiensälen am 25. März d. J. stattgefundene Schauturnen erwähnt seien. Den größten turnerischen Erfolg indes konnte der Verein bei dem zu Pfingsten d. J. in Berlin abgehaltenen Verbandsturntage der jüdischen Turnerschaft verzeichnen, wo sich die vom Vereine delegierten Mitglieder sowohl beim Wetturnen, als auch in der Vorturnerstunde rühmlichst hervortaten und es ihnen gelang, beim ersteren den ersten, zweiten und vierten Preis zu erringen. Während der Sommermonate wurde auf dem Krieketerplatz Leichtathletik betrieben und auch auf diesem Gebiete schöne Erfolge erzielt, von denen unter anderem der Sieg dep Vereines bei dem im Juni d. J. stattgefundenen Sportmeeting der „Hakoah“ beredtes Zeugnis gibt. Dieser Aufschwung und diese Erfolge des Vereines sind ausschließlich das Verdienst seines unermüdlichen Platzleiters, des Herrn Emil Popper, der sich mit der größten Hingebung in den Dienst der jüdischen Turnsache stellte und dem für sein erfolgreiches Wirken der beste Dank gesagt sei. Der Verein veranstaltete ferner Vorträge aus jüdischer Geschichte und Literatur und suchte so in jeder Beziehung dem Programme der jüdischen Turnerschaft gerecht zu werden, die jüdische Jugend körperlich und sittlich zu kräftigen und in jüdischem Geiste heranzubilden. Die vorgenommenen Neuwahlen in den Turrirat ergaben. folgendes Resultat: Dr. Julius Beer, Obmann, Ing. Theodor Deutsch, Obmannstellvertreter, Dr. Erwin Haas, erster Schriftführer, Otto Lerner, zweiter Schriftführer, Leopold Wessely, erster Kassier, Siegfried Weiner, zweiter Kassier, Isidor Horowitz, erster Turnwart, Julius Reis, zweiter Turnwart, Ing. Emil Deutsch, Zeugwart. Frl. Irma Welhvarth, Dr. Sigm. Fuchs, Isidor Holzer, Beisitzer. einen Sack Mehl ins nahe Dorf zu bringen. Er lud ihn auf seinen Karren neben den Manuskripten und machte sich auf den Weg. Die Hitze war unerträglich und Chaskel mußte bald Rast halten. Er legte sich ins Gras und blickte solange in das. Meer von Blau über sich, bis er in Schlummer verfiel. Als er erwachte, stand der Karren nicht mehr neben ihm. Verzweifelt rannte er die Straße auf und ab. Dann lief er laut schreiend durch die Stadt und fragte alle Vorübergehenden aus. Man lachte und gab ihm keine Antwort. Seine kostbaren Papiere waren und blieben verschwunden. Seit diesem Tage war es mit der Ruhe des Alten vorbei. Verstört irrte er umher und suchte seinen Schatz. Er aß tagelang nichts, sondern weinte und grämte sich. An einem kalten Herbstmorgen fand man ihn tot auf der Straße liegen ... Chojzek-Anekdoten.* *) Chojzek legte sich eines Abends, auf eine Holzbank schlafen. Als er am Morgen erwachte, schmerzten ihn alle Glieder. Chojzek begann nun seine Schlafstätte genau zu untersuchen und entdeckte eine kleine Gansfeder auf der Bank. Da dachte er bei sich: Wenn mich schon diese eine Feder so drückt, wie sehr wird mich erst ein ganzes Federbett drücken? Und seit der Zeit schläft Chojzek auf keinem Federbett. *) Ghojzek ist der jüdische Till Eulenspiegel. Chojzek kaufte eines Tages auf dem Markt einen Holzpflock für seine Laubhütte. Den Pflock trug er wagrecht vor sich und als er zum Haustor kam, konnte er nicht hinein. Da riet er Leute herbei und befahl ihnen, eine Wand einzureißen, damit er ins Haus gelangen könne. Chojzek ging ins [Bad. Als er dort viele nackte Füße sah, dachte er bei sich: „Wie werde ich unter den vielen nackten Füßen meine wiederfinden? Er umwand daher seine Füße mit einem bunten Band. Er verlor aber das Band und konnte dann seine Büße nicht erkennen. Und bis zum heutigen Tage'weiß er nicht, auf wessen Füßen er umhergeht. * Als sich Chojzek {schlafen legte, beschloß er, alle Kleidungsstücke mit Nummernzu versehen, um sie beim Aufstehen nicht erst herumsuchen zu müssen. Er schrieb also: Kaftan- Nummer eins, Weste-Nummer [zwei usw.; sich selbst gab er Nummer zehn. Als er nun am Morgen erwachte, fand er alles in Ordnung vor, bis auf Nummer zehn. „Wo ist Chpjzek? fragte er den ganzen Tag und er weiß bis heute nicht, wo er ihn finden soll. * Chojzek schickte seiner Braut mittelst Post das Hochzeitskleid. In eine. Tasche des Kleides steckte er einen Brief, an seine Braut, der folgendermaßen lautete: „Gell auf die Post und hol das .Kleid ab. In .einer [Tasche desselben wirst Du diesen Brief vorfinden.“ B. , PapteisNachPictiten. Eine Vereinsspende für ein Jemenitenhaus. Der Erste Wiener zionistische Frauenverein hat, wie uns von der Landessammelstelle mitgeteilt wird, den Betrag von 1000 Kronen für ein Jemenitenhaus gespendet. Durch diese Spende hat der Frauenverein neuerdings bewiesen, daß er für alle in Palästina entstehenden oder bereits wirkenden Institutionen sowie für die im heiligen Lande in Angriff genommenen Aktionen ein mehr als theoretisches Interesse hat. Es ist bekannt, daß' der Frauenverein einen namhaften Beitrag zur Erhaltung des Wiener Informationsbüros für Palästina leistet. Durch die letzte Spende ist der Frauenverein allen Vereinen mit gutem Bei- Avis iür Einjährig-Freiwillige. Telefon: Stelle 6 von 3455. Witkowski & Nacht Nsdif. Julius Nadit's Wien, IX., Berggasse 27. empfiehlt sämtliche Uniformierungs- und Ausrüstungs-Sorten für das k. k. Militär, Staats- und Eisenbahnbeamte, sowie für Einjährig-Freiwillige aller Branchen. Große Auswahl in Couleurbändern. Neuanschaffungen werden in kürzester Zeit effektuiert.