Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 41 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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: Nr. 41 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 spiel vorangegangen. Eine -Nachahmung desselben seitens anderer zionistischer Korporationen wäre wünschenswert. Auskunftsbüro für. den hebräischen Sprachunterricht. Schon lange machte sich das Bedürfnis geltend, qualifizierte Lehrkräfte für den Unterricht im Hebräischen zu finden. Speziell auf dem Gebiete des modernen Unterrichtes der hebräischen Sprache (Konversation etc.), der neuen und der alten Literatur (Bibel, Talmud etc.), mangelte es an geeigneten Lehrern. Um diesem' Mangel abzuhelfen, beschlossen mehrere Hochschüler und Freunde der hebräischen Sprache, eine Auskunftsstelle ins Leben zu rufen, wo tüchtige und pädagogisch geschulte Lehrkräfte empfohlen werden. Zuschriften an Lewi Dichter, cand. phil., IX., Rögergasse IS/6. Derselbe erteilt auch Auskünfte zwischen 1 bis 2 Uhr an Wochentagen. Für das Auskunftsbüro für hebräischen Unterricht: Dr. A. Robinsohn, inr. Schalmon Horowitz, phil. Lewi Dichter. Verband der mährisch-schlesischen Ferial- . Verbindungen. Samstag, den 19. Oktober a. c. findet um halb 3 Uhr nachmittags im Cafe Jägerhof, die erste Präsidialkonferenz statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht des Präsidiums. 2. Neuwahlen. 3. Aenderung der Geschäftsordnung. 4. Eventualia. Für den Arbeits-Ausschuß: cand. phil. Isidor Goldberger ' dzt. Obmann. Russischer UissofzhysTee zu Original Freisen I. Rubel K 2.50. 6. lelelbaum, Ul. Mopizgasse 1. Telephon Nr. 23312 (gemeinsch. m. Brüder :-: Teutelbaum). :-: BuMdtau. Ein neuer Roman von Hermann Blunjenthal. Von Hermann ’BIumenthal erscheint soeben ein neuer Roman unter dem Titel „Der Weg zum Reichtum” im Verlag Wilhelm Borngräber, :Berlin W. 35. Dieser Roman spielt im galizischen Petroleumgebiet und schildert die Verhältnisse in Boryslaw und Drohobycz. Die soziale Frage und der Sozialismus. Von Dr. Franz Oppenheimer, Berlin, Verlag Gustav Fischer, Jena. — Nachdem Oppen-* heimer das Gebäude seines Systems mit seinem letzterschienen Werk: „Theorie der reinen und politischen Oekonömie“ vollständig errichtet hatte, ließ er diese populär geschriebene Auseinandersetzung mit dem Marxismus folgen, die bestimmt zu sein scheint, die Anschauungen Oppenheimers in weiteste Kreise zu tragen, namentlich in die Reihen der marxistischen Sozialdemokratie. Oppenheimers Marxkritik ist bekannt. Er weist nach, daß die Theorie, wonach die „industrielle Reserve-Armee“ vom Kapitalismus immer aufs neue selbst geschaffen wird, falsch ist. Die in der Industrie beschäftigte Bevöf- kerung wächst vielmehr um ein Vielfaches ra-* 7 scher als die Volksvermehrung beträgt. Die ff Reservearmee rekrutiert sich vom Lande, namentlich durch Zuzug aus Großgrundbezirken. ■‘Y/ Lasse man durch eine verstärkte innere Kolojede Ausbeutung aufhören und sic hdie Harnisation ideserr Zuzug versiegen, dann müsse monie der. Interessen auf Grund einer wirklich freien Konkurrenz feststellen. Oppenheimer betont in dieser kleinen Schrift so krustig, wie noch nie zuvor, daß er durchaus au dden Schultern von Marx steht, dessen Grundan^chauungen er 'akzeptiert. Hierin liegt tatsächlich der Schlüssel zur Stellung Oppenheimers. Nimmt man die Prämissen Marx’ vom Wesen des Kapitalismus und vom Mehrwert als Abzug vom ' Arbeitsvertrag an, dann gibt es gegen die Schlüsse Oppenheimers kein Entrinnen. Diese . sind mit zwingendster Logik und fast mathematischer Beweiskraft aufgestellt. Die sog.- bürgerliche Oekonomik bestreitet aber die Richtigkeit der Marxschen Grundauffassung, insbesondere seine mechanische Erklärung des Mehrwertes. Es ist noch mehr als unentschieden, ob wirklich die bürgerliche Oekonomik so Unrecht und Marx Recht hat. Oppenheimer tut dieser übrigens etwas Gewalt an, wenn er behauptet, daß sie auch heute noch das Elend mit dem Maltiis’schen Gesetz begründe: unseres ist dies nirgends der Fall. Allerdings wir Oppen- | heimers Optimismus in Bezug auf den Nahrungsspielraum der Erde von den anderen Oekonomen nicht geteilt, worüber erst kürzlich Ballod in Schmollers Jahrbüchern ausführlich schrieb. Mit all diesen Vorbehalten wird doch die Hauptargumentation Oppenheimers, daß eine starke innere Kolonisation das wichtigste Mittel für Gesundung der Volkswirtschaft, Hebung des Standard of life der unteren Klassen, ferner für ein richtiges Gleichgewicht zwischen Industrie und Landwirtschaft ist, von niemanden angefochten werden, auch wenn man die so weitgehenden Konsequenzen, die er davon ableitet, daß durch ihre Wirkung alle Ausbeutung verschwinden werde etc. nicht zugeben sollte. Jn seiner Hauptforderung begenet sich übrigens Oppenheimer zum Teile mit „bürgerlichen“ Oekonomen ä la Sering, ja sogar mit Reaktionären h la Meline. Nachdem er ferner in seiner neuen Schrift gar nicht mehr fordert, daß die innere Kolonisation au fgenossenschaftlicher Basis erfolgen solle, so wissen wir nicht, worin noch sein Sozialismus besteht. Das Kapitalverhältnis als Ausbeutung ansehen und diese beseitigen wollen, kann doch qicht genügen, um sich Sozialist zu nennen, wenn man in allen Zweigen der Volkswirtschaft die individuelle Produktionsweise bestehen lassen will. Von Einzelheiten in dem Büchlein ist neu und von besonderem Interesse die Darlegung, daß bei Entstehen des Industrialismus die bekannten furchtbaren Verelendungen der Massen nicht von diesem verursacht wurden ,sondern, daß durch Aufhebung der Schollengebundenheit zum erstenmal die halbvestierten Leibeigenen in die Städte strömten, hier den Standard of life in die Tiefe rissen ,währen für sie selbst die elenden Löhne in den Fabriken noch ein Aufsteigen bedeuteten. Dem Büchlein ist als zweiter Teil eine Polemi kmit dem Marxismus und mit Karl Kautsky.angeschlossen. Namentlich die letztere, so nötig sie auch sein mag, schweift den Gesamteindruck des Büchleins ab, das so, anstatt mit ein paar kräftigen Schlußakkorden mit einer Polemik schließt. Als Vorwort ist dem Büchlein eine Herausforderung an Karl Kautsky mitgegeben, in welcher Oppenheimer die Resultate seiner Forschungen in 16 Thesen aufstellt und Kautsky einlädt, „den Handschuh aufzunehmen“. Man kann gespannt darau fsein, was Kautsky erwidern wird. Das Büchlein ist in dem bekannten glänzenden Stil Oppenheimers geschrieben, in dem er von keinem heutigen Oekonomen erreicht wird. Die Plastik, Frische und Unmittelbarkeit der Ausdrucksweise sind unübertrefflich, die Logik brillant und zwingend, wenn sich auch Oppenheimer in seinem Bedürfnis nach logischen Gegenüberstellungen verleiten läßt, {überall Thesis und Antithesis zu sehen, auch dort, wo beim Gegner gar keine solche Klarheit zu finden ist. All diese Vorzüge machen die Lektüre dieses Büchleins zu einem wahren Genuß. ' Juda. PepsonalnaMIiten. Todesfall. Wie uns aus I g 1 a u nach Redaktionsschluß gemeldet wird, ist daselbst Herr Rabbiner Dr. U n g e r plötzlich gestorben. Wir behalten uns eine Würdigung der Persönlichkeit des Verstorbenen vor. Vereinsnadipiditen. Wien. Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“, II., Stephaniestraße 12. Der Verein hat seine Tätigkeit bereits begonnen. Programm! für diese Woche: Samstag, den 19. Oktober, Dr. Egon Zwerg: Prinzipielles zum Kultuswahlkampf. Dienstag, den 22. Oktober, Zionistisches Seminar II. Mordechai Manuel Noah. Mittwoch, den 23. Oktober, Seminar für die Lage der Juden in der Gegenwart II. Samstag, den 26. Oktober, Osias Herschdörfer: Der jüdische Maler Hirsschenberg. (Mit Lichtbildern.) Beginn der Vorträge TC8 .Uhr abends. Gäste willkommen. " Wien. Verein zionistischer Hochschüle’r „Theodor Herzl“. Samstag, den 26. Oktober eröffnen wir den Zyklus unserer Lichtbilder-Vorträge über jüdische Künstler mii einem Hirschenberg-Abend. Vortragender: Osias Herschdörfer. Beginn um i/y8 Uhr abends. Ort: Großer Saal des jüdischen Volksheims. Regiebeitrag 50 Heller. Wien. (Verein jüdischer Hochschüler „Mensa academica Judaica“, IX., Pramergasse 31.) Die Plenarversammlung findet nicht Freitag, den 18., sondern Samstag, den 19. Oktober 1. J., um 7 Uhr abends, statt. Wien. (Jüd. Handlungsgehilfen - Verband.) Dienstag, den 22. d. M., 8 Uhr abends, findet im Privatlokal, II., Taborstraße 11b, ein Vortrag des Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Doktor Egon Zweig statt. Thema: „Ein jüdischer Spaziergang durch Wien“. — Gäste willkommen. Wien. (Herzl-Klub.) Voranzeige. Dienstag, den 22. Oktober 1. J. findet im Herzl-Klub, IL, Stetaniestraße 12, um 8 Uhr abends, ein Vortrag des Herrn Simche Landau statt. Thema: „Politische Preßrevue“. Diskussionen. — Gäste herzlichst willkommen. Wien. (Verein „Poale Zion“.) Der Delegierte der Wiener Ortsgruppe, Genosse Michaal K o h n, erstattet Samstag, den 19. d. M., um S Uhr abends Bericht über den VI. Parteitag der Poale Zion Oesterreichs. Lemberg. Chargenwahlen der jüd.-akad. Verbindung „Hasmonäa“: cand. jur. Maximilian Bund X, jur. Paul Silber XX, jur. Moritz Moretzki XXX. Itzkany. (Verein „Ahawath Zion“.) Am 9. d. M. fand die außerordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Aenderung der Statuten; 2. Wahlen; 3. Eventualia. Ad 1 wurde über Vorschlag des Herrn Karl G o I d s t e i n die Aenderung einiger Punkte beschlossen. Ad 2 wurden gewählt: Herr Samuel H e 11 m a n n, Präsident; Herr Karl Go Idstein, Obmann; Adv.-Kand. Siegfried Edelstein, 1. Stellvertreter; Herr Bruno Schächter, 2. Stellvertreter. Ausschuß: Josef Goldstein, Schriftführer; Nathan Friedländer, Bibliothekar; Benjamin Peretz, Kassier; Moses Korn, Hausverweser; üie Herren Friedrich Goldhammer und A. Freier ohne Funktion. Ersatz: die Herren Roman Wohlfeld und Isidor Poplicher. Kassarevisoren: die Herren Michel Friedländer und Paul Edelstein. Weiters wurde ein ivationälfondskomixee, bestehend aus den Herren fsak Blum, Nathan Friedländer und Josef Goldstein gewählt. Ad 3 wurde über Vorschlag des Herrn Josef Goldstein der bisherige Obmann Herr Dr. jur. Hermann Peretz in Anerkennung seiner langjährigen aufopfernden und ersprießlichen Tätigkeit für den Verein zum Ehrenmitglied des Vereines ernannt. Olmütz. Am Kolnidreabend nahm der 01mützer Rabbiner Dr. Oppenheim Veranlassung, in seiner ausgezeichneten Predigt über das Elend und die Bedrückung der jemenitischen Juden zu sprechen. Er schilderte die durch Jahrhunderte bewiesene Glaubenstreue, ihre Sehnsucht nach der alten geliebten Heimat Palästina. Unsere unglücklichen Glaubensbrüder aus dem „glücklichen Arabien“ sind gezwungen, in unserer alten jüdischen Heimat eine neue Heimstätte für ihre Familien zu gründen und ein neues Feld für ihre Arbeitskraft und Arbeitsfähigkeit zu suchen. Der jüdische Nationalfond, jenes von allen Juden geschaffene Nationalgut unseres Volkes hat es sich zur rühmenswerten Aufgabe gemacht, der Pflicht der Menschlichkeit und der Pflicht der Juden in diesem Falle vollauf zu genügen. In diesem Sinne rief der Prediger die vielbewährte jüdische Wohltätigkeit an. Seine zwanzigjährige Erfahrung hat ihm bewiesen, daß die Olmützer Judenschaft keinen Ruf zur Milderung der Not und des Elends ungehört vorübergehen ließ. Es bildete sich sofort ein Sammelkomitee, welches bereits in Tätigkeit ist. Ueber das Resultat werden wir berichten. Jedenfalls verdient der Rabbiner Dr. Oppenheim für dieses warme Eintreten für die jemenitischen Juden wärmsten Dank. Vereinigung jüd. Finken („Emunah“). Laut Genehmigung seitens der Statthalterei vom 17. Juli 1912 wurde der Vereinsname abgeändert in „Vereinigung jüd. Freistudenten „Emunah“. Herr Samuel Sonnen wald wurde in Anerkennung seiner mehrfachen Verdienste um den Verein zum Ehrenförderer der „Emunah“ ernannt. Anfragen in Vereinsangelegenheiten sind zu richten an den Obmann abs. jur. Albert Weiß, Auenbruggergasse 37. Prag (Verein Theodor Herzl). An der k. k. montanistischen Hochschule in Pfibram studieren einige Juden, die Mitglieder unseres Vereines sind; ihre jüdische Nationalität ist dortselbst anerkannt. Diese Hochschule sei unseren Abiturienten bestens empfohlen, insbesondere jenen, die ganz oder zum Teil der böhmischen Sprache mächtig sind. Die Hochschule selbst ist deutsch. Abgesehen davon, daß es dort viel billiger als in Leoben ist, ist auch dort für den jüdischen Studenten viel Arbeit. Die starke- Jugendgemeinde ist assimiliert, in allernächster Nähe befinden sich viele kleinere und größere Gemeinden ,in welchen der Zionismus noch nicht vorgedrungen ist. Prag befindet sich auch in der •Nähe. Abiturienten, die Absicht hätten, dort zu studieren oder Hörer aus Leoben, die ihr Studium dort fortsetzen wollten, mögen sich an unser Mitglied „cand. mont. Eduard Aschermann, Pfibram“ wenden, der ihnen die von ihnen verlangten Auskünfte erteilen wird. Die Jnskription findet vom 10. bis 15. Oktober statt. Ordentlicher Hörer kann jeder werden, der die Matura an einer Realschule oder einem Gymnasium abgelegt hat. Boskowitz. Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Laetitia“ veranstaltete Samstag, den 7. September im Hotel Deutsch einen Vortragsabend. A. H. Dr. Max Eisler sprach über Börries von Münchhausen und Morris Rosenfeld. Seinen