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Jüdische Zeitung · 1912-10-02 · 39 (2.10.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
39 (2.10.1912)
Date
1912-10-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 39 diesen notorisdien Antisemiten für den Sozialdemokraten stimmen. Derselbe, damals als Antisemit verschrieene sozialdemokratische Führer, war während der letzten Gemeinderatswahl Verbündeter, und ist der Zuschrift zufolge kein Antisemit. I Fanny Wolfsohn. Donnerstag, den 19. September, fand unter überaus zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis von Frau Fanny Wolfsohn statt. Neben den offiziellen Vertretern der Kölner jüdischen Körperschaften sind aus denverschiedenen Gegenden Deutschlands, Englands u. a. m. Delegierte zionistischer Organisationen und Freunde des Wolffsohnschen Hauses erschienen, um der allzufrüh Verstorbenen die letzten Ehren zu erweisen. Das Engere Aktionskomitee war durch Herrn Dr. Levin vertreten, die zion.; Vereingung für Deutschland durdi Herrn D r. Hans Gideon Heyma nn. Ferner bemerkte man die Direktoren der Jüd. Kolonialbank J a - cobus Kann-Haag, Josef Co wen, London, sowie die Herren Dr. Friedemann, Wiesbaden, D r. L e s z i n s k y, Dr. Zwirn, Berlin, Dr. Weinberg, Dortmund, Dr. Go ldberg, Neuen h ah r, Dr. Epstein, Duisburg u. a. m. Die Halle des Deutzer Friedhofes, auf dem vorläufig die Verstorbene zur Ruhe gebettet wurde, konnte die große Zahl der Erschienenen nicht fassen, so daß die Trauerfeier am Grabe stattfand. Rabbiner Dr. Rosenthal, der das Zeremonial vollzog, schilderte in ergreifenden Worten den großen Verlust, den die jüd. Gemeinde in Köln durch das Hinscheiden von Frau Fanny Wolffsohn erlitten hat. Unersetzlich aber sei der Verlust für David Wolffsohn, dem sie in seiner aufopfernden Arbeit für das gesamte Judentum aufopfernd zur Seite stand, ihn auf allen seinen großen Reisen begleitet und Leid und Freud mit ihm teilte. David Wolfsohn, den die Kölner Gemeinde mit Stolz den ihren nennt, möge in seinem großzügigen .Wjrken für (JPajgstjna; padi die lipdequiff der jüdischen Not Trost finden. Rabbiner Dr. Hannover hielt einen warmherzigen Nachruf, den er hebräisch einleitete und gab, in Würdigung des zionistischen Ideals, der Trauer um die Heimgegangene beredten Ausdruck. Dr. Schmaria Lev in sprach im Namen der zion. Aktionskomitees hebräisch. David Wolffsohn, führte er u. a. aus, der so oft einen Kampf nach außen führen muß- „Das wirst du nicht tun“, schreit Bassia außer sich und stürzt auf ihn mit drohender Gebärde zu. Ihre Wangen sind gerötet, und Funken sprühen aus ihren Augen. Berl blickt erstaunt auf sein Weib. Der Zorn hat sie verjüngt. „So hat sie vor zehn Jahren ausgesehen“, denkt er und lächelt. „Mein schönes Weibel“, ruft er und will sie umarmen. Sie aber denkt, daß er wieder seinen Spaß mit ihr treiben will, stößt ihn zurück und macht sich daran, für ihn ihr Bett herzurichten. Er benutzt den Moment und wirft sich rasch auf den Strohsack. „Hailoh, Kinder schlafen! Her mit euch!“ ruft er. „Ins Bett legst du dich!“ schreit Bassia. „Ja, morgen“, ruft er lachend. „Ich sage, ins Bett mit dir!“ kreischt Bassia. „Fällt mir nicht ein“, sagt er gelassen. „Na wart!“ schreit Bassia auf und beginnt in wildem Zorn mit den Füßen gegen ihr Bett zu schlagen ,bis auch dieses zusammenbricht. Berl und die Kinder eilen erschrocken hinzu. Bassia ist außer sich. Sie stampft auf den Brettern herum, um das Bett ganz in Trümmer zu schlagen. Berl will sie zurückhalten, beruhigen, doch sie reißt sich von ihm los. Er hält sie fest. Sie versucht ihn zu beißen. „Bassia“, ruft er im höchsten Schrecken. „Was ist dir Bassia?“ Sie kommt langsam zu sich. Erschöpft setzt sie sich auf den Strohsack. Aus ihren Augen stürzen Tränen. Auch die Kinder beginnen nun vor Schreck und Bestürzung zu weinen. Berl blickt sie besorgt an. „Blassia, hör auf zu weinen“, bittet er. Seine Stimme zittert. „Bassia“, sagt er noch zärtlicher. Eine Rührung überkommt ihn und er spürt ein Würgen im Halse, und plötzlich — fühlt er, wie seine Augen feucht werden. Große Tropfen rinnen ihm über seine Wangen. Da war es, daß Berl weinen mußte. te, hatte die Genugtuung, daß ihm ein Kampf in seinem Hause, den viele andere Zionisten für ihre Gesinnung zu bestehen haben, erspart geblieben ist. Seine Frau war ihm vom ersten Moment an eine treue Helferin und Stütze. D r. 'H e y m a n n, Berlin, sprach im Namen der Zion. Vereinigung für Deutschland und in Vertretung der Kölner zion. Ortsgruppe. D r. Bodenheimer, sprach namens des Nationalfonds und des Frauenverbandes für Kulturarbeit in Palästina, dem Frau Wolffsohn als Ehrenvorsitzende angehörte und wies auf die David und Fanny Wolffsohn-Stiftung hin, die für Errichtung von Arbeiterheimstätten in Palästina bestimmt ist und ein ewiges Denkmal der treudn jüdischen Gesinnung der Verstorbenen bleiben wird. Dr. Adolf Friedemann sprach im Namen der persönlichen Freunde des Wolffsohnschen Hauses, denen die Verblichene durch ihr freumiliches und entgegenkommendes Wesen in besonderer dankbarer Erinnerung bleiben wird. Kennzeichnend für ihre echtjüdische Gesinnung sei ihr auf dem Krankenbette in den letzten Wochen innigst geäußerter Wunsch, daß ihre irdischen Ueberreste nach Erez-Israel überführt werden mögen. Alle Reden waren von einem tiefempfundenen Mitgefühl für Herrn David Wolffsohn erfüllt.- Hus dem jüöilrtien Leben. Aus der palästinensischen Kolonie Chedera. Unesre Kolonie, die zukunftsreichste, war auch zugleich die schmerzensreichste al - ler jüdischen Kolonien. Der bekannte hebräische Schriftsteller Achad-Haam hat vor zwölf Jahren in dem' zweiten Band seines Werkes „Al Paraschath Derachim“ („Am Scheidewege“) eine Liste der in Chederah gefallenen Opfer der Malaria, die! sich dort häufig zu einem Schwarzwasserfieber steigerte, veröffentlicht. Danach sind ganze Familien in den ersten Jahren der Kolonie, die nun schon über 20 Jahre zählt, vom Tode hingerafft worden. Dabei darf die Liste Achad-Haams auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben. Und auch nach Aufnahme dieses Verzeichnisses sind noch viele Menschenleben durch die Tücke des Fiebers vernichtet worden. Es schien in der Tat ein hirnverbrannter Gedanke, Chederah nicht aufgeben zu wollen. Die Zukunft jedoch hat denen recht gegeben, die mit unvergleichlichem Heldenmut den Glauben an Chederah nicht verloren haben. Eine Besserung trat bereits ein, als man in großzügiger Weise die umgebenden großen Sümpfe, die Geburtsstätten des Fiebers, durch Anlage von Eukalyptuswäldern sanierte. Die Wälder Chederahs sollen über eine halbe Million Bäume enthalten. Wenn also dadurch der Gesundheitszustand sich verbesserte und. die Zahl der Opfer immer geringer wurde, so bot die Kolonie doch im ganzen noch einen recht dürftigen Anblick, weil es dort nur wenige Einwohner gab. Und , auch diese wagten es nicht mehr, im Sommer in Chederah zu bleiben, sondern pflegten sich in der heißen Jahreszeit nach der mehr als zwei Stunden entfernten Kolonie Sichron Jakob zu begeben. Die Lage der Kolonie verbesserte sich, als vor sechs Jahren die Gesellschaft „Agudath Netaim“ und auch Privatleute anfingen, in Chederah Pflanzungen von Orangen, Mandeln und Oelbäumen anzulegen, wofür der dortige Boden besonders geeignet ist. Dadurch kam neues Leben in die fast verwaiste Kolonie. Vor dritthalb lahren war die Kolonie finanziell so weit gekräftigt, daß sie einen eigenen Arzt engagierenkonnte. Die Wahl fiel auf Dr. Brünn, ein Mitglied der Berliner „Hasmonäa“, der damals Pa-i lästina als Tourist bereiste, und bald sollte es sich zeigen, daß die Wahl eine sehr glückliche war, denn Dr. Brünn war es Vorbehalten, vieles zur günstigen Entwicklung der Kolonie beizutragen. Gleich in der ersten Zeit seines Aufenthaltes in Chederah fiel Dr. Brünn das ungehörige Verhalten der nichtjüdischen Wächter auf. die sich als die Herren der Kolonie b°t’-achteten. Er berief daher die Kolonisten zu sich, um zu beraten. wie diesem Uebelstand. der bereits) schroffe Formen angenommen hat+c. abzuhelfen sei. Es wurde beschlossen, sofort die ..Wächter“ zu entlassen und bis auf weiteres die Kolonie durch die Einw’ohner selbst bewachen zu lassen, was auch bis zur Uebergabe der Wacht an die iüdisr-he Wächterorgauisation „Haschomer“ geschehen ist. In dieser Versammlung wurde a"eh über die allgemeinen Maßnahmen, die zum Wolde der Kolonie führen würden, beraten. Um die Einwohnerzahl zu vermehren, wurde beschlossen, das jüdische Arbeiterelement durch Errichtung von Ledigenheimen sow'ie von Familienwohnungen zu stärken, ferner für die Hebung des Gesundheitszustandes Sorge zu tragen. In beiden Hinsichten waren die Bestrebungen von Erfolg gekrönt. Bekanntlich hat der Jüdische Nationalfonds in Chederah ein Arbeiterhaus (Ledigenheim) erbaut, dem in Bälde ein weiterer Flügel angegliedert werden soll. In diesem Ledigenheim befindet sich auch die Arbeiterküche und das Lesezimmer der Arbeiter, und das Ledigenheim dient bereits heute als Sammelpunkt und Stätte der Geselligkeit für die jüdischen Landarbeiter. Auch hat der jüdische Nationalfonds bereits begonnen, in Chederah. 20 Häuschen aus Zementsteinen für die aus Südarabien eingewanderten Juden (Jemeniten) zu erbauen. In Bezug auf die Erbaung von Familienhäusern für verheiratete Landarbeiter ist es Dr. Brünn gelungen, den Verein „Esra“ in Berlin dafür zu gewinnen, dort 25 solche Häuschen im Werte von je 25 Frcs. zu erbauen, von denen zehn Häuschen bereits im laufenden Jahre fertiggestellt worden sollen. Jede Arbeiterfamilie erhält noch außerdem 25 Dunam Boden und 375 Frcs. bar zur Anschaffung von Inventar. Natürlich worden die Arbeiter diese Kredite in einer Reihe von Jahren abzutragen haben. — Auch hat der genannte Verein für den Bau eines Krankenhauses in Chederah 10.000 Frcs. und für die Anlage einer Wasserleitung 20.000 Frcs. bewilligt. Die 20.000 Frcs. für die Wasserleitung w'ird die Kolonie innerhalb zehn Jahren abzahlen. Jetzt w'ird jedes Haus die \Vasserleitung erhalten, die . ihm gutes Trinkw'asser aus einem gesunden Brunnen zuführen wird. Ein besonderes Rohr w'ird nach dem Dreschplatz der Kolonie geleitet werden, um im Falle einer entstehenden Feuersbrunst in Funktion zu treten. Der Motor w'ird mit Eukalyptusholz geheizt, das ja hier in Hülle und Fülle vorhanden ist. Seit Dr. Brünn als Arzt in der Kolonie w'irkt, haben die Kolonisten aufgehört, im Sommer die Kolonie zu verlassen. Der Gesundheitszustand hat sich andauernd gebessert. 'Trotzdem1 hat das hier von dem bekannten amerikanischen Philanthropen Nathan Straus begründete Gesundheitsamt in letzter Zeit die Einrichtung getroffen, daß sämtliche Einwohner, Juden und Araber, täglich eine Dosis Chinin erhalten. Zu* dieser Maßregel ist Dr. Brünn, der Leiter des Gesundheitsamtes, nach seiner Reise durch Ita-* lien, w'o er sanierte Malariagegenden besuchte,. gelangt. Ueber das Gesundheitsamt selbst sowie über manches andere w'ill ich Ihnen demnächst berichten. Kulfosurähler! Gesinnungsgenossen! Die Wählerliste für die diesjährigen Wahlen in den W i e n e r Kultusvorstand liegen bis 14. Oktober im Sekretariate der Kultusgemeinde, Wien,-1. Bez., Seitenstettengasse, III. Stock, auf. Reklamationen wmgen Auslassung wahlberechtigter oder Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen sind bis inklusive 13. Oktober schriftlich in der Kanzlei der Kultusgemeinde einzubringen. Die wahlberechtigten Gesinnungsgenossen werden hiermit aufgefordert, in die Wählerliste Einsicht zu nehmen und sich auch davon zu überzeugen, ob ihre Bekannten in die Wählerliste aufgenommen wurden. Es wird darauf »aufmerksam gem-cht, daß diesmal auch diejenigen Kultussteuerträder. die mit der Steuerzahlung im Rückstände s!nd, Anspruch auf Aufnahme in die .Wählerliste haben und ihr Wahlrecht auszuüben berechtigt sind. Jüöiste Sport. Sonntag, den 29. d. M. fand das Meisterschaftsspiel „H akoah“ gegen „Admir a“ am Hakoah-Sportplatz statt. „Admira“ ist eine Floridsdorfer Mannschaft, die vor drei Jahren die erste Anwärterin auf die Erstklassigkeit w*ar, jedoch durch Zerwürfnisse mit .dem Fußballverbande von diesem ausgeschlossen wurde. Als „Admira“ im Vorjahre um ihre Wiederaufnahme ansuchte, W'urde sie . in die II C-Klasse eingereiht. Sie spielte 16 Meisterschaftsspiele, W'elche sie alle gew’ann und rückte in die II B-Klasse vor. Hier setzte sie ihre Siegesserie fort. Auch dem Sportklub „Hakoah“ w'urde eine Niederlage prophezeit. Doch zeigte sich bei diesem Wettspiele, was ein anderes, höheres Streben als Sucht nach Goalehren aus einer Mannschaft zu machen imstande ist. Der Besuch des Wettspieles w*ar für den neueröffneten Hakoahplatz ein Rekordbesuch: über 500 Zuschauer. Um 4 Uhr pfiff der Schiedsrichter H. Flaumenhaft das Match an. „Hakoah“ legte ein mörderisches Tempo vor, tias von den körperlich weit überlegenen Admi’ra-Spielern mit großer Mühe gehalten wird. Der rechte Flügel „Hakoah“ (Grasgrün, Reiß) ist im Fluge im gegnerischen Felde und Admiras Verteidigung hat' viel Arbeit. Doch bereits in der 22. Minute bekommt Gansl von rechts einen Ball, überspielt

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