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Jüdische Zeitung · 1912-09-25 · 38 (25.9.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
38 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 sie in der gegenwärtigen Wahlkampagne reichlich ausgenützt. Die Wahllosurig der „patriotischen“ Parteien, speziell im Südbezirk, lautet: „Ritualmord“. Und man muß es den Behörden lassen: sie wissen den Grundsatz der Wahlfreiheit hochzuhalten — wenn es sich um die „Rechte“ handelt. Ein Beispiel für viele. Während die unschuldigsten Vorträge über literarische und wissenschaftliche Gegenstände sehr häufig „mit Rücksicht auf die öffentliche .Ordnung“ verboten werden, wurde es dieser Tage dem berüchtigten Pogromhäuptling, Student Golubew aus Kiew, gestattet, in Jekaterinoslaw einen öffentlichen Vortrag über „die rituelle Ermordung Juschtschinskys in Kiew“ abzuhalten. Hotelbau in Jaffa. In dem jüdischen Stadtviertel Tell-Awiw in Jaffa ist der Bau eines guten Hotels ein dringendes Bedürfnis. Der Vorstand des Stadtviertels in Verbindung mit einigen an der Sache interessierten Gesellschaften ist bereit, ein Hotel mit etwa 15 Zimmern zu bauen, falls sich ein im Hötelwesen erfahrener Pächter findet, der genügendes Kapital hat, um die Ausstattung des Hauses und den Betrieb des Hotels auf eigene Kosten zu übernehmen. Wegen alles Näheren wende man sich an das Palästina-Industrie-Svndikat m. b. ,H., Berlin W. 15, Sächsischestraße Nr. 8. Von der Kunstgewerbeschule „Bezalel“ in Jerusalem. Die Arbeiter des „Bezalel“ bereiteten dem Leiter der Anstalt, Herrn Prof. Schatz, bei seiner Rückkehr aus Eurooa einen feierlichen Empfang. Es wurden einige Ansprachen gehalten, und Prof. Schatz erzählte in seiner Erwiderung von den ' Erfolgen der Schule auf den letzten1 Ausstellungen. Bei seinem Aufenthalte in England ist es Prof. Schatz gelungen,-, einige Hundert wertvolle Bücher für die Jerusalemer jüdische Zentralbibliothek zu erhalten. Auch das Museum des Bezalel wurde durch Zuwendung einer Anzahl wertvoller Gemälde bereichert. Eine Konferenz der indischen Turnerschaft in Palästina. Die jüdischen Turnvereine in ■ lerusalem, laffa und Pethach-Tikwah fordern in pinem Aufruf die naiästinensische Jugend auf, Delegierte zu einer Konferenz zu. entsenden, die am 16. Tisrhri stattfinden wird, um die Turnbewegung in Palästina zu organisieren und auszudehnen. Judisther Sport. Nur wenige jüdische Wiene*- Vereinsgründungen haben so erfreu'ich nrosoeriert wie der Sportklub „Hakoah“. Die vierte Generalversammlung. welche Samstag, den 14. d. M. stattfand, zeigte ein geradezu erhebendes Bild des Gedeihens. Aus einer kleinen Tischgesellschaft ist. in verhältnismäßig kurzer Zeit ein Verein mit über 200 Mitg'iede-n geworden, der sich auf allen Gebieten des Snortes nicht nur in jüdischen, sondern in allen Kreisen der größten Anerkennung erfreut. Einen eigenen Sportplatz mit aßen sportlichen Behelfen nennt die „Hakoah“ ihr Eigen, fünf Fußballmannschaften vertreten in Ehren die blau-weißen Farben auf allen Sportplätzen Wiens, und ein reges nationales Leben und treue freundschaftliche Geselligkeit sind durch die „Hakoah“ in Kreise getragen worden, die bisher dem Judentum größtenteils ■ entfremdet waren. Es ist wieder einmal der Beweis erhracht worden, daß keine Organisation die Nationalisierung unseres Volkes in dem Maße fördern.-kann, wie die Turn- und Sportvereine. S a‘m s t a g um1 8 Uhr abends eröffnete der Präsident des. Sportklubs „Hakoah“, Dr. Fritz Löhner, im Klubcafe (Fetzer, Praterstraße), die diesjährige Generalversammlung, welche von fast sämtlichen Mitgliedern des Vereines besucht war. Der Präsident hob insbesondere hervor, daß die „Hakoah“ bis zum heutigen Tage ausschließlich aus eigener Kraft sich in die Höhe gebracht habe- und gab der Hoffnung Ausdruck, daß.. - nunmehr die jüdische Oeffentlichkeit den hohen Wert dieser Organisation anerkennen und den Klub nach Kräften fördern we-de. zumal die „Hakoah“ berufen erscheint, anläßlich des nächsten Zionistenkongresses in Wien ein schönes Bild , des jüdisch-sportlichen Lebens darzubieten. Mit einem „Hedad!“ auf die jüdische Renaissance schloß Dr. Löhner seine Ansprache, welche brausenden Jubel auslöste. Hierauf erstattete I. Sektionsleiter Eisler den Bericht der Fußballsektion. Diese zählt 180 Mitglieder, darunter 62 (in fünf Mannschaften) ausübende. Zu den Mannschaften kam im heurigen Jahre noch die Mannschaft „Old Fellow“ (ein Sportklub jüdischer Bürger) hinzu. Die erste Mannschaft besetzte in den Meisterschaftsspielen der II. B-Klasse den zweiten Platz. Die zweite Mannschaft siegte mit 47:8 (!) Goals in der Junioren-Konkurrenz. Die erste Mannschaft behauptete im Favoritener Tournier unter 22 Vereinen den zweiten Platz, trotzdem sämtliche Wettspiele wegen der Ferien mit Ersatz gespielt werden mußten. Der I. Sektionsleiter ist seit Bestand der zweiten Klasse der erste Jude unter den von 50 Klubs gewählten sieben Vertretern im öst. Fußballverbande. Der II. Sektiönsleiter ist Mitglied des Schiedsrichterkollegiums; speziell ihm werden die schwierigsten Wettspiele anvertraut. Vom Sportklub „Hakoah“ sind derzeit zwei Vertreter Schiedsrichter (phiL.Baar und Weltner). Den Bericht der Schwimmsektion erstattete Ing. Berger. Die Schwimmsektion wurde im Dezember vom Vizepräsidenten Doktor Weinberger gegründet und reihte sich dem Schwimmklub „Austria“ an* Von sieben Mitgliedern ist sie bisher auf 21 angewachsen. Das Training leiteten in hervorragendster Weise Ing. Bernhard („Kadimah“) und der Hakoahner H. Eichberg. Die Sektion trat zum erstenmale beim Wiener Strandfest auf,, bei welchem sechs Mitglieder die 1500 Meter lange Strecke in der schönen Zeit von . acht Minuten zurücklegten. Auf einen großen Erfolg konnte die Sektion bereits beim zweiten öffentlichen Auftreten hinweisen. Der Hakoahner Moritz Graus wurde beim Schwimmen „Quer durch Wien“ unter 18 Schwimmern (darunter sechs Hakoahner) Fünfter. Die Sektion wird höchstwahrscheinlich schon im heurigen Winter sich von der „Austria“ separieren und ihre eigenen Schwimmstunden haben. Exp.-Ak. Rosenberger berichtete über die Sektion Leichtathletik. Diese Sektion wurde im März dieses Jahres gegründet und zählt bereits 30 Leichtathleten. Die Leitung macht es sich zum Prinzip, bei jedem Wettkampfe, ohne Rücksicht auf den eventuellen Erfolg mitzutun, denn sie erachtete dies . als die beste) Trainingsmöglichkeit. Das erste Auftreten der Sektion beim „Jüdischen Sportfeste“ im Juni des heurigen Jahres, das erste Fest dieser Art, war von vollem Erfolge begleitet. Es wurden Zeiten und Leistungen vollbracht,, die sich ruhig neben die bisherigen Leistungen der österreichischen Leichtathleten stellen Tassen. Beim internationalen Meeting des W. A. C. konnte ein zweiter und ein dritter Preis erreicht werden. Beim leichtathletischen Aleeting der. zweitklassigen Klubs besetzte Hakoah, den dritten Platz, wobei Sportbruder Rösenthal den bisherigen österreichischen Rekordim Fußballweitstoßen überbieten konnte:;v,Be*m: Meeting - des Wiener Sportklubs erzielteHakoah einendritten PFatz, ein. Sieg (Hirschler) im Laufen über 1000 Meter wurde wegen Kreuzens annuliert. Hirschler schlug hier den besten derzeitigen österreichischen Läufer über diese Distanz. Diese Erfolge in der Leichtathletik wurden dem; Sportklub „Hakoah“ nur ermöglicht durch die treue Unterstützung des I. Wiener jüdischen Turnvereines und des jüdischen Turnvereines „Fünfhaus“. Als Trainingtag der Leichtathleten wurde von nun ab der Sonntag Vormittag bestimmt. Mit. besonderer Freude wurde die Gründung der Wintersektion (Leitung Herr Felix Brunner) aufgenommen, die bereits im heurigen Winter an den Wettkämpfen teilnehmen wird. Den Bericht über die F e'ch t-s e k t i o n erstattete' med. S i 11 i g. Mitte Jänner a. c. gegründet, zählt die Sektion heute 21 Mitglieder. Anfangs wurde zweimal wöchentlich auf der Bude der „Neure Jehuda“ geübt, später dreimal wöchentlich auf der Bude der „Kadimah“. Das Einpauken wurde bereitwilligst von den Kadimahnern geleitet. Im heurigen.; Jahre wird bereits in einem eigenen Lokale gepaukt unter der Leitung des Fechtmeisters Herrn Karpel. I. Kassier Max H i r s c h erstattet einen ausführlichen Kassabericht, aus welchem hier bloß folgendes zu erwähnen sei: Die Einnahmen betrugen im heurigen Jahre'- 382 K, die Ausgaben durch die Platzvergrößerung und Ausgestaltung 4500 K, so daß der Ptatzfond angegriffen werden mußte. II. Sektionsleiter phfl. B a 3 r„ berichtete über den Sportplatz. Im. Frühjahre . des heurigen Jahres wurde der Floridsdorter' Sportplatz von „Hakoah“ gepachtet. Gleich, 'nach den ersten Matches zeigten, sich die-Mängel.'des Platzes und die unbedingte Notwendigkeitder-Umgestaltung. Unter der Leitung der Hercefi .Qr=. Körner, B a a r und Wagner wurden .die Arbeiten im - Monate Juli m Angriff genommen und Ende August konnte dem Klub ein erstklassiger Spielplatz übergeben werden. Am Platz wurden errichtet: Schlacken-Laufbahn (410 Meter lang, 4 Meter breit), Anlagen für Wurf- und Sprungkorikurrenzen, Turngeräte, Umkleide- und Baderäume, Restauration und Wohnhaus des Platzmeisters, im reservierten Raume Sitzgelegenheiten. Das Fußballfeld, ein Rasenplatz, entspricht mit seinen Dimensionen von 110 Metern in der Länge und 65 Metern in der Breite den Anforderungen eines erstklassigen Fußballfeldes. Vom Sportplätze gelangt man sofort auf den Sommerschwimmplatz (Donauarm) und Ruderplatz. Die Kosten der Renovierung betragen 1800 K. Sportbruder B u r i a n dankte der „Jüdischen Zeitung“ für ihr Entgegenkommen, wodurch sicherlich dem Klub viele Anhänger geworben wurden. Unter stürmischem Beifall beantragt Kantorek, dem scheidenden Ausschuß das Absolutorium zu erteilen. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Präsident: Dr. Fritz Löhner, I. Vize-Präsident: Dr. J. H. Körner, II. Vize-Präsident: Dr. D. Weinberger, I. Sektionsleiter (Fußball): Eugen Eisler, II. Sektionsleiter: phil. Artur B a a r, I. Kassier: Max Hirsch, II. Kassier: Ing. Fritz Baar, 1. Schriftfüher: Exp.-Ak. Ernst Rosenberger, II. Schriftführer: med. Josef Krenberger, Zeugwart: Ing. Fritz Engel und ing. Max Berger, Kassarevisoren: jur. Alfred Schönfeld und Oskar Burian, Schwimmsektion: Moritz Graus, Leichtathletik: Exp.-Ak. Heinrich Rosenthal, Fechtsektion: Ing. Moritz S z i 1 a g y, Beisitzer: Brunner, jur. Katz, Klapper, Wagner und Weinberger. Die erste Mannschaft wählte einstimmig zu ihrem Kapitän Sträußler und zum Vizekapitän Jenö G a n s I, die zweite zum Kapitän Hirsch und zum Vizekapitän jur. Mahl. K. Fußball. Wettspiele von Sonntag, den 22. d. M., Vormittag 9 Uhr: „Hakoah“ III gegen „Wiener Mittelschüler“, 4:2. Der beste Mann bei „Wiener Mittelschüler“ war stud. Frankl. Bei „Hakoah“ spielten zum erstenmale in der III. Mannschaft mehrere Mittelschüler. — V.*2 Uhr: „Hakoah“ II gegen „Normania“ II, 4:1. „Hakoah“ trotz des schlechten Platezs überlegen. — Um 4 Uhr spielte „Hakoah’“ I gegen „Normania“ I das erste Meisterschaftsspiel und gewann überlegen mit 6:1. Voranzeige. Sonntag, den 29. d. M. findet auf dem Sportplätze „Hakoah“ das Meisterschaftsspiel „Hakoah“ gegen „Admira“ statt. „Admira“ ist derzeit die beste zweitklassige Mannschaft und müssen unsere Hakoahner alle ihre Kräfte zusammennehmen, um ein würdiges Resultat zu erzielen. Es ist das erste Meisterschaftsspiel am renovierten Platze und wird ein stärker Besuch ’ erwartet. Beginn 2- Uhr nachmittags. Der Platz ist mit der' 31er-Linie (Augartenbrücke) ambesten erreichbar. K. Schauturnen des jüdischen Turnvereines Nikolsburg. Der junge „jüdische Turnverein Nikolsburg“ debütierte Sonntag,den 3. September mit einem Propagandaturnen, welches unter der Leitung des Herrn cand. med. Herbert Glogau einen über Erwarten glänzenden Verlauf nahm. Die jungen Turnerinnen und Turner zeigten trotz kurzer Vorbereitung erstaunliche Leistungen und bewiesen den überaus zahlreichen Zuschauern, daß der „jüdische Turnverein in Nikolsburg“ ein Feld zu reger Betätigung vor sich habe. Durch diese Veranstaltung wurden die Bestrebungen, dem Turnvereine in weiteren Kreisen Anhänger zu werben, mit vollem Erfolge gekrönt. Der Verein, dessen Bestand nunmehr für die Zukunft gesichert ist, wird bereits in allernächster Zeit in einer eigenen, neuen Turnhalle seine segensreiche Tätigkeit fortsetzen. AUFRUF! Jene Herren und Damen, welche einem zu gründenden jüdischen Turnverein in Döbling beizutreteo beabsichsichtigen, werden gebeten, ihre Adresse bekanntzugeben an Hugo R e c h n i t z e r, XIX. Gebhardtgasse 6. Mitteilungen des i.-ö. Distriktskomitees. Wir verweisen auf den Aufruf des westösterreichischen Zentralkomitees und ersuchen dringend um umgehend Abführung der bisher gesammelten Schekel an das Nationalfondsbüro, Wien, IX., Türkenstraße 9, wo auch neue Schekelblocks erhältlich sind. Wir ersuchen ferner alle Gesinnungsgenossen, die sich an der Sammlung bisher nicht beteiligt. haben, Schekelblocks zu beheben und sich in den Dienst der Sache zu stellen. Simdias Thora-Eest am Samstag, Oen 5. QMober 1912 Im Jüö. Voliisfieiir, ll. SlefanieMe 12

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