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Jüdische Zeitung · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 36 i: H: fi. 1i ' l il ' >A L kt } fr > *! (! i;i! 2 £■ 'n K t;: i f. L i. den Zionismus ausgesprochen,-indes die Sympathieö-klärungen ä Ia; Sombart undyAvenarius immer zahlreicher .werden. vViel.wiehtiger.ist; aber-der- Eindruck, den der v Kongreß auf die Judenschaft Wieus-machen wird. Es ist bekannt, in ..welch .niedriger Weise gerade hier der >Zidnismus verleumdet;und; bekämpft rwird, wie -gerade hier versucht wird, ein611 ■ wahren Zionismus von dem fal- - sehen, den angeblich die Wiener Zionisten vertreten, zu trennen u. dergl. Der Kongreß wird all diesem Lügenwerk ein „ Ende bereiten ,und die Einheit des Zionismus, als nationalpolitische Bewegung, Jdie gegen Assimilation, Reaktion, philantrophische Stümperei und Absolutismus der Plutokratie energisch Front macht, dartun. Dem machtvollen Eindruck des Kongresses wird sich die Wiener Judenschaft nicht entziehen können, auch wenn die Tagespresse und die antizionistischen israelitischen Organe ihn totzuschweigen wagen sollten. Noch bedeutender wird der Kongreß auf ..seine Teilnehmer wirken. Denn erst der Wiener Kongreß wird ein wahres .. Bildv der zionistischen Organisation ge- .ben. . Auf den Kongressen im fernen Westen konnte das Ostjudentum nicht genügend vertreten sein. Welch große Wirkung in bezug.auf Kräftigung der Idee, Stählung des Willens und Einsicht in die eigene Stärke der elfte Kongreß der Organisation bedeuten wird, läßt sich „heute, noch gar nicht ermessen. Denn! nicht nur das Milieu, in dem er abgehal- ^ten, die, Art, in welcher er beschickt .werden wird, sondern auch, das, was ..auf ihm zur Verhandlung kommen wird, •werden dem elften Kongreß ein beson- „4eres. Relief geben. Die neue Leitung .;WilL.dem Kongreß eine viel größere Ar- -..beitsmöglichkeit .einräumen,.• als sie bis- . .her irgend, ein. Kongreß hatte; sie will . den Kongreß, wirklich zu einem jüdischen Weltparlament .ausgestalten, , als . welches , er, von Herzl gedacht war. Wir zweifeln . .nicht, daß -das Engere Aktionskomitee .. jdie „geeigneten Mittel finden wird, um . .dieses Ziel . zu erreichen. Wir begrüßen deshalb. schon heute den Wiener Kongreß mit großer Freude und sind überzeugt, daß die österreichischen Zionisten alles auf bieten werden, ,um sich der Ehre des Kongresses würdig zuerweisen. iitzung des Zentralkomitees ^öep zionisÄn^Opganlsation. Sonntag, -den 1. September wurde in dem neuen Logenhaus des Bne-Brith-Ordens zu Ber- - Iin die Sitzung, des Zentralkomitees der zionistischen Organisation durch den Vorsitzenden des Aktionskomitees, Prof. Dr. O. Warburg, Berlin, ..eröffnet. Zu dieser Tagung waren vom Zionistischen Aktionskomitee 25 Mitglieder, sowie 40 vom ■ Zentralkomitee erschienen. Prof. Warburg gab in seiner Eröffnungsrede einen allgemeinen t>iifeJsrblick: :fiber „die Lage der zionistischen Bewegung und die Arbeiten des letzten Jahres. , Hierauf schilderte das Mitglied des Engeren ■ Aktionskomitees, Herr Dr. Victor Jacobson (Konstantinopel) die allgemeine Lage in der Türkei* wie.,sie sich unter dem Einflüsse des Krieges -und der inneren Verwicklung gestaltet hat. Der ■'Redner führte aus, die. zionistische Bewegung müsse die bisherigen Grundsätze beibehalten, wonach die öffentliche Meinung und die politi- , sehen Kreise der Türkei durch aufklärende Ar- Beit davon zu überzeugen seien, daß ein so menschenarmes und auf Jahrzehnte im wesentlichen auf Agrikultur angewiesenes Land wie Palästina nur durch eine starke Einwanderung sich wirtschaftlich entwickeln könne, -und daß hierfür die Juden das geeignete Menschenmaterial darst eilen. Hierauf beleuchtete ein..anderes Mitglied des Engeren Aktionskomitees, -Herr Sokolow, Berlin, die allgemeinen Grundsätze der zionistischen. Politik. . Prof. «Warburg-- berichtete - sodann speziell über die Tätigkeit, der zionistischen Organisation . in .Palästina und_ betonte,. daß _ die zur Aufforstung . Palästinas: dienende Öelbaumspende, die Palestine Land Development Company, die sich mit dem Erwerb und der Parzellierung ländlicher Grundstücke befaßt, sowie der Ausbau der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem für die nächste Zukunft im Vordergründe der praktischen Palästina-Arbeit stehen müßten. Diese Gesellschaften bilden im Verein mit den zionistischen Bankinstituten (Jewish Colonial Trust in London, Anglo-Palestine Company in Jaffa, Jerusalem, Haifa usw., Anglo-Levantine Banking Company in Konstantinopel) und dem Jüdischen Nationalfonds die wichtigsten kolonisatorischen Instrumente der Bewegung. Im Anschluß daran entwickelt Richard Lichtheim, Berlin, die prinzipiellen Gesichtspunkte der zionistischen Palästinapolitik. Danach sei die unermüdliche Arbeit in Palästina die wichtigste Voraussetzung für alle politischen Erfolge sowie für den Fortschritt der zionistischen Bewegung überhaupt. ln der Nachmittagssitzung vom Sonntag referierte Dr. Tschlenow, Moskau, über die Beob- . achtungen und Eindrücke, die er auf seiner kürzlich unternommenen Palästinareise gesammelt hat. Jakobus Kann, Haag, kritisierte In längeren Ausführungen die palästinensischen Unternehmungen, die auf Anregung von Prof. Warburg begründet worden seien, nach seiner Ansicht aber nicht richtig verwaltet würden. Insbesondere griff der Redner die Berichte über die Geschäftsführung der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem an. Hoofien, Köln, schilderte zahlenmäßig auf Grund seiner Studien an ört und Stelle die Verhältnisse in der KunstgewerbeV schule Bezalel und bei den Oelbaumpflanzungen. Dr. H. G. Heymann, Berlin, widerlegte in sehr entschiedener .Weise die von Herrn Kann erhobenen Angriffe und wies im einzelnen nach, daß die verschiedenen palästinensischen Qesellschaften finanziell sehr gut stünden und wichtige Stützpunkte für das zionistische Kolonisations> werk bildeten. Auch das Mitglied des Engeren Aktionskomitees, Dr. Schemarja Lewin, . Berlin, wandte sich in sehr scharfer und wirkungsvoller Weise gegen den Geist, von dem die Kritik der palästinensischen . Arbeiten getragen sei. Kaplansky-Kaplan* Wien, erörterte in einem gründlichen Referate, eine Reihe, kolonisatorischer Probleme, auf die er bei seinem jüngsten dreimonatigen Aufenthalt in den jüdischen Kolonien Palästinas gestoßen Ist. Er fordert für die Jerusalemer. Kunstgewerbeschule Bezalel, die sich zu einem großen Fabriksbetrieb ausgewachsen habe, die Einführung einer Arbeitsordnung, sowie die Errichtung von Filialen in Safed und Tiberias, damit auch die dortige arme jüdische Bevölkerung in produktive Berufe übergeTührt werde. Die Sitzung wurde um 8 Uhr abends geschlossen. Am Sonntag nachmittags fand ferner eine Sitzung des.Großen. Aktionskomitees statt, in der laufende Angelegenheiten besprochen wurden. Montag den 2. September. Dr. Bodenheim er, der Vorsitzende des Jüdischen Nationalfonds, gibt eine systematische Darstellung der Tätigkeit dieser Institution. Er berichtet über die Oelbaumpflanzung,. die der Nationalfonds angelegt hat, und beantwortet eine Reihe von Anfragen, die an die Verwaltung gestellt wurden. Er teilt mit, daß das Vermögen des Nationalfonds 3 Millionen Mk. .überschritten hat und daß die Einnahmen ständig wachsen. Herr Podlischewsky (Warschau) spricht über die Bedeutung der Palästinaarbeit. Herr Cowen, London, über die Kunstgewerbeschule Bezalel und. die Aufgaben der zionistischen. Organisation . in- England. Herr . Dr. Ha Ipern fordert, daß alle Unternehmungen streng geprüft und gut verwaltet werden, erklärt aber gleichzeitig, daß einzelne Fehler , notwendig, mit unterlaufen müssen, und daß wir im allgemeinen mit den Fortschritten zufrieden, sein können. . Die Privatinitiative müsse angeregt werden. In der Nachmittagssitzung berichtet Herr Dr. Bantke, Berlin, über Organisation, Propaganda und Finanzen. Das Engere Aktions- Komitee vertritt den Standpunkt' daß eine ausgedehnte, agitatorische Tätigkeit nötig sei und daß für politische und kulturelle Aufgaben größere Mittel als bisher beschafft .werden müssen. Die Finanzlage sei günstig, da es gelingen werde, die laufenden Ausgaben des abgeschlossenen Rechnungsjahres aus den laufenden Einnahmen zu 'decken. Für das nächste Jahr schlägt das Engere Aktions-Komitee einen Etat vor, der Ausgaben und Einnahmen in Höhe von 200.000 Mark vorsieht. Herr Wolffsohn, Cöln, rät zur Sparsamkeit und meint, daß verschiedene Ausgaben, die das Engere Aktions-Komitee vorsieht, überflüssig seien. Herr Julius Simon, Mannheim, bekämpft diese Ausführungen. Eine Aufwendung größerer Mittel sei nötig, um die Bewegung in großzügigem Maße weiter zu führen. Herr Dr. Alexander Marmörek, Paris, spricht über die allgemeine Situation der zionistischen Bewegung. Er will den politischen Charakter gewahrt wissen, der nach seiner Meinung immer mehr in den Hintergrund trete. Letzte Nachricht. (Telegramm der Jüdischen Zeitung.) In der Mittwochsitzung wurde beschlossen, den nächsten (elften) Kongreß in Wien abzuhalten. Rundschau. Theodor Gomperz. Der am 29. August im Alter von 80 Jahren verstorbene Theodor Gomperz gehörte wegen seiner außerordentlichen Gelehrsamkeit und seiner bedeutenden wissenschaftlichen Werke zu den representatives men der österreichischen und internationalen Gelehrtenweit. Sein bekanntestes und umfangreichstes Werk „Griechische Denker“ wird mit Recht als ein Standard work in einem Atemzuge mit Curtius’ griechischer oder Mommsens römischer Geschichte genannt. Umso erstaunlicher ist es, daß Theodor Gomperz, Hessen umfassende-Bildung und . weitreichenden Kenntnisse von jedermann hervorgehoben werden, vom Judentum und der Judenfrage keine blasse Ahnung hatte, wiewohl gerade er, als Nachkomme eines der bekanntesten Judengeschlechter und als eines der fünf jüdischen Herrenhausmit-( glieder, zufolge des Satzes „Wissenschaft verpflichtet“, sich doch hätte Mühe nehmen können, das Judenproblem wenigstens in seinen Umrissen kennen zu lernen. Wie wenig Theodor Gomperz vom Judentum und seinen Problemen begriff, bewies am schlagendsten sein Eingreifen in der Angelegenheit der jüdischen, Kurie für den Bukowinaer Landtag. Wir behaupteten damals, daß er In seiner Unkenntnis des gegenwärtigen Judentums, seiner Verkennung der jüdisch-nationalen Bewegung und irregeleitet durch oberflächliche Schlagworte und Verleumdungen der Assimilatiqnsblätter von der „Neuen Freien Presse zu einer (Stellungnahme (mißbraucht wurde, welche ihm berechtigte Verachtung 'eintrug. Einige Zeit später revidierten wir unsere ° MeiH nung: leider zu Ungunsten Theodor Gomperz’, denn wir konnten in seinen Memoiren nachlesen, daß er als achtzigjähriger Mann bedauerte, im Judentum, das ihm unnützer Weise viele Schwierigkeiten bereitet habe, unmotivierter Vorurteile .wegen .verharrt zu haben. Also: krasseste Be- . kündung von Fahnenfluchtsgesinnung und umso unsympathischer, als dieses schöne Seelenbekenntnis von einem Achtzigjährigen, der des Lebens Höhen erreicht hat, gemacht wurde. De mortuis nihil nisi — veritas — getreu diesem Grundsatz vermögen wir im Heimgegangenen — abgesehen von seiner zweifellos überragenden wissenschaftlichen Bedeutung — nur einen Abfalljuden zu sehen, der seinem Volke für die empfangenen Gaben („Leibliche und geistige Nüchternheit als Erbteil seines Stammes“, wie Geheimrat Crusius in der „Neuen Freien Presse“ richtig hervorhob) sehr wenig Dank wußte. Wilhelm Goldbaum. Vorige Woche starb in Wien der 'Redakteur der „N. Fr. Presse“ Wilhelm Goldbaum, einer fiir,gesunde,u.kranke Kinder soivie.Mepenlsidende. „ VerhüiBl u.besBjligf ßrecjidurthfflll. Diarrhoa.Darmkflfarrh. 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